Interviews mit der BMPCC aufzeichnen (Ton intern und in ProRes mit Film Log für Hauttöne belichten)

18. März 2015 | Schlagworte: - - - - - - - - -

Als ich das erste Mal mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) Interviews aufzeichnen wollte, stand ich vor zwei Problemen (mindestens): Wie kriege ich eine gute Tonaufnahme hin? Und wie belichte ich im Film Log und mit ProRes-Codec optimal für Hauttöne? Für beide Fragen stelle ich hier meine Arbeitsweise vor. Wer andere, vielleicht sogar bessere Methoden gefunden hat: Ich bin für jede Anregung in den Kommentarfeldern dankbar.

Die Tonaufnahme

Die BMPCC ist nicht gerade berühmt für ihre Tonqualität – auch dann nicht, wenn man ein recht hochwertiges externes Mikrofon anschließt. Der Sound klingt einfach dünn, und wenn man den Eingangspegel in der Kamera zu hoch dreht, wird die Aufnahme von einem starken Rauschen überlagert. Für Interviews also eigentlich unbrauchbar. Daher zeichnen viele BMPCC-User den Ton auch separat auf und synchronisieren ihn anschließend im Schnitt.

Wenn man allerdings ein recht starkes Signal in die Kamera speist, lässt sich eine brauchbare Qualität herauskitzeln. Für folgendes Beispiel-Interview habe ich die Sennheiser EW100 G2-Funkstrecke, das Rode Videomic Pro und den passiven Beachtek MCC-2-Adapter verwendet. Damit kann man beide Mikrofone gleichzeitig anschließen, das Tonsignal splitten und die beiden Tonkanäle in der Kamera unterschiedlich stark auspegeln, also ganz so wie man es von einem professionellem Camcorder gewohnt ist.

Vielen Dank an Markus Böhnisch, der sich für diesen Test kurz vor meine Kamera gesetzt hat. Kleinigkeit am Rande: Markus, der selbst seit mehr als 15 Jahren als Videojournalist arbeitet, spricht in dem Soundcheck kurz über seine erste Kamera, die legendäre Canon XM1 und findet, dass es nach all der DSLR-Schrauberei endlich mal wieder Zeit wird für eine gut bedienbare und vor allem für Videojournalisten taugliche Kamera mit großem Sensor. Wenige Tage nach unserer Aufnahme erschien dieser sehr lesenswerte Artikel in den Redshark News, der genau in dieselbe Richtung geht.

Für das Video oben habe ich das Audio-Menue in der BMPCC wie folgt konfiguriert:

Einstellungen im BMPCC-Audio-Menue

Bei diesen Einstellungen habe ich mich vor allem auf die Erfahrungen der Firma Beachtek verlassen, die in ihrem Blog Ergebnisse verschiedener Messungen veröffentlicht. Dort ist unter anderem nachzulesen, dass das beste Signal-Rausch-Verhältnis bei der BMPCC dann erreicht wird, wenn man die Eingangspegel der Kamera auf 50% stellt. Aber Vorsicht: Blackmagic hat diesen Wert in der Vergangenheit mit diversen Firmware-Updates immer mal wieder verändert, ohne darüber öffentlich auch nur ein Wort zu verlieren. Für die aktuelle Firmware (Version 2.0.1) scheinen 50% aber nach wie vor das Optimum zu sein.

Beim Rode Videomic Pro schalte ich die +20 dB-Verstärkung ein, die Empfindlichkeit (Menuepunkt “Sensitivity”) des Funkstrecken-Senders meiner Sennheiser EW100 G2 stelle ich auf -10 dB und die Stärke des Ausgangspegels am Empfänger (Menuepunkt “AF-Out”) auf Lev +00.

Rode Videomic Pro und Sennheiser EW100 G2

Mit dieser Kombination kommt ein starkes Signal in der Kamera an, das ich – je nach Intensität der Stimme des Interviewpartners – über das Potenziometer sogar noch etwas dämpfen kann. Beim Videomic Pro ist das nicht nötig, denn selbst bei sehr kurzem Abstand zum Interviewpartner ist das Signal auf keinen Fall zu stark. In meinem Beispielvideo oben beträgt der Abstand zum Interviewpartner etwa 1,50 Meter. Bei klarer und deutlicher Sprache schlägt der Tonpegelmesser in den Spitzen etwa bis -18 dBFS aus, was später im Schnitt also noch deutlich angehoben werden muss, je nachdem welchen Referenzpegel man erreichen will (für Broadcast-Anwendungen normalerweise -9 dBFS, fürs Web mische ich meistens auf -6 dBFS ab). Das nachträgliche Anheben des Tons verstärkt natürlich das Rauschen.

Anders bei der Funkstrecke, die noch einmal deutlich stärker ist. Dort versuche ich das Signal in den Spitzen in Richtung -9 dBFS zu pegeln, was ich mit den Tonpegelmessern der BMPCC auch sehr genau überprüfen kann. Aber Vorsicht: Die Kamera verfügt über keinerlei Limiter. Die Gefahr von Übersteuerungen, die man sofort auf dem Kopfhörer hört, ist also sehr groß. Daher empfehle ich, für Interviews ausschließlich die Funkstrecke an die BMPCC anzuschließen. Der Beachtek MCC-2 hat an seiner Vorderseite neben den beiden Eingängen für unterschiedliche Mikrofone auch noch eine weitere Stereobuchse. Schließt man den Funkstrecken-Empfänger daran an und schaltet an der Rückseite die Kanaltrennung ein (Schalterstellung “S”), wird ein und dasselbe Tonsignal auf die beiden Kanäle der BMPCC verteilt.

Beachtek MCC-2

Den ersten Kanal pegelt man dann etwas offensiver, den zweiten auf Sicherheit. Sollte der erste Kanal also mal übersteuern, weil der Interviewpartner irgend etwas sehr laut ausgesprochen hat, rettet mich der zweite Kanal. Diese Arbeitsweise habe ich bisher bei allen Interviews mit der BMPCC angewandt – und jedes Mal gab es irgendeine Stelle, an der ich auf den zweiten Kanal zurückgreifen musste.

Wer Reportagen mit der BMPCC dreht und sowohl eine Funkstrecke (z.B. für einen verkabelten Protagonisten) als auch ein Videomic Pro (für Atmo und spontan sich ergebende Dialoge) verwendet, sollte den Kanal der Funkstrecke von vornherein etwas defensiver pegeln.

Die Belichtung

Um die richtige Belichtung zu treffen, verfügt die BMPCC über zwei Messinstrumente: Das Histogramm und das Zebra-Muster. Letzteres lässt sich aber nur bis 75 IRE zurückregeln. Daher eignet es sich nicht besonders gut, um Hauttöne anzumessen, vor allem nicht, wenn man mit dem Film Log aufzeichnet. Besser also, man schließt einen externen Monitor an, der über präzisere Messinstrumente verfügt.

Ich benutze dazu den Zacuto EVF, der über zwei Zebra-Muster verfügt, die dummerweise aber zeitgleich angezeigt werden, was ich etwas verwirrend finde. Daher habe ich das zweite Zebra komplett abgeschaltet (im Monitor muss man es dazu auf 109 IRE stellen, dann ist es aus). Das erste Zebra-Muster habe ich auf 50 IRE gestellt.

Zacuto EVF Einstellungen Zebra-Muster

Warum 50? Weil Hauttöne von Mitteleuropäern im Film Log der BMPCC ungefähr bei 50 IRE angesiedelt sein müssten, zumindest haben das meine eigenen Tests bestätigt.

Zacuto EVF mit Zebra-Muster auf 50 IRE an der BMPCC

Wer es nachprüfen will, sollte sich eine Graukarte besorgen und sich auf die Information verlassen, dass Mittelgrau im Film Log der BMPCC bei exakt 38.4 IRE positioniert ist (siehe dazu den kompletten und sehr lesenswerten Thread auf BMCuser.com). Wenn man jetzt das Zebra-Muster des Zacuto EVF auf 38 IRE stellt, einen Interviewpartner gut ausleuchtet und die Belichtung auf der Graukarte direkt vor dem Gesicht des Interviewpartners misst, wird man später im Schnittprogram (nach Hinzufügen eines LUT) sehen, dass die Hauttöne dort liegen, wo sie klassischerweise hingehören, also etwa bei 70 IRE für die hellen Partien.

Interview mit Graukarte bei 38.4 IRE im Film Log der BMPCC

Da man vor allem beim schnellen und nicht-szenischen Drehen kaum mit einer Graukarte arbeitet, sondern zügig zu guten Belichtungen kommen muss, nimmt man eben – wie üblich – die Haut als Referenz. Nach Ansel Adams Zonensystem liegt Mittelgrau in Zone V, mitteleuropäische Hauttöne in Zone VI bzw. sehr helle Haut in Zone VII, also etwa eine bis eineinhalb Blenden darüber. Übersetzt in das Film Log der BMPCC sind eine bis eineinhalb Blenden über Mittelgrau also etwa 50 IRE.

Mit dieser Methode bin ich bisher zu recht guten Ergebnissen gekommen und kann sie guten Gewissens weiterempfehlen.

Das Angénieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv an der BMPCC

30. Oktober 2014 | Schlagworte: - - - - -

Das Video zeigt verschiedene unzusammenhängende Aufnahmen, die lediglich einen kleinen und komplett unwissenschaftlichen Einblick verschaffen können, welche optischen Eigenschaften das Angénieux 17-68mm f/2.2 Zoom-Objektiv aufweist. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Ich weiß nicht, aus welchem Jahr genau mein Angénieux 17-68mm f/2.2 stammt, aber als erstes Zoom-Objektiv für Filmkameras wurde es vermutlich irgendwann zwischen 1956 und den 70er Jahren hergestellt. Irgendwie ein schöner Gedanke, dass so alte Technik aus der Gründerzeit der Cinéma vérité-Bewegung heute noch wertvolle Dienste an modernen Digitalkameras leisten kann. Was dieses Objektiv wohl alles schon gesehen hat?

Das Angénieux 17-68 hat zweifelsohne seinen ganz eigenen Charakter, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Ich mag die Blendenflecke, die bei Gegenlicht auftreten und es stört mich auch überhaupt nicht, dass das Objektiv nicht annähernd so scharf ist wie moderne Linsen, schon gar nicht bei offener Blende. Dass Schärfenverlagerungen fast aussehen wie kurze Zoomfahrten – so ausgeprägt ist der als Focus Breathing bekannte und meist unerwünschte Effekt -, nehme ich mit Respekt vor dem Alter des Objektivs natürlich in Kauf. So sahen die bewegten Bilder damals eben aus.

Was es heute eher zum Gelegenheitsobjektiv an der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) macht, sind für mich eigentlich nur drei Dinge:

  • Der Brennweitenbereich von 17mm bis 68mm ergibt am BMPCC-Sensor Normalsicht bis Tele, ich bevorzuge aber eher Reportage- bis Normalsicht.
  • Die kürzeste Scharfeinstellung beträgt 1,20 Meter. Oft will ich aber näher heran.
  • Das Objektiv hat einen C-Mount und lässt sich mit einem günstigen Adapter an das MFT-System der BMPCC anschließen. Doch solche Adapter sind leider meistens so ungenau, dass die Distanzangaben bei den Schärfeeinstellungen des Objektivs nicht mehr stimmen. Die Schärfe lässt sich zwar auf unendlich stellen, weicht aber von der der Markierung ab. Das lässt sich nur mit zusätzlichen Abstandshaltern beheben, die zwischen den Objektivanschluss und den Adapter gefummelt werden müssen. Wegen dieser Ungenauigkeiten kann ich leider auch nicht beurteilen, ob das Objektiv tatsächlich parfokal ist (ich würde vermuten: ja).

Haptisch ist das gerade mal 400 Gramm leichte Angénieux wirklich gut und passt in seiner Größe perfekt zur BMPCC. Der Blendenring läuft stufenlos und ebenso weich gedämpft wie der Zoom- und der Schärfering. Schade nur, dass beim Fokussieren das gesamte Frontelement rotiert und seine Länge verändert. Aber anders war das damals vermutlich technisch nicht zu lösen.

Da das Objektiv für damalige 16mm-Kameras konzipiert wurde, die BMPCC aber einen etwas größeren Super16-Sensor (siehe Vergleich) hat, besteht die Gefahr, dass der Bildkreis der Linse nicht groß genug für die Sensorfläche ist und im kürzeren Brennweitenbereich Randabschattungen auftreten.

Zum Glück betrifft das bei dem Angénieux aber nur den Anfangsbrennweitenbereich von 17mm. Und das auch nur, wenn man die Schärfe in den absoluten Nahbereich von 1,20 Meter legt und mit größeren Blendenzahlen arbeitet. Stellt man die Schärfe auf unendlich, bilden sich selbst bei der größten Blendenzahl 22 keine Ränder, wie folgende Abbildung zeigt.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf unendlich

Zum Vergleich: Liegt die Schärfe im Nahbereich, bilden sich bei Blende 22 deutliche Ränder, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf 1.2m

…die auch bei Blende 16 noch deutlich zu sehen sind, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 16, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 11 weniger ins Gewicht fallen, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 11, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 8 fast nicht mehr sichtbar sind…

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 8, Schärfe auf 1.2m

…und ab Blende 5.6 komplett verschwinden.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 5.6, Schärfe auf 1.2m

Zoomt man nur ein wenig, sind Randabschattungen – unabhängig von Scharfeinstellung und Blendenöffnung – gar kein Thema mehr.

Allerdings gelten die oben gezeigten Darstellungen nur, wenn man absolut gar keinen Filter vor das Objektiv schraubt. Doch einen ND-Filter wird man fast immer benötigen, wenn man tagsüber draußen dreht. Dummerweise sind Filter an diesem Objektiv wahrlich eine Wissenschaft für sich, da das Objektiv mit absolut unüblichen Gewinden daherkommt.

Bei meinem Objektiv war ein Serie 7-Filterhalter dabei, der direkt vor das Objektiv geschraubt war. Damals waren solche Filterhalter üblich, und das Frontgewinde von Serie 7 beträgt ziemlich genau 54mm. Die Filter, die ich an anderen Objektiven einsetze, sind nahezu alle 58mm groß.

Also habe ich versucht, mir einen Stepup-Ring von 54mm auf 58mm zu besorgen. Der einzige Hersteller, den ich ausfindig machen konnte, ist Heliopan. Dumm nur, dass Heliopan den 54mm auf 58mm-Ring nicht mehr im Programm hat, dafür aber noch einen Ring von 54mm auf 55mm (Heliopan Nr. 190). Den also bestellt und zusätzlich noch einen 55mm auf 58mm-Adapter, was dann so aussieht:

Filterring Nr. 190 von Heliopan (54mm auf 55mm) in Kombination mit Serie 7-Adapter

Schraubt man das ganze vors Objektiv, tauchen zwei Probleme auf: Erstens führt diese Lösung zu starken Randabschattungen, die mit den Abbildungen oben nicht mehr zu vergleichen sind und erst bei ca. 20mm Brennweite verschwinden. Und zweitens: Das 54mm-Gewinde des Serie 7-Filterhalters hat keine gewöhnliche 0,75mm-Steigung, sondern unübliche 36 Gänge pro Zoll. Dreht man den Stepup-Ring in den Serie 7-Filterhalter, geht das zwar bis zu einem bestimmten Punkt, hält aber nicht richtig und überdreht dann. Mit Gaffer-Tape lässt es sich immerhin fixieren, aber das ist eher eine Notlösung.

Die zweite Alternative lässt den Serie 7-Filterhalter komplett außen vor und ist leider auch keine Ideallösung, weil sie ebenfalls zu Randabschattungen führt, wenn auch nicht ganz so gravierenden.

Das Objektiv hat ein 45mm-Frontgewinde, naheliegend wäre also ein Filteradapter von 45mm auf 58mm – doch den hat Heliopan nach Aussage meines Fachhändlers auch nicht mehr im Programm. Wohl aber einen 45mm auf 55mm-Adapter (Heliopan Nr. 195), den ich mit einem 55mm auf 58mm-Adapter kombiniert habe.

Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Weil das Gewinde dieses Ringes eine 0,5mm-Gewindesteigung hat, lässt er sich ebenfalls nicht perfekt ins Obektivgewinde (mit 36 Gängen pro Zoll) schrauben. Er sitzt schon nach einer kurzen Drehung so fest, dass man ihn lieber nicht weiterdrehen will.

Angenieux 17-68mm f/2.2 mit Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Ich gebe mich mit dieser Lösung erstmal zufrieden. Wer sich das Angénieux 17-68mm ebenfalls für seine BMPCC anschaffen will und nach einer Lösung für die Filterfrage sucht, könnte z.B. ausprobieren, das Objektiv am vorderen Ende mit Gaffer-Tape zu umwickeln, um anschließend einen 55mm auf z.B. 67mm-Adapterring drüber zu stülpen. Dieser müsste nachträglich noch fixiert werden, z.B. mit Superkleber. Danach lässt sich ein mit 67mm groß genug bemessener ND-Filter anbringen, sodass es keinerlei zusätzliche Randabschattungen geben sollte. Einfach mal ausprobieren.

Wer noch weitere Infos zum Angénieux 17-68mm f/2.2 sucht, sollte auf Vintage Lenses for Video vorbeischauen und sich außerdem die Kommentare unter diesem sehenswerten Video auf Vimeo durchlesen.

Mauerpark, Berlin (BMPCC + Panasonic 12-35)

14. September 2014 | Schlagworte: - - -

Das Video zeigt ein paar spätsommerliche Bilder vom Mauerpark in Berlin. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Wegen der Halben-Preis-Aktion neulich ist die kleine Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) noch einmal deutlich populärer geworden. Und wer, wie ich, die meiste Zeit seines VJ-Daseins mit 8 Bit-Kameras, 4:2:0-Farbauflösung und stark komprimierenden Codecs gearbeitet hat, wird das Material der BMPCC sehr zu schätzen wissen.

Das Video oben habe ich in ProRes 422 (also in 10 Bit, 4:2:2) bei 800 ASA im Film Log-Modus der Kamera gedreht. Eine einigermaßen adäquate Belichtung vorausgesetzt, kommt dabei zunächst etwa folgendes heraus:

Videostill aus dem Mauerpark-Video im FCPX-Farbkorrektur-Tool, unbearbeitet

Das entsättigte Bild, das im Idealfall einen deutlich höheren Dynamikumfang hat als Bilder üblicher Videokameras (die in Rec. 709 nach dem Prinzip “what you see is what you get” aufzeichnen), muss also nachträglich bearbeitet werden. Was – wenn man es einfach hält – nicht sonderlich schwierig ist. Bei einem korrekten Weißabgleich kommt man schon mit sehr wenigen Mitteln zu einem guten Ergebnis. Für das Video haben mir die FCPX-Bordmittel vollkommen ausgereicht.

Bei fast allen Bildern habe ich lediglich die dunklen Bereiche ein wenig heruntergezogen, sodass die Luma-Wellenform in den unteren Bereichen die 0 IRE-Marke erreicht. Die hellen Bereiche habe ich hingegen Richtung 100 IRE-Marke heraufgezogen, die Mitteltöne nach Bedarf etwas angepasst und anschließend etwa 100% Sättigung hinzugefügt. Wie gesagt, das ist alles sehr einfach gehalten, aber schon lässt sich mit den Bildern arbeiten.

Videostill aus dem Mauerpark-Video im FCPX-Farbkorrektur-Tool, bearbeitet

Ein paar Worte noch zur Belichtung. Wer Raw dreht, ist mit dem ETTR-Prinzip sicher am besten bedient. Meine Erfahrung mit ProRes zeigt, etwas defensiver zu belichten (eine Art “mildes ETTR”), dem Sensor also etwas mehr Licht zu geben als bei der Belichtung mit einer gewöhnlichen Videokamera, bei der man ja schon während des Drehs möglichst exakt arbeiten muss. Wer sich da tiefer einarbeiten will, kann z.B. mit folgenden Quellen starten:

Für das Beispielvideo habe ich das Panasonic 12-35 f/2.8-Objektiv verwendet, das am MFT-Sensor bspw. der GH2/GH3/GH4 bzw. AF101 ja schon eine sehr gute Wahl für journalistische Arbeit ist. Am Super16-Sensor der BMPCC, deren Crop-Faktor 2.88 beträgt, ergibt sich also ein für den visuellen Journalismus sehr übliches Sichtfeld von umgerechnet ca. 35mm (Reportage) bis 100mm (Porträt).

Vor das Objektiv habe ich das Hoya UV IR-Cut Filter (da die BMPCC bekanntermaßen anfällig für Infrarot-Licht ist, vor allem in Kombination mit stärkeren ND-Filtern) und das Heliopan Vario ND Filter (Slim-Fassung) geschraubt. Beide Filter haben ein 58mm-Gewinde und lassen sich kombiniert vor dem Objektiv anbringen, ohne dass sich Randabschattungen ergeben.

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