Fünf verschiedene Mikros fürs iPhone 7 und die besten Audio-Settings dazu in FiLMiC Pro

10. März 2017 | Schlagworte: - - - -

Fünf verschiedene Mikros, die ich mit dem iPhone7 einsetze

Wer als Video- oder Radiojournalist arbeitet, hat im Laufe der Jahre vermutlich eine kleine Sammlung an Mikrofonen für unterschiedliche Zwecke aufgebaut. So war es zumindest bei mir. Und da ich das iPhone nur gelegentlich fürs Aufzeichnen von Interviews oder spontanen O-Tönen verwende, habe ich mir auch keine speziellen Smartphone-Mikros gekauft, sondern greife lieber auf Bestehendes zurück.

Im Laufe der Zeit sind bei mir u.a. die oben abgebildeten Mikros zusammengekommen:

  1. Das Sennheiser ME64 mit K6-Speiseadapter,
  2. das Sony ECM-MS907,
  3. das RØDE Lavalier,
  4. das RØDE VideoMic Pro und
  5. das RØDELink Filmmaker Kit (das ich mit dem Lavalier-Mikro ME2 von Sennheiser einsetze).

Alle dargestellten Mikros lassen sich mit mehr oder weniger einfachen Adapterkabeln am iPhone nutzen (dazu später mehr). Da das iPhone 7 nicht mehr über eine 3.5mm-Miniklinkenbuchse verfügt, muss man das zum Standardzubehör gehörende Adapterkabel (Lightning auf 3.5mm-Klinke) einsetzen.

Für jedes Mikro habe ich in einem ruhigen Raum einmal sechs einfache und sehr vergleichbare Sprachaufnahmen gemacht und gestestet, mit welchen Einstellungen in FiLMiC Pro die besten Resultate herauskamen. Der ganze Test ist natürlich weit davon entfernt, wissenschaftlich genau zu sein, da ich die verschiedenen Aufnahmen nicht in einem Studio oder einer Sprecherkabine gemacht habe, sondern in einem recht stillen Raum mit geschlossenen Fenstern, durch die ganz leicht gedämpft kaum hörbarer Straßenlärm eindrang – eine Situation also, die recht typisch für eine Interview-Aufzeichnung sein kann. Insofern geben die Ergebnisse mit Sicherheit die richtige Richtung vor, die dem ein oder anderen vielleicht helfen können.

Wichtig war mir, eine gewisse Aussteuerungsreserve einzuhalten, so dass die Peaks bei normal lauter Sprache möglichst niemals an der 0 dBFS-Grenze kratzen (im Idealfall erreichen sie maximal möglichst häufig 6 bis 9 dB unter der Vollaussteuerung). Genauso wichtig ist natürlich eine möglichst rauscharme Aufnahme, wie man es von professionellen Camcordern oder Audiorekordern gewohnt ist. Bestenfalls wäre der Rauschteppich unterhalb von -50 dBFS angesiedelt, doch ohne einen zusätzlichen Mikrofonvorverstärker ist das mit drei der fünf Mikros schwierig. Das RØDE VideoMic Pro und das RØDE Filmmaker Kit verfügen über einen +20 dB-Schalter, mit dem der Ausgangspegel entsprechend erhöht werden kann, bevor das Signal an die schwachen A/D-Wandler des iPhones übergeben werden. Dasselbe Prinzip also wie bei der Arbeit mit DSLR/DSLM-Kameras, über das ich hier bzw. hier mal etwas aufgeschrieben hatte.

In FiLMiC Pro gibt es mehrere Möglichkeiten, das eingehende Tonsignal zu verstärken, was natürlich immer auch mit einer Verstärkung des Rauschens einhergeht. Mit der „Automatic Gain Correction“ (kurz AGC) im Audio-Menue lässt sich zunächst einmal festlegen, ob das Tonsignal vollautomatisch oder manuell ausgesteuert werden soll. AGC würde ich grundsätzlich aktivieren, solange ich ausschließlich mit den internen iPhone-Mikros drehe.

Automatic Gain Correction in FiLMiC Pro

Da im iPhone mehrere Mikrofone eingebaut sind, ist „iPhone Mikrofon, Hinten“ im FiLMiC Pro-Audiomenue immer dann die beste Wahl, wenn ein Interview aufgezeichnet werden soll. Denn so wird das Mikrofon verwendet, das sich direkt neben der Kamera befindet, die auf den Gesprächspartner gerichtet ist. Sobald ein externes Mikro angeschlossen wird, muss „Headset-Mikrofon“ als Quelle ausgewählt werden. Wird das Mikrofon nicht erkannt, könnte ein Neustart der App helfen.

Außerdem lässt sich über den den kleinen Pfeil links oben der Audio Gain-Slider aufrufen. Damit lässt sich das Signal manuell verstärken, unlogischerweise auch dann, wenn die „Automic Gain Correction“ aktiviert ist. Normalerweise verhalten sich Camcorder aber anders: Entweder wird der Ton vollautomatisch ausgesteuert. Dann wäre so ein Regler völlig funktionslos. Oder der Ton wird manuell über den Regler ausgesteuert. In FiLMiC Pro hingegen lässt sich ein vollautomatisch ausgesteuerter Ton zusätzlich noch über den Slider verstärken, warum auch immer. Folgende Grafik zeigt den Slider auf der Mittelstellung, auf 3/4 und auf maximal (wichtig, um meine folgenden Empfehlungen für die einzelnen Mikrofone besser abschätzen zu können).

Audio Slider in FiLMiC Pro

1. Sennheiser ME64 mit Speiseadapter K6

Dieses Mikrofon dürften viele Videojournalisten in ihrer Kameratasche haben. Es verfügt über eine Nierencharakteristik und ist recht kompakt. Daher bringe ich es in einer Spinne gern direkt an der VJ-Kamera an. Wenn ich es am iPhone verwende, ist ein spezielles Adapterkabel nötig. Wer ein Talent fürs Basteln hat, kann sich solch ein Kabel auch nach dieser Anleitung selbst zusammenlöten (ganz am Ende zeigt der Autor des Videos ein paar Sekunden lang einen Schaltplan, aus dem alles Notwendige hervorgeht).

Wenn ich das Mikrofon wie bei einem Interview üblich etwa auf 30 cm Abstand zum Mund halte und normal laut spreche, habe ich die besten Resultate mit folgenden Einstellungen erzielt: AGC an und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Peaks von Extremlauten landeten dann bei -8 dBFS und im Mittel etwa bei -14 dBFS. Das Grundrauschen lag bei -43 dBFS.

Ähnlich gut waren die Ergebnisse mit abgeschaltetem AGC und dem Audio Gain-Slider auf 3/4. In meinem Test erreichten die lautesten Stellen dann -8 dBFS, die durchschnittlich lauten Passagen etwa -13 dBFS. Das Rauschen lag bei für iPhone-Verhältnisse akzeptablen -40 dBFS.

2. Sony ECM-MS 907

Das kompakte Sony-Stereomikro besitze ich seit fast 15 Jahren und habe es damals sowohl an einem MD-Rekorder als auch an der (legendären) Canon XM1 verwendet. Auf dem Gebrauchtmarkt scheint es auch heute noch gut gehandelt zu werden. Es verfügt über eine Nierencharakteristik und man kann den Richtwinkel der Aufnahme auf 90 oder 120 Grad stellen (für meinen Test habe ich 120 Grad eingestellt). Das Mikrofonkabel endet auf eine übliche Stereo-Miniklinke, die ein Adapterkabel wie dieses oder dieses benötigt, um es ans iPhone anschließen zu können.

Leider ist das Mikrofon sehr unempfindlich und daher kann ich es auch nicht für das iPhone empfehlen. Um überhaupt etwas Brauchbares herauszuholen, muss man das Mikro auf mindestens 10 cm an den Mund heranführen, also fast schon in den Nahbesprechungsbereich gehen, der die Tiefen stark überbetont und die Gefahr von Plopp-/Zischlauten mit sich bringt.

Unter diesen Einschränkungen habe ich die besten Ergebnisse mit diesen Einstellungen erzielt: AGC aus und Audio Gain-Slider ganz oben. Heraus kam dabei eine Sprachaufnahme, deren Peaks bei Extremlauten etwa -12 dBFS erreichten, im Mittel aber eher -15 dBFS. Das Grundrauschen lag bei angenehmen -52 dBFS. Prinzipiell liest sich das alles sehr gut, aber die starken Bässe und die Plopplaute sind nicht gerade schmeichelhaft fürs Gehör. Und sobald man den Nahbesprechungsbereich verlässt, kommt nur noch ein sehr dünnes Signal an.

3. RØDE Lavalier

Dieses Ansteckmikrofon ist eigentlich Teil des RØDELink Filmmaker Kits (siehe 5), aber man kann es auch einzeln kaufen. Es verfügt über die für Lavalier-Mikrofone recht übliche Kugelcharakteristik und wird knapp oberhalb der Brust des Interviewpartners angebracht, also etwa 20 cm vom Mund entfernt. RØDE hat sich ein eigenes System ausgedacht, um Kabel und Mikrofonkapseln zu adaptieren. Um das Lavalier ans iPhone anzuschließen, benötigt man das MiCon-11-Kabel, das gleichzeitig als notwendige Verlängerung des recht kurzen Mikro-Kabels dient.

Gut brauchbare Ergebnisse habe ich mit folgenden Einstellungen in FiLMiC Pro erzielt: AGC an und Audio Gain-Slider auf 3/4. Extrem-Peaks landeten dann bei -9 dBFS, normale Peaks bei -12 dBFS, das Grundrauschen etwa bei -48 dBFS. Zum Vergleich: Zieht man den Audio Gain-Slider bei eingeschaltetem AGC ganz nach oben, landeten die lautesten Peaks bei gefährlichen -2 dBFS, die mittleren Peaks bei -6 dBFS und das Grundrauschen bei noch verträglichen -41 dBFS.

Das Mikro ist auf jeden Fall eine gute Wahl für alle, die ihre Gespräche gern in ruhigen Räumen aufzeichnen, sich dabei hinsetzen, das iPhone auf ein Stativ stellen, ein wenig Distanz schätzen und lieber das Mikrokabel zum Interviewpartner verlegen als einen langen Arm zu machen.

4. RØDE VideoMic Pro mit +20 dB-Verstärkung

Dieses Mikrofon mit Supernierencharakteristik ist wohl der Klassiker für DSLR-Filmer, die Synchronton aufnehmen und nicht mit separaten Audio-Rekordern arbeiten. Die +20 dB-Verstärkung hilft den schwachen A/D-Wandlern solcher Kameras (wie ich es beispielsweise hier im Interview-Tutorial mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera beschrieben habe) und natürlich denen von Smartphones auf die Sprünge. Das Prinzip funktioniert so: Wenn ein starkes und möglichst rauscharmes Signal in die Kamera gespeist wird, kann man die mit Rauschen verbundene Verstärkung der Kamera relativ niedrig einstellen. Dadurch siedelt sich der Rauschteppich deutlich niedriger an. Um das VideoMic Pro ans iPhone anschließen zu können, wird ein Adapterkabel wie dieses oder dieses benötigt.

Da das Mikrofon für eine Blitzschuh-Halterung konzipiert ist, befestige ich es direkt am Handgriff, in den ich das iPhone eingespannt habe. Das hat den Vorteil, dass das Mikro beim Interview direkt in die richtige Richtung zielt. Allerdings muss es dann einen Abstand von etwa 60 cm zur Schallquelle überbrücken. Das ist in etwa die Distanz, die man beim Interview einhält, um mit dem recht weitwinklingen iPhone-Objektiv eine angemessene Naheinstellung aufzuzeichnen.

iPhone 7 mit VideoMic Pro und +20 dB-Einstellung (Foto: Frerk. Danke!)

Unter diesen Umständen scheinen die bestmöglichen Einstellungen in FiLMiC Pro folgende zu sein: AGC aus und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Peaks bei Extremlauten erreichten damit etwa -9 dBFS, die Peaks der normalen Sprache etwa -12 dBFS. Das Grundrauschen siedelte sich bei akzeptablen -46 dBFS an. Ich halte das VideoMic Pro für eine wirklich gute Wahl für iPhone-Videoreporter, die häufig spontane Interviews auch in lauteren Umgebungen aufzeichnen müssen und alles kompakt in einer Hand halten wollen, ohne sich in Kabelsalat zu verstricken.

5. RØDELink Filmmaker Kit mit +20 dB-Verstärkung

Eine Funkstrecke an ein Smartphone anzuschließen klingt für mich nicht gerade sehr naheliegend, aber wer weiß, vielleicht gerät man ja mal in eine Situation wie diese, und dann ist es gut zu wissen, wie man das Ganze konfigurieren sollte. Hinweis am Rande: Ich nutze das Filmmaker Kit nicht mit dem zum Lieferumfang gehörenden RØDE Lavalier, sondern mit dem ME2-Lavalier von Sennheiser (ein Überbleibsel aus einer ausrangierten Funkstrecke). Die Ergebnisse werden sich also möglicherweise ein wenig von der Standard-Ausstattung unterscheiden.

Der Sender des RØDELink Filmmaker Kits verfügt, ähnlich wie das VideoMic Pro, über einen +20 dB-Schalter, der das Ausgangssignal deutlich verstärkt. Um den Empfänger ans iPhone anschließen zu können, muss man das zum Lieferumfang gehörende 3.5mm-Stereo-Klinkenkabel adaptieren. Dazu eignet sich zum Beispiel dieses oder dieses Kabel.

Wenn ich das Mikrofon etwa knapp oberhalb der Brust anbringe (ca. 20 cm Abstand zum Mund), verzerrt das Signal bei eingeschaltetem AGC grundsätzlich, egal ob der Audio Gain-Slider mittig, auf 3/4 oder ganz oben steht. Die besten Resultate lieferten schließlich diese Einstellungen: AGC aus und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Extrem-Peaks erreichten damit etwa -4 dBFS, die durchschnittlichen Peaks landeten bei -9 dBFS, das Grundrauschen lag bei -41 dBFS. Wem das Signal bereits zu stark ist, sollte den Audio Gain-Slider noch ein wenig nach unten ziehen.

Übrigens: Sämtliche Messungen habe ich mit den recht genauen Tonpegelmessern in Final Cut Pro X gemacht. Und wer einen kompakten Überblick über Apps, Mikros, Kabel, Halterungen, Beispielfilme etc. fürs iPhone haben will, für den ist meine gelegentlich aktualisierte Linkliste vielleicht ein guter Start.

Ein kurzer Hinweis zum Schluss: Ich verlinke ungern auf Shop-Seiten. Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich das aber manchmal schwer vermeiden. Deshalb nochmal deutlich: Bei allen Links auf R73.net handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

Ogg Theora, WebM und MP4-Video für HTML5 mit FFmpeg kodieren

3. März 2017 | Schlagworte: - -

Als Notiz zum Nachschlagen an mich selbst (und für alle, die es auch gebrauchen können): Um selbst gehostete Videos in allen möglichen Browsern abspielen zu können, braucht man – wenn man es möglichst sauber umsetzen will – mehrere verschiedene Versionen, die aus ein und derselben Quelldatei generiert werden.

Wenn nicht schon geschehen, sollte man sich als MacOS-Nutzer zuerst einmal Homebrew installieren, anschließend FFmpeg mit zusätzlichen Bibliotheken. Also Terminal öffnen und

brew install ffmpeg --with-fdk-aac --with-ffplay --with-freetype --with-libass --with-libquvi --with-libvorbis --with-libvpx --with-opus --with-x265 --with-theora

eingeben. Nur falls FFmpeg bereits zuvor in einer minimalen Konfiguration installiert war, muss man es vor der erneuten Installation löschen mit

brew uninstall ffmpeg

Sollte die Installation also geklappt haben, werden die Videos wie folgt kodiert (in diesem Fall alle mit 5000 Kbps für den Videostream und 128 Kbps für den Audiostream)…

Ogg Theora:

ffmpeg -i quelldatei.mov -c:v libtheora -c:a libvorbis -b:v 5000k -b:a 128k -ar 44100 -vf scale=1920:1080 zieldatei.ogg

WebM:

ffmpeg -i quelldatei.mov -vcodec libvpx -b:v 5000k -c:a libvorbis -ac 2 -b:a 128k -ar 44100 -vf scale=1920:1080 zieldatei.webm

MP4:

ffmpeg -i quelldatei.mov -c:v libx264 -b:v 5000k -minrate 5000k -maxrate 5000k -bufsize 1835k -c:a aac -b:a 128k zieldatei.mp4

Um Homebrew und FFmpeg künftig auf dem laufenden zu halten:

brew update && brew upgrade ffmpeg

Anwendung natürlich auf eigene Gefahr.

Ehemaliger ABZV Videoreporter jetzt unter videoreporter.aufnahme.net

25. Februar 2017 | Schlagworte: -

Die ABZV, das Bildungswerk der Zeitungen, musste ja leider Ende 2016 seinen Geschäftsbetrieb aufgeben, weil die wichtigste Finanzquelle weggefallen war. Im Zuge dessen fehlte natürlich auch das Geld, um den ABZV Videoreporter weiterzuentwickeln.

Die Website samt der 16 Kurzdokus rund um Medienmacher und deren Arbeitsweisen habe ich aus der Liquidationsmasse komplett übernehmen können und stelle sie nun als Archiv unter videoreporter.aufnahme.net weiter zur Verfügung.

Die Videos, die ich zwischen 2012 und 2016 in Zusammenarbeit mit Beate Füth produziert habe, sind nach wie vor unter Creative Commons-Lizenz zur weiteren Nutzung unter gewissen Einschränkungen freigegeben (Folgen 1 bis 12 unter CC BY-NC-ND 3.0 DE, Folgen 13 bis 16 unter CC BY-ND 4.0).

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