Archiv für Juni 2006

Was ich an der DVX 100 schätze…

28. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Ich bin von Kollegen in letzter Zeit häufiger gefragt worden, welche Kamera ich Ihnen empfehlen würde, um Video-Material für das Web zu drehen, das gleichzeitig für das Fernsehen taugt. Ohne für mich in Anspruch nehmen zu können, einen umfassenden Überblick über alle derzeit für Videojournalisten am besten geeigneten DV-Kameras zu haben, empfehle ich guten Gewissens immer wieder die DVX 100 von Panasonic.

Was mich an dem Gerät im Hinblick auf die Anforderungen meines Jobs überzeugt:

  • Die Bildqualität ist beeindruckend.
  • Alle Bedienelemente sind leicht zugänglich über mechanische und großzügig dimensionierte Schalter.
  • Der Schärfering ist groß und ohne Hindernisse zu bedienen.
  • Die Zoomwippe kann abgeschaltet werden. Alternativ kann über einen manuellen Ring gezoomt und aufgezogen werden.
  • Mit einem zweistufigen ND-Filter kann der Lichteinfall gedämpft werden. Daraus ergibt sich ein viel größerer kreativer Spielraum im Umgang mit der Blende und der Schärfentiefe von Bildern bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen.
  • Das Display ist sehr groß und hoch aufgelöst.
  • Es gibt einen Modus, mit dem sich die Schärfe von Objekten in Bildern über das Display viel besser beurteilen lässt.
  • Neben den Presets (3200K/5600K) gibt es zwei Speicherplätze für manuell ermittelte Weißabgleichwerte.
  • Der Bildstabilisator arbeitet überzeugend, was sich bei Aufnahmen mit langer Brennweite oder freihand geführter Kamera immer wieder bestätigt.
  • Über XLR-Stecker können zwei Mikrofone angeschlossen werden. Die Spannungsversorgung erfolgt wahlweise über Phantomspeisung.
  • Die beiden Tonkanäle können unabhängig voneinander gepegelt werden.
  • Der Shutter kann individuell eingestellt und jederzeit zugeschaltet werden. Das ist gut bei Aufnahmen von alten Röhrenmonitoren oder Fernsehern.
  • Der Sucher ist sehr groß dimensioniert.
  • Und, was nicht unwichtig ist: Die Kamera liegt gut in der Hand.

Zahlreiche Meinungen, Problemlösungen und Tipps rund um die DVX werden bei DVXuser.com ausgetauscht.

Auch auf die Gefahr hin, dass es albern wirkt, möchte ich es trotzdem anmerken: Ich stehe in keinerlei Beziehung zu dem Unternehmen Panasonic. Ich erhalte weder Geld noch andere Zuwendungen dafür, das ich diese Kamera an dieser Stelle empfehle. Ich nutze sie lediglich für meine Arbeit, und das sehr gern.

“Screens” als Programmführer durchs Web

27. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Jeder redet über Online-Video, viele Redaktionen bauen ihre Aktivitäten aus – zuletzt Spiegel Online, demnächst wohl auch Focus Online. YouTube zeigt uns, welchen Spaß man mit selbstgemachten Clips haben kann, andere Plattformen wie Dailymotion, myvideo oder Revver ziehen nach. Doch wer soll sich das alles noch angucken?

Screens heißt ein neues Blog der New York Times. Die Autorin Virginia Heffernan hat sich vorgenommen, so etwas wie ein Programmführer durch den Dschungel zu sein:

“Screens” will find, review and make sense of all those senseless new images: web video, viral video, user-driven video, custom interactive video, embedded video ads, web-based VOD, broadband television, diavlogs, vcasts, vlogs, video podcasts, mobisodes, webisodes, mashups and more.

Eigentlich kann man ihr nur viel Glück wünschen und eine Menge Durchhaltevermögen. Der erste Kommentar in ihrem Blog bringt es auf den Punkt.

(via Digitaler Film)

Musiknutzung online, Renommee Agent

27. Juni 2006 | Bisher 3 Kommentare »

Wer Musik in seinen online veröffentlichten Videos verwenden will, dem stehen mehrere Wege offen: Entweder ein GEMA-pflichtiges Musikstück lizenzieren, was nicht ganz so einfach ist. Oder für nicht-kommerzielle Zwecke ein Netlabel, das unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht, fragen.

Mit dem Renommee Agent, derzeit noch in der Beta-Phase, lässt sich GEMA-freie Musik demnächst recht einfach lizenzieren. Die Plattform hilft zunächst bei der Suche nach dem geeigneten Musikstück für das geplante Vorhaben. Das auf der Website eingesetzte Flash-Interface lässt sich dabei äußerst angenehm bedienen.

Der Preis für eine Lizenz richtet sich ganz nach dem Vorhaben. Musik für Reportagen, die im Fernsehen ausgestrahlt werden sollen, ist zum Beispiel teurer als Musik für ein Online-Videocast.

Für private Videoblogger ist der Renommee Agent aber vermutlich keine Alternative. Der Preis für die einmonatige Nutzung eines Musikstücks beispielsweise aus der Rubrik “Funk” soll mehr als 1000,- Euro kosten. Da ist die GEMA dann wohl doch billiger.

Ein Interview mit dem Erfinder des Renommee Agent hat Moritz Sauer in seinem Magazin Phlow veröffentlicht.

Revver.com / Videos tarifieren

25. Juni 2006 | Bisher 4 Kommentare »

Wer Videos auf Seiten wie YouTube veröffentlicht, ist in erster Linie vermutlich daran interessiert, damit Aufmerksamkeit zu erlangen. Den meisten Usern mag das reichen.

Wer aber Geld mit Videos im Internet verdienen möchte, müsste sich sein eigenes Vermarktungsmodell ausdenken – also zum Beispiel Werbepartner finden, denen man attraktive Werbeformen anbietet. So etwas ist mühsam und kommt daher für viele wohl nicht in Frage.

An dieser Stelle kommt Revver.com ins Spiel. Revver funktioniert ähnlich wie YouTube: User laden ihre Clips hoch, versehen sie mit Tags usw. Der Unterschied: Revver bietet seinen Usern das Vermarktungsmodell, das YouTube bisher fehlt.

Am Ende jedes Clips soll Werbung eingeblendet werden – allerdings kein mehrsekündiger Clip (der, wie auf vielen anderen Websites klassischerweise vor das Video geschaltet wird und erstmal vom User ertragen werden muss), sondern lediglich ein Standbild mit Links. Ganz egal, wo das Video auftaucht – der Werbelink bleibt ständiger Teil des Clips.

Revver sieht darin eine innovative Werbeform, denn:

Unlike most online video ads, which appear before a video, a Revver ad does not stand between a viewer and the content that they care about. When a viewer sees a revver ad, they have already watched the content they are interested in and are far more willing to pay attention to sponsorship messaging.

Jedes Mal, wenn auf einen solchen Link am Ende des Videos geklickt wird, wird der Urheber dafür mit 20 Prozent am Erlös beteiligt.

Obwohl Revver längst nicht so populär ist wie YouTube, dürfte das Beteiligungsmodell viele User – vor allem professionelle Video-Autoren oder Video-Blog-Betreiber – ansprechen. Vermutlich wird YouTube nachziehen und seinen Usern ein ähnliches Modell anbieten – der Zeitpunkt wäre gerade richtig.

Videoblogger wie der in den USA bereits sehr populäre ZeFrank veröffentlichen ihre Videos bereits ausschließlich über Revver und bitten die User sogar, die Clips nicht auf Seiten wie YouTube hochzuladen. Das würde das ganze Modell nämlich wieder kaputt machen.

Revver setzt übrigens bei der Video-Kodierung ausschließlich auf Quicktime. Eine Flash-Lösung wäre – gerade bei der immensen Verbreitung von Flash – auf Sicht vermutlich besser.

Weitere Infos zu Revver.com bei Digitaler Film und Basic Thinking.

Ein sehenswertes Video-Portrait über ZeFrank gibt es bei der New York Times.

3. internationaler VJ-Award

22. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Noch bis zum 1. September können Videojournalisten ihre Werke zur Teilnahme am 3. internationalen VJ-Award in Berlin einreichen. Preise gibt es in mehreren Kategorien zu gewinnen, unter anderem Reportage. Sympathisch daran ist unter anderem, dass die Einreichungen nicht ausgestrahlt worden sein müssen – so haben auch Newcomer und Seiteneinsteiger eine Chance.

Ein großer Teil der Einreichungen vom vergangenen Jahr ist auf der Website Videomission.com archiviert. Ein netter Ort im Netz, an den ich immer mal wieder zurückkehre und mich von einem Video, das ich noch nicht kenne, überraschen lasse.

Unter denen, die ich mir bisher angesehen habe, finde ich den Dreiteiler Looking for Love in London von BBC-VJ Mike Kraus absolut sehenswert. Er dokumentiert auf ironische Art und Weise seine Versuche, eine Partnerin in London zu finden. Temporeich und witzig mit vielen überraschenden Bild- und Schnittideen.

Auch die Serie The Flying Limburger von Geert Verdickt ist definitiv einen Blick wert. Verdickt ist als VJ mit einem Wohnmobil (samt Fahrer) durch 10 verschiedene Länder in Europa gefahren und hat täglich einen Bericht an seinen Sender TV Limburg geschickt. Verblüffend sind die Tricks im Schnitt, mit denen er gearbeitet hat.

Auf Schritt und Tritt mit… Volker Beck ist ein Portrait des Grünen-Politikers, das ausschließlich vom Frage-Antwort-Spiel des Autors Markus Engelhardt und Beck lebt. Interessant zu sehen, wie Engelhardt es geschafft hat, sich trotz der Dialoge, die fast ausschließlich im Gehen stattfinden, immer noch auf die sehr ruhige Kameraführung zu konzentrieren. In einer Szene wird deutlich, wie er das geschafft hat: Als die beiden in einen verspiegelten Fahrstuhl gehen, ist Engelhardt samt eines Schwebestativs vor der Brust für einen kurzen Moment zu sehen.