Archiv für Juni 2006

Citizen Video Reporter, Authentizität

22. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Das Schöne an Videoblogs kann sein, dass die Macher auf einer Ebene sind mit ihren Usern. Sie erzählen ihre Geschichten mit bewegten Bildern auf Augenhöhe. Beim oft durchformatierten Fernsehen mit all seinen künstlich wirkenden Inszenierungen kann man das ja nicht unbedingt behaupten.

Als ich gestern auf dieses 3:46 Minuten kurze Video in dem Weblog Minnesota Stories stieß, war ich jede Sekunde lang davon gefesselt.

Die Story: Fette Hagelkörner fallen vom Himmel, mitten im Sommer. Offenbar eine Folge des Klimawandels. Ein junges Paar hat das mit der Videokamera festgehalten und man erlebt nun mit ihnen diesen Moment. Einen Teil ihrer Tomatenpflanzen im Garten haben sie verloren, aber ein paar konnten sie retten. Das Ganze wirkt extrem authentisch, aber niemals reißerisch. Wenn die Kamera Unschärfen zeigt, ist das egal. Wenn zu wenig Licht da ist, macht das auch nichts.

Das Konzept von Weblogs wie Minnesota Stories, die ihre User dazu aufrufen, persönliche Geschichten in Videos zu verpacken und als lokale Bürgerjournalisten selbst zu erzählen, ist übrigens keineswegs neu.

Die BBC hatte schon vor mehr als zwei Jahren die Idee, ihre Nutzer als Videoreporter zu gewinnen. Capture Wales ist ein solches Projekt, in dem walisische Bürger ihre eigenen Geschichten erzählen. Mitarbeiter der BBC unterstützen sie kostenlos bei technischen Fragen, geben Videokurse etc.

Ob sich die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland auch irgendwann mal so weit öffnen werden?

click.tv

22. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

click.tv ist einer der innovativsten Ansätze in Sachen Web-Video, von denen ich in letzter Zeit gelesen habe.

Das Prinzip ist einfach: Statt ein linear streamendes Video zu veröffentlichen, bei dem man maximal vor- und zurückspulen kann, lassen sich über das Flash-Interface von click.tv an beliebigen Stellen Kommentare im Video von Usern hinterlegen. Diese dienen dann gleichzeitig als Sprungmarken und werden direkt unter dem Video angezeigt.

Was zurzeit noch nicht funktioniert, aber sicher demnächst möglich sein wird: Deep Links aus einem x-beliebigen Dokument im Internet heraus auf bestimmte Stellen im Video, also zum Beispiel auf den O-Ton eines Politikers.

Wann Video online funktioniert

21. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Viele nachvollziehbare Tipps und Anregungen, die Steve Bryant in seinem Artikel What works in online video news? für das Online Journalism Review zusammengetragen hat.

Wie könnte ein Nachrichtenangebot wie beispielsweise heute.de aussehen, wenn nur ein paar der Anregungen dort konsequent umgesetzt würden?

Vermutlich wäre die rechte Spalte (”Mediathek”) viel länger als jetzt. Denn statt der wenigen Schlagworte, die das Video beschreiben, stünde dort für jedes Video ein aussagekräftiger Teaser, der den Nutzern verrät, was sie erwartet, wenn sie das Video aufrufen.

Wahrscheinlich würden auch die Artikel, die mit Videos “angereichert” werden, etwas anders aussehen. Denn bisher macht das Ganze den Eindruck von “Shovelware”, herübergeschaufelten Beiträgen aus dem Fernsehen, die 1:1 ins Netz gehoben wurden.

Warum wird auf Videos nicht gezielt hingetextet? Warum werden sie nicht zum bereichernden Bestandteil des Artikels gemacht, statt sie einfach nur in der linken Spalte dranzuflanschen?

Site editors and producers agree that context is the most important element in drawing consumers in. Since news sites cover a wide range of topics, and because watching video is a relatively large time investment, its important to help the user identify exactly what she will be watching.

Musiknutzung online, GEMA

21. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Als Fiete und ich unseren Trailer zum Dokumentarfilm “Alltag Überwachung” online veröffentlichen wollten, hatten wir ursprünglich vor, ihn auf Musik des Berliner Künstlers Apparat zu schneiden. Daraus wurde allerdings nichts.

Denn wer so etwas in Deutschland machen und sich dabei rechtlich auf sicherem Boden bewegen will, muss schon eine Menge Geld übrig haben. Die GEMA verlangt laut ihres Tarifs VR-W 1 für die Einbindung eines Musikwerkes 25,00 Euro zzgl. 7 Prozent Mehrwertsteuer. Monatlich. Und dabei ist es egal, ob die Site gewerblich oder privat betrieben wird.

Etwas übertrieben, finde ich.

Der Preis gilt für Angebote, deren Seiten mit Musiknutzung bis zu 25.000 mal pro Monat abgerufen werden. Überprüfen kann die GEMA die tatsächliche Anzahl der Abrufe vermutlich nicht, da sie - meines Wissens - kein Zählsystem wie etwa die IVW anbietet.

Wir haben den Trailer schließlich umgeschnitten und Musik des Netaudio-Künstlers Blamstrain, der teilweise beim Netlabel Kahvi Collective unter Creative Commons-Lizenzbedingungen veröffentlicht, nutzen dürfen. Mit zwei, drei freundlichen Emails war die Sache geregelt. Kostenlos.

Videos traffic-freundlicher laden

19. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Auf vielen Websites werden Videos ausschließlich im Flash-Format angeboten. Aus redaktioneller Perspektive ist das keine schlechte Wahl, will man doch das größtmögliche Publikum erreichen. Das Flash-Plugin ist (nach Hersteller-Angaben) viel weiter verbreitet als sämtliche Player-Alternativen wie Real, Windows Media oder Quicktime.

Wenn ich mir allerdings die Videoplayer auf bekannten Nachrichten-Sites in Deutschland anschaue, taucht immer wieder dasselbe Problem auf: Sie streamen nicht richtig. Beispiel: Der “Miniplayer” in der rechten Spalte auf der Startseite von Focus Online. Drückt man “Play”, wird das Video so schnell wie möglich geladen, und zwar komplett in einem Durchgang. Mit einer durchschnittlichen DSL-Verbindung sind die Videodaten also nach etwa einer halben Minute beim Nutzer angekommen.

Was aber, wenn der Nutzer nach 30 Sekunden feststellt, dass ihn die restlichen 2:30 Minuten nicht mehr interessieren? Er wird vermutlich stop drücken bzw. weitersurfen. Von den 100% übertragenen Videodaten hat er dann nicht einmal 20% angesehen. Pure Verschwendung. Ich habe zwar keine Ahnung, wieviel ein Großabnehmer wie Focus Online für 1 Gigabyte Datenverkehr zahlen muss - aber vermutliche ließe sich eine Menge Geld sparen.

Dasselbe Problem tritt auch bei Spiegel Online, YouTube, Google Video, Yahoo Video, MyVideo, Dailymotion etc. auf.

Insofern gehen Websites wie tagesschau.de oder heute.de, die Standard-Player wie Real oder Windows Media mit ausgereifter Streaming-Technik einsetzen, besser mit der wertvollen Ressource “Traffic” um.

Einen gut programmierten und sauber streamenden Flash-Videoplayer setzt c|net news ein. Dieses Video beispielsweise ist der Mitschnitt einer Pressekonferenz mit Bill Gates, der seine neue Rolle bei Microsoft erklärt. Dabei werden paketweise immer nur soviele Daten vorgeladen, wie auch tatsächlich benötigt werden, um das Video gerade noch ohne Aussetzer anschauen zu können - mehr aber nicht. Drückt man auf Pause, werden auch keine Daten mehr geladen.