Archiv für Juli 2006

Current TV Survival Guide

30. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Current TV, der von Al Gore vor etwa einem Jahr ins Leben gerufene TV-Sender, gestaltet sein Programm nach eigenen Angaben zu etwa einem Drittel mit Beiträgen von Usern.

Denen gibt der Sender handfeste Tipps im Survival Guide mit auf den Weg: Dort wird in mehreren Episoden anschaulich erklärt, worauf es bei der Produktion von TV-tauglichen Videos ankommt.

  • So geht es im “Storytelling Guide” um Ansätze, wie man einen Beitrag aufbauen kann, welche Stories funktionieren usw. Die Beispiele sind sehenswert.
  • Der “Gear Guide” zeigt, welche Dinge neben einer Kamera benötigt werden, um Material für das TV und das Web zu drehen.
  • Im “Shooting Guide” wird erklärt, wie man die ganzen Tools einsetzen sollte, um beispielsweise einen sauberen Sound aufzunehmen bzw. die Protagonisten vernünftig auszuleuchten.
  • Der “Editing Guide” verschafft einen kurzen Überblick über Schnittsoftware und wie sie funktioniert, bevor es im letzten Teil, dem “Compression Guide”, ausschließlich um die richtigen Parameter für die Komprimierung der Videos geht.

Der Survival Guide gibt den superschnellen Überblick über alles, was mit Video-Produktion für das Web bzw. das TV zu tun hat. Details sind dabei natürlich nicht zu erwarten.

2006.videojournalismus.org

18. Juli 2006 | Bisher 10 Kommentare »

Der erste und zunächst leider auch letzte Jahrgang des Projekts “Video- und Backpack-Journalismus” am Institut für Journalistik der Uni Dortmund hat soeben seine Video-Website mit einigen Arbeiten veröffentlicht.

Im Großen und Ganzen ist das Seminar-Konzept aufgegangen: Ausgestattet mit der am Markt üblichen Technik für Videojournalisten haben acht Studierende gemeinsam mit mir als “Coach” ein Jahr lang ausprobiert und gelernt, wie man solo Beiträge für das Fernsehen und das Internet produziert.

Gearbeitet haben wir mit folgender Hard- und Software:

  • Gedreht wurde mit vier Kameras des Typs Panasonic DVX 100.
  • Tonaufnahmen wurden mit den Sennheiser-Mikrofonen ME66 und MKE2-60 gemacht.
  • Als Stativ wurde das Sachtler DA75L mit dem DV1-Kopf eingesetzt.
  • Außerdem wurde in den üppig dimensionierten Porta-Brace-Rucksäcken, die die ganze Technik fassten, jede Menge Kabel, eine Videokopfleuchte, Ersatzakkus, Tapes und Kopfhörer untergebracht.
  • Geschnitten wurde sowohl auf vier Notebooks (IBM Thinkpad mit 2 GB RAM) und einer größeren Workstation.
  • Als Schnittsoftware wurde Avid XPress Pro HD eingesetzt.
  • Für weitere Arbeiten kamen Adobe Audition (Tonmischung), Adobe Photoshop (Grafikbearbeitung), Adobe Dreamweaver und Flash (Aufbereitung des Rohmaterials fürs Web) sowie Sorenson Squeeze (Kompression der Videos in unterschiedlichste Formate) zum Einsatz.

Machen, machen, machen – darauf basierte im Prinzip das gesamte Seminar. Denn nur so erlangt man – eine angemessene Einweisung natürlich vorausgesetzt – die notwendige Routine im Umgang mit der Technik. Und nur durch Routine ist es möglich, dass die Technik bei der journalistischen Arbeit hilft statt zum Hindernis zu werden.

Das Feedback der acht Kurs-Teilnehmer fällt unterschiedlich aus. Beispielweise schreibt eine Teilnehmerin in unserem über die gesamte Lehrveranstaltung geführten internen Weblog:

Die Arbeit als Backpack-Journalist hatte für mich vor dem Projekt zwei Seiten. Auf der einen standen Flexibilität, Unabhängigkeit und Kreativität, auf der anderen aber auch Unsicherheit und die Gefahr, sich zu verzetteln. Meine Hoffnung war, dass mehr Übung und Routine durch das Projekt das Gewicht eher auf die positive Seite des Backpack-Journalismus legen würden. Zwar habe ich diese Seite im Laufe des Jahrs weiter schätzen gelernt, aber genauso auch gemerkt, dass mir die Arbeit im Team und das Profitieren voneinander einfach fehlen.

Eine andere Teilnehmerin schreibt:

Es gibt aber auch Situationen, in denen ich die von Markus Böhnisch vorgestellte Version “VJ 2.0″ für sinnvoller halte. Aktuelle Berichterstattung für Nachrichtensendungen zum Beispiel ist ohne zweiten Mann nur sehr schwer umsetzbar. [...] Der VJ ist ein Journalist, der alleine arbeiten kann – aber nicht muss. So würde ich die Arbeit des VJ charakterisieren. Ich kann, wenn ich möchte und es nötig ist, alleine sendefähige Beiträge produzieren. Ich kann alleine Texte fürs Internet aufbereiten und Flash-Präsentationen bauen. Aber ich muss es nicht unbedingt alleine machen. Ich kann mir auch Hilfe holen – sei es, um die Abläufe um die Dreharbeit an sich zu strukturieren (Orga-Kram) oder um kreative Hilfe und Anregung beim Schnitt zu bekommen.

Vier Augen sehen eben einfach mehr als zwei – sei es bei den Dreharbeiten oder anschließend in der Post-Produktion. Und ganz klar: Der fachmännische Umgang mit der Technik erfordert viel Gerhirnschmalz und zuweilen Nerven, was während der Dreharbeiten zu Lasten des Inhalts gehen kann.

Trotzdem gibt es auch positivere Einschätzungen. So schreibt ein Teilnehmer:

Meine Meinung zum Thema Videojournalismus hat sich stark gewandelt. Inzwischen bin ich deutlich euphorischer – und viel weniger kritisch. Nach den Erfahrungen mit der Panasonic-Kamera würde ich behaupten: Ein VJ-Beitrag, der gut geplant ist und bei dem genug Zeit für die Umsetzung vorhanden ist, kann genau so gut aussehen, genau so gut klingen und genau so inhaltlich gut sein, wie ein Beitrag, der von einem Team produziert wird. [...] Ich habe inzwischen gemerkt, dass ich sehr gerne alleine arbeite. Ich finde, dass man so eine ganz andere Beziehung zu seinen Protagonisten aufbauen kann. Besonders im Interview zahlt sich das aus.

Erfreulich, dass das Dortmunder Erich-Brost-Institut dieses Projekt finanziell überhaupt erst möglich gemacht hat. Bedauerlich hingegen, dass die Förderung von vornherein auf ein Jahr begrenzt war. Deswegen kann dieses Seminar nicht erneut angeboten werden – obwohl der Arbeitsmarkt endlich mal wieder Journalisten nachfragt, und zwar genau solche mit diesen Fähigkeiten.

Videokonsum online, Studie

18. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Laut einer Studie (PDF; 1.69 MB) der Online Publishers Association kehrt eine Mehrzahl der Video guckenden Nutzer immer wieder zu denselben zwei bis fünf Websites zurück, um sich dort zu bedienen. Außerdem akzeptieren immerhin 39 Prozent der User Pre-Roll-Werbung, die länger als eine halbe Minute dauert.

Diese und viele weitere Zahlen wurden zwischen dem 1. und 9. Februar 2006 erhoben. Befragt wurden insgesamt 1.241 Internet-User aus den USA im Alter zwischen 12 und 64 Jahren.

Was TV-Journalisten wissen sollten

17. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

All TV reporters, anchors, producers and writers should learn how to write for the web — and they should know the basics of non-linear editing. Looking to hire a new reporter? Give the candidates a web writing test and an editing test. See if they know how to structure a quote. See if they know how to edit a VO. Tell every J-school that you’re doing this. Spread the word. Writing for the web and editing video are the new universal skills for journalists. And with these new skills, our web producers can shift from being copy editors to being web producers — people who add interactive value to stories and develop new storytelling approaches that involve our audiences.

Einer von zehn Punkten, die Fernsehjournalisten heute im Hinterkopf haben sollten, wenn sie an ihren Job in Zukunft denken.

Video-Beiträge, Syndikation

14. Juli 2006 | Bisher 2 Kommentare »

Anfang kommender Woche wird die Nachrichtenagentur Reuters die Testphase ihres Video Affiliate Networks beenden und den Dienst freigeben.

Das heißt: Wer eine Website betreibt, kann einen Reuters-Videoplayer an beliebiger Stelle einbinden. Darin laufen dann – ständig aktualisiert – die wichtigsten Nachrichtenfilme des Tages.

Die Nutzung dieses Dienstes ist für Website-Betreiber kostenlos. Reuters will seine Einnahmen durch Unterbrecher-Werbung erzielen, die auf diesem Wege sehr weit gestreut werden dürfte.

Mit Revver.com gibt es bereits ein ähnliches Vermarktungsmodell für private Autoren. Dort angebotenes Video-Material darf überall genutzt werden. Am Ende jedes Clips wird ein “Werbebild” eingeblendet, das dann angeklickt werden kann und zur beworbenen Produkt-Website führt.

Egal wo sich das Video befindet: Die Werbung ist immer dabei, auch wenn das Video bereits auf der lokalen Festplatte gespeichert ist. Mit jedem Klick auf die Werbebotschaft wird ein Ad-Server im Internet benachrichtigt und der Autor des Clips an den Erlösen beteiligt. Ein Modell, das zum Beispiel Videoblog-Betreiber reizen könnte.

Allerdings gibt es (meines Wissens) leider noch keinen Dienstleister, der professionelle Video-Autoren und zum Beispiel News-Site-Betreiber zusammenbringt (also wie zum Beispiel der Renomee Agent, der Nutzungslizenzen zwischen Musikern und kommerziellen Nutzern vermittelt).

Ich stelle mir das so vor: Wenn ein Autor einen Video-Beitrag produziert, stellt er ihn auf der Website des Dienstleisters zur Verfügung. Dort können sich registrierte Redaktionen das Material anschauen und eine (zum Beispiel temporär gültige oder exklusive) Lizenz für die Nutzung auf der eigenen Website kaufen.

Die Redaktionen würden auf diesem Weg an interessantes Material kommen, die Autoren wiederum würden für ihre Arbeit hoffentlich angemessen entschädigt.

Update (17.07.2006): Es gibt sehr wohl solche Dienste. Siehe Kommentare.