Wer davon genervt ist, für jedes erdenkliche Video-Format den richtigen Player bereit halten zu müssen, kann sich zum Beispiel mit dem K-Lite Codec Pack helfen. Damit lassen sich so ziemlich alle denkbaren Formate mit einem einzigen Player abspielen - offline sowieso, aber auch online gestreamtes Material dank eines Plugins für die gängigsten Browser. Also keine Nerverei mehr mit Real, WMV, Quicktime etc.
Das Codec Pack ist Freeware und in mehreren Versionen erhältlich, die sich ganz nach den Bedürfnissen des Anwenders richten.
Wer sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit dem Videojournalismus auseinandersetzen will, wird früher oder später auf die Website von Bernd Kliebhan, VJ-Koordinator beim Hessischen Rundfunk, stoßen. Vier Diplomarbeiten und eine Bachelorarbeit stehen dort bisher zum Download (als PDF) bereit.
Ein Blick in die Arbeiten dürfte sich auch für alle lohnen, die sich zurzeit aus redaktionell-strategischen Gründen für den Videojournalismus interessieren. Denn in den Texten erfährt man eine Menge über unterschiedliche Sichtweisen, über die Technik, Kosten usw.
Für besonders lesenswert halte ich die Diplomarbeit (PDF, 1.3 MB) von Markus Böhnisch, der sich mit den “Chancen und Grenzen des Videojournalismus mit besonderem Schwerpunkt auf der permanenten Auslandsberichterstattung” befasst hat.
Markus hat dazu eine Menge aus praktischer Erfahrung zu sagen, weil er bereits seit acht Jahren als VJ arbeitet. Im Februar 2001 ist er nach Madrid gezogen, um von dort als freier VJ für verschiedene deutschsprachige TV-Sender zu berichten.
Fast überall dasselbe: Wer auf den großen Nachrichtenseiten Videos angucken will, macht das meist auf gut Glück. Denn was den User erwartet, wenn er eines der Videos anklickt, ist kaum absehbar.
Beispiel 1:heute.de
Auf der Startseite sind alle möglichen Videos in der rechten Spalte “Mediathek” mit einem Thumbnail und einer Schlagzeile versehen. Mehr nicht. In ganz wenigen Fällen mag das ausreichen, um wenigstens eine Ahnung zu bekommen, worum es sich in dem Videoclip drehen kann. Doch Thumbnails, die zum Beispiel zwei Häuser im Grünen zeigen mit der Erklärung “Besenrein für Bush” daneben, lassen die User im Dunkeln. Erst wenn man draufklickt, öffnet sich die Mediathek in einem separaten Fenster - mit ein wenig mehr Infos, die immer noch dürftig sind.
Verbesserungsvorschlag: Warum nicht eine kurze Anmoderation (so wie sie auch im TV lief) bzw. einen für das Web optimierten Teaser mit den wichtigsten Infos direkt neben das Thumbnail stellen? Die User würden es wahrscheinlich dankend annehmen, zumal in der rechten Spalte ohnehin vielmehr Platz vorhanden ist als bislang genutzt.
Beispiel 2:tagesschau.de
Obwohl Bewegtbilder doch eigentlich das Kerngeschäft “Deutschlands seriösester Nachrichtensendung” (ARD-Eigenwerbung) sind, werden auch hier die Videos bestenfalls an die Artikel drangetackert. Beides bildet keine Einheit, sondern lässt vermuten, dass ein Video eher nach Dienstvorschrift online gestellt wird - naja, immerhin in die thematische Nähe. Doch auch hier wären zwei, drei erklärende Zeilen hilfreich, wenn man das Video unbedingt am unteren Ende des Artikels unterbringen will.
Besser wäre es noch, das Video zum wesentlich bereichernden Bestandteil des Textes zu machen, indem man gezielt darauf hintextet. In diesem Artikel über die Stimmung in Italien nach dem WM-Titel-Gewinn hätte man das erst unten verlinkte Video zum Beispiel direkt in den Absatz mit der Überschrift “Wir sind alle sehr stolz” einbinden können. Denn an dieser Stelle des Artikels geht es um dasselbe wie in dem Clip. Und wenn man ihn aus technischen Gründen nicht direkt einbinden kann, dann wenigstens ein Thumbnail samt erklärender Unterzeile mit einem Link darauf.
In einem Artikel über Zidanes rote Karte im WM-Finale ist mitten in den Text ein Video von Spiegel TV Online eingebettet - ohne weitere Erklärung, ohne jeden Hinweis, worum es geht. Wenn man es anklickt, wird man enttäuscht: Nichts was auch nur annähernd mit der Aktion Zidanes auf dem Fußballplatz zu tun hat. Stattdessen eine stimmungsvolle Umfrage, was für die deutschen Fans nach der WM übrig bleibt.
Hier wäre zumindest so etwas wie eine Video-Unterzeile (analog zur Bild-Unterzeile bei Fotos) sinnvoll, um für mehr Orientierung zu sorgen.
Vor wenigen Wochen habe ich mein Equipment um einen wesentlichen Bestandteil erweitert: das DVRig Pro, ein Schulterstativ für DV-Kameras. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, es unter professionellen Bedingungen einzusetzen.
Als die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien gespielt hat, bin ich vorher mal in die Dortmunder Innenstadt gegangen, um mit dem Stativ und der DVX 100 ein paar Bilder fürs Archiv einzufangen.
Arbeiten mit dem DVRig Pro (Foto-Credits: Pia).
Normalerweise wäre ich dort vermutlich entweder mit einem Standard-Dreibein-Stativ, vielleicht auch mit einem Einbein-Stativ unterwegs gewesen. Mit dem Schulterstativ war es aber deutlich bequemer, denn:
man bleibt flexibler und kann schnell den Standort wechseln
gegenüber einem Einbein-Stativ sind trotzdem noch Schwenks möglich (in diesem Fall eben aus dem Hüftgelenk heraus, was mit ein wenig Übung erstaunlich gut klappt)
statische Aufnahmen mit langer Brennweite sind nahezu wackelfrei
gegenüber freihandgeführter Kamera sind Fahrten erstaunlich ruhig (natürlich nur, wenn weitwinkling gedreht wird)
Gerade der letzte Punkt hat mich am meisten beeindruckt. Dank des verstellbaren zweistufigen “Stoßdämpfers” zwischen dem Hüftgurt und der Kamerahalterung werden die Bewegungen der Hüfte beim Gehen nahezu vollständig absorbiert (das setzt allerdings etwas Übung voraus).
Der Rest des Kameragewichts wird auf die Schulter verlagert. Um für ein ausgewogenes Verhältnis zu sorgen, ist am Ende der Schulterschiene ein Gegengewicht angebracht. Das kann bei Bedarf ausgetauscht werden, was zum Beispiel Sinn macht, wenn man mit einer akkubetrieben Kopfleuchte arbeitet. Der Akku lässt sich dann hinten installieren.
Ein paar wenige Impressionen aus Dortmund zeigt das folgende Video. Vielleicht wird deutlich, dass das Gehen mit der Kamera dank des Schulterstativs weitgehend ruckelfrei ist. Und dass saubere Schwenks auch aus der Bewegung heraus möglich sind.
Nach dem etwa einstündigen Dreh hätte ich übrigens noch stundenlang weitermachen können - keine Rückenschmerzen oder sonstige Probleme, die zum Beispiel mit dem Gewicht hätten zu tun haben können.
Ich vermute mal, dass sich das Schulterstativ vor allem bei Reportage-Drehs in aktionsreichen Umgebungen bezahlt machen könnte, da man den Protagonisten damit ziemlich dicht auf den Fersen bleiben kann, ohne die Bilder zu verwackeln. Wie es allerdings ausschaut, wenn man O-Töne aufzeichnen möchte (wie zum Beispiel bei einer Straßenumfrage), werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.
Dass es funktioniert, Interviews zu führen und gleichzeitig mit einem Schulterstativ im Gehen den Protagonisten ruhig zu filmen, hat Markus Engelhardt in seinem Video-Portrait über den Grünen-Politiker Volker Beck bewiesen. Sehr sehenswert.
Übrigens: Dieser Steadicam-Effekt, den man mit dem Schulterstativ erzielen kann, lässt sich auch mit einem gewöhnlichen Stativ nachahmen. Vor einigen Monaten habe ich mit einem Politiker im EU-Parlament gedreht. Auch ihn wollte ich ein paar Meter auf seinen Wegen durch das Gebäude “verfolgen”.
Dazu habe ich die Kamera auf ein normales Dreibein-Stativ gesetzt (in diesem Fall ein Sachtler DA 75 L mit DV II-2-Kopf), das Stativ auf eine Höhe von etwa einem Meter eingefahren und den Kopf samt Kamera in der waagerechten fixiert. Dann habe ich das Stativ an zwei Beinen gefasst und direkt vor der Brust gehalten. Beim Gehen federn die Arme die Bewegung ab.
WKRN-TV ist ein lokaler Fernsehsender in Nashville, Tennesse, der das Programm maßgeblich mit seinen Videojournalisten gestaltet. Das Motto des Senders, das als kurzer Clip vor jedem Video auf der Website eingespielt wird, lautet: “videojournalism: more people - more places.”
Der Sender will seine Berichterstattung in Zukunft auch mit Beiträgen von Videobloggern bereichern und diese dafür auch bezahlen, berichtet Jeff Jarvis in seinem Blog. Wie hoch diese Bezahlung sein wird, ist noch nicht bekannt.
Der Vorstoß von WKRN-TV geht eindeutig in die richtige Richtung, denn der Einfluss der Blogger auf die Programmgestaltung war nach den Worten von WKRN-Chef Terry Sechrist in der Vergangenheit ohnehin sehr groß. Viele Themen der Blogger seien von WKRN-TV-Reportern aufgegriffen worden. Da liegt es nahe, gleich mit ihnen zu kooperieren und auf ihr Material zurückzugreifen:
[…] blogs are now a regular source of news for us. We are beginning to see bloggers starting to experiment with video. They have stories to tell and with the easily affordable technology available today they have a means to tell those stories.
Die BBC hatte sich bereits vor zwei Jahren für ihre Community geöffnet und regionale Projekte wie Capture Wales oder Videonation gestartet. Dabei verpacken Zuschauer bzw. User ihre Storys in Video-Clips, die mit fachlicher Unterstützung von BBC-Spezialisten produziert werden.