Wie bereits vor ein paar Tagen berichtet, nimmt die Video-Offensive bei Focus Online Formen an. Neu ist dort auch die Rubrik “Film der Woche”, in der jeden Donnerstag ein aktuelles Kino-Highlight als Video vorgestellt werden soll.
Aktuell wird dort ein Stück über die Komödie “Trennung mit Hindernissen” gezeigt. Als ich mir das Video ansah, dachte ich zuerst: Gewagt getextet. Denn zu dem Bilderteppich im Hintergrund (ausschließlich Szenen des Films) läuft ein sehr komplizierter, wortfülliger Off-Text, der kaum zu den Bildern passt. Im Grunde genommen eine einzige Text-Bild-Schere.
Wie man zu so einem Off-Text kommt, ist mir dann erst später klar geworden. Wer will, kann sich das Video ja mal anschauen und parallel dazu diese Seite öffnen.
Allen, die sich mit der passenden Sprache für Bewegtbilder auseinandersetzen wollen, kann ich nur das Buch “Texten für TV” von Martin Ordolff und Stefan Wachtel empfehlen. Darin lassen die Autoren unter anderem diesen Satz fallen:
Es ist wie beim Punktschweißen: Der Text muss in kurzen Abständen am Bild festgemacht werden.
Und das trifft’s eigentlich sehr genau. Eine metaphernüberladene Sprache ist eher was für gedruckte Texte. Oder die Tagesthemen.
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5 Kommentare
Habe mal wieder erfahren müssen, wie teilweise über Videojournalisten gedacht und geredet wird “scheiss Qualität, können nichts, versauen die Preise”. Die Diskussion hatte ich gerade mit einer Cutterin. Schon heftig…
Kommt immer drauf an, wo und wie Videojournalisten eingesetzt werden, wie sie ausgebildet sind und was sie individuell drauf haben. Wer nur verwackelte Bilder (um beim Klischee zu bleiben) zum Schneiden vorgelegt bekommt, wird wahrscheinlich irgendwann sauer. Da kann ich die Kollegin schon verstehen.
Es gibt inzwischen aber einige Videojournalisten, die ihr Handwerk richtig gut beherrschen. Allerdings schneiden die ihr Material meistens selbst auch, insofern bleiben ihnen solchen Diskussionen erspart.
Soweit richtig. Erst gestern habe ich folgende “lustige” Situation gehabt : “scheiss DV-Material usw..” Das war Material eines Kollegen, wo (angeblich) der Ton verratzt war. Dann habe ich mit der MAZ mein Material gesichtet, und auf einmal hatte ich einen verratzten Ton auf der Funkstrecke. Da ich weiß, dass ich sauberen Ton abliefere, habe ich mal nachgeforscht. Ergebnis: Die MAZ hat eine Macke, also die Technik der Produktion – sensationell.
In der Tat schneide ich das Material auch lieber selbst. Da kann ich einfach mehr entscheiden, was ich haben will und wie ich es geschnitten haben will. Leider ist das nicht immer möglich, und der Beruf des VJ wird “zweckentfremdet”.
Naja, was heißt “zweckentfremdet”? Es ist ja generell nicht schlecht, das Material mit einem Cutter zu schneiden. So ein Vier-Augen-Prinzip kann sehr sinnvoll sein und die Qualität des Endprodukts entscheidend verbessern. Aber natürlich nur dann, wenn VJ-Arbeit (mit anschließender Arbeitsteilung im Schnitt) im jeweiligen Unternehmen voll akzeptiert ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
Kleinkriege am Schneidetisch zu führen, ist kontraproduktiv. Und da wohl die meisten Fernsehsender in den vergangenen Jahren auf traditionelle Art und Weise Fernsehen gemacht haben (also eben im klassischen Vierer-Team: Reporter, Kamermann/frau, Assi, Cutter/in) und sich dort jetzt einige Traditionalisten durch VJs bedroht fühlen, wird die Diskussion um Sinn und Zweck von Videojournalismus, um Qualitätsverlust oder -gewinn, um Kosten und Preisverfall garantiert weitergehen.
Naja.. zweckentfremdet heisst zweckentfremdet. Ein VJ “sollte” ja alles selbst machen können. So arbeite ich momentan “lediglich” als Kameramann und Autor. Zugegeben: es ist nicht schlecht, einer Cutterin über die Schultern schauen zu können, denn die Arbeitsweise ist noch einmal etwas anders, und man kann immer was lernen. Leider ist es dabei weniger so, dass die Geschichte aus 2 Meinungen entsteht. Ich kann meine Ideen, die ich beim Dreh hatte, wesentlich besser umsetzen, wenn ich auch selbst alles schneide.
Die Meinungen sind in der Tat unterschiedlich. Viele Cutter, Kameraleute haben einen Hass auf VJs, andere (z.B. Autoren) finden VJ recht interessant.