Sönke Wortmann und die WM-Kamera, Teil 2

6. Dezember 2006

Gerade beim Surfen über die ARD-Website entdeckt: Heute abend um 20:15 Uhr läuft im Ersten “Deutschland - Ein Sommermärchen”, den ich mangels Empfangsgerät leider nicht sehen kann. Im Herbst hatte ich ihn mir allerdings schon im Kino angeschaut und kann ihn nur empfehlen.

Während der WM hatte ich mir ja mal Gedanken gemacht, wie der Film wohl wirken wird, da Sönke Wortmann ihn fast ausschließlich mit einer DVX 100 gedreht hat.

Im Kino ist mir dann folgendes aufgefallen:

  • Er hat es tatsächlich geschafft, sehr nah an die Protagonisten heranzukommen. Das zeigt sich vor allem in den Interviews, die entweder auf den Zimmern der Spieler geführt wurden oder - wie mit Miroslov Klose - bei einer Friseurin.
  • Die Bildqualität ist an einigen Stellen grenzwertig, da Wortmann ohne zusätzliches Licht gedreht hat. Gerade bei Innenaufnahmen abends rauschen die Bilder ziemlich stark.
  • Wegen der freien Kameraführung wackelt es hin und wieder. Auf der großen Kinoleinwand wirkte das anstrengend und am Ende taten nicht nur meine Augen weh.
  • Es gibt einige Situationen, in denen man wirklich sieht, dass Wortmann mit seiner Kamera nicht wahrgenommen wurde. In der Kabine stellt sich zum Beispiel mal Joachim Löw einfach vor ihn und versperrt - sicher ungewollt - den gesamten Blick.
  • Im Kopf ist mir noch die die Szene mit Jens Lehmanns Spickzettel, den er Sönke Wortmann vor laufender Kamera zeigt. Der scheint jedoch große Schwierigkeiten zu haben, zu fokussieren. Selten so lange eine unscharfe Aufnahme im Kino gesehen.

Ich vermute mal, dass ein solcher Film nicht möglich gewesen wäre, hätte man ihn auf konventionelle Art und Weise gedreht.

5 Antworten zu “Sönke Wortmann und die WM-Kamera, Teil 2”

  1. tim sagt:

    Ein paar Gedanken von mir:

    - er hat es wirklich geschafft, nah ran zu kommen. Es hat sich also ausgezahlt, dass er ein Jahr vorher das Team schon begleitet hat. Dadurch wurde er noch weniger wahrgenommen.
    - Das Bildrauschen fand ich nicht so problematisch, bzw. nehme ich gerne in Kauf. Ist mir zumindest noch lieber als eine schlechte Ausleuchtung mit Schlagschatten. Was ich dagegen richtig nervig fand, war das Wortmann sich in den Interviews nach der WM nicht die nötige Zeit genommen hat um auszuleuchten. Dieses Klinsi-Interview in Amiland z.B. war ein grauenhaft. Das totale Gegenlicht vom Strand und Klinsis Gesicht im Dunklen.
    - Wg. Kameraführung: hätte mir auch manchmal gewünscht, dass die ruhiger ist. Kann man bei so was nicht mit Monopad arbeiten? Das verschafft einem ja immer noch Mobilität.
    - Das mit dem Zettel war einfach nur peinlich. Verstehe nicht, wieso der sich den Zetteln nicht noch mal hat zeigen lassen und dann geschnitten hat.

  2. Roman Mischel sagt:

    Das Klinsi-Interview ist wirklich ein Lehrbeispiel dafür, wie man es absolut nicht machen sollte.

    Mit einem Monopod kann er sicher in hektischen Situationen kurz innehalten und von einem bestimmten Punkt aus eine wackelfreie, statische Einstellung aufnehmen. Aber Fahrten (also wenn man, wie er, mit der Kamera einen Protagonisten verfolgt) sind damit meiner Erfahrung nach kaum wackelfreier als die mit beiden Händen vorsichtig geführte Kamera. Für weniger Wackler hätte er entweder ein Schulterstativ (siehe hier) verwenden sollen oder aber ein Schwebestativ. Beides hätte nicht zu der Art und Weise seiner Arbeit gepasst, nämlich als unauffälliger Beobachter mit der kleinen, unscheinbaren Kamera dabei zu sein.

    Die Sache mit dem Zettel: Könnte mir vorstellen, dass der “Arbeitszoom” und das Scharfstellen nie im Film verwendet werden sollten, sondern eben nur das am Ende scharfe Bild. Aber vermutlich hat sich in der Postproduktion keine Möglichkeit ergeben, es ohne Anschlussprobleme hart reinzuschneiden.

  3. Bastian sagt:

    Ich war erstaunt über die doch recht “gute” Bildqualität. Da bin ich von der Panasonic anderes gewohnt. Allerdings denke ich, daß in der Postproduktion noch ordentlich gewerkelt wurde. Mir sind die oft “schiefen” Bilder aufgefallen. Der Ton war auch oft schlecht. Mit Richtmikro und manueller Aussteuerung wäre da mehr drin gewesen. Allerdings denke ich, daß Sönke Wortmann fast ausschliesslich im Automatikmodus gearbeitet hat. Das würde zumindest so einige Bilder und Töne erklären.
    Nichts desto trotz fand ich den Film super, und ich hätte ihn mir noch stundenlang anschauen können.
    Das beweißt mal wieder: Wenn die Story gut ist…

  4. Roman Mischel sagt:

    Die Panasonic ist gerade wegen ihrer Bildqualität auch unter Dokumentarfilmern erste Wahl. Du bist wirklich der erste, von dem ich Gegenteiliges höre.

    Zum Ton: Soweit ich weiß, hat Sönke Wortmann eigentlich stets ein Richtmikrofon an der Kamera installiert gehabt (zumindest deuten einige Fotos, die ich gesehen habe, darauf hin). Doch auch ein Richtmikro ist kein Wundermittel, wenn man in einem ohnehin halligen Raum sehr viel Abstand zur Tonquelle hat. Hätte er mit dem Japaner aufgezeichnet, hätte sich das wohl noch sehr viel schlechter angehört.

    Wie oft er sich auf die Blendenautomatik und auf den Autofocus verlassen hat, lässt sich natürlich schwer sagen. Pumpende Bilder sind mir nicht aufgefallen. Und in einigen Situationen sieht man sehr genau, dass er eben nicht vollautomatisch gedreht hat. Als er zum Beispiel Oliver Kahn auf seinem Weg durch die Katakomben verfolgt, hat er definitiv mit fester Blende gearbeitet. Das sieht man daran, dass das Bild völlig überstrahlt, als er den langen Gang verlässt und die Treppe zum hell beleuchteten Stadion hochgeht. Das ist dann im Schnitt geschickt kaschiert worden, indem genau an der Stelle eine dramaturgisch passende Weißblende eingebaut wurde.

  5. Bastian sagt:

    Daß die Panasonic ganz gute Bilder macht, das will ich ja gar nicht verneinen. Die Qualität ist durchaus besser, als die einer PD 170. Ich kenne ganze Reportagen, die mit der Panasonix gedreht wurden, und da habe ich die Bildqualität im Gegensatz zu “Ein Sommermärchen”gammliger in Erinnerung.
    Unter den DV-Cams macht die Panasonic schon ganz gute Bilder. Klar, im Gegensatz zu “echten” Kamras sind sie dennoch nicht so doll.

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