Archiv für Mai 2007

J-Rod Twin Mount mit Azden-Mikrohalterung

24. Mai 2007 | Bisher 2 Kommentare »

Vor ein paar Monaten hatte ich hier und bei videojournalismus.net mal in die Runde gefragt, ob es einen Verteiler für den Beleuchtungsschuh der Kamera gibt.

Denn das Problem ist: Wenn man eine Videokopfleuchte, ein Richtmikrofon und einen Funkempfänger fest an der Kamera installieren will, dann ist irgendein Teil immer zuviel und muss provisorisch befestigt werden.

Dank des Hinweises von Felix in den Kommentaren meines Eintrags bei videojournalismus.net habe ich mir vor einigen Wochen die Lösung des Problems bei einem US-Vertrieb bestellt.

Beim sogenannten J-Rod Twin Mount handelt es sich um ein kleines Aluminium-Röhrchen, an dem zwei Steckschuhe angebracht sind. Ich empfehle, gleich die Azden-Mikrofonhalterung mitzubestellen.

J-Rod Twin Mount mit Azden-Mikrofonhalterung

Das Twin Mount-Rohr wird einfach in den Mikrofonhalter der Kamera gespannt (bei meiner DVX100A musste ich dazu allerdings eine der beiden Gummifederungen herausnehmen, weil das Rohr sonst zu dick wäre).

Der Funkempfänger kann jetzt beispielsweise rechts angebracht werden, das Richtmikrofon in der Azden-Halterung. Für die Kopfleuchte bleibt der Hauptsteckschuh an der Kamera frei.

Kameraleuchte, Mikrofon und Funkempfänger haben genug Platz

Das ganze ist sehr stabil und es bleibt genug Platz zum Hantieren, auch wenn man die Kamera am Henkel trägt. Selbst die Geräusche, die sich normalerweise beim Gehen auf das Richtmikro übertragen, sind nahezu verschwunden.

Das Set kostet insgesamt 110,- US-Dollar, der Versand nach Deutschland nochmal 9,- Dollar extra. Außerdem werden beim Zoll in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie drei Prozent Zollgebühr fällig.

Animierte Vektorobjekte mit Flash und Avid Xpress Pro

18. Mai 2007 | Bisher 14 Kommentare »

Für einen Fernsehbeitrag wollte ich ein kleines, animiertes Vektorobjekt (ein Symbol für Radiowellen) über einen Gegenstand im Video legen. Da sich der Gegenstand (eine Einkaufstüte) bewegt, sollten sich auch die Radiowellen ständig auf Höhe des Gegenstands mitbewegen. Bildaussage: Da funkt etwas geräuschlos in der Tüte.

Mit den Standard-Plugins meines Schnittprogramms (Avid Xpress Pro, Version 4.6) ist so etwas leider nicht möglich. After Effects besitze ich nicht und habe auch gar keine Erfahrungen damit, obwohl die Lösung damit wahrscheinlich sehr einfach gewesen wäre.

Als rettende Alternative kam mir ziemlich schnell Flash in den Sinn. Mit der Software lassen sich Vektorobjekte spielend einfach erstellen, animieren und bewegen.

Nur: Wie kriege ich die Videodaten in TV-Qualität aus dem Avid in Flash und den fertigen Effekt wieder zurück?

Nach ein paar Experimenten hat es geklappt. Dabei bin ich so vorgegangen:

Zunächst habe ich die etwa 10-sekündige Einstellung (eine Person geht mit einer Einkaufstüte durch eine Fußgängerzone) als Einzelbild-Sequenz exportiert. Die insgesamt 266 Bilder habe ich im BMP-Format gespeichert und dabei die “Field Order” (also die Anordnung der Halbbilder) auf “Lower Field First” gestellt. Das entspricht dem PAL-Standard.

Anschließend habe ich ein neues Projekt in Flash angelegt (25 Bilder pro Sekunde, 720 x 576 Pixel) und die einzelnen Bilder direkt auf Ebene 1 der Hauptbühne importiert (das dauert ein wenig, weil 266 BMP-Dateien schon recht groß sind).

Dann habe ich die Animation der Radiowellen als eigenes Objekt (in Flash wird das “Symbol” genannt) mit ein paar Zeichentools erstellt und dies auf Ebene 2 der Hauptbühne gelegt.

Da sich die Position der Einkaufstüte im Video ja ständig ändert, habe ich das Vektorobjekt alle paar Frames erneut zentral über der Tüte positioniert (und zum Schluss auch etwas skaliert, da die Person mit der Einkaufstüte weggeht und auch kleiner wird).

Nachdem ich mit dem Finetuning in Flash zufrieden war, habe ich den “Film exportiert” - und zwar erneut als BMP-Einzelbildsequenz (JPEG wäre übrigens wegen des Qualitätsverlusts nicht empfehlenswert).

Zurück im Avid muss die Sequenz jetzt natürlich wieder importiert werden. Dazu sollten vorher die Import-Einstellungen für Grafiken auf “Autodetect Sequential Files” gestellt werden und die “Field Order” diesmal auf “Non-Interlaced”. Avid übernimmt die Bilder dann “so wie sie sind”, und zwar immer noch mit der Halbbild-Folge, die beim Export gewählt wurde.

Anschließend werden die paar Sekunden Video einfach in die Timeline geschnitten und unterlegt mit der ursprünglichen Atmo. Fertig.

Buch-Tipp: VideoShooter - Storytelling with DV, HD and HDV Cameras

10. Mai 2007 | Bisher 3 Kommentare »

VideoShooter - Storytelling with DV, HD and HDV Cameras von Barry Braverman

Dieses Buch habe ich wirklich gern gelesen und kann es jedem wärmstens empfehlen, der mit DV-Technik Videos fürs Fernsehen oder das Web dreht - egal ob als Anfänger oder Fortgeschrittener.

Die rund 250 Seiten hat Barry Braverman, selbst erfahrener Kameramann mit über zwanzig Jahren Erfahrung, vollgestopft mit Tipps und Hinweisen für den berufspraktischen Alltag.

Das Buch handelt zwar nicht speziell vom Videojournalismus (Braverman hat als Kameramann für National Geographic gedreht, aber auch Werbeclips und Musikvideos). Doch nahezu alles, was er beschreibt, ist für Videojournalisten von Interesse.

Es geht um Bildgestaltung, -ästhetik und Schnittrhythmus, um Vor- und Nachteile der von VJs eingesetzten Kameramodelle, um die vielen Tücken beim Dreh und wie man sie in den Griff bekommt - das alles gewürzt mit Anekdoten aus dem Drehalltag des Autoren. Leser lernen dabei viel über technische Details, ohne gelangweilt oder überfordert zu werden.

Am hilfreichsten ist für mich der Haufen an Zubehör, den Braverman in seinem Buch für verschiedene Kameras vorstellt. Wann ist ein Stativ wirklich gut und eine Anschaffung fürs Leben? Welche Filter sind in bestimmten Situationen beispielsweise für die Panasonic DVX 100 oder die Sony Z1U empfehlenswert? Wie und womit werden Interviews ausgeleuchtet?

Das Buch ist reichlich bebildert. Auf nahezu jeder Seite zeigt Braverman, wovon er spricht. Das macht vieles natürlich nachvollziehbarer.

Reichlich bebildert.
Auf nahezu jeder Seite werden die Erklärungen mit aussagekräftigen Fotos unterstützt.

Auf der beiliegenden DVD werden viele Beispiele aus dem Buch nocheinmal vertieft: So zeigt sie identische Szenen, die aber mit verschiedenen Filtern aufgezeichnet wurden. Verblüffend, wie in ein und derselben Situation völlig andere Stimmungen erzeugt werden.

Zudem zeigt Braverman einige Sequenzen, die er mit unterschiedlichen Codecs und Einstellungen kodiert hat (z.B. Mainconcept mit konstanter Bitrate versus ProCoder mit konstanter Bitrate). Auch hier werden deutliche Unterschiede sichtbar.

Da das Buch über einen siebenseitigen, gut sortierten Index verfügt, eignet es sich wunderbar als Nachschlagewerk.

Bibliographische Angabe: Braverman, Barry: Video Shooter. Storytelling with DV, HD and HDV Cameras. CMP Books, San Francisco, CA., 2005. Komplett in englisch. ISBN 1-57820-289-2. 264 Seiten, EUR 34,50.

tiva.tv

9. Mai 2007 | Bisher 3 Kommentare »

Anfang des Jahres hatte ich mal ein paar Zeilen dazu geschrieben, welche Online-Modelle sich gerade für freie Videojournalisten entwickeln. Darin ging es unter anderem um eine Berliner Agentur, die - damals noch unter dem Namen vodboxx.tv - eine Plattform starten wollte, die als Schnittstelle zwischen Produzenten und redaktionellen Abnehmern von Video-Beiträgen steht. Damals gab es unter vodboxx.tv noch nichts zu sehen.

Inzwischen ist die Plattform in einem sehr frühen Stadium da und heißt jetzt tiva.tv.

Auf den ersten Blick sieht tiva.tv aus wie die direkte Konkurrenz zum Anbieter Zoom.in: tiva.tv will ein weltweites Netz von professionellen, freien Videojournalisten aufbauen, die ihre Beiträge auf die Website hochladen können. Redaktionen können dieses Material sichten und bei Bedarf für die eigene Website lizenzieren.

Das Lizenzmodell hinter tiva.tv ist auf der Website zwar nicht veröffentlicht, wurde mir aber von einem Mitarbeiter zugemailt. Ein Beispiel: Möchte eine Redaktion ein etwa drei- bis fünfminütiges Stück exklusiv lizenzieren, kostet das für 5000 Abrufe 2000,- Euro. Zum Vergleich: Non-exklusiv würde es 800,- Euro kosten. Der VJ wird an den Erlösen prozentual beteiligt.

Bestehen besondere Wünsche, sollen Redaktionen auch Aufträge erteilen können, die tiva.tv dann an bestimmte VJs weitergibt. Preise sind dann Verhandlungssache.

Ich kann mir vorstellen, dass das Konzept aufgeht, wenn von vornherein Wert auf eine bestimmte Qualität gelegt wird und die Videos sich wirklich stark unterscheiden von Reuters, Zoom.in oder anderen Anbietern.

Wirkliche Exklusivität und eine eigene Handschrift sichern sich Redaktionen auf Sicht vermutlich aber nur mit eigenen Autoren, die sie - und niemand anders - unter Vertrag haben.