35mm-Adapter vs. Videojournalismus
5. Juni 2008 | Bisher 5 Kommentare »Ich könnte sie mir immer wieder anschauen, Clips wie diesen von Philip Bloom. Einfach schöne, ruhige Bilder mit Aussage, ein angenehm unaufdringlicher Schnitt, alles passend zur Musik – eine kleine Reise am Computerbildschirm.
Bloom dreht mit einem 35mm-Adapter (den er hier detailliert bewirbt erklärt). Damit kann er ganz andere Optiken einsetzen, um die Schärfentiefe in den Videobildern zu verringern. Das ganze nimmt dann einen filmähnlichen Look an und sieht einfach gut aus.
Mit den Standard-DV-Optiken ist das nicht möglich (es sei denn, man dreht ständig mit offener Blende und langer Brennweite, wobei die anvisierten Objekte auch noch üppig Abstand zueinander haben müssen).
Seit es den LetusExtreme gibt, habe ich oft darüber nachgedacht, ihn mir für meine Arbeit anzuschaffen.
Abgesehen davon, dass man damit ganz allgemein viel mehr Möglichkeiten für die Bildgestaltung hat, würde ich ihn bestimmt sehr oft bei Interviewaufnahmen für Magazinstücke einsetzen – theoretisch zumindest.
Denn häufig ist es in den engen Räumen meiner Gesprächspartner nicht möglich, den Bildhintergrund angenehm in der Unschärfe verschwimmen zu lassen. Mit einem 35mm-Adapter und einer entsprechenden Optik wäre das wohl eine der leichteren Übungen.
Doch vom Kauf abgehalten hat mich bisher vor allem immer wieder eine Überlegung: Die Arbeit mit einem solchen Adapter macht den Job wohl kaum leichter – zumindest wenn man weitgehend solo arbeitet.
Denn eine voll ausgestattete Kamera sieht irgendwann so ähnlich aus wie beispielsweise die Panasonic HVX 200 von Christian Haake (lesenswerter Artikel zur Aufrüst-Odyssee in seinem Bewegtbildarbeiter-Blog).
Für die meisten VJs ist so ein “Kameramonster” wohl etwas zu weit weg von der ursprünglichen Idee kompakter Arbeitsmittel mit dem gelegentlichen Vorteil des unauffälligen Nah-dran-seins.
Und was speziell die Interview-Aufzeichnungen betrifft: Mit all dem Equipment auf dem Rücken bzw. in sämtlichen Händen (neben Kamera samt Tonzubehör und Stativ auch noch der Lichtkoffer und die zusätzlichen Leuchtenstative) sind irgendwann Grenzen des Alleinarbeitens erreicht.
Wenn irgendein VJ da draußen ist, der das hier liest und Erfahrung mit 35mm-Adaptern hat – es würde mich brennend interessieren…
Nachtrag: Sehr informativer Thread auf DVXuser.com über Stärken und Schwächen von 35mm-Adaptern samt empfohlenen Zubehör wie Linsen etc.
