Die nächste Kamera
26. August 2008 | Bisher 11 Kommentare »Auch wenn ich der Meinung bin, dass 4:3 zurzeit eigentlich das angemessenere Format für Online-Video ist (zumindest für eingebettete Clips), setzen viele Anbieter nach und nach auf 16:9.
Beim Fernsehen wird es ohnehin bald flächendeckend der Standard sein. ARD und ZDF haben bereits im vergangenen Jahr umgesattelt, die RTL-Gruppe zieht dieses Jahr im Oktober nach.
Mit meiner guten, alten DVX100 (Serie A) kann ich dank “Squeeze”-Modus zwar mit Bordmitteln 16:9 aufzeichnen, doch in der Kamera selbst sind lediglich 4:3-Chips verbaut.
Die Bildqualität ist - subjektiv gesehen - zwar okay (vor allem für nachrichtliche Stücke, für Online-Video sowieso), aber eben nicht optimal. Zudem zeichnet die DVX lediglich im DV-Format mit reduzierter Farbabtastung von 4:2:0 auf.
Es ist also wieder einmal an der Zeit, mir Gedanken über eine neue Kamera zu machen. Und da gibt es im Augenblick bzw. in naher Zukunft einige interessante Modelle, die in die engere Auswahl kommen könnten.
Da wäre zunächst einmal die seit vergangenem Jahr erhältliche Sony EX1, die von einigen VJs bereits eingesetzt wird und in verschiedenen Tests ziemlich gut wegkommt.
Die EX1 zeichnet nicht mehr auf Tape auf, sondern auf SxS-Speicherkarten. Die sind zwar noch sehr teuer, vereinfachen den Arbeitsfluss allerdings erheblich (siehe dazu auch diesen Artikel speziell für Final Cut Pro-User auf der Sony-Website).
Die Frage, wie man sich künftig ohne Tapes ein Archiv anlegt, ist bei ständig schrumpfenden Preisen für Festplattenspeicher inzwischen nebensächlich.
Was mich an der Kamera für meine Arbeit stören könnte, sind zwei Aspekte:
- Einerseits zeichnet die EX1 ausschließlich HD-Formate auf (1920 x 1080 in 50i und 25P, 1280 x 720 in 50P und 25P sowie 1440 x 1080 in 50i). Da meine Auftraggeber meistens nur SD-Qualität verlangen, würde ich auch ganz gern die Möglichkeit haben, direkt in SD aufzuzeichnen - zumal die weitere Bearbeitung von SD-Material auch mit schwächeren Rechnern ohne Probleme möglich ist.
- Andererseits sind in der Kamera keine CCDs verbaut, sondern CMOS-Chips. Zwar sind diese 1/2″ groß und dementsprechend lichtempfindlich, doch unter bestimmten Umständen zeichnen sie ein störendes Flackern auf.
Die EX1 ist im Netz bereits ausführlich besprochen worden, u.a. hier:
- Barry Green auf DVXuser.com
- Mike Jones im Digital Producer Magazine (Teil 1)
- Mike Jones im Digital Producer Magazine (Teil 2)
- Nigel Cooper auf DVuser.co.uk
- Adam Wilt auf ProVideoCoalition.com
- John Burkhart auf Videomaker.com
Die als kompakter Schultercamcorder konzipierte Sony EX3, quasi die größere Schwester der EX1, ist vor allem interessant wegen ihrer auswechselbaren Optik - ein Feature, das in dieser Kameraklasse bisher lediglich die Canon XL-H1 bieten kann. Für meine Arbeit wäre die EX3 aber vermutlich etwas zu groß und zu schwer.
Auch über die EX3 gibt es einige Infos im Netz, u.a. hier:
Als überzeugter DVX 100-User schaue ich besonders darauf, was zurzeit in den Laboren von Panasonic entwickelt wird. Denn sollte es eine überzeugende Weiterentwicklung der DVX 100 geben, wäre sie vermutlich erste Wahl für mich.
Nachdem die HVX 200 kürzlich aufgefrischt wurde (hier in Deutschland heißt sie jetzt HVX 201A, in den USA HVX 200A; einen Artikel über die Änderungen samt Diskussion gibt es auf DVXuser.com), bringt Panasonic noch in diesem Jahr zwei weitere Kameras auf den Markt, deren Daten vielversprechend klingen.
Einerseits die HMC 151 (in den USA heißt sie HMC 150). Äußerlich erinnert sie sofort an die DVX 100, wie beispielsweise in diesem YouTube-Video zu sehen ist. Statt auf Tape zeichnet die HMC 151 verschiedene HD-Formate (1080/50i, 1080/25p, 720/25p) auf sehr kostengünstige SD/SDHC-Speicherkarten auf. SD-Formate kennt die Kamera leider nicht - und scheidet deswegen für mich aus.
Die Daten werden im AVCHD-Format gespeichert, also H.264-kodiert mit einer Farbabtastung von 4:2:0. Zwar lässt sich solches Material inzwischen mit einer ganzen Reihe von Schnittprogrammen bearbeiten (z.B. Final Cut Pro ab Version 6.0.1), aber eben - je nach Rechenpower - sehr zäh.
Ausführliche Tests von Vorserienmodellen der Kamera sind mir bisher noch nicht bekannt. Es entwickelt sich aber gerade ein sehr aufschlussreicher Thread auf DVXuser.com, in dem Barry Green jede Menge Fragen zur Kamera beantwortet (und auch gedrehtes Bildmaterial zum Testen anbietet).
Für mich derzeit der interessanteste Bewerber für eine Neuanschaffung ist die HPX 171 (in den USA HPX 170; auch davon erste Eindrücke und detaillierter Test von Barry Green auf DVXuser.com).
Update (04.11.2008): Einen sehr ausführlichen Test der HPX17x hat Adam Wilt auf ProVideo Coalition.com verfasst.
Die Kamera zeichnet auf (immer noch sündhaft teure) P2-Speicherkarten auf, ein Tape-Laufwerk ist - im Gegensatz zur HVX 201A - nicht mehr vorhanden. Auch das Klobige der HVX fehlt ihr. Sie wiegt - wie die DVX - unter zwei Kilo und beherrscht eine ganze Reihe von Formaten.
Neben allerlei HD-Varianten (z.B. DVCPROHD mit 100 MB/s) bietet sie auch verschiedene SD-Aufzeichnungsverfahren, sowohl in 16:9 als auch in 4:3 (z.B. DVCPRO mit 50 MB/s, was im Vergleich zu reinem DV eine höhere Farbabtastung bietet und damit die technischen Anforderungen von Fernsehsendern erfüllt).
Fazit: Würde ich meine Videos ausschließlich für das Web drehen und wäre mein Computer für die Postproduktion ein Kraftwerk, würde ich aus Kostengründen vermutlich zur HMC 151 greifen. Sie kostet zwar nur etwas weniger als die HPX 171, dafür sind die Speichermedien aber extrem günstig.
Da ich aber hauptsächlich am Notebook schneide und im Augenblick noch häufiger für das TV als für das Web drehe, werden sich Vorteile wie leichter verarbeitbare Codecs und SD-Aufzeichnungsmöglichkeiten vermutlich schnell bezahlt machen - auch wenn ich sie mit den P2-Karten teuer erkaufen muss.
Nachtrag (28.08.2008): Je länger ich mich mit der Panasonic HMC 151 befasse, desto faszinierter bin ich von ihr. Sie ist z.B. lichtempfindlicher als die DVX 100B und die Arbeit mit AVCHD-Clips (Download hier) funktioniert erstaunlich gut mit Final Cut Pro (nachdem sie vom FCP-Logging Tool in das Apple ProRes-Format konvertiert wurden, was bei mir recht zügig geht).
