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Glidecam 4000 Pro und Smooth Shooter mit Canon 550D sowie HPX 171 mit und ohne Letus Extreme

7. August 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Vor etwa zwei Jahren habe ich mir eine Glidecam Smooth Shooter gekauft – ein Schwebestativ (ähnlich wie die wesentlich bekanntere Steadicam), mit dem man die Kamera weitgehend von Körperbewegungen entkoppeln kann.

Mit viel Übung können Kamerafahrten dann sehr ruhig und fließend aussehen, fast so, als bewege sich die Kamera auf Schienen.

Wie man in diesem Clip (aus 2008 und 2009) deutlich sieht: Viel weiter als über den Anfängerstatus bin ich noch nicht hinaus gekommen. Zwar schaffe ich es, den Horizont in der Waagerechten zu halten, doch die leichten Links-Rechts-Wackler lassen das Ganze noch ein wenig wie Seefahrt aussehen.

Sobald allerdings ein Protagonist im Bild ist, der sich selbst bewegt, fallen diese leichten Wackler kaum noch ins Gewicht.

Um mit der Glidecam vernünftig arbeiten zu können, muss sie zunächst ausbalanciert werden. Das ist zwar nicht kompliziert, erfordert aber einiges an Geduld. Wie das funktioniert, wird im zweiten Teil folgender Video-Serie auf YouTube ganz gut erklärt:

Bei Glidecam-Aufnahmen sollte das Objektiv der Kamera einerseits weitwinklig eingestellt sein (denn je länger die Brennweite, desto deutlicher werden Wackler), andererseits sollten die Bilder so große Schärfentiefe wie möglich aufweisen. Denn Schärfeziehen während einer Fahrt ist so gut wie unmöglich.

Da normale 1/3″-CCD/CMOS-Camcorder bei weitwinkligen Aufnahmen eh alles scharf abbilden, ist es im Prinzip egal, mit welcher Blende man dreht.

Deutlich anspruchsvoller werden Aufnahmen natürlich, wenn man mit selektiver Schärfe arbeiten möchte, also beispielsweise einen Protagonisten verfolgt und ihn scharf abbilden möchte, während der Hintergrund in der Unschärfe liegt.

Das lässt sich einerseits mit einer HDSLR realisieren, andererseits mit einem 35mm-Adapter. Beide Möglichkeiten habe ich einmal ausprobiert.

Als ich vor ein paar Wochen die Canon 550D auf die Glidecam 4000 Pro geschraubt hatte, war meine erste Befürchtung, dass die Kamera viel zu leicht ist und ich das ganze System nicht vernünftig ausbalancieren kann. Daher war klar, dass ich ein möglichst schweres Objektiv sowie ggfs. noch ein wenig Zusatzgewicht anbringen musste.

Erst wollte ich das ganze mit einer 28mm-Nikon-Festbrennweite ausprobieren, da Foto-Zoomobjektive in der Regel länger oder kürzer werden, sobald man die Brennweite verändert. Doch da das Nikon-Objektiv beim Fokussieren ebenfalls seine Länge und damit den gesamten Schwerpunkt der Glidecam-Konstruktion verändert, war die Sache schnell gegessen.

Also habe ich das Tamron 17-50mm-Objektiv genommen und es fest auf 35mm eingestellt (entspricht wegen des APSC-Sensors der 550D also 56mm), das ganze auf eine Baseplate mit 15mm-Rohren montiert und zusätzlich noch – vor allem um das Gewicht zu erhöhen – mit einem Follow Focus versehen.

Mit drei Gegengewichten auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte konnte ich das System anschließend recht brauchbar ausbalancieren, wie im folgenden Video zu sehen ist. Beim Droptime-Test, also dem Pendeln in die Senkrechte, vergingen etwa zweieinhalb Sekunden, was ein guter Wert ist.

Die Aufnahmen habe ich dann fast durchgängig mit einer ambitioniert offenen Blende von f2.8 gemacht. Will heißen: Der Schärfebereich vor dem Objektiv lag – je nach Entfernung zum Objekt – im Zentimeterbereich. Logisch, dass brauchbare Aufnahmen nur in sehr kontrollierbaren Situationen und in Absprache mit dem Protagonisten möglich sind.

Schärfe ziehen ist nur zwischen den Aufnahmen möglich, weil die rechte Hand permanent den Griff der Glidecam hält und Zeigefinger und Daumen der linken Hand mit viel Feingefühl stets den sog. Center Post unter der kardanischen Aufhängung stabilisieren. Während einer Fahrt besteht die Herausforderung also darin, den Abstand zum Protagonisten bzw. bewegten Objekt konstant einzuhalten.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme 35mm-Adapter auf einer Glidecam 4000 ProIm vergangenen Winter hatte ich testweise meine Panasonic HPX171 samt dem Letus Extreme 35mm-Adapter, einer 50mm Nikon-Festbrennweite sowie einer GearDear-Mattebox auf das Schwebestativ geschraubt. Im Vergleich zur 550D war hier meine Befürchtung, dass die Kamera viel zu schwer ist, denn die Glidecam 4000 Pro ist normalerweise für ein Kameragewicht von etwa zwei bis fünf Kilogramm ausgelegt.

Natürlich ist völlig utopisch, das Kamera-Rig auf der Glidecam mit einer Hand allein zu führen – das ist viel zu schwer. Schon bei den kompakteren 2- bis 3-Kilo-Setups ermüden die Arme und Schultern (zumindest meine) nach nur wenigen Minuten. Bei schwereren Aufbauten ist der Smooth Shooter absolut unverzichtbar.

Denn dank der Weste samt Federarm wird das gesamte Gewicht gleichmäßig auf den Körper verteilt – in der Theorie und in den Werbeprospekten zumindest. Ich habe nach ca. zehn Minuten meistens trotzdem schon Rückenschmerzen und muss dann die erste Pause einlegen.

Neun Gegengewichte auf jeder Seite sowie jeweils eine schwere GewichtsplatteEin paar Worte zum Ausbalancieren: Auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte habe ich neun Gegengewichtsplatten verwendet. Doch weil das allein nicht ausreichte, habe ich zusätzlich auf jeder Seite der Basisplatte noch eine der schwereren Gewichtsplatten angebracht (die schwarzen mit den lauter vorgebohrten Löchern). Mit viel Geduld war das System schließlich im Gleichgewicht und hatte den Droptime-Test bestanden.

Weil der 35mm-Adapter die gesamte Kamera nicht nur schwerer macht, sondern den Schwerpunkt des gesamten Setups recht weit nach vorne verlagert, ist das Ausbalancieren deutlich komplizierter, wie ich finde.

Hier ein paar sehr einfache Aufnahmen, die ein wenig unter dem Wetter gelitten haben. Es war sehr kalt, ich hatte keine Handschuhe dabei, der Schnee war tief und rückwärts laufen war auf dem schneevereisten Rumpelweg einfach kein Vergnügen. Kurzum: Die Aufnahmen wackeln. Wären sie im Sommer entstanden, wäre das natürlich nicht passiert :-)

Sich mit einem Schwebestativsystem zu bewegen, ist eine sportliche und – je nach Wetterlage – schweißtreibende Angelegenheit. Die Körperhaltung sieht eher ungewöhnlich aus: Ich gehe immer leicht in die Knie und mache dann sehr kurze und schnelle Schritte. Je ebener der Untergrund, desto besser.

Schärfekontrolle mit Hilfe des HistogrammsBei den Beispielaufnahmen habe ich die Blende des Nikon-Objektivs auf f1.4 gestellt (was eigentlich völlig irrational ist; irgendwas zwischen f3.5 – f5.6 wäre wohl angemessener gewesen). Daher war der Schärfebereich noch dünner als beim Test mit der 550D. In solchen Fällen helfen natürlich sämtliche Formen von Fokus-Assistenten. An der HPX171 habe ich z.B. die Frequenzverteilungskurve schätzen gelernt. Sie zeigt sehr deutlich an, wann das Objekt maximal scharf abgebildet wird.

Glidecam und geringe Schärfentiefe – wofür ist das gut?

Unter bewegtbildgestalterischen Gesichtspunkten gibt es wohl kaum etwas Dramatischeres als eine Kamerafahrt. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, weil er sich durch den Raum bewegt. Mit der Glidecam sehen solche Fahrten natürlich ungleich ansprechender aus als frei aus der Hand gedreht.

Ein sich bewegendes Objekt durch Unschärfe zu isolieren, ist schwierig und erfordert – sicher auch mit viel Übung – mehr als einen Versuch. Wer die Idee hat, eine Reportage mit solcher Technik zu drehen (also keinen Einfluss auf das Geschehen nimmt, mit der Kamera nur begleitet und nichts inszeniert), sollte sich schnell wieder davon verabschieden.

Interview-Formate hingegen können auf diese Weise visuell deutlich ansprechender gestaltet werden. Vor zwei Jahren habe ich dieses Video in der 3sat-Mediathek gesehen (ein Interview mit William Gibson; der interessante Teil fängt ziemlich genau im letzten Fünftel an – leider hat der Videoplayer keinen Timecode). Die Kamera kreist auf einem Schwebestativ ständig um die beiden Gesprächspartner und nur ab und zu wird eine zweite Perspektive, eine statische Halbtotale, gezeigt. Ich weiß noch genau, wie sehr mich diese simple Idee und die gute Umsetzung damals beeindruckt hat.

Kurze Zeit später hatte ich mir dann die Glidecam gekauft.

Porträt einer starken Frau

16. Februar 2010 | Bisher 3 Kommentare »

Die Begegnung mit Sigrid hat mich wirklich schwer beeindruckt. Ob ich ihr und allem, was sie erlebt hat und was sie bewegt, mit diesem zehnminütigen Porträt auch nur ansatzweise gerecht werde, bezweifle ich. Für mich bleibt nach dieser Arbeit nur das Gefühl einen Menschen kennen gelernt zu haben, über den ich immer wieder nachdenke. Immer wieder mit großem Respekt.

Sigrid bloggt übrigens.

Gedreht habe ich das Porträt mit meiner HPX 171 und dem Letus Extreme. Die meisten Bilder sind, wie man unschwer erkennen kann, handheld entstanden. Um das einigermaßen hinzubekommen, habe ich das komplette Rig soweit wie möglich abgespeckt: Also kein zusätzlicher Monitor, keine Mattebox, kein Follow Focus.

Aufgezeichnet habe ich das Porträt nur in SD-Auflösung, ganz einfach deshalb, weil ich für HD-Aufnahmen den externen Monitor gebraucht hätte, um vernünftig zu fokussieren.

Die meiste Zeit habe ich mit einer 50mm Nikon-Festbrennweite gearbeitet, für einige totalere Aufnahmen auch mal die 28mm-Linse aufgeschraubt. Die richtige Schärfe gerade in bewegten Situationen zu treffen und zu halten, ist bei frei aus der Hand geführter Kamera eine wirkliche Herausforderung. Ich habe eine Menge Ausschuss produziert.

Die Musik für dieses Porträt stammt von Thomas Peters, auch bekannt unter dem Namen Cantaloup. Aufmerksam geworden bin ich auf ihn über das Netlabel Aerotone. Herzlichen Dank für die unkomplizierte Lizenzierung der beiden Songs!

Das Porträt habe ich übrigens im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes produziert.

Video-DSLR oder 35mm-Adapter?

15. Februar 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Als ich mir vor ziemlich genau einem Jahr den Letus Extreme 35mm-Adapter für meine HPX 171 gekauft habe, gab es Video-DSLRs wie die Canon EOS 5D Mark II schon längst. Kurze Zeit später kam auch die Canon EOS 7D auf den Markt. In letzter Zeit habe ich mich einige Male gefragt, ob die Investition in eine solche DSLR-Kamera statt in einen 35mm-Adapter nicht klüger gewesen wäre.

Zunächst einmal: Warum überhaupt ein 35mm-Adapter(1, 2) oder eine Video-DSLR?

Weil die Bilder gewöhnlicher Videokameras mit ihren oft 1/3 Zoll kleinen Chips vor allem unter einer Eigenschaft leiden: Der extrem großen Schärfentiefe. Jedes abgebildete Objekt wird messerscharf dargestellt, egal ob es sich im Vordergrund oder im Hintergrund befindet.

Das ist nicht unbedingt schlimm, manchmal sogar sehr nützlich, etwa bei Reportagedrehs bzw. sämtlichen Run-and-Gun-Situationen, wo schnelles und fehlerfreies Fokussieren kaum möglich ist. In vielen anderen Situationen bleibt der gestalterische Spielraum aber enorm eingeschränkt.

Wer gezielt mit selektiver Schärfe arbeitet, also beispielsweise den Hintergrund verschwimmen lassen möchte, um die Aufmerksamkeit auf den bildwichtigeren Vordergrund zu lenken, hat mit gewöhnlichen Videokameras nur eine Chance: Möglichst mit langer Brennweite und offener Blende zu drehen.

Das heißt: Die Kamera braucht Abstand zum Objekt, das Objekt wiederum zum Hintergrund. Weil diese Konstellation selten auftritt, sehen Videobilder eben oft hart, unaufgeräumt, selten schmeichelhaft und manchmal schlicht billig aus. Der typische Videolook eben.

35mm-Adapter für Videokameras gibt es inzwischen seit einigen Jahren von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Preisklassen. Sie sind ständig weiterentwickelt worden und dürften inzwischen als ausgereift gelten.

Auch wenn der angenehme Look durch die geringe Schärfentiefe in den Bildern für vieles entschädigt, ist die Arbeit mit einem solchen Adapter weit vom klassischen Videojournalismus entfernt. Die Liste der Nachteile ist wirklich lang:

  • Normalerweise wiegt meine HPX 171 mit den wichtigsten Zusätzen wie Mikrofon, Funkempfänger sowie Kopfleuchte etwa zweieinhalb Kilo und ist dabei wunderbar ausbalanciert. Das komplette 35mm-Kamera-Rig wiegt hingegen etwa acht Kilo, was vor allem am schweren Adapter samt Linse, den Rohren zum Stabilisieren sowie dem Monitor liegt. Insofern musste ich alles umbauen, um die Kamera schultern zu können. Aber Schulterkamera und Videojournalismus? Wohl eine ungewöhnliche (weil unflexible) Kombination.
  • Der Adapter schluckt Licht, wenn auch angeblich nur eine halbe Blende. Ihren Anteil dazu bei trägt die Linse, die so lichtempflindlich wie möglich sein sollte. Daher läuft’s zwangsläufig auf Festbrennweiten hinaus. Um einen anderen Bildausschnitt zu wählen, muss ich näher ran oder weiter weg. Oder die Linse wechseln. Gerade in Innenräumen ohne zusätzliches Licht wird’s schnell kritisch. Gedreht wird daher zwangsläufig mit möglichst offener Blende (f1.4), was dazu führt, dass die Schärfe oft im Zentimeter-Bereich liegt. Fokussieren nach Augenmaß, vor allem bei HD-Aufnahmen, wird zum Abenteuer.
  • Mein Letus Extreme ermöglicht allenfalls das Abblenden bis f5.6 – danach wird leider die Struktur der vibrierenden Mattscheibe sichtbar. Doch f5.6 sorgt beispielsweise bei einer 50mm-Festbrennweite immer noch für eine recht geringe Schärfentiefe. Das heißt: Mit Adapter habe ich keine Wahl mehr. Was aber, wenn ich für eine Einstellung mittendrin möglichst hohe Schärfentiefe brauche? Ich müsste den Adapter abschrauben. Und das geht nicht mal eben so. (Es gibt teurere Adapter wie etwa den Letus Ultimate, bei dem auch bei fast geschlossener Blende die Mattscheibenstruktur nicht zu sehen ist).
  • Dasselbe beim Shutter. Wähle ich eine zu kurze Verschlusszeit, wird die Mattscheibe sichtbar (nicht so beim Letus Ultimate).
  • Dann die Sache mit dem Ton. Der kleine Motor, der die Mattscheibe in Vibration versetzt, brummt konstant – entweder tiefer oder höher, je nachdem, ob ich ihn mit 1.2V-Akkus oder 1.5V-Batterien versorge. Dieses Brummen ist aber so laut, dass das direkt daneben angebrachte Mikrofon (wahlweise mit Nieren- oder Supernierencharakteristik) alles aufnimmt. Der Atmo-Ton leidet also deutlich. Zwar lässt sich dieses Brummen in der Postproduktion herausfiltern und so einiges retten. Ideal ist diese Lösung aber nicht.

Mein zwischenzeitliches Fazit: Geringe Schärfentiefe hat ihren Preis, den ich durch die körperlich wesentlich anstrengendere und zudem deutlich komplexere Arbeit mit dem 35mm-Adapter teuer bezahlen muss. Oft arbeite ich daher nach wie vor mit der DVX 100 als Backup-Kamera, zumindest dann, wenn kein HD erforderlich ist. In schnellen und kaum berechenbaren Situationen hat der 35mm-Adapter nichts verloren.

Auf der anderen Seite stehen nun die DSLR-Kameras mit Videofunktion, allen voran die Canon EOS 7D. All die Nachteile, die der 35mm-Adapter mit sich bringt, hat sie nicht. Sie ist leicht, hat einen großen Sensor (ist dementsprechend lichtempfindlich) und kostet gerade mal so viel wie ein etwas besserer 35mm-Adapter samt Support-Rohren.

Eigentlich könnte sie die ideale Ergänzung sein, wenn man schon eine VJ-typische Kamera hat und nun zusätzlich eine Möglichkeit braucht, um in speziellen Situationen Bilder mit geringer Schärfentiefe aufzuzeichnen.

Doch auch bei den Video-DSLRs finde ich die Liste der Nachteile immer noch sehr abschreckend. Wer die Arbeit mit einer Prosumer-Videokamera gewohnt ist, wird vieles vermissen:

  • Zunächst einmal ist da die unergonomische Form. So wie man eine Fotokamera hält, würde man nie eine Videokamera halten. Erstaunlich, wie schnell verschiedene Anbieter darauf reagiert und entsprechende Kamera-Rigs entwickelt haben, die eine ganze andere Haltung ermöglichen. Und erstaunlich, wie teuer diese Sachen zuweilen sind.
  • Dann gibt es keine Zebra-Funktion, um überbelichtete (100%-Zebra) oder korrekt belichtete Bildanteile (70%-Zebra bei Interview-Aufnahmen) zu messen.
  • ND-Filter fehlen komplett.
  • Kurze Aufnahmezeiten. Bei der 7D sind maximal 12 Minuten am Stück möglich. Zudem kann dauerhafte Videoaufnahme zu Hitzeproblemen führen.
  • Es gibt keinerlei Fokussierhilfen. Ein zusätzlicher Monitor oder eine Lupe für das interne Display zur Kontrolle der Schärfe ist empfehlenswert. Verschiedene User empfehlen in einigen Foren u.a. den Marshall V-LCD70XP-HDMI, u.a. weil er über eine Fokussierhilfe (Kantenhervorhebung) verfügt und farblich anzeigt, welche Bildanteile überbelichtet sind. Da ich diesen Monitor (in der HDA-Version, also mit Komponenten- statt HDMI-Anschluss) mit meiner HPX 171 selbst einsetze, kann ich ihn nur bedingt weiterempfehlen. In einigen Situationen fand ich den Focus Assist etwas ungenau.
  • Der CMOS-Sensor hat eine Größe, von der Videokamera-Besitzer nur träumen können. Er ermöglicht die gewünschte geringe Schärfentiefe und ist dementsprechend lichtempfindlich, aber eben nicht für Bewegtbildaufnahmen optimiert. Der sog. “Rolling Shutter”-Effekt (auch “Jello-Cam”) erschwert die frei aus der Hand geführte Kamera ungemein und bestraft selbst kleine Bewegungen mit zitternden Bildern. Beispiele? Das in diesem Thread verlinkte Video zeigt sehr deutlich, wie sich leichte Wackler der Hand auswirken. Und diese beiden Videos zeigen, wie schnelle Schwenks dafür sorgen, dass dargestellte Objekte regelrecht verbiegen. Doch letzteres Problem lässt sich inzwischen mit einem After Effects-Plugin beheben.
  • Der Video-Codec der 7D (H.264) ist effizient, aber für professionelle Nachbearbeitung ungeeignet. Vor dem Schnitt muss das Material gewandelt werden, auf Macs zum Beispiel in ProRes. Erst dann lässt es sich ohne Verzögerung schneiden. Dazu eignet sich das kostenlose MPEG Streamclip (für PC und Mac). Canon wird Anfang März ein kostenloses Plugin bereitstellen, das sich nahtlos in das “Log and Transfer”-Tool von Final Cut integriert und das Transkodieren vereinfacht. Siehe dazu die Pressemitteilung von Canon sowie dieses Video, wo der Workflow vorgestellt wird.

Die größte Baustelle ist sicher der völlig unprofessionelle Audio-Teil der DSLRs. Wie bei den ersten digitalen Video-Camcordern, die VJs für ihre Arbeit einsetzten (Sony VX1000, Canon XM1), fehlen auch an der 7D vernünftige Anschlüsse sowie die Möglichkeit, selbst zu pegeln. Wer ein Mikrofon direkt anschließt, muss vor allem mit einem leben: Rauschen. Denn die Kamera versucht selbst, den optimalen Tonpegel zu finden (Automatic Gain Control = AGC). Und eine Kopfhörer-Buchse ist übrigens auch nicht vorhanden.

Viele User schwören daher auf separate Audio-Aufnahme (zum Beispiel mit dem Zoom H4N) und synchronisieren später in der Postproduktion. Das ist natürlich recht aufwendig, doch auch hier gibt’s inzwischen ein Plugin für Final Cut-User (Plural Eyes), mit dem der Prozess enorm vereinfacht wird.

Wer Bild und Ton direkt und in akzeptabler Qualität mit der Kamera aufnehmen will, muss sich entsprechende Zusatzhardware kaufen, die die automatische Aussteuerung der Kamera austrickst, z.B. den Beachtek DXA-5Da oder den juicedLink DN101 mit einem zusätzlichen Mixer des selben Herstellers. Erst dann können professionelle Mikrofone mit XLR-Anschlüssen sowie ein Kopfhörer angeschlossen, der Ton manuell gepegelt und der Pegel visuell kontrolliert werden. Etwas viel Aufwand für meinen Geschmack.

Wer die Tonaufnahme rund um die Canon EOS 7D / 5D Mark II in den Griff bekommen will, sollte sich zum Beispiel diesen zusammenfassenden Artikel durchlesen oder, besser noch, diese ausführliche Testserie (mit einem klaren Sieger) auf Vimeo anschauen. Dass man beim Testsieger geteilter Meinung sein kann, zeigt dann wiederum dieser Beitrag.

Wer sich überhaupt erstmal einen gut sortierten Gesamtüberblick über die Video-DSLR-Thematik verschaffen möchte, dem sei dieser Grundlagen-Artikel auf Slashcam empfohlen.

Erwähnenswert ist ganz sicher noch ein Punkt: Für die Canon EOS 5D Mark II gibt es einen Firmware-Hack (Magic Lantern), der einige der Probleme löst (z.B. Zebras, abschaltbarer AGC, Audio-Pegel). Nur eine Frage der Zeit, bis diese inoffizielle Firmware auch für die 7D veröffentlicht wird.

Fazit für mich: Sicher wäre es eine interessante Alternative, speziell für ruhige Aufnahmen mit geringer Schärfentiefe eine günstige und kompakte Kamera wie die 7D immer dabei zu haben. Die HPX wäre dann die Hauptkamera, die 7D würde als Backup zum Beispiel beim Interview mitlaufen und einen wesentlich schöneren Look kreieren. In der Summe wäre das die wesentlich günstigere und vor allem flexibler einsetzbare Lösung als ein unhandlicher 35mm-Adapter.

Wenn es aber darum geht, mit nur einer Kamera zu drehen, dann möchte ich all die Vorteile der HPX 171 nicht missen: Ein vernünftiger Video-Codec, ein extrem eleganter Workflow dank P2, der professionelle Audio-Teil der Kamera, kein Rolling-Shutter und die logische Bedienbarkeit samt aller wichtigen Features einer Videokamera.

Wird höchste Zeit, dass sowas wie das hier auf den Markt kommt.

HPX 171-Kamera-Rig deconstructed

17. Januar 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Etwa ein Jahr mit zahlreichen 35mm-Adapter-Drehs und jede Menge Kopfzerbrechen habe ich gebraucht, um mein Kamera-Rig endlich so zu optimieren, dass damit effizientes Arbeiten möglich ist.

Vor ein paar Wochen hatte ich hier bereits beschrieben, dass die Arbeit mit einem Adapter logischerweise viel statischer läuft. Für schnellen, tagesaktuellen Videojournalismus also völlig ungeeignet. Interessant aber für aufwendigere Produktionen, vor allem Interviews, Magazinstücke, Imagefilme, Dokumentarfilme, Portraits etc.

Wegen des Gewichts der ganzen Konstruktion habe ich häufig nur noch vom Stativ gedreht. Schultern ließ sich die gesamte Konstruktion bisher noch nicht, so dass ich die Kamera maximal auf Brusthöhe halten konnte, und das auch immer nur für relativ kurze Zeit.

Die Idee, mein altes und durchaus bewährtes DV Rig Pro wieder einzusetzen, war schnell gegessen. Zwar funktionierte das mit Hilfe einer kleinen Adapterplatte gar nicht schlecht, doch zwei Aspekte hatten mich sofort gestört: Einerseits die nicht ganz ausgereifte Balance, andererseits die viele Herumschrauberei, wenn ich schnell mal wieder auf das Stativ wechseln wollte.

Die jetzige Konstruktion ist da wesentlich besser und durchdachter.

Panasonic HPX 171 auf einem Stabilisierungssystem mit Zacuto- und Redrock Micro-Komponenten

Das bereits bestehende Zacuto-Rod-System habe ich mit dem microShoulderMount-System von Redrock Micro erweitert. Im Detail sind das zwei Griffe vorn, die durch ein querliegendes 15mm-Rohr verbunden sind, sowie eine Schulterstütze hinten.

Der Vorteil: In Sekundenschnelle kann ich zwischen Stativ und Schulter wechseln, ohne auch nur an irgendeiner Schraube zu drehen.

Nachfolgend die einzelnen Bausteine mal kurz vorgestellt:

MicroFollowFocus V2 von Redrock Micro

Obwohl ich anfangs fest davon überzeugt war, ausschließlich über die dafür vorgesehenen Ringe an den Nikon-Objektiven zu fokussieren, wurde mir später recht schnell klar, dass es ohne einen Follow Focus wohl nicht geht. Naheliegend war für mich der microFollowFocus V2 von Redrock Micro (einen kurzen Bericht Bericht dazu hat Philip Bloom verfasst). Weil der zusätzliche Kontrollmonitor vorn sehr viel Platz beansprucht, wäre es einerseits sehr schwierig gewesen, die Hand zum Fokussieren irgendwie noch ans Objektiv zu kriegen. Den Follow Focus habe ich so nah am linken Griff angebracht, dass ich kleinere Fokus-Korrekturen direkt mit dem Zeigefinger vornehmen kann, ohne dafür den Griff loszulassen (denn das ist immer mit leichten Wacklern verbunden).

LCD der Panasonic HPX 171 mit Marshall-Kontrollmonitor

Der Marshall-Kontrollmonitor, den ich gerade bei HD-Aufnahmen und in Interview-Situationen immer mehr schätzen gelernt habe, hat seinen festen Platz vorn auf dem Rig. Wenn ich die Kamera auf der Schulter habe, ist zusätzlich das kleine LCD-Display ausgeklappt und ich habe die wesentlichen Infos wie Zebra und Focus-Assists genau im Blick. Gerade bei HD-Aufnahmen bin ich ein großer Freund der Kantenscharfzeichnung, die das interne Display der Kamera bietet. Bei SD-Aufnahmen funktioniert das Fokussieren damit absolut narrensicher, bei HD-Aufnahmen allein reicht es aber oft nicht. Dann sollte zusätzlich einer der Focus-Assists, z.B. die Frequenzverteilungskurve oder die Vergrößerung (oder beides) zugeschaltet sein. Doch diese Hilfen belegen wertvollen Platz auf dem Display, so dass der zusätzliche Blick auf das komplette und unverdeckte Bild auf dem externen Monitor wirklich hilfreich ist. Zudem bietet er eine zweite Sichtkontrolle, ob die wesentlichen Bildelemente wirklich scharf erscheinen. Und bei Bedarf lassen sich auch dort jederzeit diverse Fokussierhilfen zuschalten (die ich persönlich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig finde). Mehr Informationen zu dem Marshall-Monitor, den ich einsetze, gibt es hier.

Beim Verbindungskabel zwischen Kamera und Kontrollmonitor habe ich bewusst etwas Spiel gelassen, denn so ist es jederzeit möglich, schnell mal umzubauen. Wer als VJ oft allein Interviews führt, kennt das Dilemma: Meist steht die Kamera rechts, weil sich dort auch das Display befindet. Daher kann ich den Kontrollmonitor (der an einem Manfrotto 482LCD-Kugelkopf befestigt ist) jederzeit auf den Lichtschuh montieren und bleibe so beim Interview wesentlich flexibler.

Der J-Rod Twin Mount mit Sennheiser-Funkstrecke und externem Mikrofon ME44

Um den Lichtschuh jederzeit für solche Umbauarbeiten oder eine zusätzliche Videokopfleuchte freizuhalten, habe ich den Empfänger für die Ton-Funkstrecke sowie ein externes Sennheiser ME64-Mikrofon am J-Rod Twin Mount befestigt. Weil dadurch aber viel Gewicht auf der Mikrofonhalterung lastet, habe ich das Ganze noch mit ein wenig Gaffer-Tape stabilisiert. Inzwischen gibt es übrigens eine neue J-Rod-Lösung, die wesentlich stabiler zu sein scheint als die hier gezeigte (Super Strong Twin Mount, u.a. für Kameras wie die EX1/EX3, HVX201/HPX171 usw.). Einziges Manko an der Sache: Das ME64 dient vor allem als Atmo-Mikro, soll in Run-and-Gun-Situationen aber auch spontan für kurze Interviews nutzbar sein. Dank der Nierencharakteristik wäre das über kurze Distanzen möglich. Da das Mikro sich aber zu nah am Letus-Adapter befindet und dessen Motor ja bekanntlich ein leichtes Brummen von sich gibt, ist dies auf der Aufnahme auch deutlich zu hören – zumindest dann, wenn in relativ ruhigen Räumen aufgenommen wird. Bei Hintergrundgeräuschen wie Straßenlärm fällt das nicht so ins Gewicht. Trotzdem: Ein echtes Problem. Und bei Tonaufnahmen gilt generell: Shit in, shit out. Auch wenn man mit Tricks einiges in der Postproduktion lösen kann.

Das ganze Rig ist wunderbar flexibel konfigurierbar und lässt sich natürlich jederzeit umbauen, zum Beispiel für den Einsatz ganz ohne 35mm-Adapter oder für eine Video-DSLR.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme 35mm-Adapter

12. November 2009 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Da es inzwischen DSLR-Kameras mit Videofunktion wie die Canon EOS 5D Mark II gibt, könnten 35mm-Adapter für Videokameras demnächst wohl ein wenig außer Mode kommen.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme und Marshall V-LCD70P-HDA

Insofern bin ich mit der Anschaffung etwas spät dran. Aber nachdem ich lange damit geliebäugelt und mich immer wieder gefragt habe, ob es meine Arbeit wirklich nach vorne bringen könnte, habe ich mir im Februar einen Letus Exteme 35mm-Adapter gekauft. Zunächst einmal vorab: Seitdem habe ich meine HPX171 nicht mehr ohne genutzt.

Die Höhe der Folgeinvestitionen nach einem Adapterkauf ist allerdings nicht von schlechten Eltern: Neben dem reinen Adapter braucht man natürlich zunächst mal gute Linsen. Ich habe mir ausschließlich alte, gebrauchte Nikon-Festbrennweiten gekauft (Dank an Florian und Christian für die Tipps): Eine 28mm f2.8 (mehr oder minder weitwinklig), eine 50mm Normalsicht f1.4 sowie eine 85mm f2.0.

28mm Nikon AI-S, 50mm Nikon AI, 85mm Nikon AI-S

Weil der Adapter mit Nikon-Linse sehr schwer ist und ohne weitere Stabilisierung das Objektiv der Kamera beschädigen würde, braucht man ein Support-Rod-System, also ein paar Rohre, Klemmen und Halterungen, mit denen man Kamera und Adapter ordentlich befestigt. Ich habe mich für Elemente von Zacuto entschieden, die zwar nicht gerade günstig, aber sehr gut verarbeitet und an allen Ecken und Enden erweiterbar sind.

Da die Kamera nun ein paar Kilo schwerer geworden ist, musste leider auch noch ein weiteres Stativ her, denn der gute, alte Sachtler DV 2 II-Kopf trägt das alles nicht mehr (genau genommen trägt er es schon, aber Schwenks sind einfach keine Freude mehr). Ich habe mich für den Sachtler FSB8-Kopf entschieden, das ganze auf DA 75 L-Beinen. Eine gute, stabile Konstruktion, die immer noch einigermaßen leicht ist.

Doch leider ist das immer noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wer die HPX171 kennt, weiß, dass das LCD-Display nicht unbedingt für seine hohe Auflösung bekannt ist. Und gerade bei der Arbeit mit einem 35mm-Adapter sind einfach bestimmte Arbeitsweisen (wie beim Interview etwa die Schärfe auf der Augenpartie eines Interviewpartners zu ziehen) nicht mehr ohne weiteres möglich.

Um die Schärfe wesentlich besser kontrollieren zu können, habe ich nach einigen Überlegungen (Kosten vs. Nutzen) zu einem externen Marshall-Videomonitor (Modell V-LCD70P-HDA) gegriffen. Zwar bin ich auch hier nicht so richtig von der Abbildung auf dem Display begeistert, aber in Kombination mit dem HPX-Display und der darauf zugeschalteten Kantenscharfzeichnung liege ich eigentlich nie falsch, auch nicht bei HD-Aufnahmen.

Marshall-Videomonitor V-LCD70P-HDA

Nach einem Dreivierteljahr der Arbeit mit diesem Setup ist es vielleicht noch etwas früh, ein abschließendes Fazit zu ziehen. Aber soviel für den Moment: Die Arbeit mit Adapter ist wesentlich komplizierter und läuft schon allein deshalb statischer, weil alles viel schwerer wiegt. Die Kamera mal eben aus der Hand zu führen ist Vergangenheit. Das meiste drehe ich daher vom Stativ.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme und DVRig Pro

Um das zu ändern, versuche ich gerade, die HPX171 samt Letus Extreme mit dem DVRig Pro zu verheiraten. So ließe sich das ganze vermutlich etwas bequemer schultern. Da die HPX/Adapter-Konstruktion aber sehr frontlastig ist, kann ich die Kamera nicht mehr vernünftig ausbalancieren und auf dem Rig befestigen. Der Schwerpunkt der HPX samt Letus liegt ungefähr unter dem Adapter, so dass ich dort noch eine Halterung für die Kameraplatte installieren muss. Ich warte derzeit noch auf das Teil.

Auch Zoomen gibt’s nicht mehr, das heißt: Um die Einstellungsgröße zu ändern, muss ich näher ran – oder aber eine andere Linse mit entsprechender Brennweite montieren.

Also warum das alles, wenn’s die Arbeit nur komplizierter macht? Ganz einfach: Die Bilder entschädigen für alles.

Für mich lohnt sich der Einsatz des Adapters bisher vor allem bei Interviews für Magazinbeiträge sowie bei ruhigen Einstellungen, bei denen ich alle Zeit der Welt habe um das Bild einzurichten. Für schnellere Situationen drehe ich immer noch mit der guten, alten DVX100 ganz ohne Adapter.