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Geringe Schärfentiefe, DSLR und Videojournalismus

21. August 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Geringe Schärfentiefe als gestalterisches Mittel einsetzen heißt, das Auge des Betrachters auf den wesentlichen Bildinhalt zu lenken und das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Gezielt eingesetzt sieht das nicht nur ansprechend aus. Es erleichtert auch das Verstehen.

Frerk Lintz (Macher des Video-Interview-Magazins FOLGE) hat kürzlich in seinem Blog ein paar Gedanken zur DSLR-Technik und geringer Schärfentiefe aufgeschrieben, die ich sehr lesens- und weiterdenkenswert finde.

Frerk schreibt:

Entscheidender ist dann aber natürlich was mit dieser Technik veranstaltet wird. Und da hakts, und es entsteht viel Blödsinn oder aber auch nur handwerklich O.K.es. Aber das gehört für mich zum Prozess dazu. Es gibt einige Kameramänner, die vorher hauptsächlich für Nachrichtensender unterwegs waren und auf einmal epische Bilder hinbekommen, die Filmisches versprechen, aber nach dem xten Sonnenaufgang, der xten Zeitrafferaufnahme und beliebigen Wüstenbildern mit Polfilter nicht das Versprochene einlösen können, weil dann doch nicht nur die Technik dazugehört.

Die Frage, wie angemessen die Ästhetisierung der Realität durch geringe Schärfentiefe im Bewegtbildjournalismus ist oder welche Folgen ihr inflationärer Einsatz hat, klingt schon etwas wissenschaftlich, aber an den Antworten wäre ich brennend interessiert. Werden dank der neuen Technik jetzt bessere Geschichten erzählt? Oder landet derselbe Quatsch wie vorher auf YouTube, nur eben mit geringer Schärfentiefe?

Wer in den vergangenen Monaten hin und wieder mein Blog verfolgt hat, wird kaum überlesen haben, dass auch ich sehr fasziniert bin von den gestalterischen Möglichkeiten, die mir die DSLR-Technik eröffnet. Allerdings verbraucht sich das nach und nach und irgendwann haut mich auch der 100ste Philip Bloom-Film nicht mehr vom Hocker, weil mir neben den vielen schönen Bildern einfach die Story fehlt.

Klar, geringe Schärfentiefe kann sehr schön aussehen, ansprechend und edel wirken, den Zuschauer persönlich näher an Protagonisten heranführen und emotional mitreißen. Sie kann aber auch in die Irre leiten, einfach weil durch die permanente Ästhetisierung plötzlich ein Kontext hergestellt wird, der mit der Realität nicht mehr viel zu tun hat.

Was mich als Videojournalist im Berufsalltag fast immer von der verführerischen Arbeit mit der DSLR und der geringen Schärfentiefe abhält, sind ganz pragmatische Gründe. Ich arbeite allein, kümmere mich also um Inhalt, Bild und Ton. Das hat Grenzen, sehr deutliche sogar.

Gerade in Situationen, die schnell ablaufen und schwer vorhersehbar sind, wäre das ständige Nachziehen der Schärfe eine – zumindest für mich – nicht mehr zu bewältigende Zusatzbelastung. Abblenden auf f22 wäre also angesagt, um wieder maximale Schärfentiefe zu haben. Nur was bringt mir dann noch die DSLR außer den ganzen Nachteilen im Vergleich zu einer konventionellen Videokamera?

Schätzen gelernt habe ich die DSLR hingegen bei Interviewaufzeichnungen, wo sich alle Beteiligten irgendwie kontrollierbar verhalten: Der Gesprächspartner sowie ich sitzen jeweils, die Kamera ist fest auf dem Stativ. Neben der Hauptmotivation, nämlich durch die geringe Schärfentiefe eine angemessene persönliche Nähe herzustellen, kann ich nebenbei auch kleinere Fehler kaschieren, also etwa unvorteilhafte Reflektionen im Hintergrund, die durch die Ausleuchtung hervorgerufen werden. In solchen Fällen lohnt sich der Mehraufwand für mich.

Glidecam 4000 Pro und Smooth Shooter mit Canon 550D sowie HPX 171 mit und ohne Letus Extreme

7. August 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Vor etwa zwei Jahren habe ich mir eine Glidecam Smooth Shooter gekauft – ein Schwebestativ (ähnlich wie die wesentlich bekanntere Steadicam), mit dem man die Kamera weitgehend von Körperbewegungen entkoppeln kann.

Mit viel Übung können Kamerafahrten dann sehr ruhig und fließend aussehen, fast so, als bewege sich die Kamera auf Schienen.

Wie man in diesem Clip (aus 2008 und 2009) deutlich sieht: Viel weiter als über den Anfängerstatus bin ich noch nicht hinaus gekommen. Zwar schaffe ich es, den Horizont in der Waagerechten zu halten, doch die leichten Links-Rechts-Wackler lassen das Ganze noch ein wenig wie Seefahrt aussehen.

Sobald allerdings ein Protagonist im Bild ist, der sich selbst bewegt, fallen diese leichten Wackler kaum noch ins Gewicht.

Um mit der Glidecam vernünftig arbeiten zu können, muss sie zunächst ausbalanciert werden. Das ist zwar nicht kompliziert, erfordert aber einiges an Geduld. Wie das funktioniert, wird im zweiten Teil folgender Video-Serie auf YouTube ganz gut erklärt:

Bei Glidecam-Aufnahmen sollte das Objektiv der Kamera einerseits weitwinklig eingestellt sein (denn je länger die Brennweite, desto deutlicher werden Wackler), andererseits sollten die Bilder so große Schärfentiefe wie möglich aufweisen. Denn Schärfeziehen während einer Fahrt ist so gut wie unmöglich.

Da normale 1/3″-CCD/CMOS-Camcorder bei weitwinkligen Aufnahmen eh alles scharf abbilden, ist es im Prinzip egal, mit welcher Blende man dreht.

Deutlich anspruchsvoller werden Aufnahmen natürlich, wenn man mit selektiver Schärfe arbeiten möchte, also beispielsweise einen Protagonisten verfolgt und ihn scharf abbilden möchte, während der Hintergrund in der Unschärfe liegt.

Das lässt sich einerseits mit einer HDSLR realisieren, andererseits mit einem 35mm-Adapter. Beide Möglichkeiten habe ich einmal ausprobiert.

Als ich vor ein paar Wochen die Canon 550D auf die Glidecam 4000 Pro geschraubt hatte, war meine erste Befürchtung, dass die Kamera viel zu leicht ist und ich das ganze System nicht vernünftig ausbalancieren kann. Daher war klar, dass ich ein möglichst schweres Objektiv sowie ggfs. noch ein wenig Zusatzgewicht anbringen musste.

Erst wollte ich das ganze mit einer 28mm-Nikon-Festbrennweite ausprobieren, da Foto-Zoomobjektive in der Regel länger oder kürzer werden, sobald man die Brennweite verändert. Doch da das Nikon-Objektiv beim Fokussieren ebenfalls seine Länge und damit den gesamten Schwerpunkt der Glidecam-Konstruktion verändert, war die Sache schnell gegessen.

Also habe ich das Tamron 17-50mm-Objektiv genommen und es fest auf 35mm eingestellt (entspricht wegen des APSC-Sensors der 550D also 56mm), das ganze auf eine Baseplate mit 15mm-Rohren montiert und zusätzlich noch – vor allem um das Gewicht zu erhöhen – mit einem Follow Focus versehen.

Mit drei Gegengewichten auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte konnte ich das System anschließend recht brauchbar ausbalancieren, wie im folgenden Video zu sehen ist. Beim Droptime-Test, also dem Pendeln in die Senkrechte, vergingen etwa zweieinhalb Sekunden, was ein guter Wert ist.

Die Aufnahmen habe ich dann fast durchgängig mit einer ambitioniert offenen Blende von f2.8 gemacht. Will heißen: Der Schärfebereich vor dem Objektiv lag – je nach Entfernung zum Objekt – im Zentimeterbereich. Logisch, dass brauchbare Aufnahmen nur in sehr kontrollierbaren Situationen und in Absprache mit dem Protagonisten möglich sind.

Schärfe ziehen ist nur zwischen den Aufnahmen möglich, weil die rechte Hand permanent den Griff der Glidecam hält und Zeigefinger und Daumen der linken Hand mit viel Feingefühl stets den sog. Center Post unter der kardanischen Aufhängung stabilisieren. Während einer Fahrt besteht die Herausforderung also darin, den Abstand zum Protagonisten bzw. bewegten Objekt konstant einzuhalten.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme 35mm-Adapter auf einer Glidecam 4000 ProIm vergangenen Winter hatte ich testweise meine Panasonic HPX171 samt dem Letus Extreme 35mm-Adapter, einer 50mm Nikon-Festbrennweite sowie einer GearDear-Mattebox auf das Schwebestativ geschraubt. Im Vergleich zur 550D war hier meine Befürchtung, dass die Kamera viel zu schwer ist, denn die Glidecam 4000 Pro ist normalerweise für ein Kameragewicht von etwa zwei bis fünf Kilogramm ausgelegt.

Natürlich ist völlig utopisch, das Kamera-Rig auf der Glidecam mit einer Hand allein zu führen – das ist viel zu schwer. Schon bei den kompakteren 2- bis 3-Kilo-Setups ermüden die Arme und Schultern (zumindest meine) nach nur wenigen Minuten. Bei schwereren Aufbauten ist der Smooth Shooter absolut unverzichtbar.

Denn dank der Weste samt Federarm wird das gesamte Gewicht gleichmäßig auf den Körper verteilt – in der Theorie und in den Werbeprospekten zumindest. Ich habe nach ca. zehn Minuten meistens trotzdem schon Rückenschmerzen und muss dann die erste Pause einlegen.

Neun Gegengewichte auf jeder Seite sowie jeweils eine schwere GewichtsplatteEin paar Worte zum Ausbalancieren: Auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte habe ich neun Gegengewichtsplatten verwendet. Doch weil das allein nicht ausreichte, habe ich zusätzlich auf jeder Seite der Basisplatte noch eine der schwereren Gewichtsplatten angebracht (die schwarzen mit den lauter vorgebohrten Löchern). Mit viel Geduld war das System schließlich im Gleichgewicht und hatte den Droptime-Test bestanden.

Weil der 35mm-Adapter die gesamte Kamera nicht nur schwerer macht, sondern den Schwerpunkt des gesamten Setups recht weit nach vorne verlagert, ist das Ausbalancieren deutlich komplizierter, wie ich finde.

Hier ein paar sehr einfache Aufnahmen, die ein wenig unter dem Wetter gelitten haben. Es war sehr kalt, ich hatte keine Handschuhe dabei, der Schnee war tief und rückwärts laufen war auf dem schneevereisten Rumpelweg einfach kein Vergnügen. Kurzum: Die Aufnahmen wackeln. Wären sie im Sommer entstanden, wäre das natürlich nicht passiert :-)

Sich mit einem Schwebestativsystem zu bewegen, ist eine sportliche und – je nach Wetterlage – schweißtreibende Angelegenheit. Die Körperhaltung sieht eher ungewöhnlich aus: Ich gehe immer leicht in die Knie und mache dann sehr kurze und schnelle Schritte. Je ebener der Untergrund, desto besser.

Schärfekontrolle mit Hilfe des HistogrammsBei den Beispielaufnahmen habe ich die Blende des Nikon-Objektivs auf f1.4 gestellt (was eigentlich völlig irrational ist; irgendwas zwischen f3.5 – f5.6 wäre wohl angemessener gewesen). Daher war der Schärfebereich noch dünner als beim Test mit der 550D. In solchen Fällen helfen natürlich sämtliche Formen von Fokus-Assistenten. An der HPX171 habe ich z.B. die Frequenzverteilungskurve schätzen gelernt. Sie zeigt sehr deutlich an, wann das Objekt maximal scharf abgebildet wird.

Glidecam und geringe Schärfentiefe – wofür ist das gut?

Unter bewegtbildgestalterischen Gesichtspunkten gibt es wohl kaum etwas Dramatischeres als eine Kamerafahrt. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, weil er sich durch den Raum bewegt. Mit der Glidecam sehen solche Fahrten natürlich ungleich ansprechender aus als frei aus der Hand gedreht.

Ein sich bewegendes Objekt durch Unschärfe zu isolieren, ist schwierig und erfordert – sicher auch mit viel Übung – mehr als einen Versuch. Wer die Idee hat, eine Reportage mit solcher Technik zu drehen (also keinen Einfluss auf das Geschehen nimmt, mit der Kamera nur begleitet und nichts inszeniert), sollte sich schnell wieder davon verabschieden.

Interview-Formate hingegen können auf diese Weise visuell deutlich ansprechender gestaltet werden. Vor zwei Jahren habe ich dieses Video in der 3sat-Mediathek gesehen (ein Interview mit William Gibson; der interessante Teil fängt ziemlich genau im letzten Fünftel an – leider hat der Videoplayer keinen Timecode). Die Kamera kreist auf einem Schwebestativ ständig um die beiden Gesprächspartner und nur ab und zu wird eine zweite Perspektive, eine statische Halbtotale, gezeigt. Ich weiß noch genau, wie sehr mich diese simple Idee und die gute Umsetzung damals beeindruckt hat.

Kurze Zeit später hatte ich mir dann die Glidecam gekauft.

Sennheiser EW100G2-Funkstrecke auf Canon EOS 550D / Rebel T2i abstimmen

4. April 2010 | Bisher 6 Kommentare »

Ich habe mal versucht, meine Sennheiser-Funkstrecke mit dem ME2-Ansteckmikrofon möglichst gut auf die EOS 550D abzustimmen. Denn irgendwie kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, für jedes Projekt ein externes Tonaufnahme-Gerät dabei zu haben und später Video- und Audiospur zu synchronisieren.

Sennheiser EW100G2-Funkstrecke

Die automatische Tonaussteuerung macht die ganze Sache kompliziert, egal welches Mikrofon man anschließt. Ist es still, zieht die Automatik leise Geräusche hoch, das Rauschen nimmt zu. Das hört man vor allem bei Sprechpausen im Interview.

Setzt der Interviewpartner dann plötzlich wieder recht laut an, ist die Automatik zu träge sich schnell darauf einzustellen und übersteuert. Die ersten Worte klingen verzerrt.

Die Funkstrecke ändert daran natürlich nichts, solange man nicht wie bei der EOS 5Dmk2 die Möglichkeit hat, die Automatik abzuschalten. Hoffentlich ist das mit einem Firmware-Update bald möglich.

Am Sender der Funkstrecke gibt es den Menüpunkt “Sensit”, mit dem man die Eingangsempfindlichkeit ändert. Diesen Wert habe ich auf -10 dB gestellt. Am Empfänger wiederum gibt es den Menüpunkt “AF-Out”, mit dem der Pegel des Audio-Ausgangs festgelegt wird. Hier habe ich -30 dB eingestellt.

Als Interviewmikrofon nehme ich das ME2, das ich auf ca. 20 cm Entfernung zum Mund anbringe, also etwa auf Brusthöhe. Spricht der Interviewpartner normal laut, dann kommt eine Waveform dabei heraus, die etwa wie folgt aussehen kann:

Waveform der Aufnahme mit einer Sennheiser EW100G2-Funkstrecke an der Canon EOS 550D

In meinem Beispiel liegt das Tonsignal in der Spitze etwa 2 dB unter der Vollaussteuerung, was natürlich relativ riskant ist. Bei anderen “Sensit/AF-Out”-Kombinationen (ich habe so ziemlich alle ausprobiert) war der Ton aber entweder übersteuert oder unterpegelig.

Bei diesen Einstellungen ist es so, dass das Rauschen konstant bei 25 dB unter der Vollaussteuerung liegt und interessanterweise auch nicht anzieht, wenn es ganz still im Raum ist. Warum auch immer.

Trotzdem ist das Rauschen natürlich noch viel zu laut. Zum Vergleich: Bei Tonaufnahmen mit professionellen Geräten liegt es etwa im Bereich zwischen -45 und -50 dB.

Erste Dreherfahrungen mit der EOS 550D/Rebel T2i und einem Schulter-Rig

31. März 2010 | Bisher 2 Kommentare »

Seit rund zwei Wochen liegt sie nun hier herum, die Canon EOS 550D. Erst gestern bin ich spontan dazu gekommen, sie mal auf Praxistauglichkeit zu testen.

Für das Videoblog meines geschätzten Fußballclubs habe ich einen kleinen Beitrag produziert, eine Art Stimmungsumfrage unter den Spielern zu Beginn der bevorstehenden Rückserie. Nichts Großes, wegen pünktlichen Trainingsbeginns in wenigen Minuten unter Zeitdruck entstanden – also fast wie im Berufsalltag.

Zuvor habe ich mir provisorisch ein Schulter-Rig aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten zusammengebaut. Es ist zwar noch nicht ganz ausgereift, weil es eigentlich für den 35mm-Adapter und die HPX 171 gedacht ist. Doch das Drehen macht damit richtig Spaß, vor allem weil das Rig im Vergleich zum Adapter unglaublich leicht ist.

Canon EOS 550D / Rebel T2i mit Schulterstativ aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten

Da der Monitor dank des Kugelgelenks in alle Richtungen drehbar ist, kann ich das Rig sowohl links als auch rechts schultern – und somit für die nötige Abwechslung bei Umfragen sorgen (also das Gesicht mal links, mal rechts positionieren).

Mit dem über Composite angeschlossenen Marshall-Monitor (Modell V-LCD70P-HDA), der eine Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten hat, kann ich die Schärfe der Bilder prima beurteilen (zumindest bei 720p-Aufnahmen; in 1080p habe ich bisher noch nichts aufgenommen).

Vor allem interessierte mich aber die Frage, wie gut wohl die O-Töne klingen werden, wenn ich mein Sennheiser ME64 (mit Windschutz) anschließe. Fast alle Statements in dem Video habe ich über eine Distanz von etwa anderthalb Metern aufgezeichnet, links und rechts gab’s ordentlich Nebengeräusche.

Dank der Nierencharakteristik des Mikrofons sind die O-Töne recht deutlich verständlich. Der Limiter hat immer kurz vor 0 dBFS abgeriegelt. Zu Übersteuerungen kam es bei diesem Test nicht.

Ansonsten das übliche Problem: Immer wenn kurze Sprechpausen auftreten, zieht die automatische Tonaussteuerung (AGC = Automatic Gain Control) die Stille deutlich hoch, was sich mit Rauschen bemerkbar macht. Klingt nicht so gut, ist für viele Online-Video-Produktionen aber vermutlich zu verschmerzen.

Nikon AI-S-Linsen mit BlendenringDie alte Nikon AI 50mm f1.4-Linse, die ich für den Dreh eingesetzt habe, ist wegen des APS-C-Sensors der 550D fast ein kleines Teleobjektiv (Faktor 1,6 = 80mm). Natürlich hat es keinen Bildstabilisator. Aber ich habe den Eindruck, dass man mit einem Schulterstativ trotzdem recht ruhige Aufnahmen hinbekommt. Das bisschen Gewackel bei den O-Tönen in meinem Video stört mich nicht, da es nicht dieses merkwürdige Rolling-Shutter-Gezittere ist.

Apropos alte Nikon-Linsen: Ich kann sie für die Arbeit mit Video-DSLRs nur wärmstens empfehlen. Ich hatte mir ein Set speziell für den 35mm-Adapter zusammengekauft, bin aber heilfroh, dass ich sie dank eines gerade mal 20,- Euro teuren Adapterrings ohne Einschränkungen auch an der 550D nutzen kann. Der Vorteil für die Videoarbeit ist der direkt am Objektiv angebrachte Blendenring sowie der angenehm gedämpft laufende Fokusring.

Obwohl das Drehen mit der 550D unglaublich Lust auf mehr macht, fehlt mir an der Kamera vor allem eins: Ein 70%-Zebra, um die korrekte Belichtung von Gesichtern besser feststellen zu können (wie im Video deutlich zu sehen ist). Der sehr hilfreiche Belichtungsmesser bezieht sich immer auf das gesamte Bild, ist also nur eine begrenzte Hilfe.

Der Marshall-Monitor hat übrigens eine zebra-ähnliche Funktion (“False Color”, siehe hier). Da ich ihn aber bisher immer nur mit der HPX 171 benutzt hatte, habe ich mich noch nicht damit auseinander gesetzt.

Erstes Fazit für mich: Die 550D macht soviel Spaß, dass ich gestern das erste Mal das Gefühl hatte, den 35mm-Adapter vermutlich nicht mehr einzusetzen. Mal schauen, wie sich’s beim ersten ernsthaften Beitragsdreh anfühlt.

HD-Material der Canon 550D/7D in SD-Material mit Halbbildern wandeln (720p50 nach 576i50)

29. März 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Einen großen Teil meiner Videos produziere ich nach wie vor in der PAL-Fernsehnorm mit Zeilensprungverfahren, also in 720 x 576 Bildpunkten mit 25 Bildern pro Sekunde, die sich aus 50 Halbbildern zusammensetzen. In Zukunft werde ich wohl häufiger HD-Material der Canon EOS 550D mit SD-Material der Panasonic HPX171 mischen.

Ideal eignet sich dazu der Aufnahmemodus 1280 x 720p50 der 550D. Die 50 Vollbilder der HD-Aufnahme lassen sich recht einfach in die 50 Halbbilder des SD-Formats wandeln. Dann sehen sämtliche Bewegungen auch auf einem Röhrenfernseher völlig flüssig aus.

Apples Compressor, der zum Final Cut Studio gehört, macht da einen guten Job – auch was die Umrechnung der quadratischen HD-Pixel in die anamorphen SD-Pixel betrifft.

Wenn ich mit der HPX171 also PAL SD in DVCPRO50 aufnehme, wandle ich das 550D-Material in Compressor später mit folgenden Einstellungen:

Einstellungen zur Wandlung von 720p50-Material in 576i50

Bei den Video-Einstellungen wähle ich folgendes:

Einstellungen zur Wandlung von 720p50-Material in 576i50

Bei den Ton-Einstellungen wähle ich “Linear PCM” als Format, Stereo-Kanäle und eine Abtastrate von 48 kHz.

Übrigens: Eine “beliebte” Fehlerquelle ist die Halbbildreihenfolge. Wenn Sie hier etwas Falsches eintragen, zappeln die Bilder sehr stark, was vor allem bei starker innerer Bewegung im Bild oder bei Kamerabewegungen (Schwenk, Fahrt) zu sehen ist.

Ob die Halbbildreihenfolge stimmt, können Sie aber nur auf einem Videomonitor oder Fernseher mit Bildröhre kontrollieren. Denn Flachbildschirme stellen keine Halbbilder dar.