Alle Beiträge der Kategorie 'Arbeitsweisen'

Vom Fotografen zum Videoreporter, Teil 2

23. Juli 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Im vergangenen Jahr hatte ich hier mal etwas über Printfotografen in den USA geschrieben, die sich langsam aber sicher weiterentwickeln zu Online-Videoreportern. Colin Mulvany, der für The Spokesman Review in den USA arbeitet, ist einer von ihnen.

Im Video Journal des Spokesman Review beschreibt er, wie er jetzt quasi den nächsten Level erreicht hat: Er hat ein solides Nachrichtenvideo produziert, das er innerhalb der vorgegebenen Zeit gedreht, getextet, geschnitten und vertont hat. Sozusagen das komplette Programm.

Das Video finde ich sehr gelungen: Es ist informativ, Bild und Text fügen sich zu einer Einheit, alle Bildanschlüsse stimmen, die kurzen O-Töne sorgen für Abwechslung.

Interessant ist Colin Mulvanys Einstellung zu seiner eigenen Stimme bzw. Off-Sprechern im Allgemeinen:

“When I first started producing videos, my mantra was ‘let the subject tell the story.’ There was such a desire on my part to not be like ‘TV,’ that I felt adding my voice would take away from the story. As I have experimented along the way, I’ve come to the conclusion that narration is not such a bad thing.”

Andy Dickinson hat den Beitrag aufgegriffen und geht mit vielen Tipps näher auf das Schreiben des Off-Textes ein. Seine Empfehlung: Erst schneiden, dann texten.

Ich gehe lieber etwas anders vor: Grob kenne ich bereits den Aufbau des Beitrags, wähle die O-Töne aus und schneide dann nacheinander die Sequenzen. Parallel zum Schneiden schreibe ich den Text.

(Fundstelle: Mindy McAdams)

Wackelkamera

23. Juli 2007 | Bisher 1 Kommentar »

Mit einer freihand geführten Kamera ein statisches Objekt zu drehen, ist nicht sehr empfehlenswert. Egal wie man es macht, es wackelt.

Sind die Objekte selbst in Bewegung, sieht das schon ganz anders aus. Wer beispielsweise einem Protagonisten auf Schritt und Tritt folgen will, wird die Kamera mehr oder weniger freihand führen müssen. Dazu eignen sich verschiedene Methoden.

Möglichkeit 1: Die Kamera etwa auf Brusthöhe halten, wobei man sie in beide Hände legt, so als würde man vorsichtig eine Wasserschüssel tragen (wie es Dushan Wegner in seinem Buch Der Videojournalist treffend beschreibt). Die Knie sind dabei leicht gebeugt und federn einen Teil der Bewegung ab.

Möglichkeit 2: Die Kamera auf dem Stativ befestigen, das Stativ möglichst einfahren und mit beiden Händen fest vor der Brust halten. Das ist zwar schwere Arbeit, aber - je nach körperlicher Fitness - kann man so für ein bis zwei Minuten drehen. Mit etwas Übung federn die Arme sehr viel Bewegung ab.

Möglichkeit 3: Ein Schulterstativ einsetzen. Die Kamera hält man bei einer solchen Konstruktion direkt auf Augenhöhe. Stabilisiert wird die ganze Konstruktion durch eine Schulterschiene, an deren Ende ein Gegengewicht zur Kamera angebracht ist. Zusätzlich trägt man einen Gürtel, in dem ein gefederter Teleskoparm steckt, der die Hüftbewegungen beim Gehen absorbieren soll.

Ich habe diese drei Möglichkeiten (es gibt natürlich noch viele weitere; Anregungen gern in den Kommentaren) mal auf einem Sportplatz ausprobiert und im folgenden Video nebeneinander gestellt. Das statische Objekt, auf das ich mich zubewegt habe, ist das Tor auf der gegenüberliegenden Seite.

(Anmerkung: Das Video bitte nicht öfter als drei Mal in Folge ansehen, es entfaltet hypnotische Wirkung.)

Was sofort auffällt: Es wackelt bei allen drei Varianten erheblich. Das hat mehrere Gründe.

Erstens, wie eingangs erwähnt, habe ich ein statisches Objekt gedreht. Bewegungen fallen sofort auf, und in diesem Fall sollten sie das ja auch. Zweitens war der Boden leider alles andere als eben. Wer die Kreisliga C-erprobten Sportplätze im lippischen Südosten kennt, weiß wovon ich rede (saftigster Rasen, aber viele Schlaglöcher). Und drittens mangelnde Übung. Ich drehe meistens vom stehenden Stativ, die bewegte Kamera ist für mich recht ungewohnt.

Die Sache mit dem eingefahrenen Stativ vor der Brust habe ich wohl überschätzt. Ich musste aufgrund des Gewichts kleinere und dementsprechend viel mehr Schritte machen, was sich einerseits durch stärkere Wackelei rächt, andererseits war ich am Ende der kurzen Strecke ziemlich außer Puste.

Das Schulterstativ federt tatsächlich die Hüftbewegungen weitgehend ab (gegen Schlaglöcher ist es natürlich machtlos). Das Wackeln beschränkt sich weitgehend auf Bewegungen in der Horizontalen. Mit etwas mehr Training kann man bestimmt auch das noch in den Griff bekommen.

Apropos Schulterstativ: Ich setze das DVRig Pro ein. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte sich unbedingt auch den PAG Orbitor ansehen.

25p?

10. Juli 2007 | Bisher 6 Kommentare »

Frage an all diejenigen, die Videos speziell für Online drehen: Nutzt ihr den 25p-Modus eurer Kamera oder zeichnet ihr immer noch im Halbbildverfahren auf und setzt später beim Konvertieren einen DeInterlace-Filter ein?

BBC Training: Good Shooting Guide

23. Juni 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Wer sich erst seit kurzem für die Videoproduktion interessiert und sich noch in der frühen Experimentierphase befindet, sollte unbedingt einen Blick in den Good Shooting Guide der BBC werfen. Dort werden die Basics sehr verständlich, kurz und bündig erklärt.

Was muss vor einem Dreh alles bedacht werden? Welches Equipment wird benötigt? Wann ist ein Bildausschnitt richtig gewählt? Wie zieht man die Schärfe? Wie lassen sich Handlungen in Bildsequenzen zerlegen? Mit welchem Mikrofon zeichne ich den Ton auf?

Wie von der BBC gewohnt, wurde das Tutorial natürlich vorbildlich mit Video- und Audiomaterial angereichert.

Animierte Vektorobjekte mit Flash und Avid Xpress Pro

18. Mai 2007 | Bisher 14 Kommentare »

Für einen Fernsehbeitrag wollte ich ein kleines, animiertes Vektorobjekt (ein Symbol für Radiowellen) über einen Gegenstand im Video legen. Da sich der Gegenstand (eine Einkaufstüte) bewegt, sollten sich auch die Radiowellen ständig auf Höhe des Gegenstands mitbewegen. Bildaussage: Da funkt etwas geräuschlos in der Tüte.

Mit den Standard-Plugins meines Schnittprogramms (Avid Xpress Pro, Version 4.6) ist so etwas leider nicht möglich. After Effects besitze ich nicht und habe auch gar keine Erfahrungen damit, obwohl die Lösung damit wahrscheinlich sehr einfach gewesen wäre.

Als rettende Alternative kam mir ziemlich schnell Flash in den Sinn. Mit der Software lassen sich Vektorobjekte spielend einfach erstellen, animieren und bewegen.

Nur: Wie kriege ich die Videodaten in TV-Qualität aus dem Avid in Flash und den fertigen Effekt wieder zurück?

Nach ein paar Experimenten hat es geklappt. Dabei bin ich so vorgegangen:

Zunächst habe ich die etwa 10-sekündige Einstellung (eine Person geht mit einer Einkaufstüte durch eine Fußgängerzone) als Einzelbild-Sequenz exportiert. Die insgesamt 266 Bilder habe ich im BMP-Format gespeichert und dabei die “Field Order” (also die Anordnung der Halbbilder) auf “Lower Field First” gestellt. Das entspricht dem PAL-Standard.

Anschließend habe ich ein neues Projekt in Flash angelegt (25 Bilder pro Sekunde, 720 x 576 Pixel) und die einzelnen Bilder direkt auf Ebene 1 der Hauptbühne importiert (das dauert ein wenig, weil 266 BMP-Dateien schon recht groß sind).

Dann habe ich die Animation der Radiowellen als eigenes Objekt (in Flash wird das “Symbol” genannt) mit ein paar Zeichentools erstellt und dies auf Ebene 2 der Hauptbühne gelegt.

Da sich die Position der Einkaufstüte im Video ja ständig ändert, habe ich das Vektorobjekt alle paar Frames erneut zentral über der Tüte positioniert (und zum Schluss auch etwas skaliert, da die Person mit der Einkaufstüte weggeht und auch kleiner wird).

Nachdem ich mit dem Finetuning in Flash zufrieden war, habe ich den “Film exportiert” - und zwar erneut als BMP-Einzelbildsequenz (JPEG wäre übrigens wegen des Qualitätsverlusts nicht empfehlenswert).

Zurück im Avid muss die Sequenz jetzt natürlich wieder importiert werden. Dazu sollten vorher die Import-Einstellungen für Grafiken auf “Autodetect Sequential Files” gestellt werden und die “Field Order” diesmal auf “Non-Interlaced”. Avid übernimmt die Bilder dann “so wie sie sind”, und zwar immer noch mit der Halbbild-Folge, die beim Export gewählt wurde.

Anschließend werden die paar Sekunden Video einfach in die Timeline geschnitten und unterlegt mit der ursprünglichen Atmo. Fertig.