Wer sich erst seit kurzem für die Videoproduktion interessiert und sich noch in der frühen Experimentierphase befindet, sollte unbedingt einen Blick in den Good Shooting Guide der BBC werfen. Dort werden die Basics sehr verständlich, kurz und bündig erklärt.
Was muss vor einem Dreh alles bedacht werden? Welches Equipment wird benötigt? Wann ist ein Bildausschnitt richtig gewählt? Wie zieht man die Schärfe? Wie lassen sich Handlungen in Bildsequenzen zerlegen? Mit welchem Mikrofon zeichne ich den Ton auf?
Wie von der BBC gewohnt, wurde das Tutorial natürlich vorbildlich mit Video- und Audiomaterial angereichert.
Für einen Fernsehbeitrag wollte ich ein kleines, animiertes Vektorobjekt (ein Symbol für Radiowellen) über einen Gegenstand im Video legen. Da sich der Gegenstand (eine Einkaufstüte) bewegt, sollten sich auch die Radiowellen ständig auf Höhe des Gegenstands mitbewegen. Bildaussage: Da funkt etwas geräuschlos in der Tüte.
Mit den Standard-Plugins meines Schnittprogramms (Avid Xpress Pro, Version 4.6) ist so etwas leider nicht möglich. After Effects besitze ich nicht und habe auch gar keine Erfahrungen damit, obwohl die Lösung damit wahrscheinlich sehr einfach gewesen wäre.
Als rettende Alternative kam mir ziemlich schnell Flash in den Sinn. Mit der Software lassen sich Vektorobjekte spielend einfach erstellen, animieren und bewegen.
Nur: Wie kriege ich die Videodaten in TV-Qualität aus dem Avid in Flash und den fertigen Effekt wieder zurück?
Nach ein paar Experimenten hat es geklappt. Dabei bin ich so vorgegangen:
Zunächst habe ich die etwa 10-sekündige Einstellung (eine Person geht mit einer Einkaufstüte durch eine Fußgängerzone) als Einzelbild-Sequenz exportiert. Die insgesamt 266 Bilder habe ich im BMP-Format gespeichert und dabei die “Field Order” (also die Anordnung der Halbbilder) auf “Lower Field First” gestellt. Das entspricht dem PAL-Standard.
Anschließend habe ich ein neues Projekt in Flash angelegt (25 Bilder pro Sekunde, 720 x 576 Pixel) und die einzelnen Bilder direkt auf Ebene 1 der Hauptbühne importiert (das dauert ein wenig, weil 266 BMP-Dateien schon recht groß sind).
Dann habe ich die Animation der Radiowellen als eigenes Objekt (in Flash wird das “Symbol” genannt) mit ein paar Zeichentools erstellt und dies auf Ebene 2 der Hauptbühne gelegt.
Da sich die Position der Einkaufstüte im Video ja ständig ändert, habe ich das Vektorobjekt alle paar Frames erneut zentral über der Tüte positioniert (und zum Schluss auch etwas skaliert, da die Person mit der Einkaufstüte weggeht und auch kleiner wird).
Nachdem ich mit dem Finetuning in Flash zufrieden war, habe ich den “Film exportiert” - und zwar erneut als BMP-Einzelbildsequenz (JPEG wäre übrigens wegen des Qualitätsverlusts nicht empfehlenswert).
Zurück im Avid muss die Sequenz jetzt natürlich wieder importiert werden. Dazu sollten vorher die Import-Einstellungen für Grafiken auf “Autodetect Sequential Files” gestellt werden und die “Field Order” diesmal auf “Non-Interlaced”. Avid übernimmt die Bilder dann “so wie sie sind”, und zwar immer noch mit der Halbbild-Folge, die beim Export gewählt wurde.
Anschließend werden die paar Sekunden Video einfach in die Timeline geschnitten und unterlegt mit der ursprünglichen Atmo. Fertig.
VJ-Auslandskorrespondent Markus Böhnisch hat in der aktuellen (gedruckten) Ausgabe des Magazins cut (4/2007, S. 36-39) einen informativen Erfahrungsbericht über die Überspielmöglichkeiten von FTP im TV-Nachrichtengeschäft geschrieben.
Für eine n-tv-Nachrichtensendung überspielte Markus im August 2006 eine Woche lang aus Israel täglich Moderationen, selbstgedrehte Nachrichtenstücke und Aufsager im MPEG2-Format.
Jeder Tag hatte seine Deadline. Unsere Elemente sollten gegen 17:00 Uhr deutscher Zeit auf dem Server liegen, wir mussten also um 15:00 Uhr mit dem Überspielen beginnen. So lange dauerte es, unsere rund zwölf Minuten Material zu versenden. Die Schwachstelle war – wie bei jeder herkömmlichen Produktion – der Überspielort. So, wie man im Ausland bisweilen mühsam nach einem Studio oder einer SNG suchen muss, hieß es jetzt, einen Internetzugang zu finden, der potent genug war. Aus der vorherigen Erfahrung hatte ich die Mindestanforderung auf 400 Kilobit Upload, also Versandgeschwindigkeit, festgelegt.
In dem Artikel beschreibt Markus unter anderem, mit welchen Bitraten er bestimmtes Material kodiert hat, um die Uploadzeiten gering und damit die Abgabefristen auch tatsächlich einhalten zu können.
Fazit:
Kleinere Stationen haben mit dieser Technik die Chance, mehr Aktualität ins Programm zu nehmen, Aktualität, die durch zu hohe Übertragungskosten bislang außen vor blieb oder mit Agenturmaterial abgedeckt wurde. Die großen Sender können damit aber auch wirksam Kosten senken.
Im vergangenen Jahr hatte ich mal kurz erwähnt, wie einige Fotografen bei US-Zeitungen zu Videojournalisten werden. Eine dieser Zeitungen ist die Dallas Morning News.
Ein Video auf der Website Digital Journalist vermittelt ein paar Einblicke mit vielen O-Tönen zur Motivation eines dort tätigen VJs, zu seinen Arbeitsweisen, Stärken und Schwächen.
Ganz interessant finde ich, wie mit Video Stills umgegangen wird: Aus den 30 Bildern pro Sekunde (NTSC), die die VJs mit ihren HDV-Kameras aufzeichnen, werden ausgewählte Einzelbilder für die gedruckte Zeitung verwendet. Ob die Qualität ausreicht? Angeblich ja.
Ich habe meine Zweifel. Ein HDV-Video-Frame kann ein Foto in der Zeitung kaum ersetzen. Die Auflösung ist viel zu gering, die Kompressions-Artefakte fallen auf, hinzu kommt das Problem mit Interlace-Streifen bei Bewegungen (wenn nicht gerade progressiv gedreht wurde).
Dass der Bildstabilisator nur bei freihand geführter Kamera eingeschaltet werden sollte, ist kein Geheimnis, sondern steht in den meisten Bedienungsanleitungen - begründet wird dies in den “Operating Instructions” der DVX 100 allerdings nicht.
Dazu ein paar Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe:
Wenn ich die Kamera frei mit der Hand führe, schalte ich den Stabilisator stets ein. Das gilt auch für Aufnahmen vom Schulterstativ oder dem Einbein-Stativ. Vor allem bei mittleren und längeren Brennweiten halte ich den Stabilisator für unverzichtbar.
Beim Dreh vom Dreibein-Stativ schalte ich den Stabilisator fast immer aus, denn bei einem Schwenk mit mittlerer oder langer Brennweite interpretiert er den Anfang als Wackler und will ihn ausgleichen. Das hat zur Folge, dass das Bild für den Bruchteil einer Sekunde stehen bleibt und der Schwenk erst dann beginnt. Ein paar Pixel des sich ändernden Bildinhalts fehlen also, die eigentliche Bewegung wird am Anfang abgehackt.
Drehe ich eine Einstellung von einem statischen Objekt mit langer Brennweite vom Stativ, schalte ich den Stabilisator immer dann ein, wenn es windig ist. Denn unter solchen Bedingungen kann die ganze DV-Leichtbauweise schonmal ins Vibrieren geraten, was ohne Stabilisator sofort zu sehen wäre.