Alle Beiträge der Kategorie 'DVX 100'

O-Töne sauber aufnehmen, Teil 2

23. August 2006 | Bisher 4 Kommentare »

Wenn es die Zeit meiner Interview-Partner zulässt, dann nehme ich das Gespräch mit ihnen am liebsten in ruhiger Atmosphäre auf, möglichst im Sitzen und adäquat ausgeleuchtet.

Telefonisch kläre ich vorher natürlich ab, ob soviel Zeit vorhanden ist. Denn allein für Auf- und Abbau der Technik gehen locker mindestens 20 Minuten drauf, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert und die Konzentration hoch ist.

Für solche Fälle nehme ich folgendes Equipment mit:

  • die Kamera samt Akkus, Tapes, Kabeln und Mikrofonen
  • einen sehr kompakten Lichtkoffer mit drei 300-Watt-Leuchten und verschiedenen Filter-Folien, die mit Wäscheklammern an den Flügeltoren vor den Leuchten befestigt werden können
  • das Stativ für die Kamera
  • drei leichte Lampen-Stative

Das alles sollte natürlich möglichst gut und transportabel verpackt sein. Der Transport des gesamten Equipments ohne Auto ist auch solo zwar möglich, aber sehr anstrengend und absolut nicht empfehlenswert.

Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.
Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.

Heute morgen hatte ich das gesamte Equipment dabei, als ich kurz einen O-Ton für einen Beitrag aufzeichnen wollte. Doch mein Interview-Partner hatte leider nur 15 Minuten Zeit, womit ich nicht gerechnet hatte. Viel zu wenig Zeit auf jeden Fall, um den ganzen Lichtaufbau vernünftig hinzukriegen.

Wir zeichneten den O-Ton dann im Stehen auf, und zwar auf einem langen Flur in dem Verwaltungsgebäude, in dem wir uns befanden. In der kurzen Zeit ist mir leider kein besserer Ort eingefallen.

Dort waren unter der Decke in regelmäßigen Abständen relativ schwache Leuchten platziert, an einer Stelle fiel links durch ein Fenster natürliches Licht.

Ich bat meinen Interview-Partner, sich direkt unter eine der Deckenleuchten seitlich in die Nähe dieses Fensters zu stellen. Dort vermischten sich zwar Tages- und Kunstlicht, was jedoch durch einen Weißabgleich in den Griff zu bekommen ist.

Auf die Kamera habe ich dann schnell noch eine kleine 20-Watt-Kopfleuchte installiert, mit der ich das Gesicht des Interview-Partners etwas aufhellen konnte.

Der Workflow in dieser Situation war wie folgt:

  • einen vernünftigen Hintergrund finden (in diesem Fall die Flucht des langen Flures)
  • Lichtquellen am Ort finden, die das Gesicht des Interview-Partners möglichst gut ausleuchten
  • die Kamera auf dem Stativ auf Augenhöhe des Interview-Partners bringen und ihn kurz darum bitten, sich während des Gesprächs nicht zuviel zu bewegen, da man die Kamera während des Gesprächs nicht bedienen kann
  • Kopflicht zuschalten
  • Weißabgleich direkt vor dem Gesicht des Interview-Partners
  • Sprechprobe nehmen, Ton pegeln
  • optimale Blendenzahl wählen und fest einstellen (dazu die Zebra-Funktion nutzen: bei 80 Prozent Intensität sollte der hellste Teil des Gesichts, zum Beispiel die Nase oder die Stirn, mit einem Zebra dargestellt werden)
  • den Fokus auf manuell schalten und die Schärfe ziehen (dazu möglichst nah auf die Augenpartie zoomen, dann scharf stellen und wieder aufziehen auf den optimalen Bildausschnitt)
  • Aufnahme starten und möglichst schlaue Fragen stellen

Während des Interviews stand ich - wie meistens - links hinter der Kamera, denn dort habe ich den besten Blick auf das ausklappbare Display. So kann ich den Bildausschnitt sowie die Tonpegel ständig aus dem Augenwinkel kontrollieren.

Das Mikrofon (in diesem Fall das Richtmikro Sennheiser ME66) halte ich in solchen Situationen nicht mit der bloßen Hand, sondern mit einer kleinen Tonangel, quasi ein verlängerter Arm. An deren Ende ist eine Spinne befestigt, die das Mikro hält.

So werden einerseits störende Griffgeräusche unterbunden (das ME66 ist da sehr empfindlich). Andererseits kann ich eine entspannte Körperhaltung einnehmen und bequem hinter der Kamera stehen bleiben, weil ich das Mikro auch über ein wenig Distanz an den Interview-Partner heranführen kann.

O-Töne sauber aufnehmen

8. August 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Wenn ich ein Interview aufzeichne, will ich mich so gut wie möglich auf den Gesprächspartner einlassen können. Das setzt voraus, dass die Bedienung der Technik dabei möglichst zur Nebensache wird und - einmal passend eingestellt - verlässlich im Hintergrund läuft.

Die meisten DV-Kameras bieten die Möglichkeit, den Eingangspegel für den Ton automatisch oder manuell auszusteuern. Automatisch hat den Vorteil, dass das aufgezeichnete Signal selten zu laut oder zu leise ist.

Spricht der Interview-Partner aber zum Beispiel insgesamt relativ leise und wird dann plötzlich mal sehr laut, kommt die Automatik der Kamera nicht hinterher - mit dem Resultat, dass der aufgezeichnete Ton an dieser Stelle vermutlich übersteuert ist.

Um ein gutes, sauberes Tonsignal aufzuzeichnen, gehe ich daher folgendermaßen vor: Das jeweils eingesetzte Mikrofon schließe ich stets an der unteren der beiden XLR-Buchsen meiner Kamera an.

Anschließend lege ich die Eingangssignale für Kanal 1 und Kanal 2 zusammen auf den unteren XLR-Anschluss und pegle sie unterschiedlich aus - den ersten etwas stärker, den zweiten schwächer.

Mögliche Einstellungen für die Aufnahme eines O-Tons mit der Panasonic DVX 100
Mögliche Einstellungen für die Aufnahme eines O-Tons mit der Panasonic DVX 100.

Dazu lasse ich den Interview-Partner natürlich ein paar Worte sagen. Am besten klappt es, so meine Erfahrung, wenn man eine ernst gemeinte Frage stellt (”Was haben Sie heute morgen gefrühstückt?”). Oft spricht er/sie dann frei von der Leber weg und mit einer vergleichbaren Lautstärke wie bei der anschließenden Aufzeichnung.

Die DVX hat einen Headroom von 12 dB - das heißt: Die Balken der Pegel-Anzeige auf dem Display für Kanal 1 und 2 werden ab einem Eingangssignal von -12 dB rot. Erst bei 0 dB, also dem Ende des roten Balkens, setzt das sogenannte Clipping, also die digitale Verzerrung ein. Das aufgezeichnete Signal ist ab dort unbrauchbar. Das bestmöglich aufgezeichnete Signal ist kurz vor 0 dB.

Tonpegel-Anzeige im Display der Panasonic DVX 100
Tonpegel-Anzeige im Display der Panasonic DVX 100. Das Eingangssignal auf Kanal 1 ist in diesem Fall am Ende des Headrooms angekommen und übersteuert, das Signal auf Kanal 2 liegt genau am Anfang des Headrooms, also -12 dB.

Auf diese Weise erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine gute Tonspur aufzunehmen. Anschließend im Schnitt nehme ich dann die bessere der beiden.

Sönke Wortmann und die WM-Kamera

5. Juli 2006 | Bisher 5 Kommentare »

Bin mal gespannt auf den Film, den Sönke Wortmann gerade über die deutsche National-Mannschaft bei der WM 2006 dreht. In einem Interview mit Spiegel Online sagt er, dass der Streifen im Herbst fertig sein soll.

Wortmann dreht mit einer kleinen, digitalen Videokamera - also wie ein Videojournalist. Der Frankfurter Rundschau hat er verraten, dass es sich dabei um einen Panasonic 3CCD-Camcorder handelt:

Was ich brauchte, war eine möglichst gute Kamera, die dennoch möglichst klein ist. Die hat eine sehr gute Bildqualität und wirkt von der Größe nicht störend. Außerdem kann man sehr schnell damit arbeiten. Einschalten und dann geht’s los. Ein Weißabgleich ist gar nicht nötig. Wenn man da auf der Ersatzbank sitzt und es passiert was, muss man schnell sein. Ich kann auch von oben in das Display gucken. Das ist psychologisch sehr wichtig. Ich muss sie nicht vor dem Kopf hertragen. Wenn man sie vor dem Auge hätte, wäre automatisch eine Distanz da.

Wenn mich nicht alles täuscht, dreht Wortmann mit der DVX 100 - zumindest deutet dieses Foto darauf hin.

Der Film dürfte vor allem unter dem Aspekt “Authentizität” interessant sein: Ist es Wortmann tatsächlich gelungen, dank der unauffälligen Technik so nah an die Protagonisten heranzukommen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, selbst dabei zu sein?

Was ich an der DVX 100 schätze…

28. Juni 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Ich bin von Kollegen in letzter Zeit häufiger gefragt worden, welche Kamera ich Ihnen empfehlen würde, um Video-Material für das Web zu drehen, das gleichzeitig für das Fernsehen taugt. Ohne für mich in Anspruch nehmen zu können, einen umfassenden Überblick über alle derzeit für Videojournalisten am besten geeigneten DV-Kameras zu haben, empfehle ich guten Gewissens immer wieder die DVX 100 von Panasonic.

Was mich an dem Gerät im Hinblick auf die Anforderungen meines Jobs überzeugt:

  • Die Bildqualität ist beeindruckend.
  • Alle Bedienelemente sind leicht zugänglich über mechanische und großzügig dimensionierte Schalter.
  • Der Schärfering ist groß und ohne Hindernisse zu bedienen.
  • Die Zoomwippe kann abgeschaltet werden. Alternativ kann über einen manuellen Ring gezoomt und aufgezogen werden.
  • Mit einem zweistufigen ND-Filter kann der Lichteinfall gedämpft werden. Daraus ergibt sich ein viel größerer kreativer Spielraum im Umgang mit der Blende und der Schärfentiefe von Bildern bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen.
  • Das Display ist sehr groß und hoch aufgelöst.
  • Es gibt einen Modus, mit dem sich die Schärfe von Objekten in Bildern über das Display viel besser beurteilen lässt.
  • Neben den Presets (3200K/5600K) gibt es zwei Speicherplätze für manuell ermittelte Weißabgleichwerte.
  • Der Bildstabilisator arbeitet überzeugend, was sich bei Aufnahmen mit langer Brennweite oder freihand geführter Kamera immer wieder bestätigt.
  • Über XLR-Stecker können zwei Mikrofone angeschlossen werden. Die Spannungsversorgung erfolgt wahlweise über Phantomspeisung.
  • Die beiden Tonkanäle können unabhängig voneinander gepegelt werden.
  • Der Shutter kann individuell eingestellt und jederzeit zugeschaltet werden. Das ist gut bei Aufnahmen von alten Röhrenmonitoren oder Fernsehern.
  • Der Sucher ist sehr groß dimensioniert.
  • Und, was nicht unwichtig ist: Die Kamera liegt gut in der Hand.

Zahlreiche Meinungen, Problemlösungen und Tipps rund um die DVX werden bei DVXuser.com ausgetauscht.

Auch auf die Gefahr hin, dass es albern wirkt, möchte ich es trotzdem anmerken: Ich stehe in keinerlei Beziehung zu dem Unternehmen Panasonic. Ich erhalte weder Geld noch andere Zuwendungen dafür, das ich diese Kamera an dieser Stelle empfehle. Ich nutze sie lediglich für meine Arbeit, und das sehr gern.