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Glidecam 4000 Pro und Smooth Shooter mit Canon 550D sowie HPX 171 mit und ohne Letus Extreme

7. August 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Vor etwa zwei Jahren habe ich mir eine Glidecam Smooth Shooter gekauft – ein Schwebestativ (ähnlich wie die wesentlich bekanntere Steadicam), mit dem man die Kamera weitgehend von Körperbewegungen entkoppeln kann.

Mit viel Übung können Kamerafahrten dann sehr ruhig und fließend aussehen, fast so, als bewege sich die Kamera auf Schienen.

Wie man in diesem Clip (aus 2008 und 2009) deutlich sieht: Viel weiter als über den Anfängerstatus bin ich noch nicht hinaus gekommen. Zwar schaffe ich es, den Horizont in der Waagerechten zu halten, doch die leichten Links-Rechts-Wackler lassen das Ganze noch ein wenig wie Seefahrt aussehen.

Sobald allerdings ein Protagonist im Bild ist, der sich selbst bewegt, fallen diese leichten Wackler kaum noch ins Gewicht.

Um mit der Glidecam vernünftig arbeiten zu können, muss sie zunächst ausbalanciert werden. Das ist zwar nicht kompliziert, erfordert aber einiges an Geduld. Wie das funktioniert, wird im zweiten Teil folgender Video-Serie auf YouTube ganz gut erklärt:

Bei Glidecam-Aufnahmen sollte das Objektiv der Kamera einerseits weitwinklig eingestellt sein (denn je länger die Brennweite, desto deutlicher werden Wackler), andererseits sollten die Bilder so große Schärfentiefe wie möglich aufweisen. Denn Schärfeziehen während einer Fahrt ist so gut wie unmöglich.

Da normale 1/3″-CCD/CMOS-Camcorder bei weitwinkligen Aufnahmen eh alles scharf abbilden, ist es im Prinzip egal, mit welcher Blende man dreht.

Deutlich anspruchsvoller werden Aufnahmen natürlich, wenn man mit selektiver Schärfe arbeiten möchte, also beispielsweise einen Protagonisten verfolgt und ihn scharf abbilden möchte, während der Hintergrund in der Unschärfe liegt.

Das lässt sich einerseits mit einer HDSLR realisieren, andererseits mit einem 35mm-Adapter. Beide Möglichkeiten habe ich einmal ausprobiert.

Als ich vor ein paar Wochen die Canon 550D auf die Glidecam 4000 Pro geschraubt hatte, war meine erste Befürchtung, dass die Kamera viel zu leicht ist und ich das ganze System nicht vernünftig ausbalancieren kann. Daher war klar, dass ich ein möglichst schweres Objektiv sowie ggfs. noch ein wenig Zusatzgewicht anbringen musste.

Erst wollte ich das ganze mit einer 28mm-Nikon-Festbrennweite ausprobieren, da Foto-Zoomobjektive in der Regel länger oder kürzer werden, sobald man die Brennweite verändert. Doch da das Nikon-Objektiv beim Fokussieren ebenfalls seine Länge und damit den gesamten Schwerpunkt der Glidecam-Konstruktion verändert, war die Sache schnell gegessen.

Also habe ich das Tamron 17-50mm-Objektiv genommen und es fest auf 35mm eingestellt (entspricht wegen des APSC-Sensors der 550D also 56mm), das ganze auf eine Baseplate mit 15mm-Rohren montiert und zusätzlich noch – vor allem um das Gewicht zu erhöhen – mit einem Follow Focus versehen.

Mit drei Gegengewichten auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte konnte ich das System anschließend recht brauchbar ausbalancieren, wie im folgenden Video zu sehen ist. Beim Droptime-Test, also dem Pendeln in die Senkrechte, vergingen etwa zweieinhalb Sekunden, was ein guter Wert ist.

Die Aufnahmen habe ich dann fast durchgängig mit einer ambitioniert offenen Blende von f2.8 gemacht. Will heißen: Der Schärfebereich vor dem Objektiv lag – je nach Entfernung zum Objekt – im Zentimeterbereich. Logisch, dass brauchbare Aufnahmen nur in sehr kontrollierbaren Situationen und in Absprache mit dem Protagonisten möglich sind.

Schärfe ziehen ist nur zwischen den Aufnahmen möglich, weil die rechte Hand permanent den Griff der Glidecam hält und Zeigefinger und Daumen der linken Hand mit viel Feingefühl stets den sog. Center Post unter der kardanischen Aufhängung stabilisieren. Während einer Fahrt besteht die Herausforderung also darin, den Abstand zum Protagonisten bzw. bewegten Objekt konstant einzuhalten.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme 35mm-Adapter auf einer Glidecam 4000 ProIm vergangenen Winter hatte ich testweise meine Panasonic HPX171 samt dem Letus Extreme 35mm-Adapter, einer 50mm Nikon-Festbrennweite sowie einer GearDear-Mattebox auf das Schwebestativ geschraubt. Im Vergleich zur 550D war hier meine Befürchtung, dass die Kamera viel zu schwer ist, denn die Glidecam 4000 Pro ist normalerweise für ein Kameragewicht von etwa zwei bis fünf Kilogramm ausgelegt.

Natürlich ist völlig utopisch, das Kamera-Rig auf der Glidecam mit einer Hand allein zu führen – das ist viel zu schwer. Schon bei den kompakteren 2- bis 3-Kilo-Setups ermüden die Arme und Schultern (zumindest meine) nach nur wenigen Minuten. Bei schwereren Aufbauten ist der Smooth Shooter absolut unverzichtbar.

Denn dank der Weste samt Federarm wird das gesamte Gewicht gleichmäßig auf den Körper verteilt – in der Theorie und in den Werbeprospekten zumindest. Ich habe nach ca. zehn Minuten meistens trotzdem schon Rückenschmerzen und muss dann die erste Pause einlegen.

Neun Gegengewichte auf jeder Seite sowie jeweils eine schwere GewichtsplatteEin paar Worte zum Ausbalancieren: Auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte habe ich neun Gegengewichtsplatten verwendet. Doch weil das allein nicht ausreichte, habe ich zusätzlich auf jeder Seite der Basisplatte noch eine der schwereren Gewichtsplatten angebracht (die schwarzen mit den lauter vorgebohrten Löchern). Mit viel Geduld war das System schließlich im Gleichgewicht und hatte den Droptime-Test bestanden.

Weil der 35mm-Adapter die gesamte Kamera nicht nur schwerer macht, sondern den Schwerpunkt des gesamten Setups recht weit nach vorne verlagert, ist das Ausbalancieren deutlich komplizierter, wie ich finde.

Hier ein paar sehr einfache Aufnahmen, die ein wenig unter dem Wetter gelitten haben. Es war sehr kalt, ich hatte keine Handschuhe dabei, der Schnee war tief und rückwärts laufen war auf dem schneevereisten Rumpelweg einfach kein Vergnügen. Kurzum: Die Aufnahmen wackeln. Wären sie im Sommer entstanden, wäre das natürlich nicht passiert :-)

Sich mit einem Schwebestativsystem zu bewegen, ist eine sportliche und – je nach Wetterlage – schweißtreibende Angelegenheit. Die Körperhaltung sieht eher ungewöhnlich aus: Ich gehe immer leicht in die Knie und mache dann sehr kurze und schnelle Schritte. Je ebener der Untergrund, desto besser.

Schärfekontrolle mit Hilfe des HistogrammsBei den Beispielaufnahmen habe ich die Blende des Nikon-Objektivs auf f1.4 gestellt (was eigentlich völlig irrational ist; irgendwas zwischen f3.5 – f5.6 wäre wohl angemessener gewesen). Daher war der Schärfebereich noch dünner als beim Test mit der 550D. In solchen Fällen helfen natürlich sämtliche Formen von Fokus-Assistenten. An der HPX171 habe ich z.B. die Frequenzverteilungskurve schätzen gelernt. Sie zeigt sehr deutlich an, wann das Objekt maximal scharf abgebildet wird.

Glidecam und geringe Schärfentiefe – wofür ist das gut?

Unter bewegtbildgestalterischen Gesichtspunkten gibt es wohl kaum etwas Dramatischeres als eine Kamerafahrt. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, weil er sich durch den Raum bewegt. Mit der Glidecam sehen solche Fahrten natürlich ungleich ansprechender aus als frei aus der Hand gedreht.

Ein sich bewegendes Objekt durch Unschärfe zu isolieren, ist schwierig und erfordert – sicher auch mit viel Übung – mehr als einen Versuch. Wer die Idee hat, eine Reportage mit solcher Technik zu drehen (also keinen Einfluss auf das Geschehen nimmt, mit der Kamera nur begleitet und nichts inszeniert), sollte sich schnell wieder davon verabschieden.

Interview-Formate hingegen können auf diese Weise visuell deutlich ansprechender gestaltet werden. Vor zwei Jahren habe ich dieses Video in der 3sat-Mediathek gesehen (ein Interview mit William Gibson; der interessante Teil fängt ziemlich genau im letzten Fünftel an – leider hat der Videoplayer keinen Timecode). Die Kamera kreist auf einem Schwebestativ ständig um die beiden Gesprächspartner und nur ab und zu wird eine zweite Perspektive, eine statische Halbtotale, gezeigt. Ich weiß noch genau, wie sehr mich diese simple Idee und die gute Umsetzung damals beeindruckt hat.

Kurze Zeit später hatte ich mir dann die Glidecam gekauft.

USB-P2-Kartenleser AJ-PCD2, Geschwindigkeit

30. Juni 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Panasonic AJ-PCD2 USB-P2-Kartenleser

Auf den ersten Blick erinnerte mich der AJ-PCD2 irgendwie an die gute alte Floppy 1541, die der ein oder andere mitlesende Mittdreißiger vielleicht noch kennen wird. Grau, unscheinbar, klobig – bei Panasonic-Geräten ist schönes Design offenbar immer nebensächlich, was ich persönlich sehr mag.

Der Low Budget-P2-Kartenleser ist natürlich deutlich kleiner und vor allem ein wenig schneller als die 300 Bytes, die die 1541 damals pro Sekunde übertragen konnte.

Ein kurzer Geschwindigkeitstest hat mit meinem System (iMac mit 2,8 GHz Quad-Core Intel Core i7, 8 GB RAM) folgendes ergeben:

  • Kopieren von 12,75 GB (43 Clips, 720p50, DVCPROHD) auf die interne S-ATA-Festplatte (7200 U/Min.) mit P2CMS dauerte exakt 7:15 Min.
  • Direktimport derselben 12,75 GB von der P2-Karte in Final Cut Pro 7 mit dem “Loggen und Übertragen”-Tool auf eine externe Firewire800-Festplatte (7200 U/Min.) dauerte genau 8:00 Min.

Die Daten waren auf einer 32GB-Karte der R-Serie gespeichert.

Zum Vergleich: Der bis vor kurzem einzig kostengünstige P2-Kartenleser für den Mac, der Duel Adapter (so um die 120,- Euro), schaufelte in acht Minuten immerhin ca. 16 GB auf die Festplatte.

Allerdings war er nur für MacBook Pro-User interessant, die über einen ExpressCard-Slot verfügen – und den verbaut Apple heute ja leider nur noch in den 17″-Notebooks. Schade, schade – gerade für Video-Arbeiter ist der ExpressCard-Slot einer der wichtigsten Anschlüsse überhaupt.

Aus eigener Erfahrung und den Berichten vieler anderer Nutzer kann ich sagen, dass die Arbeit mit dem Duel Adapter nie ganz reibungslos lief. Er musste vor dem Hochfahren des Rechners angeschlossen werden, damit er vom System überhaupt erkannt wird. Und mit viel Pech wurden Kartenwechsel schonmal mit Kernel Panic-Attacken quittiert. Unter Snow Leopard funktioniert der Duel Adapter gar nicht mehr, weil weder Apple noch Duel Systems einen Treiber liefern. Insofern ist der AJ-PCD2 wirklich überfällig.

Die Alternativen neben dem Duel Adapter kamen für mich nicht in Frage: Also entweder die Kamera als Kartenleser via USB oder Firewire anzuschließen (sehr langsam), ein altes PC-Laptop oder Powerbook mit PCMCIA-Port zu verwenden oder einen der wesentlich teureren Panasonic-P2-Reader zu verwenden.

Anschlüsee auf der Rückseite des AJ-PCD2Angeschlossen wird der AJ-PCD2 über zwei USB-Kabel, scheidet damit für MacBook Air-Nutzer also schonmal aus (es sei denn, sie schließen ihn über einen externen aktiven USB-Hub an). Der eine Anschluss ist für die Spannungsversorgung gedacht, der andere für die Datenübertragung. Ob die zurzeit 280,- Euro netto (UVP) für einen Plastikkartenleser gerechtfertigt sind, sei dahingestellt. Wenn man überlegt, dass es USB2.0-Multicard-Reader für unter zehn Euro zu kaufen gibt, schmeckt der Preis ganz schön gesalzen.

Andererseits: Es gibt ja keine Alternative.

Update (16.08.2010): Helmut Kobler, Autor des P2-Blogs, hat ein ausführliches Review für Creative Cow geschrieben.

Canon 550D / Rebel T2i: Beispielvideo, Einzelteile meines Schulter-Rigs

26. Mai 2010 | Bisher 4 Kommentare »

Für meinen Lieblingsfußballverein, den TV Reelkirchen (für den ich selbst als Spieler aktiv bin), habe ich neulich in einer Hauruckaktion zwei Stunden vor Spielbeginn ein Video mit der Canon 550D / Rebel T2i gedreht. Hintergrund ist, dass die Mannschaft für die neue Saison ganz dringend neue Spieler braucht. Das Video, dort im Originalkontext, ist also ein Aufruf an potenzielle Mitspieler, die es da draußen ganz bestimmt gibt.

Die Musik in diesem Video trägt den Titel “Welcome Home”, ist erschienen beim Netlabel petite&jolie :: a place for cute people (Titel des Albums: Missing Monsters) und stammt von Risch. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported. Das Video wurde unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported veröffentlicht.

Bereits einige Zeit vor diesem Dreh hatte ich mein vor kurzem noch provisorisches Schulter-Rig deutlich verfeinert, einige Elemente hinzugefügt und insgesamt ein wenig an Erfahrung im Hinblick auf DSLR-Videoarbeit dazugewonnen.

Für alle, die sich etwas Ähnliches nachbauen möchten, gehe ich im folgenden mal kurz auf die Einzelteile meines – leider immer noch nicht kompletten – Sets ein (viele der Teile stammen übrigens aus meiner HPX171/35mm-Adapter-Konfiguration und werden künftig sicher auch für andere Kameratypen recyclebar sein).

Schulter-Rig für die Canon EOS 550D aus Redrock Micro- und Zacuto-Elementen

Das System besteht im Wesentlichen aus Bauteilen von Redrock Micro sowie einem einzigen Verbindungsstück von Zacuto. Basis der Konstruktion ist der microShoulderMount mit etwas längeren 24″-Rohren (Durchmesser: 15mm), der DSLR-Baseplate, dem microFollowFocus v2 samt dem microLensGears Kit sowie einem microMount.

(Die ganzen Einzelteile sind, nebenbei bemerkt, unverschämt teuer und vermutlich weges des Hypes um die ganze DSLR-Filmerei in jüngster Vergangenheit auch nicht unbedingt im Preis gesunken. )

DSLR-Baseplate verdeckt BatteriefachDie 550D steht sicher und fest auf der DSLR-Baseplate. Montage und Demontage dauern nur wenige Sekunden. Leider ist das ungefähr im Stundentakt auch nötig, denn das Batteriefach der Kamera ist durch die Platte komplett verdeckt. Ist der Akku also leer, heißt es: Kamera abschrauben, Akku wechseln, wieder festschrauben. Das nervt gelegentlich. Soweit ich das überblicke, handelt es sich hierbei um ein 550D-spezifisches Problem, weil das Batteriefach hier längs und nicht quer verbaut ist. Bei der 7D könnte ein Akkuwechsel ohne abschrauben möglich sein, bin mir aber gerade nicht ganz sicher.

microMount in Kombination mit Manfrotto-KugelkopfDen externen Monitor habe ich mit Hilfe des microMounts in Komination mit einem Manfrotto-Kugelkopf auf der rechten Seite angebracht. Weil ich Rechtshänder bin und das Rig auch rechts schultere, kann ich spontane Interviews im Stehen (so wie sie im Video zu sehen sind) immer mit freier Sicht aufzeichnen. Hätte ich den Monitor auf der linken Seite montiert, wäre die Situation für Interviewpartner wohl noch irritierender, denn dann müsste ich den Blickkontakt durch den kleinen Spalt zwischen Kamera und Monitor herstellen.

Schade nur, dass die 550D nichts mehr auf dem internen Display zeigt, sobald ein externer Monitor angeschlossen ist (vielleicht wird das ja irgendwann einmal mit einem Firmware-Update behoben). Zur Bildkontrolle muss ich während eines Interviews immer wieder den Kopf nach rechts drehen, um auf den externen Monitor schauen zu können. Das trägt nicht zum Gesprächsfluss bei. Beim Blick auf das interne Display hingegen wäre es nur eine kurze unscheinbare Augenbewegung.

Um das gesamte Schulter-Rig schnell und ohne Schrauberei auf das Stativ zu bringen, habe ich ein kleines Teil namens Z-Balance von Zacuto mit den 15mm-Rohren verbunden. Daran wiederum ist die Sachtler-Stativplatte befestigt. Der Wechsel von der Schulter zum Stativ dauert vielleicht drei Sekunden.

Zacuto Z-Balance mit Sachtler-Stativplatte

Die Sache mit dem Ton habe ich hingegen noch nicht befriedigend gelöst. Im Augenblick schließe ich ein Sennheiser K6/ME64-System direkt an der Kamera an und befestige es mit einer Azden-Mikrofonspinne am Blitzschuh. Die Qualität der O-Töne im Video oben ist wirklich mies, keine Frage. Aber in meinem Fall kam noch ein Panne dazu: Ich hatte nicht bemerkt, dass der 3,5mm-Klinkenstecker leicht aus der Buchse gerutscht war – wie auch, ohne Möglichkeit einen Kopfhörer anzuschließen und ohne Tonpegelanzeige. Das Ergebnis war Glück im Unglück: Die Kamera hatte immerhin noch einen der beiden Tonkanäle aufgezeichnet – doch der war leider in den Spitzen übersteuert.

Die professionellste Lösung ist nach wie vor ein externes Aufnahmegerät. Doch der Zoom H1 (danke an Axel für den Tipp seinerzeit) ist leider erst für Sommer angekündigt. Und ein teureres Gerät wie etwa den Zoom H4n werde ich nicht anschaffen, da ich mit der DSLR-Kamera ausschließlich Video produziere und die gesamte Arbeitsweise wohl spätestens in einem Jahr Schnee von gestern sein wird (u.a. wegen Panasonics angekündigter AG-AF100, siehe auch hier und hier). Kein Grund also, übertrieben viel Geld in Technik zu investieren, die ich demnächst nicht mehr brauche.

Ein paar Worte zum Follow Focus. Braucht man sowas überhaupt? Jein. Für alle, die szenisch arbeiten, ist er wohl unverzichtbar, weil er im wesentlichen dazu dient, dass man sich Start- und Stoppmarkierungen ans Rädchen malt, um so die Schärfe gezielt verlagern zu können.

Videojournalismus hat mit szenischem Arbeiten zwar nichts zu tun. Doch hilfreich sind solche Markierungen immer bei statischen Motiven, also beispielsweise bei Schwenks zwischen zwei unbewegten Objekten mit kombinierter Schärfenverlagerung.

Ansonsten geht das Arbeiten mit dem Follow Focus zügig von der Hand und, wie ich finde, auch wackelfreier. Es ist schon ein Unterschied, ob ich den linken Griff des Rigs loslasse und plötzlich vorn am Objektiv herumfummele um die Schärfe nachzuziehen, oder ob ich schnell zwischen linkem Griff und dem daneben montierten Follow Focus hantiere.

variabler ND-FilterDeutlich weiter oben auf der Investitionsliste, wenn nicht sogar auf Platz 1, sollte ein variabler ND-Filter stehen, eine Art stufenlos abdunkelbare Sonnenbrille für das Objektiv der Kamera. Denn das Problem ist folgendes: Wer Video mit einer DSLR dreht, wird – wie bei gewöhnlichen Videokameras auch – nach der 180-Grad-Regel mit einer festen Belichtungszeit arbeiten, also bei 720p50 mit 1/100s oder bei 1080p25 mit 1/50s. Dann ist gewährleistet, dass Bewegungen flüssig aussehen. Bei grellem Sonnenlicht müsste man aber selbst bei ISO 100 stark abblenden – und damit ginge auch die geringe Schärfentiefe verloren. Jetzt kommt der variable ND-Filter ins Spiel, so dass man permanent mit offener Blende und fester Belichtungszeit drehen kann.

Mit dem Belichtungsmesser eine halbe Blende unterbelichtenWeil man den Lichteinfall damit stufenlos regeln kann, ist es spielend möglich, das Bild mit Hilfe des Belichtungsmessers etwa eine halbe Blende unterzubelichten. So bleibt in der Postproduktion mehr Spielraum für eventuelle Farbkorrekturen. Weil solche variablen ND-Filter relativ teuer sind (über 100,- Euro), habe ich übrigens nur einen einzigen davon gekauft – und zwar für das Objektiv mit dem größten Durchmesser (in meinem Fall ein Tamron SP 17-50mm f2.8 mit 72mm Öffnung, sehr empfehlenswert übrigens). Mit Hilfe von vergleichsweise kostengünstigen Stepup-Ringen lässt sich der Filter dann auch an Objektiven mit geringeren Durchmessern montieren (bei mir sind das diverse Nikon AI-S-Linsen mit 52mm Durchmesser).

Seit einigen Wochen integriere ich die 550D mehr und mehr in meine Arbeit und nutze sie in Kombination mit der HPX171 vor allem für Interviewaufnahmen. Die HPX hat dabei zuletzt nur noch als Audio-Aufnahmegerät gedient und steht auf dem Boden, während die 550D den Platz auf dem Stativ einnimmt und fürs Bild zuständig ist (ich arbeite noch an einer Lösung, um beide Kameras unkompliziert und aus einem Guss nebeneinander auf dem Stativ zu befestigen, so dass ich das Bild doppelt aufzeichnen kann).

In der Summe ist die Arbeit mit zwei Kameras am Drehort zwar eine nicht zu unterschätzende Doppelbelastung, da mehr Technik eben auch mehr Aufmerksamkeit verlangt und möglicherweise von der Interviewführung zu sehr ablenkt (viele Interviews dauern zum Beispiel länger als das Aufnahmelimit von zwölf Minuten). Aber im Ergebnis lohnt es sich. Die Bilder sehen einfach sehr viel edler aus.

Zum späteren Synchronisieren von Bild und Ton lohnt sich der Einsatz von PluralEyes, das in der Trial-Version 30 Tage lang uneingeschränkt lauffähig ist.

Für die meisten Dreharbeiten ist und bleibt die HPX für mich aber die Hauptkamera, denn sehr viele Einstellungen muss ich schnell und ohne zweiten Versuch im Kasten haben. Allein solche kleinen Details wie den Weißabgleich zu erneuern, sind mit der 550D Frickelarbeit (wobei natürlich alles eine Frage der Gewöhnung ist).

Sennheiser EW100G2-Funkstrecke auf Canon EOS 550D / Rebel T2i abstimmen

4. April 2010 | Bisher 6 Kommentare »

Ich habe mal versucht, meine Sennheiser-Funkstrecke mit dem ME2-Ansteckmikrofon möglichst gut auf die EOS 550D abzustimmen. Denn irgendwie kann ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, für jedes Projekt ein externes Tonaufnahme-Gerät dabei zu haben und später Video- und Audiospur zu synchronisieren.

Sennheiser EW100G2-Funkstrecke

Die automatische Tonaussteuerung macht die ganze Sache kompliziert, egal welches Mikrofon man anschließt. Ist es still, zieht die Automatik leise Geräusche hoch, das Rauschen nimmt zu. Das hört man vor allem bei Sprechpausen im Interview.

Setzt der Interviewpartner dann plötzlich wieder recht laut an, ist die Automatik zu träge sich schnell darauf einzustellen und übersteuert. Die ersten Worte klingen verzerrt.

Die Funkstrecke ändert daran natürlich nichts, solange man nicht wie bei der EOS 5Dmk2 die Möglichkeit hat, die Automatik abzuschalten. Hoffentlich ist das mit einem Firmware-Update bald möglich.

Am Sender der Funkstrecke gibt es den Menüpunkt “Sensit”, mit dem man die Eingangsempfindlichkeit ändert. Diesen Wert habe ich auf -10 dB gestellt. Am Empfänger wiederum gibt es den Menüpunkt “AF-Out”, mit dem der Pegel des Audio-Ausgangs festgelegt wird. Hier habe ich -30 dB eingestellt.

Als Interviewmikrofon nehme ich das ME2, das ich auf ca. 20 cm Entfernung zum Mund anbringe, also etwa auf Brusthöhe. Spricht der Interviewpartner normal laut, dann kommt eine Waveform dabei heraus, die etwa wie folgt aussehen kann:

Waveform der Aufnahme mit einer Sennheiser EW100G2-Funkstrecke an der Canon EOS 550D

In meinem Beispiel liegt das Tonsignal in der Spitze etwa 2 dB unter der Vollaussteuerung, was natürlich relativ riskant ist. Bei anderen “Sensit/AF-Out”-Kombinationen (ich habe so ziemlich alle ausprobiert) war der Ton aber entweder übersteuert oder unterpegelig.

Bei diesen Einstellungen ist es so, dass das Rauschen konstant bei 25 dB unter der Vollaussteuerung liegt und interessanterweise auch nicht anzieht, wenn es ganz still im Raum ist. Warum auch immer.

Trotzdem ist das Rauschen natürlich noch viel zu laut. Zum Vergleich: Bei Tonaufnahmen mit professionellen Geräten liegt es etwa im Bereich zwischen -45 und -50 dB.

Welches Signal liefert der Composite-Anschluss der Canon 550D/Rebel T2i während der Aufnahme?

3. April 2010 | Bisher 1 Kommentar »

Weil ich vor dem Kauf der EOS 550D selbst brennend daran interessiert war und weil Thomas in den Kommentaren ebenfalls danach fragt, habe ich die Kamera mal kurz an die Matrox MXO2 Mini angeschlossen und überprüft, welches Signal der Composite-Anschluss während der Aufnahme tatsächlich liefert.

Wie Stephan schon schrieb: Das interne Display wird abgeschaltet, sobald auch nur das Composite-Anschlusskabel in die entsprechende Buchse gesteckt wird. Alle Infos, die mit der Display-Taste wahlweise hinzu- oder weggeschaltet werden können, erscheinen nun auch auf dem externen Display.

Solange die Kamera im PAL-Modus läuft, liefert der Composite-Anschluss ein 720x576i50-Signal in 4:3, umrahmt von schwarzen Balken an allen Seiten, oben und unten zusätzlich von leicht transparenten Balken, die über einem Teil des Bildes liegen. Der untere schwarze Balken wird für die Anzeige diverser Infos wie Shutter, Blende etc. verwendet.

Durch Druck auf die Display-Taste lassen sich diese Infos in zwei Stufen wegschalten (Infos auf dem Bild weg, Infos unter dem Bild weg). Dabei wird das Bild wie bei der 7D (über HDMI) aber leider nicht größer, die schwarzen Balken bleiben. Während der Aufnahme erscheint rechts oben der kleine, rote Aufnahmepunkt im transparenten Balken.

Hier ein paar Bilder, die ich mittels Matrox MXO2 Mini abgegriffen habe. Damit sie vernünftig in mein Blog-Layout passen, habe ich sie herunterskaliert auf 640 x 512 Pixel. Im Original sind sie 720 x 576 Pixel groß.

1.) Alle Infos an.

Canon EOS 550D / Rebel T2i Composite Out: Alle Infos an

2.) Nur die wichtigsten Infos an.

Canon EOS 550D / Rebel T2i Composite Out: Infos in der unteren Zeile an

3.) Alle Infos aus.

Canon EOS 550D / Rebel T2i Composite Out: Alle Infos aus

4.) Alle Infos aus und Aufnahme gestartet.

Canon EOS 550D / Rebel T2i Composite Out: Alle Infos während der Aufnahme aus

Da ich Hilfslinien ganz sinnvoll finde, habe ich sie eingeschaltet. Während der Aufnahme verschwinden sie aber genauso wie der weiße Rahmen für die auf Knopfdruck zuschaltbare fünf- bis zehnfache Vergrößerung (sehr sinnvoll fürs Fokussieren). Übrig bleiben aber immer die transparenten Balken oben und unten.

Was kann man mit dem Composite-Anschluss also anfangen? Um ein Live-Bild abzugreifen, ist er sicher ungeeignet. Man müsste das ohnehin schon sehr niedrig aufgelöste SD-Bild nachträglich stark beschneiden.

Fürs fehlerfreie Fokussieren mittels eines mobilen externen Videomonitors reicht mir das Signal hingegen völlig aus und hilft mir wesentlich mehr als das interne Display (ohne Lupe).

Von Vorteil ist es natürlich, wenn der externe Monitor selbst noch eine Art Crop-Funktion hat, mit der man den 4:3-Letterbox-Ausschnitt auf 16:9 vergrößern kann. Allerdings gehen dann wichtige Informationen am unteren Bildrand wie bspw. der Belichtungsmesser verloren.