Alle Beiträge der Kategorie 'Interview'

HPX 171-Kamera-Rig deconstructed

17. Januar 2010 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Etwa ein Jahr mit zahlreichen 35mm-Adapter-Drehs und jede Menge Kopfzerbrechen habe ich gebraucht, um mein Kamera-Rig endlich so zu optimieren, dass damit effizientes Arbeiten möglich ist.

Vor ein paar Wochen hatte ich hier bereits beschrieben, dass die Arbeit mit einem Adapter logischerweise viel statischer läuft. Für schnellen, tagesaktuellen Videojournalismus also völlig ungeeignet. Interessant aber für aufwendigere Produktionen, vor allem Interviews, Magazinstücke, Imagefilme, Dokumentarfilme, Portraits etc.

Wegen des Gewichts der ganzen Konstruktion habe ich häufig nur noch vom Stativ gedreht. Schultern ließ sich die gesamte Konstruktion bisher noch nicht, so dass ich die Kamera maximal auf Brusthöhe halten konnte, und das auch immer nur für relativ kurze Zeit.

Die Idee, mein altes und durchaus bewährtes DV Rig Pro wieder einzusetzen, war schnell gegessen. Zwar funktionierte das mit Hilfe einer kleinen Adapterplatte gar nicht schlecht, doch zwei Aspekte hatten mich sofort gestört: Einerseits die nicht ganz ausgereifte Balance, andererseits die viele Herumschrauberei, wenn ich schnell mal wieder auf das Stativ wechseln wollte.

Die jetzige Konstruktion ist da wesentlich besser und durchdachter.

Panasonic HPX 171 auf einem Stabilisierungssystem mit Zacuto- und Redrock Micro-Komponenten

Das bereits bestehende Zacuto-Rod-System habe ich mit dem microShoulderMount-System von Redrock Micro erweitert. Im Detail sind das zwei Griffe vorn, die durch ein querliegendes 15mm-Rohr verbunden sind, sowie eine Schulterstütze hinten.

Der Vorteil: In Sekundenschnelle kann ich zwischen Stativ und Schulter wechseln, ohne auch nur an irgendeiner Schraube zu drehen.

Nachfolgend die einzelnen Bausteine mal kurz vorgestellt:

MicroFollowFocus V2 von Redrock Micro

Obwohl ich anfangs fest davon überzeugt war, ausschließlich über die dafür vorgesehenen Ringe an den Nikon-Objektiven zu fokussieren, wurde mir später recht schnell klar, dass es ohne einen Follow Focus wohl nicht geht. Naheliegend war für mich der microFollowFocus V2 von Redrock Micro (einen kurzen Bericht Bericht dazu hat Philip Bloom verfasst). Weil der zusätzliche Kontrollmonitor vorn sehr viel Platz beansprucht, wäre es einerseits sehr schwierig gewesen, die Hand zum Fokussieren irgendwie noch ans Objektiv zu kriegen. Den Follow Focus habe ich so nah am linken Griff angebracht, dass ich kleinere Fokus-Korrekturen direkt mit dem Zeigefinger vornehmen kann, ohne dafür den Griff loszulassen (denn das ist immer mit leichten Wacklern verbunden).

LCD der Panasonic HPX 171 mit Marshall-Kontrollmonitor

Der Marshall-Kontrollmonitor, den ich gerade bei HD-Aufnahmen und in Interview-Situationen immer mehr schätzen gelernt habe, hat seinen festen Platz vorn auf dem Rig. Wenn ich die Kamera auf der Schulter habe, ist zusätzlich das kleine LCD-Display ausgeklappt und ich habe die wesentlichen Infos wie Zebra und Focus-Assists genau im Blick. Gerade bei HD-Aufnahmen bin ich ein großer Freund der Kantenscharfzeichnung, die das interne Display der Kamera bietet. Bei SD-Aufnahmen funktioniert das Fokussieren damit absolut narrensicher, bei HD-Aufnahmen allein reicht es aber oft nicht. Dann sollte zusätzlich einer der Focus-Assists, z.B. die Frequenzverteilungskurve oder die Vergrößerung (oder beides) zugeschaltet sein. Doch diese Hilfen belegen wertvollen Platz auf dem Display, so dass der zusätzliche Blick auf das komplette und unverdeckte Bild auf dem externen Monitor wirklich hilfreich ist. Zudem bietet er eine zweite Sichtkontrolle, ob die wesentlichen Bildelemente wirklich scharf erscheinen. Und bei Bedarf lassen sich auch dort jederzeit diverse Fokussierhilfen zuschalten (die ich persönlich allerdings etwas gewöhnungsbedürftig finde). Mehr Informationen zu dem Marshall-Monitor, den ich einsetze, gibt es hier.

Beim Verbindungskabel zwischen Kamera und Kontrollmonitor habe ich bewusst etwas Spiel gelassen, denn so ist es jederzeit möglich, schnell mal umzubauen. Wer als VJ oft allein Interviews führt, kennt das Dilemma: Meist steht die Kamera rechts, weil sich dort auch das Display befindet. Daher kann ich den Kontrollmonitor (der an einem Manfrotto 482LCD-Kugelkopf befestigt ist) jederzeit auf den Lichtschuh montieren und bleibe so beim Interview wesentlich flexibler.

Der J-Rod Twin Mount mit Sennheiser-Funkstrecke und externem Mikrofon ME44

Um den Lichtschuh jederzeit für solche Umbauarbeiten oder eine zusätzliche Videokopfleuchte freizuhalten, habe ich den Empfänger für die Ton-Funkstrecke sowie ein externes Sennheiser ME64-Mikrofon am J-Rod Twin Mount befestigt. Weil dadurch aber viel Gewicht auf der Mikrofonhalterung lastet, habe ich das Ganze noch mit ein wenig Gaffer-Tape stabilisiert. Inzwischen gibt es übrigens eine neue J-Rod-Lösung, die wesentlich stabiler zu sein scheint als die hier gezeigte (Super Strong Twin Mount, u.a. für Kameras wie die EX1/EX3, HVX201/HPX171 usw.). Einziges Manko an der Sache: Das ME64 dient vor allem als Atmo-Mikro, soll in Run-and-Gun-Situationen aber auch spontan für kurze Interviews nutzbar sein. Dank der Nierencharakteristik wäre das über kurze Distanzen möglich. Da das Mikro sich aber zu nah am Letus-Adapter befindet und dessen Motor ja bekanntlich ein leichtes Brummen von sich gibt, ist dies auf der Aufnahme auch deutlich zu hören – zumindest dann, wenn in relativ ruhigen Räumen aufgenommen wird. Bei Hintergrundgeräuschen wie Straßenlärm fällt das nicht so ins Gewicht. Trotzdem: Ein echtes Problem. Und bei Tonaufnahmen gilt generell: Shit in, shit out. Auch wenn man mit Tricks einiges in der Postproduktion lösen kann.

Das ganze Rig ist wunderbar flexibel konfigurierbar und lässt sich natürlich jederzeit umbauen, zum Beispiel für den Einsatz ganz ohne 35mm-Adapter oder für eine Video-DSLR.

BBC-Training: Jede Menge DV-Tutorials

7. Januar 2008 | Bisher 1 Kommentar »

Im vergangenen Jahr hatte ich hier mal auf den Good Shooting Guide der BBC hingewiesen, einem erstklassigen Online-Tutorial, das VJ-Einsteigern notwendiges Basiswissen rund um die Dreh-Praxis anschaulich vermittelt.

Es gibt viele weitere dieser Tutorials bei der BBC. Alle kostenlos, alle gut gemacht – ideal für Autodidakten. Im Einzelnen:

Viel Spaß beim Erkunden, Ausprobieren und Lernen!

FOLGE Magazin

29. Juni 2007 | Bisher 5 Kommentare »

Hätte Frerk hier nicht einen Kommentar hinterlassen, wer weiß, wann ich auf sein FOLGE Magazin gestoßen wäre.

Frerk beschreibt FOLGE als “ein Interview-Magazin über die interessantesten zeitgenössischen Köpfe”. Drei Portraits kann man sich bereits ansehen.

Im ersten Eintrag des begleitenden Blogs schreibt er:

“Wir reden mit unseren Interviewpartnern über das Leben, was es ausmacht und warum es so ist, wie es ist. Wir wollen eine neue Qualität der intelligenten Unterhaltung verwirklichen, die wir ansonsten kaum noch vorfinden.”

Die Videos sind auf ihre eigene Art und Weise Hochglanz, und dabei trotzdem intim – das ist mir vor allem bei dem Portrait über den Schauspieler Axel Prahl aufgefallen.

Gedreht wird ganz offensichtlich mit zwei Kameras und – wie beim Prahl-Interview – im Team, was in der Montage abwechslungsreiche Blickwinkel ermöglicht.

Die Musik kommt vom Netlabel Aerotone, das unter Creative Commons-Bedingungen veröffentlicht, die auch eine Weiterbearbeitung erlauben.

Anklicken, zurücklehnen, wirken lassen. FOLGE ist eine echte Perle unter den Video-Formaten da draußen.

10 Gründe für Teamarbeit, Teil 1

2. Dezember 2006 | Bisher 3 Kommentare »

Es gibt immer wieder Situationen, in denen ich als Videojournalist merke, nah an den Grenzen des Machbaren zu sein. Gestern war es wieder einmal soweit: Eine Verabredung zu einem Interview, maximale Dauer: eine halbe Stunde inkl. Auf- und Abbau der Technik. Mehr Zeit hatte der Gesprächspartner leider nicht.

Das aufgezeichnete Material soll in einem Magazinbeitrag verwendet werden, das heißt: die Qualität soll sich nach Möglichkeit von einem schnell aufgezeichneten O-Ton unterscheiden.

Die redaktionellen Anforderungen lauten dann in etwa wie folgt: Der Interviewpartner wird in seiner passenden Umgebung gezeigt, der Hintergrund der gewählten Umgebung verschwimmt leicht in der Unschärfe und sein Gesicht wird plastisch konturiert dargestellt, was mit Hilfe klassischer Drei-Punkt-Ausleuchtung (also Führungslicht, Aufheller und Kante) erreicht werden kann.

Für solche Ansprüche ist eine halbe Stunde für mich die magische Grenze, um den gesamten Technikaufbau noch hinbekommen zu können, wenn ich einplane, dass noch etwa zehn Minuten Zeit für das eigentliche Interview verbleiben sollen. Das alles ist so knapp kalkuliert, dass jeder Handgriff sitzen muss und keine Pannen passieren dürfen.

Das Ganze lief gestern so ab: Nachdem ich einen Parkplatz in der Düsseldorfer Innenstadt gefunden und die etwa 20 Kilo schwere Ausrüstung (Rucksack mit Kamera, Kabeln, Akkus, Tapes, div. Zubehör; Kamerastativ; drei Lichtstative; kompakter Lichtkoffer) ins etwa 500 Meter entfernte Gebäude (5. und damit letzter Stock) getragen hatte, lernte ich kurz meinen Interview-Partner kennen, der gleich aber schon wieder zum nächsten Termin musste.

Parallel dazu sah ich mir den Raum an, in dem die Aufzeichnung stattfinden sollte. Folgende Fragen mussten mit wenigen Blicken geklärt werden:

  • Lässt sich der Raum komplett abdunkeln um die Ausleuchtung ausschließlich mit Kunstlicht hinzubekommen? Oder muss ich das Tageslicht miteinbeziehen und dementsprechend mit Blaufolien vor den Lampen arbeiten?
  • Wo sitzt der Gesprächspartner, wo sitze ich? Ist mein Abstand zum Gesprächspartner und wiederum sein Abstand von den Hintergrundobjekten groß genug, um diese in der Unschärfe verschwimmen zu lassen?
  • Habe ich genug Platz, das Stativ mit der Kamera neben mir zu positionieren (idealerweise auf der rechten Seite, um stets ins ausgeklappte Display sehen zu können)?
  • Ist genug Platz für die drei Lampenstative vorhanden?
  • Ist der Raum ruhig (also weitgehend ohne störende Nebengeräusche, die durch Türen oder Fenster dringen)? Wenn ja, so kann ich bedenkenlos mit einem Ansteckmikrofon samt Kugelcharakteristik arbeiten. Wenn nein, dann muss ich versuchen, die störenden Schallquellen zu isolieren (Fenster schließen, ggfs. einen anderen Raum suchen) oder den Ton mit einem Richtmikrofon (samt Supernierencharakteristik) selbst zu angeln (absolut nicht empfehlenswert, weil das allein sehr anstrengend ist)

In diesem Fall waren die Bedingungen nahezu optimal. Keine störenden Geräusche, kein Hall, genug Platz im Raum, die Fenster konnten verdunkelt werden.

Nachdem alles aufgebaut war (was etwas länger als zehn Minuten dauerte), schaltete ich die Lampen der Reihe nach ein. Leider hauchten zwei der drei Brenner in diesem Moment ihr Leben aus. Und genau das brachte das gesamte Konzept durcheinander.

Zwar ist es ein Leichtes die Brenner kurz auszutauschen, aber nicht in dieser Situation. Außerdem waren die Sicherungen in den Lampen ebenfalls hin. Und an die komme ich nur mit einem kleinen Schraubendreher ran.

Eine Reparatur hätte kostbare Minuten gekostet, in Verzug war ich sowieso und der Interviewpartner schaute auf seine Uhr. Ich entschied mich für Plan B, also mit dem funktionierenden Rest und der gegebenen Beleuchtung am Ort zu arbeiten.

So zog ich die Rolläden wieder hoch und setzte das hereinfallende Tageslicht als Führung ein, schaltete die Deckenbeleuchtung (Leuchtstoffröhren) zu und funktionierte den eigentlich als Kante gedachten Scheinwerfer zum Aufheller um. Weil das Tageslicht im Raum nun dominierte, habe ich eine blaue Folie vor dem Aufheller befestigt. Mit dem anschließenden Weißabgleich habe ich dann die Kamera auf die vorherrschende Lichttemperatur eingestellt.

Erst jetzt – endlich – konnte ich mich ums Inhaltliche kümmern.

Später am Videomonitor zeigte sich dann, dass die Ausleuchtung insgesamt zwar nicht optimal, aber dennoch ganz passabel (oder zumindest sendbar) ist.

In einem gut abgestimmten VJ-Zweier-Team wäre so etwas sicher anders abgelaufen. Während sich einer zum Beispiel um die Lichtaufbauten kümmert, kann der andere die etwas leichteren Kameraaufbauten erledigen und sich dabei trotzdem noch angeregt mit dem Interviewpartner unterhalten. Das trägt zur Auflockerung bei. Und ganz sicher hätten dabei kostbare Minuten eingespart werden können, um die Lichttechnik direkt am Ort wieder fit zu machen.

Insofern kann ich die Arbeitsweise, die VJ Markus Böhnisch in seiner vor zwei Jahren verfassten Diplomarbeit (PDF; 1.4 MB) zeitgemäß als VJ 2.0 beschreibt (S. 61 ff.), nur unterstreichen. Videojournalismus heißt nicht, dass man um jeden Preis allein arbeitet.

Einblicke in WKRN-TV

13. Oktober 2006 | Bisher 1 Kommentar »

Vor einiger Zeit hatte ich hier ja mal etwas über WKRN-TV, einen lokalen Fernsehsender aus Nashville, geschrieben. Dort wird das Programm hauptsächlich von Videojournalisten gestaltet.

Amanda Congdom, bekannt geworden durch das Videoblog Rocketboom, hat WKRN-TV besucht und in ihrem Blog AmandaAcrossAmerica ein Video darüber veröffentlicht (via Notebook | Onlinejournalismus).

In dem Video kommt auch WKRN-Chef Mike Sechrist zu Wort. Er erzählt, dass der Sender damals mit 13 Betacam-Kameras gearbeitet habe, heute stattdessen aber 30 kleine Sony-DV-Kameras einsetzt. Wenn Reporter damals rausgingen, mussten sie eine Story mitbringen, auch wenn gar keine da war – schließlich war der Aufwand sehr groß. Dank der kleinen DV-Kameras könne man das heute alles viel lockerer angehen.

Mit Videojournalisten wird Fernsehen bezahlbarer, demokratischer, authentischer.