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Vom Fotografen zum Videoreporter

19. September 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Fabian hat mich auf dieses lesenswerte Interview mit Travis Fox, Videojournalist bei der New York Times, aufmerksam gemacht. Fox war ursprünglich als Fotograf tätig und begann früh mit der Video-Produktion für das Web zu experimentieren.

Im Interview werden viele Facetten der Arbeit von Videojournalisten angesprochen, unter anderem ob man als VJ für das Web anders dreht als für das Fernsehen:

In the beginning, there was the notion that you should have everything on a tripod to be stable because any sort of camera shake would cause the pixels to be refreshed, which would slow down your processor, which would slow down your computer. So that’s still a concern, if you are dealing with slower computers.

I would shoot it the same way, whether it was for television or whether it was for the web. I have a certain style and a certain way of shooting, that’s considered a Web style or Web way of shooting perhaps because that’s where I learnt how to do video. But it also works on television.

Spannend und von großem Interesse auch für einige deutsche Redaktionen ist die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen VJs und klassischen Zeitungsreportern, die Fox so beantwortet:

[…] I would say the direction we are headed in is that I will continue to do my own video reporting, but at the same time probably become more integrated with the newsroom - both the dotcom and Post newsrooms are becoming more integrated. […]

Auffällig finde ich, dass offenbar oft Zeitungs-Fotografen zu Videojournalisten werden. Das liegt natürlich nahe, weil der Blick durch den Sucher bzw. ins digitale Display gewohnt ist und vermutlich sowieso Spaß macht.

Einen vergleichbaren Weg wie Travis Fox ist zum Beispiel Colin Mulvany gegangen, der für The Spokesman Review, eine Zeitung im Nordwesten der USA, arbeitet. Seine Entwicklung vom Fotografen zum Videographer beschreibt er in einem Interview mit dem Online-Magazin Sports Shooter. Seine Storys veröffentlicht er hier.

Wie Videojournalismus in die Redaktion der Zeitung Dallas Morning News integriert wird, dokumentiert Cade White in einer mehrteilen Serie in seinem Blog (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4). Zu jedem Teil gibt es ein kleines Video.

O-Töne sauber aufnehmen, Teil 2

23. August 2006 | Bisher 4 Kommentare »

Wenn es die Zeit meiner Interview-Partner zulässt, dann nehme ich das Gespräch mit ihnen am liebsten in ruhiger Atmosphäre auf, möglichst im Sitzen und adäquat ausgeleuchtet.

Telefonisch kläre ich vorher natürlich ab, ob soviel Zeit vorhanden ist. Denn allein für Auf- und Abbau der Technik gehen locker mindestens 20 Minuten drauf, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert und die Konzentration hoch ist.

Für solche Fälle nehme ich folgendes Equipment mit:

  • die Kamera samt Akkus, Tapes, Kabeln und Mikrofonen
  • einen sehr kompakten Lichtkoffer mit drei 300-Watt-Leuchten und verschiedenen Filter-Folien, die mit Wäscheklammern an den Flügeltoren vor den Leuchten befestigt werden können
  • das Stativ für die Kamera
  • drei leichte Lampen-Stative

Das alles sollte natürlich möglichst gut und transportabel verpackt sein. Der Transport des gesamten Equipments ohne Auto ist auch solo zwar möglich, aber sehr anstrengend und absolut nicht empfehlenswert.

Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.
Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.

Heute morgen hatte ich das gesamte Equipment dabei, als ich kurz einen O-Ton für einen Beitrag aufzeichnen wollte. Doch mein Interview-Partner hatte leider nur 15 Minuten Zeit, womit ich nicht gerechnet hatte. Viel zu wenig Zeit auf jeden Fall, um den ganzen Lichtaufbau vernünftig hinzukriegen.

Wir zeichneten den O-Ton dann im Stehen auf, und zwar auf einem langen Flur in dem Verwaltungsgebäude, in dem wir uns befanden. In der kurzen Zeit ist mir leider kein besserer Ort eingefallen.

Dort waren unter der Decke in regelmäßigen Abständen relativ schwache Leuchten platziert, an einer Stelle fiel links durch ein Fenster natürliches Licht.

Ich bat meinen Interview-Partner, sich direkt unter eine der Deckenleuchten seitlich in die Nähe dieses Fensters zu stellen. Dort vermischten sich zwar Tages- und Kunstlicht, was jedoch durch einen Weißabgleich in den Griff zu bekommen ist.

Auf die Kamera habe ich dann schnell noch eine kleine 20-Watt-Kopfleuchte installiert, mit der ich das Gesicht des Interview-Partners etwas aufhellen konnte.

Der Workflow in dieser Situation war wie folgt:

  • einen vernünftigen Hintergrund finden (in diesem Fall die Flucht des langen Flures)
  • Lichtquellen am Ort finden, die das Gesicht des Interview-Partners möglichst gut ausleuchten
  • die Kamera auf dem Stativ auf Augenhöhe des Interview-Partners bringen und ihn kurz darum bitten, sich während des Gesprächs nicht zuviel zu bewegen, da man die Kamera während des Gesprächs nicht bedienen kann
  • Kopflicht zuschalten
  • Weißabgleich direkt vor dem Gesicht des Interview-Partners
  • Sprechprobe nehmen, Ton pegeln
  • optimale Blendenzahl wählen und fest einstellen (dazu die Zebra-Funktion nutzen: bei 80 Prozent Intensität sollte der hellste Teil des Gesichts, zum Beispiel die Nase oder die Stirn, mit einem Zebra dargestellt werden)
  • den Fokus auf manuell schalten und die Schärfe ziehen (dazu möglichst nah auf die Augenpartie zoomen, dann scharf stellen und wieder aufziehen auf den optimalen Bildausschnitt)
  • Aufnahme starten und möglichst schlaue Fragen stellen

Während des Interviews stand ich - wie meistens - links hinter der Kamera, denn dort habe ich den besten Blick auf das ausklappbare Display. So kann ich den Bildausschnitt sowie die Tonpegel ständig aus dem Augenwinkel kontrollieren.

Das Mikrofon (in diesem Fall das Richtmikro Sennheiser ME66) halte ich in solchen Situationen nicht mit der bloßen Hand, sondern mit einer kleinen Tonangel, quasi ein verlängerter Arm. An deren Ende ist eine Spinne befestigt, die das Mikro hält.

So werden einerseits störende Griffgeräusche unterbunden (das ME66 ist da sehr empfindlich). Andererseits kann ich eine entspannte Körperhaltung einnehmen und bequem hinter der Kamera stehen bleiben, weil ich das Mikro auch über ein wenig Distanz an den Interview-Partner heranführen kann.

O-Töne sauber aufnehmen

8. August 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Wenn ich ein Interview aufzeichne, will ich mich so gut wie möglich auf den Gesprächspartner einlassen können. Das setzt voraus, dass die Bedienung der Technik dabei möglichst zur Nebensache wird und - einmal passend eingestellt - verlässlich im Hintergrund läuft.

Die meisten DV-Kameras bieten die Möglichkeit, den Eingangspegel für den Ton automatisch oder manuell auszusteuern. Automatisch hat den Vorteil, dass das aufgezeichnete Signal selten zu laut oder zu leise ist.

Spricht der Interview-Partner aber zum Beispiel insgesamt relativ leise und wird dann plötzlich mal sehr laut, kommt die Automatik der Kamera nicht hinterher - mit dem Resultat, dass der aufgezeichnete Ton an dieser Stelle vermutlich übersteuert ist.

Um ein gutes, sauberes Tonsignal aufzuzeichnen, gehe ich daher folgendermaßen vor: Das jeweils eingesetzte Mikrofon schließe ich stets an der unteren der beiden XLR-Buchsen meiner Kamera an.

Anschließend lege ich die Eingangssignale für Kanal 1 und Kanal 2 zusammen auf den unteren XLR-Anschluss und pegle sie unterschiedlich aus - den ersten etwas stärker, den zweiten schwächer.

Mögliche Einstellungen für die Aufnahme eines O-Tons mit der Panasonic DVX 100
Mögliche Einstellungen für die Aufnahme eines O-Tons mit der Panasonic DVX 100.

Dazu lasse ich den Interview-Partner natürlich ein paar Worte sagen. Am besten klappt es, so meine Erfahrung, wenn man eine ernst gemeinte Frage stellt (”Was haben Sie heute morgen gefrühstückt?”). Oft spricht er/sie dann frei von der Leber weg und mit einer vergleichbaren Lautstärke wie bei der anschließenden Aufzeichnung.

Die DVX hat einen Headroom von 12 dB - das heißt: Die Balken der Pegel-Anzeige auf dem Display für Kanal 1 und 2 werden ab einem Eingangssignal von -12 dB rot. Erst bei 0 dB, also dem Ende des roten Balkens, setzt das sogenannte Clipping, also die digitale Verzerrung ein. Das aufgezeichnete Signal ist ab dort unbrauchbar. Das bestmöglich aufgezeichnete Signal ist kurz vor 0 dB.

Tonpegel-Anzeige im Display der Panasonic DVX 100
Tonpegel-Anzeige im Display der Panasonic DVX 100. Das Eingangssignal auf Kanal 1 ist in diesem Fall am Ende des Headrooms angekommen und übersteuert, das Signal auf Kanal 2 liegt genau am Anfang des Headrooms, also -12 dB.

Auf diese Weise erhöhe ich die Wahrscheinlichkeit, mindestens eine gute Tonspur aufzunehmen. Anschließend im Schnitt nehme ich dann die bessere der beiden.