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Video-Starter-Kit für Zeitungs-Redakteure

10. Juli 2007 | Bisher 12 Kommentare »

In einigen US-Blogs und Fachpublikationen ist vor kurzem mehrfach diskutiert worden, wie Online-VJs technisch ausgerüstet sein sollten, um ihren Job vernünftig machen zu können.

Die Ideen reichen von kleinen “Point-and-Shoot”-Kameras, also günstigen Vollautomatik-DV-Camcordern, bis hin zu Komplettausrüstungen für mehrere zehntausend Dollar.

Das Ergebnis der Diskussion ist noch offen, aber Andy Dickinson hat ganz gut zusammengefasst, worum es eigentlich geht:

Newspapers are professionals and want to produce professional content. An expensive video camera or edit suite doesnt do that. By that argument I could be a millionaire just by putting some fancy pants on. You need to start with confidence. You have to start with training staff and getting them on board so you can get some of that “good stuff”. Otherwise you are left with a bunch of gear heads shooting big game.

Für Video-Equipment kann man wirklich eine Menge Geld ausgeben: Eine gute Kamera, ein oder mehrere Stative, unterschiedliche Mikrofone, zusätzliches Licht, Schnittsoftware - da kommen schnell Summen von mehreren tausend Euro zusammen.

Einige Zeitungs-Redaktionen stehen derzeit genau vor diesen Fragen: Welche Technik sollte angeschafft werden, was ist verzichtbar? Muss es eine HDV-Kamera sein oder reicht Mini-DV mit Standard-PAL-Auflösung? Welches zusätzliche Mikrofon wird benötigt? Womit soll geschnitten werden?

Dazu ein paar grundsätzliche Gedanken von mir, die in den Kommentaren hoffentlich weitergedacht werden.

Die Kamera

…ist das Herzstück der Arbeit von Videojournalisten. In die engere Auswahl kommen eigentlich nur 3-Chip-Camcorder (3CCD), da sie auch unter schwierigen Lichtbedingungen noch akzeptable Bildqualität liefern.

Die Kamera muss so konzipiert sein, dass man leicht auf die wesentlichen bildgestaltenden Parameter zugreifen kann und sich nicht erst durch irgendwelche Menues und Submenues navigieren muss. Dazu gehört vor allem das schnelle manuelle Fokussieren, genauso wie der zügige Zugriff auf die Blende.

Zudem sollte man ein externes Mikrofon anschließen und den Tonpegel selbst einstellen können. Von Vorteil ist, wenn sich beide Tonkanäle unabhängig voneinander pegeln lassen.

Der Zoom-Faktor, mit dem oft geworben wird, ist egal - denn gezoomt wird sowieso nur in Ausnahmefällen. Ob nun 10-fache oder 20-fache Vergrößerung: völlig nebensächlich. Digitalzoomfaktoren spielen gar keine Rolle.

Entscheidend kann die Frage sein, auf welches Medium die Kamera aufzeichnet. Auf MiniDV-Tape ist sehr verbreitet und entsprechend kostengünstig. Nachteil: Das Material muss noch auf den Rechner übertragen werden. Das kann bei tagesaktueller Arbeit wertvolle Minuten kosten. Vorteil: Das Rohmaterial wird gleich kostengünstig archiviert.

HDV oder Standard-PAL? Schwer zu sagen. Videos im Web werden zurzeit noch in sehr kleinen Auflösungen und stark komprimiert veröffentlicht - Standard-PAL mit seinen 720 x 576 Pixeln im Halbbildverfahren reicht da völlig aus, es sein denn, man möchte die Videos auch noch als Download in sehr guter Qualität anbieten, wie es etwa die Washington Post seit einiger Zeit tut.

HDV bietet mit seinen 1920 x 1040 Pixeln im Halbbildverfahren bzw. 1280 x 720 Pixeln im Vollbildverfahren eine üppige Auflösungsreserve, die sich vielseitig verwenden lässt.

Zum Beispiel im Schnitt: Wenn das veröffentlichte Video im Web wesentlich kleinere Abmessungen haben wird als das Rohmaterial, kann man ohne merklichen Qualitätsverlust beliebige Bildausschnitte vergrößern (z.B. den Interview-Partner näher heranholen). So können Fehler, die beim Dreh passiert sind, nachträglich korrigiert werden.

Einige Zeitungen gehen inzwischen sogar dazu über, Standbilder aus einem HDV-Video als Foto in ihrer Printausgabe zu verwenden. Umstritten, wie ich finde - zu Recht kann man das Verfahren auch aus ethischer Perspektive hinterfragen (dann sollte man sich aber auch die Zeit für Gegenmeinungen nehmen).

Die Größe der Kamera ist ebenfalls nicht unwichtig. Mit kleinen Camcordern, die gerade mal so groß sind wie die Hand, wird man vor allem bei frei geführter Kamera viel Wackliges produzieren. Besser - und teurer - sind da schon die Henkelmänner, die man mit beiden Händen einigermaßen stabil halten kann.

Von Vorteil sind zusätzliche Anschlussmöglichkeiten. Die meisten Low-Budget-Kameras bieten eine Miniklinke, um ein Mikrofon anschließen zu können. Das ist zwar störanfällig, aber besser als nichts. Geeigneter sind XLR-Anschlüsse, für jeden Tonkanal einen.

Auf jeden Fall sollte auch ein Erweiterungsschuh vorhanden sein, um ein Mikrofon oder eine Videoleuchte auf der Kamera installieren zu können.

Das Stativ

…gibt es in allen Preisklassen, angefangen beim billigen Plastik-Dreibeiner für 15,- Euro im Elektrodiscounter bis zur teueren Sachtler-Lösung mit fluidgedämpftem Kopf für weit über 1000,- Euro.

Es kommt - wie immer - darauf an, was man damit machen will. Wer mit einem Miniatur-Camcorder ausschließlich Interviews in geschlossenen Räumen aufzeichnen möchte, wird mit der 20,- Euro-Lösung sicher gut bedient sein.

Wer allerdings viel draußen arbeiten wird und mehr als nur die statische Einstellung von einem Gebäude dreht, muss entsprechend mehr investieren. Beim Kauf sollte man auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kameragewicht und Stativ achten, der Kopf sollte möglichst gedämpft sein, um Schwenks ohne Wackler zu ermöglichen.

Solche Stative gibt es u.a. von den Firmen Vinten, Manfrotto oder Velbon. Sachtler ist traditionell etwas teurer, aber dafür eine Anschaffung fürs Leben.

Das Mikrofon

…an der Kamera (”Japaner”) ist eigentlich nur für Atmo-Aufnahmen geeignet. Interviews sollte man damit besser nicht aufzeichnen.

Zum Basis-Set sollte daher ein Mikrofon gehören, dass man über den Zubehörschuh an der Kamera befestigen kann und das sich für verschiedene Einsatzbereiche eignet.

Idealerweise verfügt es über eine Nierencharakteristik, denn damit kann man Interviews auch in lauteren Umgebungen aufzeichen, vorausgesetzt man steht seinem Interviewpartner entsprechend nah gegenüber und im Hintergrund fährt nicht gerade eine Straßenbahn vorbei. Ein Windschutz ist Pflicht.

Licht

…kann man nie genug haben. Eine Videokopfleuchte halte ich für unverzichtbar, denn sie verleiht den Augen des Interviewpartners nicht nur ein lebendiges Funkeln, sondern hellt sein Gesicht angenehm auf. Gerade bei Innenaufnahmen, wo oft nur eine Funzel an der Decke hängt, ist das viel Wert.

Im Übrigen tut man dem Gesprächspartner auch keinen Gefallen damit, wenn man in schlechten Lichtsituation auf eine zusätzliche Leuchte verzichtet.

Schnittsoftware

…gibt es in allen Preislagen, angefangen bei der leicht zu bedienenden Lösung unter 100,- Euro für Hobby-Filmer, die standardmäßig alle möglichen Effekte und Spielereien bietet, bis hin zu professionellen Lösungen für weit über tausend Euro.

Verbreitet sind hier vor allem Avid Liquid (PC), Avid Xpress (PC und Mac; als DV- oder Pro-Version), Final Cut (Mac; als Express- oder Pro-Version) und Adobe Premiere (PC und Mac).

Für ganz einfachen Hartschnitt eignen sich bereits die Programme, die mit den Betriebsystemen ausgeliefert werden (MovieMaker für Windows und iMovie für den Mac).

Für einen professionellen Blick auf die Materie empfehle ich das kostenlose Avid Xpress Free DV, eine sehr abgespeckte, aber funktionsfähige Version der Avid Xpress-Software (Registrierung auf der Hersteller-Website nötig). Wer später aufrüsten will, kann das immer noch tun - die Funktionsweise des Programms ist dann schon hinreichend bekannt.

BBC Training: Good Shooting Guide

23. Juni 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Wer sich erst seit kurzem für die Videoproduktion interessiert und sich noch in der frühen Experimentierphase befindet, sollte unbedingt einen Blick in den Good Shooting Guide der BBC werfen. Dort werden die Basics sehr verständlich, kurz und bündig erklärt.

Was muss vor einem Dreh alles bedacht werden? Welches Equipment wird benötigt? Wann ist ein Bildausschnitt richtig gewählt? Wie zieht man die Schärfe? Wie lassen sich Handlungen in Bildsequenzen zerlegen? Mit welchem Mikrofon zeichne ich den Ton auf?

Wie von der BBC gewohnt, wurde das Tutorial natürlich vorbildlich mit Video- und Audiomaterial angereichert.

J-Rod Twin Mount mit Azden-Mikrohalterung

24. Mai 2007 | Bisher 2 Kommentare »

Vor ein paar Monaten hatte ich hier und bei videojournalismus.net mal in die Runde gefragt, ob es einen Verteiler für den Beleuchtungsschuh der Kamera gibt.

Denn das Problem ist: Wenn man eine Videokopfleuchte, ein Richtmikrofon und einen Funkempfänger fest an der Kamera installieren will, dann ist irgendein Teil immer zuviel und muss provisorisch befestigt werden.

Dank des Hinweises von Felix in den Kommentaren meines Eintrags bei videojournalismus.net habe ich mir vor einigen Wochen die Lösung des Problems bei einem US-Vertrieb bestellt.

Beim sogenannten J-Rod Twin Mount handelt es sich um ein kleines Aluminium-Röhrchen, an dem zwei Steckschuhe angebracht sind. Ich empfehle, gleich die Azden-Mikrofonhalterung mitzubestellen.

J-Rod Twin Mount mit Azden-Mikrofonhalterung

Das Twin Mount-Rohr wird einfach in den Mikrofonhalter der Kamera gespannt (bei meiner DVX100A musste ich dazu allerdings eine der beiden Gummifederungen herausnehmen, weil das Rohr sonst zu dick wäre).

Der Funkempfänger kann jetzt beispielsweise rechts angebracht werden, das Richtmikrofon in der Azden-Halterung. Für die Kopfleuchte bleibt der Hauptsteckschuh an der Kamera frei.

Kameraleuchte, Mikrofon und Funkempfänger haben genug Platz

Das ganze ist sehr stabil und es bleibt genug Platz zum Hantieren, auch wenn man die Kamera am Henkel trägt. Selbst die Geräusche, die sich normalerweise beim Gehen auf das Richtmikro übertragen, sind nahezu verschwunden.

Das Set kostet insgesamt 110,- US-Dollar, der Versand nach Deutschland nochmal 9,- Dollar extra. Außerdem werden beim Zoll in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer sowie drei Prozent Zollgebühr fällig.

Verteiler für Beleuchtungsschuh?

28. Februar 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Falls mir jemand bei der Lösung dieses Problems helfen kann, wäre ich sehr dankbar.

Update (24.05.2007): Problem gelöst. Danke an Felix für den Hinweis.

Low Budget Videojournalism

10. Februar 2007 | Bisher 2 Kommentare »

Dieses Video zeigt, wie wenig Technik kosten muss, wenn man gutes Material ausschließlich fürs Web drehen will. Viel wichtiger als der Preis ist gestalterisches Know-How und das Gefühl, das man für seine Kamera und ihre einzelnen Komponenten entwickelt hat.

Die Autorin Cyndy Green beschreibt in zwei Blog-Einträgen, wie die Story entstanden ist und welche Technik sie dazu eingesetzt hat.

Ihre Aufnahmen hat sie mit einem gebraucht gekauften Canon Camcorder ZR60 gemacht, der schon ein paar Jahre alt ist und von Videojournalisten, die für das Fernsehen arbeiten, wohl kaum benutzt würde. Die ganze Technik (Stativ, Mikrofon) ist nur knapp über hundert Dollar wert. Dem Ergebnis sieht man das nicht an.

Für das Web gelten andere technische Maßstäbe als für das Fernsehen. Niemand würde im Web nach einer Empfehlung wie etwa der EBU R116-2005 (PDF, 115 kB) fragen, die dem DV-Format bestätigt, im Grunde nicht den hohen Kriterien an TV-Sendefähigkeit zu genügen.

Warum auch? Videos im Web haben (noch) eine viel geringere Auflösung, werden komprimiert ohne Ende. Selbst ein nur durchschnittlicher Codec reduziert das Ursprungsmaterial so dermaßen, dass Fehler, die während des Drehs passiert sind, kaum ins Gewicht fallen (Unschärfen, Ausleuchtung etc.).

Als ich damals mit der (legendären) Canon XM1 angefangen habe, erste Beiträge für das Fernsehen zu drehen und dafür so manches Mal belächelt wurde, reichte die subjektiv wahrgenommene Qualität vollkommen aus. Fürs Web ist diese Kamera, die 1999 auf den Markt kam, immer noch High-End.