Alle Beiträge der Kategorie 'Stativ'

BBC Training: Good Shooting Guide

23. Juni 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Wer sich erst seit kurzem für die Videoproduktion interessiert und sich noch in der frühen Experimentierphase befindet, sollte unbedingt einen Blick in den Good Shooting Guide der BBC werfen. Dort werden die Basics sehr verständlich, kurz und bündig erklärt.

Was muss vor einem Dreh alles bedacht werden? Welches Equipment wird benötigt? Wann ist ein Bildausschnitt richtig gewählt? Wie zieht man die Schärfe? Wie lassen sich Handlungen in Bildsequenzen zerlegen? Mit welchem Mikrofon zeichne ich den Ton auf?

Wie von der BBC gewohnt, wurde das Tutorial natürlich vorbildlich mit Video- und Audiomaterial angereichert.

Bildstabilisator, DVX 100

28. März 2007 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Dass der Bildstabilisator nur bei freihand geführter Kamera eingeschaltet werden sollte, ist kein Geheimnis, sondern steht in den meisten Bedienungsanleitungen - begründet wird dies in den “Operating Instructions” der DVX 100 allerdings nicht.

Dazu ein paar Erfahrungen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe:

  • Wenn ich die Kamera frei mit der Hand führe, schalte ich den Stabilisator stets ein. Das gilt auch für Aufnahmen vom Schulterstativ oder dem Einbein-Stativ. Vor allem bei mittleren und längeren Brennweiten halte ich den Stabilisator für unverzichtbar.
  • Beim Dreh vom Dreibein-Stativ schalte ich den Stabilisator fast immer aus, denn bei einem Schwenk mit mittlerer oder langer Brennweite interpretiert er den Anfang als Wackler und will ihn ausgleichen. Das hat zur Folge, dass das Bild für den Bruchteil einer Sekunde stehen bleibt und der Schwenk erst dann beginnt. Ein paar Pixel des sich ändernden Bildinhalts fehlen also, die eigentliche Bewegung wird am Anfang abgehackt.
  • Drehe ich eine Einstellung von einem statischen Objekt mit langer Brennweite vom Stativ, schalte ich den Stabilisator immer dann ein, wenn es windig ist. Denn unter solchen Bedingungen kann die ganze DV-Leichtbauweise schonmal ins Vibrieren geraten, was ohne Stabilisator sofort zu sehen wäre.

Straßenumfragen solo aufnehmen

2. Oktober 2006 | Bisher 6 Kommentare »

Straßenumfragen sind ja immer wieder gern genommene, belebende Elemente in TV-Beiträgen. Dabei werden kurze Antworten mehrerer Befragter in schneller Folge hintereinander geschnitten.

Beim Drehen solcher Umfragen sind mehrere Dinge zu beachten, damit sich das Material später gut schneiden lässt:

  • Im Wechsel sollten die Befragten leicht von links, dann wieder leicht von rechts ins Bild schauen. Bei klassischer Teamarbeit stellt sich der Reporter also mal links neben den Kameramann, beim nächsten Befragten wieder rechts.
  • Die Größe der Bildeinstellungen sollte variieren, also auf einen kleinen Kopf folgt ein großer Kopf. Gleiche oder ähnliche Einstellungsgrößen wirken oft wie ein störender Bildsprung.
  • Außerdem macht es manchmal Sinn, die Frage des Reporters im On zu hören. Dabei muss er aber nicht unbedingt zu sehen sein.

Im Teamwork ist eine solche Umfrage leichte Arbeit und meistens schnell gemacht. Aber solo als VJ sind sie eine echte Herausforderung, wie ich finde.

Vor ein paar Tagen wollte ich wissen, wie Verbraucher mit ihren persönlichen Daten umgehen, wenn sie sich im Internet oder in Supermärkten bewegen. Dabei bin ich folgendermaßen vorgegangen:

  • Zunächst habe ich die Kamera auf einem mehrfach ausziehbaren Einbein-Stativ befestigt. Um möglichst gute Tonqualität zu erreichen, habe ich das Richtmikrofon Sennheiser ME66 direkt an der Kamera angebracht und den Ton - wie hier beschrieben - auf beide Kanäle gelegt sowie unterschiedlich gepegelt.
  • Ich wusste, dass ich am besten mit einer möglichst weit geschlossenen Blende drehen sollte. Denn dadurch erreiche ich, dass die Schärfentiefe groß ist. So ist gewährleistet, dass sowohl Personen im Vordergrund als auch im Hintergrund scharf erscheinen. Oder anders gesagt: Egal, wie nah ich an einem Objekt bin, es wird immer scharf dargestellt.
  • Da es draußen sehr hell war, habe ich die erste Stufe des ND-Filters zugeschaltet (so wurde der Lichteinfall auf 1/8 reduziert). Gesichter ließen sich damit im Mittel mit einer Blende von F11 aufnehmen, ohne dass sie über- oder unterbelichtet erschienen.

Nachdem ich die Blende fixiert und den Autofocus also abgeschaltet hatte, ging’s los. Zunächst dachte ich, dass die Leute mich als Solo-Befrager nicht so ernst nehmen wie ein Team. Völlig unbegründet, wie sich herausstellen sollte. Alle Befragten waren offen und nahmen meine Fragen und meine Art zu arbeiten offenbar ernst.

Jedes Mal, wenn ich einen Umfragepartner gewonnen hatte, musste ich ganz schnell kurz kontrollieren, ob die fest eingestellten Bildparameter auch wirklich passten (nur selten musste ich die Blende nachregulieren, um das optimale Zebra im Gesicht des Befragten zu sehen). Klar war, dass das Einstellen sehr, sehr schnell gehen musste, um die Spontanität der Umfragesituation nicht zu gefährden.

Schwierig waren die Fragen, bei denen ich das Stativ links von mir platzierte. Ich hatte gar keinen Blick auf das Display, konnte also während des gesamten Gesprächs den Ausschnitt nicht kontrollieren. So war klar, dass die Bildeinstellungen sämtlicher Aufnahmen von links möglichst total sein mussten.

Zudem standen nicht alle Gesprächspartner wirklich ruhig, sondern bewegten sich mal etwas nach links, dann wieder nach rechts. Im Blindflug musste ich also die Kamera hinterherbewegen.

Was den Ton betrifft, musste ich ebenfalls Kompromisse eingehen. Da das Mikro fest auf der Kamera installiert war und somit zwar immer direkt in die Richtung des Befragten zeigte, waren die O-Töne allesamt sendbar. Durch die Richtwirkung des ME66 war aber auch das Getümmel in der Fußgängerzone hinter den Befragten deutlich zu hören. Da ich seitlich zum Mikrofon stand, waren meine Fragen zwar noch zu hören, aber nicht in sendbarer Qualität.

Besser ist natürlich ein handgeführtes Mikro. Denn dabei hält man es so nah wie möglich an den Mund des Gesprächspartners, und zwar von unten. Das heißt: Umgebungsgeräusche werden aufgrund der Richtwirkung des Mikros weitgehend ausgeblendet, denn oben über dem Befragten ist es in der Regel ruhiger als hinter ihm.

Fazit: Direkt nach der Umfrage hatte ich zunächst das Gefühl, dass davon nichts zu gebrauchen sein wird - fürs Web vielleicht, weil in Clips in Briefmarkengröße Unschärfen kaum auffallen. Da ich die Umfrage aber für einen TV-Bericht benötige, wird jeder Fehler sofort auffallen.

Als ich mir das Material später am Videomonitor ansah, war ich positiv überrascht. Größtenteils ist die Umfrage sendbar, zumindest wenn sie entsprechend geschnitten wird und es nicht auf meine Fragen ankommt. Unbrauchbar sind allenfalls die Passagen, in denen ich bei allzu lebhaften Gesprächspartnern die Kamera im Blindflug nachschwenken musste. Da ruckelts dann sehr unprofessionell.

Current TV Survival Guide

30. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Current TV, der von Al Gore vor etwa einem Jahr ins Leben gerufene TV-Sender, gestaltet sein Programm nach eigenen Angaben zu etwa einem Drittel mit Beiträgen von Usern.

Denen gibt der Sender handfeste Tipps im Survival Guide mit auf den Weg: Dort wird in mehreren Episoden anschaulich erklärt, worauf es bei der Produktion von TV-tauglichen Videos ankommt.

  • So geht es im “Storytelling Guide” um Ansätze, wie man einen Beitrag aufbauen kann, welche Stories funktionieren usw. Die Beispiele sind sehenswert.
  • Der “Gear Guide” zeigt, welche Dinge neben einer Kamera benötigt werden, um Material für das TV und das Web zu drehen.
  • Im “Shooting Guide” wird erklärt, wie man die ganzen Tools einsetzen sollte, um beispielsweise einen sauberen Sound aufzunehmen bzw. die Protagonisten vernünftig auszuleuchten.
  • Der “Editing Guide” verschafft einen kurzen Überblick über Schnittsoftware und wie sie funktioniert, bevor es im letzten Teil, dem “Compression Guide”, ausschließlich um die richtigen Parameter für die Komprimierung der Videos geht.

Der Survival Guide gibt den superschnellen Überblick über alles, was mit Video-Produktion für das Web bzw. das TV zu tun hat. Details sind dabei natürlich nicht zu erwarten.

DVRig Pro, erste Erfahrungen

9. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Vor wenigen Wochen habe ich mein Equipment um einen wesentlichen Bestandteil erweitert: das DVRig Pro, ein Schulterstativ für DV-Kameras. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, es unter professionellen Bedingungen einzusetzen.

Als die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien gespielt hat, bin ich vorher mal in die Dortmunder Innenstadt gegangen, um mit dem Stativ und der DVX 100 ein paar Bilder fürs Archiv einzufangen.

Arbeiten mit dem DVRig Pro (Foto-Credits: Pia).
Arbeiten mit dem DVRig Pro (Foto-Credits: Pia).

Normalerweise wäre ich dort vermutlich entweder mit einem Standard-Dreibein-Stativ, vielleicht auch mit einem Einbein-Stativ unterwegs gewesen. Mit dem Schulterstativ war es aber deutlich bequemer, denn:

  • man bleibt flexibler und kann schnell den Standort wechseln
  • gegenüber einem Einbein-Stativ sind trotzdem noch Schwenks möglich (in diesem Fall eben aus dem Hüftgelenk heraus, was mit ein wenig Übung erstaunlich gut klappt)
  • statische Aufnahmen mit langer Brennweite sind nahezu wackelfrei
  • gegenüber freihandgeführter Kamera sind Fahrten erstaunlich ruhig (natürlich nur, wenn weitwinkling gedreht wird)

Gerade der letzte Punkt hat mich am meisten beeindruckt. Dank des verstellbaren zweistufigen “Stoßdämpfers” zwischen dem Hüftgurt und der Kamerahalterung werden die Bewegungen der Hüfte beim Gehen nahezu vollständig absorbiert (das setzt allerdings etwas Übung voraus).

Der Rest des Kameragewichts wird auf die Schulter verlagert. Um für ein ausgewogenes Verhältnis zu sorgen, ist am Ende der Schulterschiene ein Gegengewicht angebracht. Das kann bei Bedarf ausgetauscht werden, was zum Beispiel Sinn macht, wenn man mit einer akkubetrieben Kopfleuchte arbeitet. Der Akku lässt sich dann hinten installieren.

Ein paar wenige Impressionen aus Dortmund zeigt das folgende Video. Vielleicht wird deutlich, dass das Gehen mit der Kamera dank des Schulterstativs weitgehend ruckelfrei ist. Und dass saubere Schwenks auch aus der Bewegung heraus möglich sind.

Nach dem etwa einstündigen Dreh hätte ich übrigens noch stundenlang weitermachen können - keine Rückenschmerzen oder sonstige Probleme, die zum Beispiel mit dem Gewicht hätten zu tun haben können.

Ich vermute mal, dass sich das Schulterstativ vor allem bei Reportage-Drehs in aktionsreichen Umgebungen bezahlt machen könnte, da man den Protagonisten damit ziemlich dicht auf den Fersen bleiben kann, ohne die Bilder zu verwackeln. Wie es allerdings ausschaut, wenn man O-Töne aufzeichnen möchte (wie zum Beispiel bei einer Straßenumfrage), werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.

Dass es funktioniert, Interviews zu führen und gleichzeitig mit einem Schulterstativ im Gehen den Protagonisten ruhig zu filmen, hat Markus Engelhardt in seinem Video-Portrait über den Grünen-Politiker Volker Beck bewiesen. Sehr sehenswert.

Übrigens: Dieser Steadicam-Effekt, den man mit dem Schulterstativ erzielen kann, lässt sich auch mit einem gewöhnlichen Stativ nachahmen. Vor einigen Monaten habe ich mit einem Politiker im EU-Parlament gedreht. Auch ihn wollte ich ein paar Meter auf seinen Wegen durch das Gebäude “verfolgen”.

Dazu habe ich die Kamera auf ein normales Dreibein-Stativ gesetzt (in diesem Fall ein Sachtler DA 75 L mit DV II-2-Kopf), das Stativ auf eine Höhe von etwa einem Meter eingefahren und den Kopf samt Kamera in der waagerechten fixiert. Dann habe ich das Stativ an zwei Beinen gefasst und direkt vor der Brust gehalten. Beim Gehen federn die Arme die Bewegung ab.

Improvisiertes Schwebestativ (Foto-Credits: Fiete Stegers).
Improvisiertes Schwebestativ (Foto-Credits: Fiete Stegers).

Das funktioniert erstaunlich gut - bei mir allerdings maximal zwei Minuten, danach wird’s Knochenarbeit.