Alle Beiträge der Kategorie 'TV'

Low Budget Videojournalism

10. Februar 2007 | Bisher 2 Kommentare »

Dieses Video zeigt, wie wenig Technik kosten muss, wenn man gutes Material ausschließlich fürs Web drehen will. Viel wichtiger als der Preis ist gestalterisches Know-How und das Gefühl, das man für seine Kamera und ihre einzelnen Komponenten entwickelt hat.

Die Autorin Cyndy Green beschreibt in zwei Blog-Einträgen, wie die Story entstanden ist und welche Technik sie dazu eingesetzt hat.

Ihre Aufnahmen hat sie mit einem gebraucht gekauften Canon Camcorder ZR60 gemacht, der schon ein paar Jahre alt ist und von Videojournalisten, die für das Fernsehen arbeiten, wohl kaum benutzt würde. Die ganze Technik (Stativ, Mikrofon) ist nur knapp über hundert Dollar wert. Dem Ergebnis sieht man das nicht an.

Für das Web gelten andere technische Maßstäbe als für das Fernsehen. Niemand würde im Web nach einer Empfehlung wie etwa der EBU R116-2005 (PDF, 115 kB) fragen, die dem DV-Format bestätigt, im Grunde nicht den hohen Kriterien an TV-Sendefähigkeit zu genügen.

Warum auch? Videos im Web haben (noch) eine viel geringere Auflösung, werden komprimiert ohne Ende. Selbst ein nur durchschnittlicher Codec reduziert das Ursprungsmaterial so dermaßen, dass Fehler, die während des Drehs passiert sind, kaum ins Gewicht fallen (Unschärfen, Ausleuchtung etc.).

Als ich damals mit der (legendären) Canon XM1 angefangen habe, erste Beiträge für das Fernsehen zu drehen und dafür so manches Mal belächelt wurde, reichte die subjektiv wahrgenommene Qualität vollkommen aus. Fürs Web ist diese Kamera, die 1999 auf den Markt kam, immer noch High-End.

Online-Modelle für freie VJs?

19. Januar 2007 | Bisher 1 Kommentar »

Dass die Zukunft des Videojournalismus eher im Web als im klassischen Fernsehen liegt, kann ich nur unterstreichen.

Doch in nächster Zeit wird zu klären sein, welche Möglichkeiten es für frei arbeitende Videojournalisten gibt, mit ihrer Arbeit im Web Geld zu verdienen. Mit Spaß-Plattformen wie YouTube scheint das weder auf den ersten Blick noch auf den zweiten Blick möglich zu sein.

Revver oder die Sevenload-Specials bieten sicher Alternativen, aber das ausgeklügelte Modell fehlt irgendwie noch. Und als VJ dauerhaft am Tropf einiger Redaktionen zu hängen, ist wahrscheinlich auch nicht jedermanns Sache.

Heute berichtet Fiete Stegers auf onlinejournalismus.de über die Holtzbrinck-Pläne, in Kürze ein eigenes Video-Portal mit journalistischem Profil ins Leben zu rufen. Dort sollen sich, fernab von Freizeit-Videos, junge Journalisten und Volontäre ausprobieren können.

Betram Gugel fasst übersichtlich und einordnend zusammen, welche Formen die Professionalisierung der Video-Produktion jetzt annimmt. Unter anderem verliert er ein paar Worte zu vodboxx.tv, einer Agentur, die demnächst als Schnittstelle zwischen Produzenten und redaktionellen Abnehmern stehen will.

“Alltag Überwachung” als Video-Serie bei tagesschau.de

22. Dezember 2006 | Bisher 1 Kommentar »

Alltag Überwachung - Zwischen Terror, Sicherheit und digitaler Kontrolle

Der 45-minütige Dokumentarfilm “Alltag Überwachung - Zwischen Terror, Sicherheit und digitaler Kontrolle”, den Fiete Stegers und ich gemeinsam produziert haben, wurde bei tagesschau.de als vierteilige Video-Serie veröffentlicht:

Der Film ist fast ausschließlich in VJ-Teamarbeit entstanden. Insgesamt haben wir drei Kameras eingesetzt: die Panasonic DVX 100 und Fietes Canon XM2. Ein paar ältere Aufnahmen stammen noch von meiner Canon XM1. Einen geringen Teil des Materials konnten wir aus dem AV-Archiv der Europäischen Kommission nutzen bzw. wurde uns vom Fraunhofer Institut Dortmund zur Verfügung gestellt.

Vielen Dank an das Netaudio-Label Thinner, insbesondere für den unkomplizierten Erwerb der Lizenzen für unsere Zwecke. Insgesamt haben wir drei Stücke des Künstlers Selffish genutzt.

Großen Dank auch an David Pilgrim, der den Kommentar zum Film gesprochen hat.

Und natürlich einen herzlichen Dank an Kontext für die finanzielle Unterstützung unserer Recherchen mit einem Stipendium.

Übrigens: Die Rechte für eine TV-Ausstrahlung können nach wie vor erworben werden.

Warum VJs flexibler sind…

12. Dezember 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Gegen 18:00 Uhr klingelt das Telefon. “Tut mir wirklich leid, aber die Dreharbeiten morgen müssen wir ausfallen lassen. Geht’s auch am Freitag?”

Als VJ kann ich in solchen Situationen mehr oder weniger bedenkenlos sagen: Okay, kein Problem.

Als konventioneller Fernseharbeiter hätte ich jetzt die Enge der TV-Zwangsjacke zu spüren bekommen: Ob ich um 18 Uhr einem bereits gebuchten Team noch hätte absagen können?

Video-Formate bei Zeitungen

6. Dezember 2006 | Bisher 3 Kommentare »

Drüben bei onlinejournalismus.de habe ich einmal zusammengefasst, welche Wege lokale und überregionale Tageszeitungen sowie Wochenzeitschriften in Sachen Online-Video gehen.

Im Ergebnis sieht das, kurz zusammengefasst, etwa so aus:

  • Beim überwiegenden Teil aller Lokalzeitungen in Deutschland, die eine Website haben, spielt Online-Video überhaupt keine Rolle.
  • Gut zwei Dutzend Tageszeitungen, darunter auch überregionale Blätter wie die Welt oder die Frankfurter Rundschau, haben den Service des niederländischen Dienstleisters zoom.in abonniert.
  • Eine Hand voll lokaler Zeitungen produziert eigene Videos, die in ihrer Qualität unterschiedlicher nicht sein können. Bemerkenswert finde ich die Video-Berichterstattung bei den Ostfriesischen Nachrichten.
  • Bei den überregionalen Wochenblättern schaue ich mir sehr gern die Videos der Zeit an, die übrigens als einzige Redaktion auf das Format Quicktime setzt (dort scheint man jetzt aber umzusatteln, zumindest wurden die aktuelleren Videos im Flash-Format veröffentlicht).
  • Spiegel Online und Focus Online werden vermutlich in 2007 deutlich ausbauen. Bisher ist bei beiden die angekündigte Video-Offensive klar zu erkennen.

Wenn ich mir den Aktionismus so ansehe, schaut die Welt aus der Perspektive freiberuflicher Videojournalisten eigentlich ganz entspannt aus: An allen Ecken und Enden entstehen neue Bewegtbild-Formate im Netz.

Bin mal gespannt, wann die Lokalzeitung, mit der ich aufgewachsen bin, ihre ersten Videos veröffentlicht.