Alle Beiträge der Kategorie 'TV'

Einblicke in WKRN-TV

13. Oktober 2006 | Bisher 1 Kommentar »

Vor einiger Zeit hatte ich hier ja mal etwas über WKRN-TV, einen lokalen Fernsehsender aus Nashville, geschrieben. Dort wird das Programm hauptsächlich von Videojournalisten gestaltet.

Amanda Congdom, bekannt geworden durch das Videoblog Rocketboom, hat WKRN-TV besucht und in ihrem Blog AmandaAcrossAmerica ein Video darüber veröffentlicht (via Notebook | Onlinejournalismus).

In dem Video kommt auch WKRN-Chef Mike Sechrist zu Wort. Er erzählt, dass der Sender damals mit 13 Betacam-Kameras gearbeitet habe, heute stattdessen aber 30 kleine Sony-DV-Kameras einsetzt. Wenn Reporter damals rausgingen, mussten sie eine Story mitbringen, auch wenn gar keine da war - schließlich war der Aufwand sehr groß. Dank der kleinen DV-Kameras könne man das heute alles viel lockerer angehen.

Mit Videojournalisten wird Fernsehen bezahlbarer, demokratischer, authentischer.

Straßenumfragen solo aufnehmen

2. Oktober 2006 | Bisher 6 Kommentare »

Straßenumfragen sind ja immer wieder gern genommene, belebende Elemente in TV-Beiträgen. Dabei werden kurze Antworten mehrerer Befragter in schneller Folge hintereinander geschnitten.

Beim Drehen solcher Umfragen sind mehrere Dinge zu beachten, damit sich das Material später gut schneiden lässt:

  • Im Wechsel sollten die Befragten leicht von links, dann wieder leicht von rechts ins Bild schauen. Bei klassischer Teamarbeit stellt sich der Reporter also mal links neben den Kameramann, beim nächsten Befragten wieder rechts.
  • Die Größe der Bildeinstellungen sollte variieren, also auf einen kleinen Kopf folgt ein großer Kopf. Gleiche oder ähnliche Einstellungsgrößen wirken oft wie ein störender Bildsprung.
  • Außerdem macht es manchmal Sinn, die Frage des Reporters im On zu hören. Dabei muss er aber nicht unbedingt zu sehen sein.

Im Teamwork ist eine solche Umfrage leichte Arbeit und meistens schnell gemacht. Aber solo als VJ sind sie eine echte Herausforderung, wie ich finde.

Vor ein paar Tagen wollte ich wissen, wie Verbraucher mit ihren persönlichen Daten umgehen, wenn sie sich im Internet oder in Supermärkten bewegen. Dabei bin ich folgendermaßen vorgegangen:

  • Zunächst habe ich die Kamera auf einem mehrfach ausziehbaren Einbein-Stativ befestigt. Um möglichst gute Tonqualität zu erreichen, habe ich das Richtmikrofon Sennheiser ME66 direkt an der Kamera angebracht und den Ton - wie hier beschrieben - auf beide Kanäle gelegt sowie unterschiedlich gepegelt.
  • Ich wusste, dass ich am besten mit einer möglichst weit geschlossenen Blende drehen sollte. Denn dadurch erreiche ich, dass die Schärfentiefe groß ist. So ist gewährleistet, dass sowohl Personen im Vordergrund als auch im Hintergrund scharf erscheinen. Oder anders gesagt: Egal, wie nah ich an einem Objekt bin, es wird immer scharf dargestellt.
  • Da es draußen sehr hell war, habe ich die erste Stufe des ND-Filters zugeschaltet (so wurde der Lichteinfall auf 1/8 reduziert). Gesichter ließen sich damit im Mittel mit einer Blende von F11 aufnehmen, ohne dass sie über- oder unterbelichtet erschienen.

Nachdem ich die Blende fixiert und den Autofocus also abgeschaltet hatte, ging’s los. Zunächst dachte ich, dass die Leute mich als Solo-Befrager nicht so ernst nehmen wie ein Team. Völlig unbegründet, wie sich herausstellen sollte. Alle Befragten waren offen und nahmen meine Fragen und meine Art zu arbeiten offenbar ernst.

Jedes Mal, wenn ich einen Umfragepartner gewonnen hatte, musste ich ganz schnell kurz kontrollieren, ob die fest eingestellten Bildparameter auch wirklich passten (nur selten musste ich die Blende nachregulieren, um das optimale Zebra im Gesicht des Befragten zu sehen). Klar war, dass das Einstellen sehr, sehr schnell gehen musste, um die Spontanität der Umfragesituation nicht zu gefährden.

Schwierig waren die Fragen, bei denen ich das Stativ links von mir platzierte. Ich hatte gar keinen Blick auf das Display, konnte also während des gesamten Gesprächs den Ausschnitt nicht kontrollieren. So war klar, dass die Bildeinstellungen sämtlicher Aufnahmen von links möglichst total sein mussten.

Zudem standen nicht alle Gesprächspartner wirklich ruhig, sondern bewegten sich mal etwas nach links, dann wieder nach rechts. Im Blindflug musste ich also die Kamera hinterherbewegen.

Was den Ton betrifft, musste ich ebenfalls Kompromisse eingehen. Da das Mikro fest auf der Kamera installiert war und somit zwar immer direkt in die Richtung des Befragten zeigte, waren die O-Töne allesamt sendbar. Durch die Richtwirkung des ME66 war aber auch das Getümmel in der Fußgängerzone hinter den Befragten deutlich zu hören. Da ich seitlich zum Mikrofon stand, waren meine Fragen zwar noch zu hören, aber nicht in sendbarer Qualität.

Besser ist natürlich ein handgeführtes Mikro. Denn dabei hält man es so nah wie möglich an den Mund des Gesprächspartners, und zwar von unten. Das heißt: Umgebungsgeräusche werden aufgrund der Richtwirkung des Mikros weitgehend ausgeblendet, denn oben über dem Befragten ist es in der Regel ruhiger als hinter ihm.

Fazit: Direkt nach der Umfrage hatte ich zunächst das Gefühl, dass davon nichts zu gebrauchen sein wird - fürs Web vielleicht, weil in Clips in Briefmarkengröße Unschärfen kaum auffallen. Da ich die Umfrage aber für einen TV-Bericht benötige, wird jeder Fehler sofort auffallen.

Als ich mir das Material später am Videomonitor ansah, war ich positiv überrascht. Größtenteils ist die Umfrage sendbar, zumindest wenn sie entsprechend geschnitten wird und es nicht auf meine Fragen ankommt. Unbrauchbar sind allenfalls die Passagen, in denen ich bei allzu lebhaften Gesprächspartnern die Kamera im Blindflug nachschwenken musste. Da ruckelts dann sehr unprofessionell.

Vom Fotografen zum Videoreporter

19. September 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Fabian hat mich auf dieses lesenswerte Interview mit Travis Fox, Videojournalist bei der New York Times, aufmerksam gemacht. Fox war ursprünglich als Fotograf tätig und begann früh mit der Video-Produktion für das Web zu experimentieren.

Im Interview werden viele Facetten der Arbeit von Videojournalisten angesprochen, unter anderem ob man als VJ für das Web anders dreht als für das Fernsehen:

In the beginning, there was the notion that you should have everything on a tripod to be stable because any sort of camera shake would cause the pixels to be refreshed, which would slow down your processor, which would slow down your computer. So that’s still a concern, if you are dealing with slower computers.

I would shoot it the same way, whether it was for television or whether it was for the web. I have a certain style and a certain way of shooting, that’s considered a Web style or Web way of shooting perhaps because that’s where I learnt how to do video. But it also works on television.

Spannend und von großem Interesse auch für einige deutsche Redaktionen ist die Frage nach der Zusammenarbeit zwischen VJs und klassischen Zeitungsreportern, die Fox so beantwortet:

[...] I would say the direction we are headed in is that I will continue to do my own video reporting, but at the same time probably become more integrated with the newsroom - both the dotcom and Post newsrooms are becoming more integrated. [...]

Auffällig finde ich, dass offenbar oft Zeitungs-Fotografen zu Videojournalisten werden. Das liegt natürlich nahe, weil der Blick durch den Sucher bzw. ins digitale Display gewohnt ist und vermutlich sowieso Spaß macht.

Einen vergleichbaren Weg wie Travis Fox ist zum Beispiel Colin Mulvany gegangen, der für The Spokesman Review, eine Zeitung im Nordwesten der USA, arbeitet. Seine Entwicklung vom Fotografen zum Videographer beschreibt er in einem Interview mit dem Online-Magazin Sports Shooter. Seine Storys veröffentlicht er hier.

Wie Videojournalismus in die Redaktion der Zeitung Dallas Morning News integriert wird, dokumentiert Cade White in einer mehrteilen Serie in seinem Blog (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4). Zu jedem Teil gibt es ein kleines Video.

Current TV Survival Guide

30. Juli 2006 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Current TV, der von Al Gore vor etwa einem Jahr ins Leben gerufene TV-Sender, gestaltet sein Programm nach eigenen Angaben zu etwa einem Drittel mit Beiträgen von Usern.

Denen gibt der Sender handfeste Tipps im Survival Guide mit auf den Weg: Dort wird in mehreren Episoden anschaulich erklärt, worauf es bei der Produktion von TV-tauglichen Videos ankommt.

  • So geht es im “Storytelling Guide” um Ansätze, wie man einen Beitrag aufbauen kann, welche Stories funktionieren usw. Die Beispiele sind sehenswert.
  • Der “Gear Guide” zeigt, welche Dinge neben einer Kamera benötigt werden, um Material für das TV und das Web zu drehen.
  • Im “Shooting Guide” wird erklärt, wie man die ganzen Tools einsetzen sollte, um beispielsweise einen sauberen Sound aufzunehmen bzw. die Protagonisten vernünftig auszuleuchten.
  • Der “Editing Guide” verschafft einen kurzen Überblick über Schnittsoftware und wie sie funktioniert, bevor es im letzten Teil, dem “Compression Guide”, ausschließlich um die richtigen Parameter für die Komprimierung der Videos geht.

Der Survival Guide gibt den superschnellen Überblick über alles, was mit Video-Produktion für das Web bzw. das TV zu tun hat. Details sind dabei natürlich nicht zu erwarten.

2006.videojournalismus.org

18. Juli 2006 | Bisher 10 Kommentare »

Der erste und zunächst leider auch letzte Jahrgang des Projekts “Video- und Backpack-Journalismus” am Institut für Journalistik der Uni Dortmund hat soeben seine Video-Website mit einigen Arbeiten veröffentlicht.

Im Großen und Ganzen ist das Seminar-Konzept aufgegangen: Ausgestattet mit der am Markt üblichen Technik für Videojournalisten haben acht Studierende gemeinsam mit mir als “Coach” ein Jahr lang ausprobiert und gelernt, wie man solo Beiträge für das Fernsehen und das Internet produziert.

Gearbeitet haben wir mit folgender Hard- und Software:

  • Gedreht wurde mit vier Kameras des Typs Panasonic DVX 100.
  • Tonaufnahmen wurden mit den Sennheiser-Mikrofonen ME66 und MKE2-60 gemacht.
  • Als Stativ wurde das Sachtler DA75L mit dem DV1-Kopf eingesetzt.
  • Außerdem wurde in den üppig dimensionierten Porta-Brace-Rucksäcken, die die ganze Technik fassten, jede Menge Kabel, eine Videokopfleuchte, Ersatzakkus, Tapes und Kopfhörer untergebracht.
  • Geschnitten wurde sowohl auf vier Notebooks (IBM Thinkpad mit 2 GB RAM) und einer größeren Workstation.
  • Als Schnittsoftware wurde Avid XPress Pro HD eingesetzt.
  • Für weitere Arbeiten kamen Adobe Audition (Tonmischung), Adobe Photoshop (Grafikbearbeitung), Adobe Dreamweaver und Flash (Aufbereitung des Rohmaterials fürs Web) sowie Sorenson Squeeze (Kompression der Videos in unterschiedlichste Formate) zum Einsatz.

Machen, machen, machen - darauf basierte im Prinzip das gesamte Seminar. Denn nur so erlangt man - eine angemessene Einweisung natürlich vorausgesetzt - die notwendige Routine im Umgang mit der Technik. Und nur durch Routine ist es möglich, dass die Technik bei der journalistischen Arbeit hilft statt zum Hindernis zu werden.

Das Feedback der acht Kurs-Teilnehmer fällt unterschiedlich aus. Beispielweise schreibt eine Teilnehmerin in unserem über die gesamte Lehrveranstaltung geführten internen Weblog:

Die Arbeit als Backpack-Journalist hatte für mich vor dem Projekt zwei Seiten. Auf der einen standen Flexibilität, Unabhängigkeit und Kreativität, auf der anderen aber auch Unsicherheit und die Gefahr, sich zu verzetteln. Meine Hoffnung war, dass mehr Übung und Routine durch das Projekt das Gewicht eher auf die positive Seite des Backpack-Journalismus legen würden. Zwar habe ich diese Seite im Laufe des Jahrs weiter schätzen gelernt, aber genauso auch gemerkt, dass mir die Arbeit im Team und das Profitieren voneinander einfach fehlen.

Eine andere Teilnehmerin schreibt:

Es gibt aber auch Situationen, in denen ich die von Markus Böhnisch vorgestellte Version “VJ 2.0″ für sinnvoller halte. Aktuelle Berichterstattung für Nachrichtensendungen zum Beispiel ist ohne zweiten Mann nur sehr schwer umsetzbar. [...] Der VJ ist ein Journalist, der alleine arbeiten kann – aber nicht muss. So würde ich die Arbeit des VJ charakterisieren. Ich kann, wenn ich möchte und es nötig ist, alleine sendefähige Beiträge produzieren. Ich kann alleine Texte fürs Internet aufbereiten und Flash-Präsentationen bauen. Aber ich muss es nicht unbedingt alleine machen. Ich kann mir auch Hilfe holen – sei es, um die Abläufe um die Dreharbeit an sich zu strukturieren (Orga-Kram) oder um kreative Hilfe und Anregung beim Schnitt zu bekommen.

Vier Augen sehen eben einfach mehr als zwei - sei es bei den Dreharbeiten oder anschließend in der Post-Produktion. Und ganz klar: Der fachmännische Umgang mit der Technik erfordert viel Gerhirnschmalz und zuweilen Nerven, was während der Dreharbeiten zu Lasten des Inhalts gehen kann.

Trotzdem gibt es auch positivere Einschätzungen. So schreibt ein Teilnehmer:

Meine Meinung zum Thema Videojournalismus hat sich stark gewandelt. Inzwischen bin ich deutlich euphorischer – und viel weniger kritisch. Nach den Erfahrungen mit der Panasonic-Kamera würde ich behaupten: Ein VJ-Beitrag, der gut geplant ist und bei dem genug Zeit für die Umsetzung vorhanden ist, kann genau so gut aussehen, genau so gut klingen und genau so inhaltlich gut sein, wie ein Beitrag, der von einem Team produziert wird. [...] Ich habe inzwischen gemerkt, dass ich sehr gerne alleine arbeite. Ich finde, dass man so eine ganz andere Beziehung zu seinen Protagonisten aufbauen kann. Besonders im Interview zahlt sich das aus.

Erfreulich, dass das Dortmunder Erich-Brost-Institut dieses Projekt finanziell überhaupt erst möglich gemacht hat. Bedauerlich hingegen, dass die Förderung von vornherein auf ein Jahr begrenzt war. Deswegen kann dieses Seminar nicht erneut angeboten werden - obwohl der Arbeitsmarkt endlich mal wieder Journalisten nachfragt, und zwar genau solche mit diesen Fähigkeiten.