Als ich irgendwann vor ein paar Jahren das erste Mal auf das Netlabel Thinner aufmerksam wurde, war ich Tage lang mit Herunterladen, Hören und Genießen beschäftigt.
Hängen geblieben bin ich unter anderem am Repertoire des Künstlers krill.minima, der eigentlich Martin Juhls heißt und in Dortmund lebt.
Vor einigen Wochen habe ich Martin für einen Video-Dreh gewinnen können. In dem sechs Minuten langen Stück erzählt er einiges über seine Art Musik zu machen und über den Unterschied seiner beiden Projekte krill.minima und Marsen Jules.
Das Video-Portrait habe ich im Auftrag von DerWesten.de produziert.
DV oder HDV für Online-VJs, diese Frage wurde hier ja schon ein, zwei Mal aufgeworfen. Es gibt genug Argumente für beide Formate, vor allem wenn man ausschließlich für Online-Formate dreht.
Ganz schön großflächig - da wurde der Relaunch einer Zeitungswebsite im Hinblick auf Multimedia-Inhalte insofern einfach mal konsequent zuende gedacht, dass man ihnen genug Platz direkt im Layout einräumt - ohne unelegante Umwege über Popup-Fenster oder ähnliches.
Mir gefällt das. Endlich weg von Briefmarken-Größen.
Zum Technischen: Die Videos werden im Flash-Player abgespielt und sind On2 VP6-kodiert bei einer angemessenen variablen Bitrate von ca. 1300 kbps, die in den Spitzen bis zu ca. 3500 kbps reicht (davon ca. 110 kbps für den mp3-Stereo-Ton).
Merkwürdig allerdings, dass das Video im Player auf der Website 988 Pixel breit und 556 Pixel hoch ist - die Originaldateien (FLV) messen nämlich lediglich 640 x 360 Pixel, was locker mit Standard-DV-Technik erreicht wird (720 x 576 Pixel). Da ist der HDV-Bonus dann wieder weg und wird durch den Flash-Player ein wenig unscharf skaliert.
Konsequenterweise werden die Videos aber auch H264-kodiert zum Download angeboten (siehe Beispiel) - dann allerdings in voller HDV-Auflösung (1280 x 720 Pixel) mit höherer Bitrate.
Wenn mich jemand gefragt hätte, mit welcher Kamera dieser Dreiteiler (Fundstelle: technolo-j) gedreht wurde, wäre ich kaum auf die Canon Powershot SD 800 gekommen. Okay, die O-Töne klingen nicht so gut - aber die Story funktioniert.
Was Miniaturisierung in der Online-Videoproduktion betrifft, scheinen die physikalischen Grenzen nach unten ziemlich offen zu sein. Reuters hatte ja schon vor einiger Zeit angekündigt, einige Reporter künftig mit einem Nokia-Video-Handy samt sinnvollen Zubehör auszustatten. Eine ähnliche Technik wird beim Handelsblatt ja bereits seit einiger Zeit eingesetzt. Und auch der WDR hat vor kurzem damit experimentiert: Die Bildqualität sieht wirklich ganz brauchbar aus - und der Ton klingt dank des externen Mikros ziemlich sauber.
Aber: Kann man mit einem Handy einen ganzen Beitrag drehen? Also mit vielen schönen Bildern, logisch aufgebauten Sequenzen und O-Tönen? Falls jemand ein Beispiel kennt, wäre ich über einen Hinweis samt Link sehr dankbar.
Im vergangenen Jahr hatte ich hier mal etwas über Printfotografen in den USA geschrieben, die sich langsam aber sicher weiterentwickeln zu Online-Videoreportern. Colin Mulvany, der für The Spokesman Review in den USA arbeitet, ist einer von ihnen.
Im Video Journal des Spokesman Review beschreibt er, wie er jetzt quasi den nächsten Level erreicht hat: Er hat ein solides Nachrichtenvideo produziert, das er innerhalb der vorgegebenen Zeit gedreht, getextet, geschnitten und vertont hat. Sozusagen das komplette Programm.
Das Video finde ich sehr gelungen: Es ist informativ, Bild und Text fügen sich zu einer Einheit, alle Bildanschlüsse stimmen, die kurzen O-Töne sorgen für Abwechslung.
Interessant ist Colin Mulvanys Einstellung zu seiner eigenen Stimme bzw. Off-Sprechern im Allgemeinen:
“When I first started producing videos, my mantra was ‘let the subject tell the story.’ There was such a desire on my part to not be like ‘TV,’ that I felt adding my voice would take away from the story. As I have experimented along the way, I’ve come to the conclusion that narration is not such a bad thing.”
Andy Dickinson hat den Beitrag aufgegriffen und geht mit vielen Tipps näher auf das Schreiben des Off-Textes ein. Seine Empfehlung: Erst schneiden, dann texten.
Ich gehe lieber etwas anders vor: Grob kenne ich bereits den Aufbau des Beitrags, wähle die O-Töne aus und schneide dann nacheinander die Sequenzen. Parallel zum Schneiden schreibe ich den Text.
Mit einer freihand geführten Kamera ein statisches Objekt zu drehen, ist nicht sehr empfehlenswert. Egal wie man es macht, es wackelt.
Sind die Objekte selbst in Bewegung, sieht das schon ganz anders aus. Wer beispielsweise einem Protagonisten auf Schritt und Tritt folgen will, wird die Kamera mehr oder weniger freihand führen müssen. Dazu eignen sich verschiedene Methoden.
Möglichkeit 1: Die Kamera etwa auf Brusthöhe halten, wobei man sie in beide Hände legt, so als würde man vorsichtig eine Wasserschüssel tragen (wie es Dushan Wegner in seinem Buch Der Videojournalist treffend beschreibt). Die Knie sind dabei leicht gebeugt und federn einen Teil der Bewegung ab.
Möglichkeit 2: Die Kamera auf dem Stativ befestigen, das Stativ möglichst einfahren und mit beiden Händen fest vor der Brust halten. Das ist zwar schwere Arbeit, aber - je nach körperlicher Fitness - kann man so für ein bis zwei Minuten drehen. Mit etwas Übung federn die Arme sehr viel Bewegung ab.
Möglichkeit 3: Ein Schulterstativ einsetzen. Die Kamera hält man bei einer solchen Konstruktion direkt auf Augenhöhe. Stabilisiert wird die ganze Konstruktion durch eine Schulterschiene, an deren Ende ein Gegengewicht zur Kamera angebracht ist. Zusätzlich trägt man einen Gürtel, in dem ein gefederter Teleskoparm steckt, der die Hüftbewegungen beim Gehen absorbieren soll.
Ich habe diese drei Möglichkeiten (es gibt natürlich noch viele weitere; Anregungen gern in den Kommentaren) mal auf einem Sportplatz ausprobiert und im folgenden Video nebeneinander gestellt. Das statische Objekt, auf das ich mich zubewegt habe, ist das Tor auf der gegenüberliegenden Seite.
(Anmerkung: Das Video bitte nicht öfter als drei Mal in Folge ansehen, es entfaltet hypnotische Wirkung.)
Was sofort auffällt: Es wackelt bei allen drei Varianten erheblich. Das hat mehrere Gründe.
Erstens, wie eingangs erwähnt, habe ich ein statisches Objekt gedreht. Bewegungen fallen sofort auf, und in diesem Fall sollten sie das ja auch. Zweitens war der Boden leider alles andere als eben. Wer die Kreisliga C-erprobten Sportplätze im lippischen Südosten kennt, weiß wovon ich rede (saftigster Rasen, aber viele Schlaglöcher). Und drittens mangelnde Übung. Ich drehe meistens vom stehenden Stativ, die bewegte Kamera ist für mich recht ungewohnt.
Die Sache mit dem eingefahrenen Stativ vor der Brust habe ich wohl überschätzt. Ich musste aufgrund des Gewichts kleinere und dementsprechend viel mehr Schritte machen, was sich einerseits durch stärkere Wackelei rächt, andererseits war ich am Ende der kurzen Strecke ziemlich außer Puste.
Das Schulterstativ federt tatsächlich die Hüftbewegungen weitgehend ab (gegen Schlaglöcher ist es natürlich machtlos). Das Wackeln beschränkt sich weitgehend auf Bewegungen in der Horizontalen. Mit etwas mehr Training kann man bestimmt auch das noch in den Griff bekommen.
Apropos Schulterstativ: Ich setze das DVRig Pro ein. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte sich unbedingt auch den PAG Orbitor ansehen.