Bildgestaltung: Online-Video versus TV

22. Januar 2008 | Bisher 9 Kommentare »

Dauernd heißt es, Online-Video ist kein TV. Man solle tunlichst anders sein als das Fernsehen, wenn man online mit seinen Videos Erfolg haben will. Das habe ich bisher kaum hinterfragt und eigentlich immer so hingenommen.

Gestern bin ich beim Durchforsten meiner Feeds auf eine Diskussion im Newsvideographer-Blog gestoßen, in der es mal wieder um TV-Bashing geht. Megan Taylor kritisiert die Videos auf b-roll.net, die sie vor allem wegen der künstlichen Sprecherstimmen sofort an TV erinnern und daher kaum als Vorzeigebeispiel für onlinegerechte Aufbereitung dienen können.

Später schalten sich dann TV-Journalisten in die Diskussion ein - was sehr spannend zu lesen ist. Denn es geht um die Frage, was an Online-Videos unter gestalterischen Aspekten denn bitte so anders sein soll als im TV.

Irgendwo mittendrin schreibt Megan Taylor dann:

One of the things that we are told about video is that is does have to be different than TV news. I’m not sure how true this is, but this is the “party line.” So I want to know what to do differently.

Würde mich auch mal interessieren.

Klar, die x-te Kopie einer moderierten Nachrichtensendung im Stile der Tagesschau (nur in billig) ins Netz zu stellen, funktioniert auf Dauer wohl nicht. Zumindest bei mir nicht, weil ich lesend viel schneller zum Kern der Information komme.

Aber wenn man das ganze mal runterbricht auf Beitragsebene, auf ein einziges Video mit einer in sich geschlossenen Story, die auf der Website im Videoplayer oder unterwegs auf dem iPod abgespielt wird: Wo genau liegen da die gestalterischen Unterschiede?

Markus Hündgen, Videojournalist beim Westen, hatte vor einiger Zeit mal einen Eintrag in sein Blog geschrieben, dem er die Überschrift Videopunkt-Manifest gab. Darin heißt es unter anderem: “Wir kennen die Fernseh-Regeln. Wir brechen sie, wo immer es geht.” Klingt ziemlich radikal und ich frage mich: Wieso eigentlich?

Das Fernsehen hat doch jede Menge sinnvolle Regeln (oder besser: Empfehlungen) zu bieten, die über viele Jahre lang angewandt wurden. Warum sollen die online plötzlich nicht mehr gelten? Wer seine Bildeinstellungen nach dem goldenden Schnitt gewichtet, macht grundsätzlich nicht unbedingt etwas falsch - weder im TV noch online. Wer in die Bewegung schneidet, lässt Abläufe natürlicher aussehen - sowohl im TV als auch online. Die Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen.

Wo also liegen die wirklichen (gestalterischen, nicht inhaltlichen - das ist ein anderes Thema) Unterschiede zwischen Online-Video und TV?

Mir fallen erstmal nur ein paar ein. Wenn mir jemand sagt, man solle online mehr auf Naheinstellungen und weniger auf Totalen setzen, weil die eingebetteten Videos auf Webseiten oder auf dem Handy bzw. anderen Abspielgeräten so klein und schlecht aufgelöst sind, dann überzeugt mich das. Was gleichzeitig die Frage nach sich zieht, wie ich Sequenzen künftig aufbauen kann, wenn ich auf Totalen weitgehend verzichten soll.

Dass die Aufmerksamkeitsspanne online noch geringer ist als im TV (lean-forward- vs. lean-back-Medium) und man sich deshalb kürzer fassen solle und noch schneller zum Punkt kommen müsse, ist auch bekannt. Doch das gilt im TV - je nach Format - ebenfalls, manchmal sogar noch extremer wegen der Längenbegrenzung.

Weitere Ideen? Anmerkungen? Hinweise und Links zu guten Beispielen stets willkommen.

Avid Xpress Pro, Final Cut Pro, Umstieg

21. Januar 2008 | Bisher 3 Kommentare »

Grundsätzlich hat der Umstieg von Avid Xpress Pro auf dem PC zu Final Cut Pro auf dem Mac nicht weh getan - im Gegenteil: alles ging einfacher, als ich mir das zunächst vorgestellt hatte. Zumindest habe ich diesen Eindruck nach dem ersten abgeschlossenen Projekt.

Und einiges läuft wesentlich flüssiger, wenn am Anfang auch ungewohnt - wie beispielsweise die Arbeit mit der Timeline. Die Clips lassen sich auf angenehme Art und Weise hin- und herschieben, neu arrangieren, mal eben zwischenparken usw. Im Avid läuft das (gefühlt) etwas hakeliger: Erstmal in den Segment-Modus schalten, die Clips markieren und dann verschieben - Details, die Zeit kosten.

Dann der Viewer, der in FCP quasi eine Doppelfunktion hat. Darin lassen sich nicht nur wie im Avid die Clips aus dem Browser laden, sondern auch die Clips in der Timeline - um sie dann im Detail zu bearbeiten, indem man zum Beispiel keyframe-gesteuerte Effekte hinzufügt und direkt im Viewer bearbeitet. Und: Im Viewer werden Soundclips als Waveform dargestellt. Im Avid sieht man hingegen nichts.

Seit 2003 habe ich mit Avid Xpress Pro gearbeitet und auf dem PC wäre die Pro- oder eine der Liquid-Versionen immer noch erste Wahl für mich. Doch auf dem Mac ist Final Cut Studio 2 mit seinen insgesamt sechs aufeinander abgestimmten Applikationen immer noch deutlich günstiger als Avid Xpress Pro.

Lesenswert gerade für Umsteiger ist das Editblog von Scott Simmons, einem Cutter, der sowohl mit FCP als auch mit Avid schneidet und Vor- und Nachteile beider Systeme völlig sachlich betrachtet. Außerdem sind Ken Stone’s Final Cut Pro sowie das Forum Avid2FCP einen Blick wert. Wer sich erst einmal ganz generell einen Überblick über die Vielfalt der Schnittprogramme verschaffen möchte, dem sei die vierteilige Serie von Andy Dickinson ans Herz gelegt (1, 2, 3, 4).

BBC-Training: Jede Menge DV-Tutorials

7. Januar 2008 | Bisher 1 Kommentar »

Im vergangenen Jahr hatte ich hier mal auf den Good Shooting Guide der BBC hingewiesen, einem erstklassigen Online-Tutorial, das VJ-Einsteigern notwendiges Basiswissen rund um die Dreh-Praxis anschaulich vermittelt.

Es gibt viele weitere dieser Tutorials bei der BBC. Alle kostenlos, alle gut gemacht - ideal für Autodidakten. Im Einzelnen:

Viel Spaß beim Erkunden, Ausprobieren und Lernen!

3sat-Ausschreibung: “Gedreht werden soll auf Video”

7. Januar 2008 | Kommentieren Sie diesen Artikel »

Unter dem Motto “Mein Leben in Sicherheit” will die 3sat-Filmredaktion in Kooperation mit DOK Leipzig eine Reihe von Dokumentarfilmen produzieren und sucht noch gute Vorschläge. Mögliche Themen sind etwa der Einfluss der Überwachung des öffentlichen Raums auf unser Leben, gläserne Bürger und Kunden usw.

In der Ausschreibung wird speziell erwähnt, dass auf Video produziert werden soll und Nachwuchsfilmer willkommen sind - gute Chancen vermutlich für VJs. Wer ein Konzept in der Schublade oder zumindest eine Idee im Kopf hat, sollte nicht lange fackeln, denn Einsendeschluss ist bereits der 15. Januar.

(Fundstelle: netzpolitik.org)

Akkus, Kamera, Kälte

10. Dezember 2007 | Bisher 6 Kommentare »

Kann ja sein, dass es in den nächsten Monaten doch nochmal so richtig kalt wird. Niedrige Temperaturen sind immer wieder eine Herausforderung, nicht nur weil die Finger mit dem kalten Metall des Stativs oder der Kamera eins werden, sondern vor allem weil voll aufgeladene Akkus oft schon nach einer halben Stunde ihren Geist aufgeben können.

Bevor ich also losziehe, verstaue ich die Akkus in der Innentasche meiner Jacke. Dort ist es warm, die Akkus entladen sich nicht. Erst kurz vor Beginn der Dreharbeiten stecke ich den Akku an die Kamera. Ist es nicht allzu kalt, bleibt er dank der Betriebstemperatur einigermaßen warm. Bei Drehpausen nehme ich ihn wieder ab - so lässt sich die Drehzeit erheblich verlängern.

Ideal wäre es ja, wenn der Akku permanent in der Jacke liegen und mit einem Adapter samt Kabel an die Kamera angeschlossen werden könnte. Kennt jemand so eine Lösung, speziell auch für die DVX100? Oder hat sich jemand vielleicht sogar selbst etwas zusammengelötet? Hinweise wie immer gerne in den Kommentaren.

Andere Sache noch: Kameras vertragen selten den krassen Temperaturwechsel von einer warmen Wohnung hinaus in die Kälte oder umgekehrt. Wenn ich meinen Drehtag draußen verbringe, transportiere ich die Kamera in ihrer Tasche im (recht kühlen) Kofferraum des Autos. Spätestens nach einer halben Stunde ist sie absolut einsatzbereit.