Einfacher und schneller Colorgrading-Workflow mit S-Log3, FCPX, FilmConvert und einer Graukarte

14. Juli 2016 | Schlagworte: - - - -

Dieses kurze Video zeigt ein paar Bilder, die ich testweise mit der Sony FS5 und dem Micro Nikkor 55mm f/2.8 AI-S gedreht habe. Das Colorgrading habe ich nach der hier beschriebenen Methode gemacht (FilmConvert mit Fujifilm Provia-Emulation und 30% Grain). Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat. Dieses Video habe ich unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht.

Wer mit Log-Formaten wie beispielsweise Sonys S-Log2 oder S-Log3 arbeitet und den Vorteil von 13 bis 14 Blendenstufen Dynamikumfang bei Motiven mit sehr starken Helligkeitsunterschieden ausschöpfen will, wird sein Bildmaterial natürlich später in der Postproduktion wieder anpassen müssen an den deutlich geringeren Dynamikumfang der Displays, auf denen das Video vermutlich abgespielt wird.

Mit der Sony FS5 drehe ich häufig in S-Log3 und dem Farbraum S-Gamut3.Cine (siehe Infos dazu in diesem PDF-Dokument bei Sony oder auf Slashcam). So eingestellt, lässt sich im Vergleich zu den normalen Videogammas wie etwa Rec. 709 kein Weißabgleich mehr machen, das heißt die WHT BAL-Schalter und die WB SET-Taste an der Kamera sind funktionslos. Daher stellt Sony den S-Gamut3.Cine-Farbraum in drei Versionen zu Verfügung, die man je nach Umgebungslicht voreinstellen sollte: S-Gamut3.Cine/5500K für Tageslicht, S-Gamut3.Cine/4300K für Leuchtstoffröhrenlicht und S-Gamut3.Cine/3200K für klassisches Kunstlicht einer Glühbirne oder Halogenlampe.

In der Praxis heißt das: Bei wechselnden Lichtsituationen muss man ständig ins Kameramenü abtauchen und das entsprechende Bildprofil mit dem passenden Farbraum aufrufen. Das ist natürlich ziemlich nervig und in stressigen Situationen unpraktikabel. Es wäre schön, wenn Sony es durch ein Firmware-Update ermöglichen würde, die drei S-Gamut3.Cine-Farbräume auf die drei Stufen des WHT BAL-Kippschalters zu legen. So wäre ein Wechsel mit einem schnellen Handgriff außen an der Kamera möglich.

Da aber auch die drei voreingestellten Kelvin-Werte (5500K, 4300K und 3200K) nur Annäherungen an das tatsächlich vorherrschende Licht sind, habe ich beim Dreh eigentlich immer eine kompakte Graukarte dabei, sei es im etwas größeren DIN A5- oder im Scheckkartenformat. Graukarten reflektieren das einfallende Licht absolut farbneutral zu 18%. Nahezu bei jeder Aufnahme halte ich diese Karte als Referenz für einen kurzen Moment in den relevanten Teil des Motivs (z.B. direkt vor das Gesicht bei einem Interview).

Später im Schnitt besteht der erste Schritt der Korrektur darin, die Farben zu neutralisieren. Das geht ganz einfach mit Hilfe des Tools RGB-Überlagerungen in Final Cut Pro X (FCPX). Dabei werden die drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau in einem Waveform-Monitor übereinanderliegend dargestellt. Die Graukarte lässt sich relativ leicht lokalisieren.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

In der Farbkorrektur passe ich zunächst global die Farben so an, dass sich die drei Kanäle an der Stelle der Graukarte perfekt überlappen. Das sieht dann so aus wie in der folgenden Abbildung.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Nur der Vollständigkeit halber: Schiebt man bei der Korrektur den Global-Regler in die völlig falsche Richtung, driften die drei Farbkanäle an der Stelle der Graukarte deutlich auseinander, wie die nächste Abbildung zeigt.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Erst wenn das Neutralisieren mit der Referenz-Graukarte erledigt ist, kümmere ich mich um die eigentliche Farbgebung, die ich auf einem weiteren Stapel in der FCPX-Effektverwaltung hinzufüge. Während Farbkorrektur-Profis dazu Software wie DaVinci Resolve einsetzen, ist mein Tool der Wahl das FilmConvert-Plugin, das sich perfekt in FCPX integrieren lässt. Es liefert eine überschaubare Zahl an gut aussehenden Film-Emulationen und ist optimiert für verschiedene Kameras, deren Gamma-Kurven und dazugehörigen Farbräume. Alternativ kann man auch das LUT Utility einsetzen und mit einem passenden Lookup Table arbeiten, der die Farben aus der Log-Gammakurve zurückübersetzt in ein klassisches und vom Ziel-Display darstellbares Videogamma wie z.B. Rec. 709.

In meinem Fall sieht der mit FilmConvert bearbeite Clip, einer Fujifilm Velvia-Emulation und leichter Korrektur der Belichtung (Anpassung der Höhen, Mitten und Tiefen) wie folgt aus:

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Apropos Belichtung: Ich habe mir angewöhnt, das Material immer leicht überzubelichten. Der Grund ist, dass S-Log3 an der Sony FS5 in den dunklen Bereichen zum Rauschen neigt. Daher hebe ich diese dunklen Bereiche beim Dreh eine bis eineinhalb Blenden über die „eigentlich richtige“ Belichtung und passe diese Bereiche erst in der Nachbearbeitung an (ziehe die dunklen Flächen also herunter, wodurch auch das Rauschen deutlich weniger sichtbar wird). Natürlich schütze ich bei dieser Vorgehensweise diejenigen Lichter, die später im fertigen Video auf jeden Fall auch noch Zeichnung haben sollen.

Was ist nun aber die „eigentlich richtige“ Belichtung? Die Empfehlung von Sony lautet bei S-Log3, Mittelgrau bei 41% auf der IRE-Skala zu positionieren. Hier ein kurzer Überblick über verschiedene Log-Kurven und deren ideale Mittelgrau-Positionen sowie Überbelichtungsgrenzen:

Gamma-Kurve 18% Grau Clipping
BMD-Film (z.B. BMPCC) 38.4% 100% (?)
S-Log2 32% IRE 108% IRE
S-Log3 41% IRE 94% IRE

Um diese 41% nun exakt anzumessen, habe ich das erste Zebra1 in der Kamera genau auf diesen Wert eingestellt, das heißt bei einem Volltreffer schimmert im FS5-Sucher das Zebramuster auf der Graukarte. Um möglichst genau arbeiten zu können, habe ich den sog. „Zebra1 Aperture Level“ auf den niedrigsten Wert von 2% eingestellt. Nun erscheint das Zebra-Muster 2% vor Erreichen des Schwellwerts und verschwindet 2% später wieder. Sobald ich also die Belichtung also getroffen habe, öffne ich die Blende (bzw. das ND-Filter) um etwa eine bis eineinhalb Blendenwerte.

Da bei 94% das Clipping einsetzt, habe ich das zweite Zebra exakt darauf programmiert. Jedes Pixel, das während des Drehs 94% überschreitet, verfügt über keinerlei Zeichnung mehr. Bei Objekten wie Lampen oder der Sonne ist das natürlich egal, weil auch unser bloßes Auge keinerlei Zeichnung darin mehr erkennen kann. Ärgerlich sieht das allerdings beim hellblauen Himmel, weißen Hemden etc. aus. Das Zebra2 verfügt übrigens über keinerlei „Aperture Level“-Funktion. Das heißt sobald der Schwellwert von 94% erreicht ist und egal wie deutlich er überschritten wird, schimmert das Zebra2 ständig im Display auf den entsprechend überbelichteten Flächen.

Zebra-Einstellungen im Menue der Sony FS5

Während des Drehs habe ich das Histogramm permanent eingeschaltet. Wer gern damit arbeitet, für den lohnt es sich, den „Zebra Point“ zu aktivieren, …

Histogramm-Einstellungen im Menue der Sony FS5

… denn jetzt erscheint ein kleiner, vertikaler Strich im Histogramm, der mir die 94%-Grenze anzeigt, die ich möglichst nicht überschreiten will.

Histogramm mit Zebra Point auf 94% im Display der Sony FS5

Auch wenn das Drehen mit Log-Kurven wie S-Log3 deutlich mehr Aufwand in der Nachbearbeitung verursacht und bei vielen dunkleren Motiven mit geringem Dynamikumfang eigentlich nur Nachteile bietet, schätze ich vor allem eines: S-Log3- und BMPCC-Filmlog-Material ist auch in zügigen Situationen, in den man die Belichtung sehr schnell einstellen muss, viel fehlertoleranter. Es ist fast egal, ob ich die Hauttöne genau treffe, zwei Blenden drunter bin oder zwei Blenden drüber – in der Postproduktion lässt sich vieles wieder anpassen. Mit Rec. 709 war das nicht möglich.

Mauerpark, Berlin (BMPCC + Panasonic 12-35)

14. September 2014 | Schlagworte: - - -

Das Video zeigt ein paar spätsommerliche Bilder vom Mauerpark in Berlin. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Wegen der Halben-Preis-Aktion neulich ist die kleine Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) noch einmal deutlich populärer geworden. Und wer, wie ich, die meiste Zeit seines VJ-Daseins mit 8 Bit-Kameras, 4:2:0-Farbauflösung und stark komprimierenden Codecs gearbeitet hat, wird das Material der BMPCC sehr zu schätzen wissen.

Das Video oben habe ich in ProRes 422 (also in 10 Bit, 4:2:2) bei 800 ASA im Film Log-Modus der Kamera gedreht. Eine einigermaßen adäquate Belichtung vorausgesetzt, kommt dabei zunächst etwa folgendes heraus:

Videostill aus dem Mauerpark-Video im FCPX-Farbkorrektur-Tool, unbearbeitet

Das entsättigte Bild, das im Idealfall einen deutlich höheren Dynamikumfang hat als Bilder üblicher Videokameras (die in Rec. 709 nach dem Prinzip „what you see is what you get“ aufzeichnen), muss also nachträglich bearbeitet werden. Was – wenn man es einfach hält – nicht sonderlich schwierig ist. Bei einem korrekten Weißabgleich kommt man schon mit sehr wenigen Mitteln zu einem guten Ergebnis. Für das Video haben mir die FCPX-Bordmittel vollkommen ausgereicht.

Bei fast allen Bildern habe ich lediglich die dunklen Bereiche ein wenig heruntergezogen, sodass die Luma-Wellenform in den unteren Bereichen die 0 IRE-Marke erreicht. Die hellen Bereiche habe ich hingegen Richtung 100 IRE-Marke heraufgezogen, die Mitteltöne nach Bedarf etwas angepasst und anschließend etwa 100% Sättigung hinzugefügt. Wie gesagt, das ist alles sehr einfach gehalten, aber schon lässt sich mit den Bildern arbeiten.

Videostill aus dem Mauerpark-Video im FCPX-Farbkorrektur-Tool, bearbeitet

Ein paar Worte noch zur Belichtung. Wer Raw dreht, ist mit dem ETTR-Prinzip sicher am besten bedient. Meine Erfahrung mit ProRes zeigt, etwas defensiver zu belichten (eine Art „mildes ETTR“), dem Sensor also etwas mehr Licht zu geben als bei der Belichtung mit einer gewöhnlichen Videokamera, bei der man ja schon während des Drehs möglichst exakt arbeiten muss. Wer sich da tiefer einarbeiten will, kann z.B. mit folgenden Quellen starten:

Für das Beispielvideo habe ich das Panasonic 12-35 f/2.8-Objektiv verwendet, das am MFT-Sensor bspw. der GH2/GH3/GH4 bzw. AF101 ja schon eine sehr gute Wahl für journalistische Arbeit ist. Am Super16-Sensor der BMPCC, deren Crop-Faktor 2.88 beträgt, ergibt sich also ein für den visuellen Journalismus sehr übliches Sichtfeld von umgerechnet ca. 35mm (Reportage) bis 100mm (Porträt).

Vor das Objektiv habe ich das Hoya UV IR-Cut Filter (da die BMPCC bekanntermaßen anfällig für Infrarot-Licht ist, vor allem in Kombination mit stärkeren ND-Filtern) und das Heliopan Vario ND Filter (Slim-Fassung) geschraubt. Beide Filter haben ein 58mm-Gewinde und lassen sich kombiniert vor dem Objektiv anbringen, ohne dass sich Randabschattungen ergeben.

Videobeiträge mit dem iPhone drehen und komplett schneiden (mit FiLMiC Pro und iMovie), Erfahrungen und Tipps

29. Juli 2014 | Schlagworte: - - - - - - - - - - - - - -

Folgendes sieben Minuten lange Video habe ich neulich am Rande einer lokalen Sportveranstaltung mit einem iPhone 4S gedreht und später auch direkt auf demselben Gerät geschnitten – also im Prinzip das getan, was für viele Reporter inzwischen völlig selbstverständlich ist.

Wer sich für den inhaltlichen Kontext dieses Videos interessiert, findet im Begleittext auf Vimeo weitere Informationen. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Das Video – eine einfache Aneinderreihung von O-Ton-Statements, unterschnitten mit Bildern der Veranstaltung und eingetaucht in eine etwas traurige Musik – ist technisch insgesamt soweit ok, denke ich. Es enthält einige vermeidbare Schwächen, auf die ich im folgenden Text neben Details zur Vorgehensweise und weiteren Tipps für eine sinnvolle Minimalausrüstung rund ums Drehen mit dem iPhone näher eingehen werde.

Neben dem iPhone 4S habe ich folgende Hard- und Software eingesetzt:

iPhone-Set für Videoreporter

FiLMiC Pro

FiLMiC Pro ist eine sehr viel bessere Alternative zur deutlich limitierten Original-Kamera-App des iOS. Die wesentlichen Funktionen kurz im Überblick:

FiLMiC Pro-Interface

  1. Das Fokuskästchen lässt sich bei Fingerstreich beliebig postionieren und anschließend fest einstellen (mit dem dazugehörigen Schalter ganz links unten). So ändert sich die Schärfe solange nicht mehr, bis man die Sperre wieder aufhebt.
  2. Nach demselben Prinzip funktioniert auch das kreisrunde, blendenartige Symbol. Wo man es positioniert, ermittelt die Kamera den Referenzwert für die Belichtung des gesamten Bildes. Auch dieses Symbol sollte man für die Dauer der Aufnahme sperren, sodass sich die Belichtung nicht mehr verändert, auch nicht während eines Schwenks oder bei sich anderweitig änderndem Bildausschnitt.
  3. Den Weißabgleich würde ich ebenfalls immer manuell einstellen. Wer keine Zeit dazu hat, sollte zumindest den durch die Kamera automatisch ermittelten Weißabgleichswert fixieren (also dafür sorgen, dass er sich nicht mitten in der Aufnahme automatisch ändern kann). Was passieren kann, wenn man das nicht tut, ist meinem Beispielvideo an dieser Stelle zu sehen: Die Hautfarben des Interviewpartners ändern sich unvorteilhaft mehrere Male.
  4. Die Taschenlampe ist eine Art Notleuchte. In bestimmten Situationen ist sie wahrscheinlich sogar sehr nützlich, allerdings habe ich sie für Videodrehs noch nicht benutzen müssen.
  5. Hinter dem Filmstreifen-Symbol verbirgt sich die FiLMiC Pro-Mediathek, also der Ort, an dem die Software alle ihre Aufnahmen ablegt. Hier kann man einzelne Clips von vorn und hinten kürzen oder komplett löschen. Nach den Dreharbeiten sollten alle Clips mit der Funktion „Copy to Camera Roll“ in die iOS-eigene Bibliothek für Videoaufnahmen kopiert werden, denn sonst können andere Apps (wie iMovie) nicht auf die Videodaten zugreifen. Unbedingt dran denken: Da es sich um einen Kopiervorgang (und nicht um ein simples Verschieben der Videodateien) handelt, wird dadurch der doppelte Speicherplatz auf dem iPhone belegt. Daher würde ich direkt nach dem Kopieren alle Clips in der FiLMiC Pro-Mediathek löschen.
  6. Hinter dem Zahnrad kann man alle möglichen technischen Parameter verändern, darunter so sinnvolle Dinge wie die Bildrate (also ob man z.B. mit 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde drehen will) oder die Bitrate des Video-Codecs (mit der man maßgeblichen Einfluss auf die technische Qualität der Clips nehmen kann). Die Einstellungen lassen sich dauerhaft in Presets ablegen, zwischen denen man ziemlich zügig bei Bedarf wechseln kann. Ich habe beispielsweise das Preset C1 für den energiesparenden Alltagsgebrauch wie folgt konfiguriert:

Camera: Back
Mode: Efficiency
Orientation: Auto
Resolution: 1280×720
Frame Rate: 25 fps (sync audio)
Zoom: —
Image Stabilization (On): Enabled
Reticle: Double
Audio Monitoring: On
35mm Flip: Off
GPS Tagging: Off
Event Mode: Off
Show Histogram: Off
Screen Options: hide preview(preview) 00:00
Audio Meter: On
Thirds Guide: On
Framing Guide: Off
Matte: —
Chroma Key: ––
Clip Naming Convention: Date, Time
Project: —
Scene: —
Take: —
Enabled (Header): Off
Format: Slate
Video: Apple Standard
Audio (mono): Standard
Audio Filter: Standard
FiLMiC Remote: Off
Galileo: Off

Eine sehr wichtige Funktion ist der Bildstabilisator, den ich stets eingeschaltet habe. Er funktioniert zwar erst ab dem iPhone 4S, aber bei handgeführter Kamera leistet er enorm gute Arbeit. Das typische Zittern, das bei Kameras mit CMOS-Sensoren auftritt (Stichwort Rolling-Shutter-Effekt), lässt sich damit zwar nicht komplett vermeiden, aber die Auswirkungen fallen deutlich weniger ins Gewicht. Das Bild wird bei eingeschaltetem Bildstabilisator marginal weicher, was man aber getrost vernachlässigen kann.

Grundsätzlich erfordert es ein bisschen Übung, wenn man mit FiLMiC Pro zu guten Belichtungen kommen will. Im Idealfall würde ich eine 18%-Graukarte nutzen und im Bild so positionieren, dass sie die Lichtverhältnisse ideal reflektiert, also bei einem Interview zum Beispiel direkt vor das Gesicht des gut ausgeleuchteten Gesprächspartners halten. Dann ziehe ich den Belichtungskreis auf die graue Fläche und fixiere den Wert. Die Vorgehensweise unterscheidet sich also im Prinzip nicht von der Belichtungsmessung mit einer Spiegelreflex- bzw. Systemkamera, wo ich das Spotmeter dazu nutzen würde.

Nun hat man natürlich selten eine Graukarte dabei, zumindest nicht, wenn man nur das iPhone in der Tasche hat. In solchen Fällen würde ich das Belichtungssymbol auf eine repräsentative Stelle des gut ausgeleuchteten Gesichts meines Gesprächspartners ziehen und den Wert anschließend wieder fixieren. Das Schärfekästchen ziehe ich auf die Augenpartie und fixiere es auch hier (siehe Abbildung, danke an Sebastian). Meistens führt diese Vorgehensweise zu akzeptablen Ergebnissen wie im Beispielvideo bei diesem Interview.

Interview-Belichtung mit FiLMiC Pro

Wenn man sich die Luminanzinformationen der obigen Aufnahme als Wellenform anschaut (die horizontale Achse entspricht dem Videobild von links nach rechts, die vertikale Achse der Signalintensität in IRE), dann sieht man sehr deutlich, dass die Helligkeit des Gesichts im Idealbereich zwischen 50 und 75 IRE landet, also von den oberen Mitteltönen bis zu den unteren Lichtern bei den hellsten Hautpartien reicht.

Luminanzpegel der Interview-Aufnahme

Eigentlich kommt man recht häufig zu guten Ergebnissen, wenn man diese Methode anwendet. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, denn bei allzu viel Gegenlicht ist das Arbeiten mit dem Belichtungskreis eine Wissenschaft für sich, die mitunter zu suboptimalen Ergebnissen wie beispielsweise in diesem Interview aus meinem Beispielvideo führen kann.

Der im iPhone verbaute CMOS-Sensor ist sehr klein, und je kleiner der Sensor, desto größer die Schärfentiefe. Dennoch sollte man gerade bei Interviews mit dem Schärfekästchen sehr genau arbeiten. Wenn man die Schärfe auf der Augenpartie einmal fest eingestellt hat, sollte man während des Gesprächs die Distanz zwischen Kamera und Interviewpartner nicht mehr verändern, denn sonst kommt es schnell zu ungewollten Unschärfen wie an dieser Stelle im Video. So etwas sieht sehr unprofessionell aus.

iMovie für iOS

iMovie für iOS

Als ich iMovie für iOS das erste Mal gestartet habe, war ich erstaunt, wieviele Funktionen die App bietet. Das Wesentliche für den einfachen Schnitt ist auf jeden Fall an Bord. Man kann mit maximal zwei Videospuren und drei Audiospuren arbeiten, was auf dem gerade mal 3.5 Zoll kleinem Display des iPhone 4S schon eine gewisse Herausforderung ist. Vor allem beim Trimmen, also dem framegenauen Kürzen oder Verlängern von Einstellungen auf der Timelime, ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Die Software ist für Hobbyisten gemacht, das sieht man sofort. So hat man beispielsweise die Wahl zwischen verschiedenen visuellen Vorlagen („Verspielt“, „Neon“, „Heiter“ etc.), die sich spätestens dann einmischen, wenn man Bauchbinden, Titeleinblendungen oder Übergänge in seinem Video verwendet. Zum Glück gibt es aber auch die Vorlage „Einfach“, die auf all diese Spielereien verzichtet und für mich erste Wahl ist.

Apropos Übergänge: Man erkennt den Amateurcharakter der Software auch daran, dass iMovie immer eine Kreuzblende zwischen zwei Einstellungen auf der Timeline hinzufügt, ganz egal welche Vorlage man gewählt hat. Dieser unter Urlaubsfilmern sehr beliebte Effekt lässt sich zwar schnell entfernen, was aber stets einen zusätzlichen Arbeitsschritt nach sich zieht. Abschalten lässt sich diese Automatik leider nicht.

Auch das Werkzeug für Texteinblendungen ist in seinen Fähigkeiten sehr beschränkt, da man nur aus ein paar Vorlagen auswählen kann, die man dann anpassen muss. Leider ist es nicht möglich, die Einblendungen absolut frei zu positionieren, sondern sie erscheinen immer nur an fest definierten Stellen.

Die Tonspuren hingegen lassen sich mit iMovie recht flexibel bearbeiten, zum Beispiel clipweise lauter oder leiser ziehen sowie auf den Frame genau ein- und ausblenden. Sehr hilfreich ist, dass man die Tonspur von einem bereits auf der Timeline liegenden Videoclip abtrennen kann, sodass sie auf eine der drei Tonspuren fällt. Dort lässt sie sich nach Bedarf verlängern oder verkürzen. Auf diese Weise kann man spielend einfach O-Ton-Statements vorlappen lassen, ohne dabei auf eine zweite Videospur angewiesen zu sein.

Legt man eine Musikspur unter ein Video mit Sprachelementen (wie O-Tönen), dann behandelt iMovie die Musik automatisch als Hintergrundgeräusch und blendet sie immer etwas ab, sobald Sprache einsetzt. Diese Automatik kann man abschalten, indem man die Musik als Vordergrundgeräusch definiert (und sie dann ggfs. in ihrer Lautstärke individuell anpasst).

Würde Apple eine spezielle Reporter-Edition von iMovie entwickeln, würde ich mir einen Tonpegelmesser mit einer dBFS-Skala wünschen, damit man den Ton nicht ins Blaue hineinmischt. Denn in der aktuellen Version ist man auf Gedeih und Verderb auf die Automatikuntersützung von iMovie angewiesen und kann nicht auf einen selbst definierten Referenzpegel mit Sicherheitsabstand zur 0 dBFS-Marke abmischen.

Aber alles in allem ist iMovie eine für Reporter brauchbare Software, die es ermöglicht, schnell und unkompliziert einfache Videos in guter Qualität für die Online-Berichterstattung zu erstellen – ganz egal, wo man sich gerade befindet.

Somikon LED-Videoleuchte mit Stativhalterung

Somikon-Handgriff mit LED-Leuchte und Stativhalterung

Wenn es tatsächlich eine Kamera geben sollte, die man immer dabei hat, dann wohl das Smartphone. Doch wie bei allen anderen kompakten Geräten ist auch das iPhone nicht besonders elegant im Handling fürs Videodrehen. Man muss es mit spitzen Fingern anfassen, wobei die Gefahr groß ist, dass man versehentlich mal für einen kurzen Moment das Objektiv verdeckt, die Mikrofone an der Unterseite zuhält oder dass es generell einfach stark wackelt.

Einen passenden Handriff zum Stabilisieren halte ich daher für absolut unverzichtbar und für die allererste Anschaffung auf der Liste der Dinge, die man fürs Videoproduzieren mit dem iPhone braucht. Zwar hat man so einen Griff dann sicher nicht mehr dauernd dabei, aber vielleicht finder er ja Platz in der Jackentasche, im Handschuhfach oder sonstwo.

Eine recht günstige Lösung ist, solange es sie noch gibt, die Somikon LED-Videoleuchte mit Stativhalterung für das iPhone 4 und 4S. Wer es für ein iPhone 5 verwenden will und über ein wenig handwerkliches Geschick verfügt, kann sich das Plastikgehäuse an den abgerundeten Rändern einigermaßen passend feilen. So hat es zumindest ein Volontär in einem meiner Video-Workshops gemacht.

Die Videoleuchte an der Vorderseite wird mit sechs AAA-Batterien bzw. Akkus betrieben und läuft dank energiesparender LED-Technik sehr lange. Dimmbar sind die LEDs leider nicht, was gerade bei Interviews ein nettes Feature gewesen wäre – vor allem weil sie bei direktem Blickkontakt auf kurze Distanz sehr unangenehm für Gesprächspartner vor der Kamera sein können.

Die Lampe strahlt Licht mit einer Farbtemperatur von 5600K ab. Das entspricht mittlerem Tageslicht. Spätestens wenn man die Leuchte benutzt, sollte man immer an den Weißabgleich denken. Ich habe ihn hier (wie bereits oben erwähnt) beispielsweise vergessen und auch den durch FiLMiC Pro automatisch ermittelten Wert nicht fixiert, was unvorteilhaft aussieht.

An der Unterseite des Somikon-Handgriffs wurde an ein 1/4 Zoll Gewinde gedacht. So lässt sich das iPhone ohne Umwege auf jedem üblichen Stativ befestigen.

Für Rechtshänder, die Interviews ohne ein externes Mikrofon führen wollen (nicht empfehlenswert), hat der Griff samt Gehäuse leider einen entscheidenden Nachteil: Sobald man das iPhone in der Plastikhalterung befestigt, zeigen die Mikrofone nach rechts und somit nicht in die Sprechrichtung des Reporters. Der Ton wird also deutlich schlechter aufgezeichnet. Hält man die Kamera wiederum mit der linken Hand, ist alles gut. Dauerhaft umdrehen kann man das Gehäuse leider nicht.

Sennheiser-Mikrofon (Speiseadapter K6 mit Modul ME64)

Sennheiser-Mikrofonsystem K6 mit ME66 und Windschutz

Wer regelmäßig Interviews aufzeichnen will, sollte nicht lange über die Anschaffung eines Mikrofons nachdenken. Ich nutze ein Set von Sennheiser, das ich bereits seit den ersten Tagen als Videojournalist einsetze. Es besteht aus dem Speiseadapter K6 und dem Mikrofonmodul ME64. Dank seiner Nierencharakteristik ist das Mikrofon sehr gut geeignet für Interviewaufnahmen in Situationen mit Hintergrundgeräuschen. Der seitlich auf die Membran einfallende Schall wird weniger stark aufgenommen, der Schall vor dem Mikrofon am stärksten.

Das iPhone steuert den Tonpegel vollautomatisch aus. FiLMiC Pro zeigt zwar einen Tonpegelmesser an, bietet aber leider keine Möglichkeit manuell einzugreifen. Daher sind alle Sprachaufnahmen mit einem gewissen Risiko behaftet und neigen, je nach Empfindlichkeit des Mikrofons und der Intensität der Schallquelle, zum Übersteuern. In meinen Interview-Aufnahmen im Beispielvideo ist das eigentlich regelmäßig passiert, mal stärker, mal schwächer – für das geübte Ohr aber hörbar.

Waveform der beiden Interview-Aufnahmen

Die abgebildete Wellenform zeigt die Intensität des Tonsignals von zwei unterschiedlichen Interviews aus dem Beispielvideo. Unter den gegebenen technischen Bedingungen könnte man Interview 1 als gelungen bezeichnen, da es nur selten und leicht übersteuert. Interview 2 hingegen übersteuert fast regelmäßig und hört sich daher auch sehr kratzig an.

Was kann man machen? Vor dem Interview den obligatorischen kurzen Soundcheck mit einer Sprachprobe, während des Interviews den Tonpegelmesser von FiLMiC Pro möglichst im Blick behalten. Da eine manuelle Tonaussteuerung nicht möglich ist, lässt sich ein eventuell zu starkes Tonsignal nur mildern, indem man das Mikrofon von der Schallquelle weiter entfernt.

DIY-Mikrofonkabel

DIY-Mikrofonkabel

Um ein professionelles Mikrofon überhaupt erst an das iPhone anschließen zu können, braucht man ein spezielles Kabel, das sich Bastelfreudige nach dieser Anleitung auf YouTube selbst zusammenlöten können. Am Ende des Videos wird der Schaltplan gezeigt, der Aufschluss darüber gibt, wie links, rechts und Masse des Klinkensteckers sowie der benötigte 1000 Ohm-Widerstand zu verlöten sind, sodass man einen Kopfhörer und ein Mikrofon via XLR-Stecker anschließen kann.

Wer sich das Ersparen möchte, kann so ein Kabel auch kaufen. Allerdings habe ich das hier verlinkte nicht ausprobiert und kann nicht sagen, ob es tatsächlich auch funktioniert.

Kompakter Kopfhörer AKG K414P

geschlossener Kopfhörer von AKG

Welchen Kopfhörer man verwendet, ist eigentlich vollkommen nebensächlich. Jeder hat da seine persönlichen Vorlieben. So lege ich Wert darauf, dass der Kopfhörer sehr kompakt und leicht ist, möglichst beide Ohren abschließt und man ihn angenehm tragen kann. Das ist bei dem AKG K414P der Fall. Obendrein bietet er auch noch ein gutes Klangbild, vor allem wenn es um die Beurteilung von Sprachaufnahmen geht. Soweit ich weiß, wird dieser Kopfhörer aber nicht mehr verkauft.

Siolex Profi Carbon Reise-Stativ mit Fluid-Schwenkkopf Manfrotto 700RC2

Siolex Profi Carbon Reise-Stativ mit Fluid-Schwenkkopf Manfrotto 700RC2

Dieses Stativ samt Kopf hatte ich ursprünglich für die Panasonic GH3-DSLM-Kamera angeschafft, es eignet sich allerdings auch sehr gut für die Arbeit mit dem iPhone. Das Siolex-Stativ ist aus Carbon und dementsprechend leicht, was für mich das wichtigste Kriterium beim Kauf war. Zusammengefahren passt es wunderbar ins Reisegepäck, ist ausgefahren allerdings auch nicht besonders hoch. Für Interviews im Stehen ist es ganz klar nicht geeignet, für Interviews im Sitzen allerdings perfekt.

Der Schwenkkopf von Manfrotto ist meines Wissens der kleinste seiner Art, der fluidgedämpft ist, das heißt butterweiche Schwenks in alle Richtungen ermöglicht. Leider fehlt dem Kopf eine Libelle, was das Ausrichten erschwert – vor allem, wenn man die Kamera schwenken möchte und die Starteinstellung noch einen geraden Horizont hat, die Zieleinstellung aber völlig schief steht.

Fazit

Professionelle Arbeit hat nichts mit der Größe der Kamera zu tun, sondern es geht eigentlich nur noch darum, die richtige Kamera für den entsprechenden Job zu finden. Wenn der Auftrag lautet, Interview-Statements für Online-News mitzubringen, ein paar einfache Einstellungen zu drehen oder kurze Beiträge komplett zu produzieren, ist das iPhone ein absolut ernst zu nehmendes Werkzeug, das ich bei regelmäßiger Anwendung um das genannte oder ähnliches Zubehör erweitern würde.

Wer tiefer in das Thema Mobile Journalism eintauchen möchte, dem lege ich das gleichnamige Blog von Marcus Bösch nahe. Ein paar weitere Anregungen für nützliche Hard- und Software sowie Verweise auf lesenswerte Quellen gibt es in meiner Linkliste rund um die Videoproduktion mit dem iPhone, die ich von Zeit zu Zeit aktualisiere.

Ein kurzer Hinweis zum Schluss: Ich verlinke ungern auf Shop-Seiten. Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich das aber manchmal schwer vermeiden. Deshalb nochmal deutlich: Bei allen Links auf R73.net handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

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