Final Cut Pro X kaufen und die Sache mit der Umsatzsteuer

3. August 2011 | Schlagworte: - -

Dass Apple eine professionelle Software, die wohl von dem ein oder anderen Gewerbetreibenden bzw. Freiberufler für den Geschäftsbetrieb gekauft wird, ausschließlich über den App Store vertreibt, ist nicht nur merkwürdig, sondern auch ärgerlich. Zumindest in der Art und Weise, wie dies zurzeit geschieht. Denn der App Store richtet sich ausweislich seiner Geschäftsbedingungen (Stand: 03.08.2011) ja offenbar eher an Privatanwender.

Unter dem Punkt „Nutzungsregeln für Mac App Store Produkte“ steht in Absatz (i):

Sie können eine Anwendung vom Mac App Store („Mac App Store Produkt“) herunterladen, um diese für private, nicht-gewerbliche Zwecke auf einem Gerät von Apple, das mit Mac OS X betrieben wird („Mac Computer“) und das Ihnen gehört oder in Ihrem Besitz ist, zu nutzen.

Unter (ii) steht weiter:

(ii) Wenn Sie ein Unternehmen oder eine Bildungseinrichtung sind, können Sie ein Mac App Store Produkt herunterladen, damit es entweder von (a) einer einzelnen Person auf jedem von dieser Person genutztem Mac Computer, der Ihnen gehört oder in Ihrem Besitz ist, oder (b) mehreren Personen auf einem einzelnen, geteilten Mac Computer, der Ihnen gehört oder in Ihrem Besitz ist, benutzt wird.

Als freiberuflicher Videojournalist ist mein Einsatzgebiet ziemlich klar: Ich will die Software für berufliche Zwecke einsetzen, nicht für private. Insofern gelte ich wohl am ehesten als „Unternehmen“ und falle unter den zweiten Absatz.

Als Unternehmer brauche ich natürlich eine Rechnung. Weil Einkäufe im App Store über die iTunes S.a.r.l mit Geschäftssitz in Luxemburg abgewickelt werden, wäre eine Rechnung ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer der Normalfall, da für Freiberufler bzw. Gewerbetreibende „der Download der Software grundsätzlich in Deutschland steuerbar und steuerpflichtig“ ist. So teilte es mir zumindest die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen auf Nachfrage mit.

Das heißt also: Kaufe ich im innereuropäischen Ausland ein, zahle ich den Nettobetrag und schulde darauf dem hiesigen Finanzamt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Diese kann ich als Vorsteuer anschließend wieder geltend machen.

Um eine solche mehrwertsteuerfreie Rechnung zu bekommen, müsste ich Apple meine USt.-IdNr. mitteilen. Das ist im App Store aber nicht vorgesehen. So erhält man am Ende zwar eine Rechnung, aber nur mit ausgewiesener Mehrwertsteuer von 15 Prozent, also dem luxemburgischen Satz.

Was soll ich damit jetzt anfangen?

Theoretisch ist es möglich, sich diese 15 Prozent zurückzuholen. Apple schrieb mir auf Nachfrage:

„Anschließend muss der Kunde die Rückerstattung elektronisch bei der zuständigen deutschen Steuerbehörde geltend machen. Diese wird die Anfrage überprüfen und an das Luxemburger Finanzamt weiterleiten, das den Betrag direkt an den Kunden erstattet.“

Das ganze ist allerdings an Mindestsummen gebunden (meines Wissens 50,- Euro), der nicht unerhebliche Verwaltungsaufwand lohnt sich also nur bei größeren Beträgen. Insofern werde ich auf die Erstattung der luxemburgischen Mehrwertsteuer verzichten und mir die 15 Prozent selbst ans Bein binden.

Ich gehe jetzt wie folgt vor (und warne ausdrücklich davor, es ohne weitere Überprüfung nachzumachen, da ich nicht 100%ig weiß, ob das steuerrechtlich alles so seine Richtigkeit hat):

  • Final Cut Pro X kaufen
  • Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer über 15 Prozent anfordern
  • Bei der nächsten Umsatzsteuervoranmeldung die Steuerschuld von 19 Prozent auf den Bruttowert der luxemburgischen Rechnung (also Nettobetrag Final Cut Pro X plus 15 Prozent MwSt.) begleichen
  • In derselben Umsatzsteuervoranmeldung die gezahlten 19 Prozent als Vorsteuer geltend machen
  • Am Jahresende bei der Einkommensteuererklärung die Software zum luxemburgischen Bruttopreis (also 239,99 Euro) über die entsprechende Nutzungsdauer als Betriebsausgabe abschreiben
  • Mich darüber ärgern, dass Apple seine Profi-Software exklusiv über einen Shop für hauptsächlich Privatanwender vertreibt und dies steuerrechtlich auch so handhabt

Der unnötige Verlust ist bei dieser Sache zwar überschaubar, nämlich exakt 31,30 Euro (15 Prozent luxemburgische Mehrwertsteuer). Aber so ganz verloren ist das Geld ja wiederum nicht, da man es immerhin als Betriebsausgabe geltend machen können müsste (ich bleibe auch hier mal lieber im Konjunktiv). Eine steuerkompetente Person hat mir erklärt:

„Nach § 9b EStG gehört ein Vorsteuerbetrag nach § 15 UStG nicht zu den Anschaffungs- und Herstellungskosten. Da die luxemburgische Mehrwertsteuer keine Umsatzsteuer i.S. des § 15 UStG ist, ist sie Teil der Anschaffungskosten der Software und daher grundsätzlich nach der Maßgabe der §§ 6 ff. EStG als Betriebsausgabe abzugsfähig.“

Trotzdem: Ein Dauerzustand ist das alles nicht. Apple sollte da unbedingt nachbessern und diesen Widerspruch aufklären zwischen den offenbar nicht so sehr erwünschten gewerblichen Kunden seines App Store und dem exklusiven Vertrieb professioneller Software darüber. Mehrwertsteuerfreie Rechnungen für gewerbliche Kunden sind im innereuropäischen Geschäftsverkehr absolut üblich.

Dieses Bretto-Nutto-Thema beim Kauf von Software via App Store ist nicht erst seit Final Cut Pro X ein Thema. Carta hatte im Juni darauf aufmerksam gemacht, bei XING gab es schon im Januar eine Diskussion dazu.

Dort tauchte unter anderem der Vorschlag auf, man könne ja einfach iTunes-Guthaben-Karten in Deutschland kaufen, hätte dann darüber eine Rechnung mit 19 Prozent MwSt. und könne diese ja als Steuerbeleg für den Einkauf nutzen. Das funktioniert aber nicht.

Erstens, weil auf den Rechnungen der Guthabenkarten sowieso keine MwSt. ausgewiesen wird, und zweitens: Mit dem Guthaben kann man alles mögliche anstellen, es ist aber kein Beweis für den Kauf der Software.

Zooming In on Online Video

15. Mai 2008 | Schlagworte: - - - - - - - - - -

Das umfangreiche Dossier der Newspaper Association of America, auf das Markus in seinem Blog verweist, ist wirklich eine feine Sache.

Sehr detailliert werden viele wichtige Fragen rund um das Thema Online-Video aus journalistischer Perspektive abgehandelt, zum Beispiel wann und wie Online-Video eingesetzt werden sollte, welche Technik dafür benötigt wird, wie es hinter den Kulissen bei verschiedenen US-Sites zugeht usw.

Lesestoff für die nächsten Tage…

Online-Video, DJV-Honorarempfehlung

4. Februar 2008 | Schlagworte: -

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat seine Honorarempfehlungen für freiberufliche Journalisten (PDF, 632 kB) aktualisiert. Für Online-Videobeiträge empfiehlt der DJV eine Beitragspauschale von 500,- bis 600,- Euro bzw. alternativ einen Minutenpreis von 200,- Euro (siehe Seite 31).

Leider sind die Beträge nicht weiter aufgeschlüsselt. So bleibt also alles weiter Verhandlungssache, aber wenigstens ist jetzt einmal eine offizielle Hausnummer genannt worden (die, gemessen am Aufwand gerade für komplexe Themen oder besondere Umsetzung, ganz sicher umstritten bleibt – siehe in diesem Zusammenhang auch den thematisch verwandten Eintrag inkl. der Kommentare vom vergangenen Jahr).

(Vielen Dank an Thomas Mrazek für den Hinweis.)

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