Einfacher und schneller Colorgrading-Workflow mit S-Log3, FCPX, FilmConvert und einer Graukarte

14. Juli 2016 | Schlagworte: - - - -

Dieses kurze Video zeigt ein paar Bilder, die ich testweise mit der Sony FS5 und dem Micro Nikkor 55mm f/2.8 AI-S gedreht habe. Das Colorgrading habe ich nach der hier beschriebenen Methode gemacht (FilmConvert mit Fujifilm Provia-Emulation und 30% Grain). Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat. Dieses Video habe ich unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht.

Wer mit Log-Formaten wie beispielsweise Sonys S-Log2 oder S-Log3 arbeitet und den Vorteil von 13 bis 14 Blendenstufen Dynamikumfang bei Motiven mit sehr starken Helligkeitsunterschieden ausschöpfen will, wird sein Bildmaterial natürlich später in der Postproduktion wieder anpassen müssen an den deutlich geringeren Dynamikumfang der Displays, auf denen das Video vermutlich abgespielt wird.

Mit der Sony FS5 drehe ich häufig in S-Log3 und dem Farbraum S-Gamut3.Cine (siehe Infos dazu in diesem PDF-Dokument bei Sony oder auf Slashcam). So eingestellt, lässt sich im Vergleich zu den normalen Videogammas wie etwa Rec. 709 kein Weißabgleich mehr machen, das heißt die WHT BAL-Schalter und die WB SET-Taste an der Kamera sind funktionslos. Daher stellt Sony den S-Gamut3.Cine-Farbraum in drei Versionen zu Verfügung, die man je nach Umgebungslicht voreinstellen sollte: S-Gamut3.Cine/5500K für Tageslicht, S-Gamut3.Cine/4300K für Leuchtstoffröhrenlicht und S-Gamut3.Cine/3200K für klassisches Kunstlicht einer Glühbirne oder Halogenlampe.

In der Praxis heißt das: Bei wechselnden Lichtsituationen muss man ständig ins Kameramenü abtauchen und das entsprechende Bildprofil mit dem passenden Farbraum aufrufen. Das ist natürlich ziemlich nervig und in stressigen Situationen unpraktikabel. Es wäre schön, wenn Sony es durch ein Firmware-Update ermöglichen würde, die drei S-Gamut3.Cine-Farbräume auf die drei Stufen des WHT BAL-Kippschalters zu legen. So wäre ein Wechsel mit einem schnellen Handgriff außen an der Kamera möglich.

Da aber auch die drei voreingestellten Kelvin-Werte (5500K, 4300K und 3200K) nur Annäherungen an das tatsächlich vorherrschende Licht sind, habe ich beim Dreh eigentlich immer eine kompakte Graukarte dabei, sei es im etwas größeren DIN A5- oder im Scheckkartenformat. Graukarten reflektieren das einfallende Licht absolut farbneutral zu 18%. Nahezu bei jeder Aufnahme halte ich diese Karte als Referenz für einen kurzen Moment in den relevanten Teil des Motivs (z.B. direkt vor das Gesicht bei einem Interview).

Später im Schnitt besteht der erste Schritt der Korrektur darin, die Farben zu neutralisieren. Das geht ganz einfach mit Hilfe des Tools RGB-Überlagerungen in Final Cut Pro X (FCPX). Dabei werden die drei Farbkanäle Rot, Grün und Blau in einem Waveform-Monitor übereinanderliegend dargestellt. Die Graukarte lässt sich relativ leicht lokalisieren.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

In der Farbkorrektur passe ich zunächst global die Farben so an, dass sich die drei Kanäle an der Stelle der Graukarte perfekt überlappen. Das sieht dann so aus wie in der folgenden Abbildung.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Nur der Vollständigkeit halber: Schiebt man bei der Korrektur den Global-Regler in die völlig falsche Richtung, driften die drei Farbkanäle an der Stelle der Graukarte deutlich auseinander, wie die nächste Abbildung zeigt.

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Erst wenn das Neutralisieren mit der Referenz-Graukarte erledigt ist, kümmere ich mich um die eigentliche Farbgebung, die ich auf einem weiteren Stapel in der FCPX-Effektverwaltung hinzufüge. Während Farbkorrektur-Profis dazu Software wie DaVinci Resolve einsetzen, ist mein Tool der Wahl das FilmConvert-Plugin, das sich perfekt in FCPX integrieren lässt. Es liefert eine überschaubare Zahl an gut aussehenden Film-Emulationen und ist optimiert für verschiedene Kameras, deren Gamma-Kurven und dazugehörigen Farbräume. Alternativ kann man auch das LUT Utility einsetzen und mit einem passenden Lookup Table arbeiten, der die Farben aus der Log-Gammakurve zurückübersetzt in ein klassisches und vom Ziel-Display darstellbares Videogamma wie z.B. Rec. 709.

In meinem Fall sieht der mit FilmConvert bearbeite Clip, einer Fujifilm Velvia-Emulation und leichter Korrektur der Belichtung (Anpassung der Höhen, Mitten und Tiefen) wie folgt aus:

Farbkorrektur mit Hilfe einer Graukarte und dem Messtool RGB-Überlagerungen

Apropos Belichtung: Ich habe mir angewöhnt, das Material immer leicht überzubelichten. Der Grund ist, dass S-Log3 an der Sony FS5 in den dunklen Bereichen zum Rauschen neigt. Daher hebe ich diese dunklen Bereiche beim Dreh eine bis eineinhalb Blenden über die „eigentlich richtige“ Belichtung und passe diese Bereiche erst in der Nachbearbeitung an (ziehe die dunklen Flächen also herunter, wodurch auch das Rauschen deutlich weniger sichtbar wird). Natürlich schütze ich bei dieser Vorgehensweise diejenigen Lichter, die später im fertigen Video auf jeden Fall auch noch Zeichnung haben sollen.

Was ist nun aber die „eigentlich richtige“ Belichtung? Die Empfehlung von Sony lautet bei S-Log3, Mittelgrau bei 41% auf der IRE-Skala zu positionieren. Hier ein kurzer Überblick über verschiedene Log-Kurven und deren ideale Mittelgrau-Positionen sowie Überbelichtungsgrenzen:

Gamma-Kurve 18% Grau Clipping
BMD-Film (z.B. BMPCC) 38.4% 100% (?)
S-Log2 32% IRE 108% IRE
S-Log3 41% IRE 94% IRE

Um diese 41% nun exakt anzumessen, habe ich das erste Zebra1 in der Kamera genau auf diesen Wert eingestellt, das heißt bei einem Volltreffer schimmert im FS5-Sucher das Zebramuster auf der Graukarte. Um möglichst genau arbeiten zu können, habe ich den sog. „Zebra1 Aperture Level“ auf den niedrigsten Wert von 2% eingestellt. Nun erscheint das Zebra-Muster 2% vor Erreichen des Schwellwerts und verschwindet 2% später wieder. Sobald ich also die Belichtung also getroffen habe, öffne ich die Blende (bzw. das ND-Filter) um etwa eine bis eineinhalb Blendenwerte.

Da bei 94% das Clipping einsetzt, habe ich das zweite Zebra exakt darauf programmiert. Jedes Pixel, das während des Drehs 94% überschreitet, verfügt über keinerlei Zeichnung mehr. Bei Objekten wie Lampen oder der Sonne ist das natürlich egal, weil auch unser bloßes Auge keinerlei Zeichnung darin mehr erkennen kann. Ärgerlich sieht das allerdings beim hellblauen Himmel, weißen Hemden etc. aus. Das Zebra2 verfügt übrigens über keinerlei „Aperture Level“-Funktion. Das heißt sobald der Schwellwert von 94% erreicht ist und egal wie deutlich er überschritten wird, schimmert das Zebra2 ständig im Display auf den entsprechend überbelichteten Flächen.

Zebra-Einstellungen im Menue der Sony FS5

Während des Drehs habe ich das Histogramm permanent eingeschaltet. Wer gern damit arbeitet, für den lohnt es sich, den „Zebra Point“ zu aktivieren, …

Histogramm-Einstellungen im Menue der Sony FS5

… denn jetzt erscheint ein kleiner, vertikaler Strich im Histogramm, der mir die 94%-Grenze anzeigt, die ich möglichst nicht überschreiten will.

Histogramm mit Zebra Point auf 94% im Display der Sony FS5

Auch wenn das Drehen mit Log-Kurven wie S-Log3 deutlich mehr Aufwand in der Nachbearbeitung verursacht und bei vielen dunkleren Motiven mit geringem Dynamikumfang eigentlich nur Nachteile bietet, schätze ich vor allem eines: S-Log3- und BMPCC-Filmlog-Material ist auch in zügigen Situationen, in den man die Belichtung sehr schnell einstellen muss, viel fehlertoleranter. Es ist fast egal, ob ich die Hauttöne genau treffe, zwei Blenden drunter bin oder zwei Blenden drüber – in der Postproduktion lässt sich vieles wieder anpassen. Mit Rec. 709 war das nicht möglich.

Z-Finder für BMPCC mit 1.8-facher statt 2.0-facher Vergrößerung bringt kleine Verbesserung

18. Juni 2015 | Schlagworte: - - -

Eine Sucherlupe ist vermutlich eine der ersten Anschaffungen, wenn man mit einer kompakten und in ihrer Bauart sehr DSLR-ähnlichen Kamera wie der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) arbeitet. Ich habe mir seinerzeit den Zacuto BMPCC Z-Finder gekauft, der speziell für die Größe des BMPCC-Displays entwickelt wurde.

BMPCC mit Zacuto Z-Finder

Die Qualität des BMPCC-Displays ist zwar wirklich bescheiden und lohnt sich eigentlich gar nicht, auch noch vergrößert zu werden (auch wenn man dadurch das Focus Peaking besser beurteilen kann). Dennoch ist so ein BMPCC-Viewfinder sinnvoll, da er vor allem zusätzliche Stabilität durch einen weiteren Andruckpunkt bei frei aus der Hand geführter Kamera spendet und – fast noch wichtiger – Sonnenlicht aussperrt. Denn bei etwas hellerer Umgebung sieht man auf dem BMPCC-Display so gut wie nichts mehr.

So weit, so gut. Einziges Manko: Der Zacuto Z-Finder für die BMPCC zeigt mir nicht das komplette Display, sondern schneidet an den Rändern immer ein Stück ab – und zwar auch dann, wenn ich den Z-Finder wirklich fest an mein Auge drücke.

Zumindest ist das bei mir so, und ich habe keine Ahnung, ob es nun an meinen Augen liegt oder an der zweifachen Vergrößerung des Z-Finders. Offensichtlich bin ich aber nicht der einzige mit diesem Problem.

Bei der Arbeit nervt das, denn beim Blick durch einen Viewfinder sollte man natürlich immer 100% der Bildinformation sehen können. Wie auch sonst sollte man das Bild kadrieren oder einer Aktion verlässlich folgen?

Hier mal ein Vergleich. So sieht das komplette Display der BMPCC aus:

BMPCC-Screen ohne Zacuto Z-Finder

Wenn ich den Z-Finder mit starkem Druck förmlich ans Auge quetsche, sehe ich in etwa folgenden Ausschnitt:

BMPCC-Screen mit Zacuto Z-Finder und 2.0-facher Vergrößerung

Halte ich den Viewfinder hingegen mit normalem Druck ans Auge, sehe ich deutlich weniger an den Rändern und ich muss mich entscheiden, ob ich teilweise entweder auf die Informationsleiste oben oder unten verzichte.

Von einer adäquaten Vergrößerung des Bildausschnitts erwarte ich eigentlich, dass das Auge nicht hin- und herwandern muss, sondern alles sofort auf einen Blick erfasst. Das leistet der Z-Finder für die BMPCC leider nicht.

Deshalb habe ich vor einiger Zeit Kontakt mit Zacuto aufgenommen, die mir daraufhin einen kostenlosen Ersatz des Vergrößerungsglases geschickt haben. Der Austausch ist ziemlich einfach und in wenigen Minuten erledigt. Statt der 2.0-fachen Vergrößerung hat der der neue Glasbaustein eine nur 1.8-fache.

Bringt’s was? Der Unterschied ist nur gering und das Ergebnis immer noch keineswegs so wie es eigentlich sein sollte. Wenn ich den Sucher wieder so stark an meine Auge drücke wie ich es normalerweise nicht tun würde, sehe ich ungefähr das hier:

BMPCC-Screen mit Zacuto Z-Finder und 1.8-facher Vergrößerung

Will heißen: Das Auge muss immer noch umher wandern, den kompletten Bildausschnitt kann ich nur mit Mühe erfassen.

Obwohl der BMPCC Z-Finder fast ständig an der Kamera angebracht ist, kann ich ihn nur eingeschränkt empfehlen.

Interviews mit der BMPCC aufzeichnen (Ton intern und in ProRes mit Film Log für Hauttöne belichten)

18. März 2015 | Schlagworte: - - - - - - - - -

Als ich das erste Mal mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) Interviews aufzeichnen wollte, stand ich vor zwei Problemen (mindestens): Wie kriege ich eine gute Tonaufnahme hin? Und wie belichte ich im Film Log und mit ProRes-Codec optimal für Hauttöne? Für beide Fragen stelle ich hier meine Arbeitsweise vor. Wer andere, vielleicht sogar bessere Methoden gefunden hat: Ich bin für jede Anregung in den Kommentarfeldern dankbar.

Die Tonaufnahme

Die BMPCC ist nicht gerade berühmt für ihre Tonqualität – auch dann nicht, wenn man ein recht hochwertiges externes Mikrofon anschließt. Der Sound klingt einfach dünn, und wenn man den Eingangspegel in der Kamera zu hoch dreht, wird die Aufnahme von einem starken Rauschen überlagert. Für Interviews also eigentlich unbrauchbar. Daher zeichnen viele BMPCC-User den Ton auch separat auf und synchronisieren ihn anschließend im Schnitt.

Wenn man allerdings ein recht starkes Signal in die Kamera speist, lässt sich eine brauchbare Qualität herauskitzeln. Für folgendes Beispiel-Interview habe ich die Sennheiser EW100 G2-Funkstrecke, das Rode Videomic Pro und den passiven Beachtek MCC-2-Adapter verwendet. Damit kann man beide Mikrofone gleichzeitig anschließen, das Tonsignal splitten und die beiden Tonkanäle in der Kamera unterschiedlich stark auspegeln, also ganz so wie man es von einem professionellem Camcorder gewohnt ist.

Vielen Dank an Markus Böhnisch, der sich für diesen Test kurz vor meine Kamera gesetzt hat. Kleinigkeit am Rande: Markus, der selbst seit mehr als 15 Jahren als Videojournalist arbeitet, spricht in dem Soundcheck kurz über seine erste Kamera, die legendäre Canon XM1 und findet, dass es nach all der DSLR-Schrauberei endlich mal wieder Zeit wird für eine gut bedienbare und vor allem für Videojournalisten taugliche Kamera mit großem Sensor. Wenige Tage nach unserer Aufnahme erschien dieser sehr lesenswerte Artikel in den Redshark News, der genau in dieselbe Richtung geht.

Für das Video oben habe ich das Audio-Menue in der BMPCC wie folgt konfiguriert:

Einstellungen im BMPCC-Audio-Menue

Bei diesen Einstellungen habe ich mich vor allem auf die Erfahrungen der Firma Beachtek verlassen, die in ihrem Blog Ergebnisse verschiedener Messungen veröffentlicht. Dort ist unter anderem nachzulesen, dass das beste Signal-Rausch-Verhältnis bei der BMPCC dann erreicht wird, wenn man die Eingangspegel der Kamera auf 50% stellt. Aber Vorsicht: Blackmagic hat diesen Wert in der Vergangenheit mit diversen Firmware-Updates immer mal wieder verändert, ohne darüber öffentlich auch nur ein Wort zu verlieren. Für die aktuelle Firmware (Version 2.0.1) scheinen 50% aber nach wie vor das Optimum zu sein.

Beim Rode Videomic Pro schalte ich die +20 dB-Verstärkung ein, die Empfindlichkeit (Menuepunkt „Sensitivity“) des Funkstrecken-Senders meiner Sennheiser EW100 G2 stelle ich auf -10 dB und die Stärke des Ausgangspegels am Empfänger (Menuepunkt „AF-Out“) auf Lev +00.

Rode Videomic Pro und Sennheiser EW100 G2

Mit dieser Kombination kommt ein starkes Signal in der Kamera an, das ich – je nach Intensität der Stimme des Interviewpartners – über das Potenziometer sogar noch etwas dämpfen kann. Beim Videomic Pro ist das nicht nötig, denn selbst bei sehr kurzem Abstand zum Interviewpartner ist das Signal auf keinen Fall zu stark. In meinem Beispielvideo oben beträgt der Abstand zum Interviewpartner etwa 1,50 Meter. Bei klarer und deutlicher Sprache schlägt der Tonpegelmesser in den Spitzen etwa bis -18 dBFS aus, was später im Schnitt also noch deutlich angehoben werden muss, je nachdem welchen Referenzpegel man erreichen will (für Broadcast-Anwendungen normalerweise -9 dBFS, fürs Web mische ich meistens auf -6 dBFS ab). Das nachträgliche Anheben des Tons verstärkt natürlich das Rauschen.

Anders bei der Funkstrecke, die noch einmal deutlich stärker ist. Dort versuche ich das Signal in den Spitzen in Richtung -9 dBFS zu pegeln, was ich mit den Tonpegelmessern der BMPCC auch sehr genau überprüfen kann. Aber Vorsicht: Die Kamera verfügt über keinerlei Limiter. Die Gefahr von Übersteuerungen, die man sofort auf dem Kopfhörer hört, ist also sehr groß. Daher empfehle ich, für Interviews ausschließlich die Funkstrecke an die BMPCC anzuschließen. Der Beachtek MCC-2 hat an seiner Vorderseite neben den beiden Eingängen für unterschiedliche Mikrofone auch noch eine weitere Stereobuchse. Schließt man den Funkstrecken-Empfänger daran an und schaltet an der Rückseite die Kanaltrennung ein (Schalterstellung „S“), wird ein und dasselbe Tonsignal auf die beiden Kanäle der BMPCC verteilt.

Beachtek MCC-2

Den ersten Kanal pegelt man dann etwas offensiver, den zweiten auf Sicherheit. Sollte der erste Kanal also mal übersteuern, weil der Interviewpartner irgend etwas sehr laut ausgesprochen hat, rettet mich der zweite Kanal. Diese Arbeitsweise habe ich bisher bei allen Interviews mit der BMPCC angewandt – und jedes Mal gab es irgendeine Stelle, an der ich auf den zweiten Kanal zurückgreifen musste.

Wer Reportagen mit der BMPCC dreht und sowohl eine Funkstrecke (z.B. für einen verkabelten Protagonisten) als auch ein Videomic Pro (für Atmo und spontan sich ergebende Dialoge) verwendet, sollte den Kanal der Funkstrecke von vornherein etwas defensiver pegeln.

Die Belichtung

Um die richtige Belichtung zu treffen, verfügt die BMPCC über zwei Messinstrumente: Das Histogramm und das Zebra-Muster. Letzteres lässt sich aber nur bis 75 IRE zurückregeln. Daher eignet es sich nicht besonders gut, um Hauttöne anzumessen, vor allem nicht, wenn man mit dem Film Log aufzeichnet. Besser also, man schließt einen externen Monitor an, der über präzisere Messinstrumente verfügt.

Ich benutze dazu den Zacuto EVF, der über zwei Zebra-Muster verfügt, die dummerweise aber zeitgleich angezeigt werden, was ich etwas verwirrend finde. Daher habe ich das zweite Zebra komplett abgeschaltet (im Monitor muss man es dazu auf 109 IRE stellen, dann ist es aus). Das erste Zebra-Muster habe ich auf 50 IRE gestellt.

Zacuto EVF Einstellungen Zebra-Muster

Warum 50? Weil Hauttöne von Mitteleuropäern im Film Log der BMPCC ungefähr bei 50 IRE angesiedelt sein müssten, zumindest haben das meine eigenen Tests bestätigt.

Zacuto EVF mit Zebra-Muster auf 50 IRE an der BMPCC

Wer es nachprüfen will, sollte sich eine Graukarte besorgen und sich auf die Information verlassen, dass Mittelgrau im Film Log der BMPCC bei exakt 38.4 IRE positioniert ist (siehe dazu den kompletten und sehr lesenswerten Thread auf BMCuser.com). Wenn man jetzt das Zebra-Muster des Zacuto EVF auf 38 IRE stellt, einen Interviewpartner gut ausleuchtet und die Belichtung auf der Graukarte direkt vor dem Gesicht des Interviewpartners misst, wird man später im Schnittprogram (nach Hinzufügen eines LUT) sehen, dass die Hauttöne dort liegen, wo sie klassischerweise hingehören, also etwa bei 70 IRE für die hellen Partien.

Interview mit Graukarte bei 38.4 IRE im Film Log der BMPCC

Da man vor allem beim schnellen und nicht-szenischen Drehen kaum mit einer Graukarte arbeitet, sondern zügig zu guten Belichtungen kommen muss, nimmt man eben – wie üblich – die Haut als Referenz. Nach Ansel Adams Zonensystem liegt Mittelgrau in Zone V, mitteleuropäische Hauttöne in Zone VI bzw. sehr helle Haut in Zone VII, also etwa eine bis eineinhalb Blenden darüber. Übersetzt in das Film Log der BMPCC sind eine bis eineinhalb Blenden über Mittelgrau also etwa 50 IRE.

Mit dieser Methode bin ich bisher zu recht guten Ergebnissen gekommen und kann sie guten Gewissens weiterempfehlen.

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