Einen Kopfhörer direkt an die EOS 550D / Rebel T2i anschließen

Die 550D / Rebel T2i hat ja leider keinen Kopfhörer-Anschluss, der aber dringend nötig ist, wenn man ohne separaten Rekorder Interviews aufzeichnen möchte. Dank Magic Lantern und mit Hilfe eines kleinen Adapters geht es aber, wenn auch nicht in Top-Qualität.

In den vergangenen Wochen habe ich ausschließlich mit dem experimentellen Magic Lantern-Build vom 13. März gearbeitet, der recht stabil läuft. Aktuell wäre die Version vom 31. März, mit der ich aber keine Erfahrungen gesammelt habe (Übersicht aller Builds).

Außerdem wird ein Audio-Adapter mit einer 3,5mm-Klinkenbuchse Stereo auf 2 x Cinch-Buchse benötigt. Diesen hier habe ich für weniger als zwei Euro (inkl. Versand!) beim Online-Händler meines Vertrauens gefunden.

Audio-Adapter für den Anschluss eines Kopfhörers an die EOS 550D / Rebel T2i

Der Rest ist prinzipiell einfach, wenn auch nicht optimal. Der Adapter wird mit dem Kopfhörer und den beiden Audio-Cinch-Steckern des AV-Kabels (gehört zum Lieferumfang der 550D) verbunden.

Audio-Adapter samt Kopfhörer und AV-Kabel der EOS 550D / Rebel T2i

Anschließend Kamera starten und im Magic Lantern-Audiomenue „Loopback“ sowie „Monitoring-USB“ einschalten und „Output-Volume“ auf 6 dB setzen.

Einstellungen im Magic Lantern-Audiomenue für das Monitoring über Kopfhörer

Wichtig: Erst jetzt das AV-Kabel in die Kamera stecken. Denn wenn man die Kamera mit eingestecktem AV-Kabel startet, gibt’s kein Bild auf dem internen Display (dafür aber auf einem via AV-Kabel angeschlossenen externen Monitor).

Update (24.04.2011): Mit dem Magic Lantern-Build vom 23. April 2011 ist das Problem mit dem AV-Kabel behoben. Die Kamera kann direkt mit eingestecktem Kabel gestartet werden, das Bild erscheint dann auf dem internen Display. Wer allerdings einen externen Monitor über das AV-Kabel angeschlossen hat, sieht nur für einen kurzen Moment „Magic Lantern …loading…“, danach gibt’s dort kein Bild mehr.

Update (26.04.2011): Und schon wieder gibt es eine neue Version, in der einige Fehler behoben wurden.

Noch ein paar Worte zum Kopfhörer: In der Magic Lantern User Group auf Vimeo empfehlen einige User, einen Kopfhörer mit möglichst geringer Impedanz anzuschließen. Das kann ich aber nicht bestätigen.

Der simple Sennheiser MX 160 (32 Ohm) lieferte kein gutes Ergebnis, ebenso enttäuschte der Philips SHP 1900 (ebenfalls 32 Ohm). Am besten klang es immer noch auf dem Sennheiser HD 280 PRO mit einer Impedanz von 64 Ohm. Vielleicht liegt es daran, dass es ein wirklich komplett geschlossener Kopfhörer ist, der über die Ohrmuscheln nichts hereinlässt.

Ganz allgemein ist die Qualität aber sowieso nicht so gut. Der Sound klingt etwas blechern und trotz 6 dB Verstärkung (maximaler Wert für Output-Volume im Magic Lantern-Menue) nicht besonders kräftig. Aber besser als nichts. Um Störgeräusche zu orten, reicht es allemal.

Was am meisten stört, ist der ganze Kabelsalat (AV-Kabel plus Adapter plus Kopfhörer-Kabel), den man irgendwie am Rig festtapen sollte.

Magic Lanterns Audiopegel, optimale Einstellungen für das Sennheiser ME64 und die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Die Magic Lantern-Firmware macht aus der Canon 550D eine ziemlich komplette Videokamera. Vor allem die Audiofunktionen sind wirklich großartig, ich möchte sie nicht mehr missen.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, Tonaufnahmen möglichst nicht mehr nachträglich zu synchronisieren (also mit dem Zoom H1 aufzunehmen und später im Schnitt an die Videospur anzupassen), sondern das jeweils benötigte Mikrofon direkt anzuschließen. Entgegen vieler Meinungen im Netz finde ich die internen Audio-Wandler der Kamera gar nicht mal so schlecht. Für meine Zwecke jedenfalls reichen sie.

Um das Optimum rauszuholen, muss man die Audio-Einstellungen von Magic Lantern erstmal verstehen.

Wenn ich das Sennheiser ME64 direkt an die Kamera anschließe, um damit beispielsweise Atmo oder auch situative O-Ton-Statements (z.B. bei Umfragen) aufzuzeichnen, stelle ich den Analog Gain auf den Maximalwert 32 dB. Ziel ist, den Digital Gain für den linken und rechten Kanal möglichst gering zu halten, denn die digitale Verstärkung sorgt für deutlich stärkeres Rauschen als die analoge.

Faustregel: Erst die analoge Verstärkung ausreizen, dann mit dem digitalen Gain Finetuning betreiben.

Für L-DigitalGain wähle ich 12 dB, für R-DigitalGain 6 dB. AGC, also die automatische Aussteuerung, schalte ich selbstverständlich ab.

Magic Lantern-Audioeinstellungen für das Sennheiser ME64

Diese Einstellungen eignen sich eigentlich wunderbar, um normale Atmo (also etwa die Geräuschkulisse einer Fußgängerzone in der Mittagszeit) oder O-Ton-Statements aus kurzer Distanz (mit etwa einem halben Meter Abstand zum Interviewpartner) aufzunehmen. Wohlgemerkt: Bei meinem ME64. Bei anderen Mikrofonen kann und wird das vermutlich ganz anders aussehen.

Die Pegel kommen jetzt in relativ gesunden Bereichen zwischen -18 und -9 dB unter der Vollaussteuerung an (es sei denn, der Interviewpartner flüstert). Das leichte Rauschen der Kanäle geht ohnehin in der Atmo bzw. in der Sprache unter.

Die unterschiedlich starke Aussteuerung der beiden Kanäle hat den Vorteil, dass ich mich später im Schnitt für den besseren Kanal entscheiden kann. Vom schlechteren trenne ich mich. Da die Kanäle in Stereo aufgezeichnet werden, muss die Balance natürlich nachträglich zentriert werden (sonst kommt der Ton nur links oder rechts aus dem Lautsprecher).

Als ich erste Tests mit der Funkstrecke (Sennheiser EW 100 G2) und dem Ansteckmikrofon MKE2 gemacht habe, hat es ein bisschen länger gedauert, die optimalen Einstellungen zu finden. Denn neben Magic Lantern müssen auch diverse Werte am Sender und am Empfänger der Funkstrecke justiert werden.

Meine Optimaleinstellungen, die ich für Interviews verwende (das Mikro ist dabei etwa auf Brusthöhe angebracht), sehen im Magic Lantern-Audiomenue wie folgt aus:

Magic Lantern-Audioeinstellungen für die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Sämtliche Gains stehen also auf Null, was bedeutet, dass keinerlei Rauschen durch irgendeine Verstärkung hinzugefügt wird.

Die Sensitivität des Funkstrecken-Senders stelle ich auf 0 dB, den AF-Out des Empfängers auf +6. So kommt in der Kamera ein Signal an, das – je nachdem, wie laut der Interviewpartner spricht – in den Spitzen bei etwa -12 bis -9 dB unter der Vollaussteuerung landet. Das Rauschen ist vertretbar (wie gesagt: für meine Zwecke).

Ein paar Worte noch zum Pegelmesser von Magic Lantern: Die Pegel können die Farben Grün, Gelb und Rot haben. Ich habe es mal ausgemessen (mittels eines 1kHz-Tones): Grün wird der Balken angezeigt, wenn das Signal unter -18 dB liegt. Zwischen -18 und -12 dB ist der Balken gelb, danach dann rot. Ein roter Balken heißt also nicht, dass das Signal übersteuert ist, sondern sich lediglich im Headroom bewegt. Übersteuerung tritt eben tatsächlich erst am Ende der Skala ein.

Aber Vorsicht: Die kleinen Zahlenwerte links neben dem Pegelmesser sind nur ungefähr richtig (sie weichen nach meinen Erfahrungen etwa um 2 bis 3 dB ab). Kommt ein Pegel wirklich am Ende an, ist das Signal höchstwahrscheinlich schon übersteuert, auch wenn die kleine Zahl daneben -2 anzeigt.

Update (27.02.2011): Ich sehe gerade, dass die Sache mit den Pegelmessern in der Magic Lantern User Group auf Vimeo ebenfalls diskutiert wird. Tenor: Die Pegelmesser sind schwer zu beurteilen und relativ ungenau. Die von mir gemessenen Dezibelwerte für den grünen, gelben und roten Balken weichen leicht von den in der User Group gemessenen Werten ab.

Magic Lantern Firmware mit GUI für die EOS 550D/Rebel T2i: Audioaufnahme mit Zoom H1 und Sennheiser EW100 G2 ohne zu synchronisieren

Seit ein paar Tagen ist die Magic Lantern Firmware für die 550D/Rebel T2i in einer Version mit Menueführung zu haben. Wie schon bei der 5D Mark II verfügt jetzt auch die kleine 550D über Features, die deutlich professionelleres Arbeiten ermöglichen.

Ich habe testweise mal die Firmware vom 12. Dezember installiert (550D/1.0.8), in der es auch einen Spotmesser gibt, um punktuell die Belichtung zu messen.

Insgesamt hat diese Version von Magic Lantern noch ein paar Fehler, ist für mich aber trotzdem eine riesengroße Bereicherung – allein schon wegen des Audio-Teils, um den es im folgenden geht.

Endlich ist es also möglich, die Tonautomatik (AGC) abzuschalten und beide Kanäle unabhängig voneinander zu pegeln. Schade nur, dass es den Entwicklern noch nicht gelungen ist, eine Tonkontrolle über den AV-Out zu programmieren.

Meine (hier abgekupferte) Idee war daher, den Zoom H1, die Funkstrecke EW100 G2 (mit Ansteckmikro MKE2) und die 550D so zu verbinden, dass ich einerseits ein sauberes Tonsignal aufzeichnen kann, andererseits das Tonsignal mit Kopfhörern über den Zoom H1 abhören kann – und das alles natürlich ohne später im Schnitt synchronisieren zu müssen. Der Zoom H1 dient also nur als Vorverstärker und gibt das Tonsignal direkt an die 550D weiter, die – dank abgeschaltetem AGC – möglichst rauschfrei aufzeichnen soll.

Das funktioniert auch gar nicht mal so schlecht. Die Verbindung zwischen Zoom H1 und 550D habe ich bisher zwar nur über ein ganz normales Stereoklinkenkabel hergestellt und konnte deshalb noch keinen Kopfhörer anschließen.

Ideal wäre ein Y-Kabel: Auf Zoom-Seite müsste es mit einem 3,5mm-Stereoklinkenstecker enden, auf der anderen Seite jeweils mit einem 3,5mm-Stereoklinkenstecker (zum Anschluss an die 550D) sowie einer 3,5mm-Stereoklinkenbuchse (für den Kopfhörer). Ob man so ein Kabel kaufen kann? Vermutlich ist das eher ein Fall zum selber Löten.

Ziel ist es, das über den Zoom H1 aufgezeichnete Tonsignal an die Kamera so weiterzuleiten, dass die Pegelanzeigen 1:1 übereinstimmen. Zeigt also der Zoom beispielsweise einen Pegel von 12 dB unter der Vollaussteuerung an, sollte das die 550D auch tun.

Da ich weder die Pegelanzeige des Zoom noch die von Magic Lantern besonders genau finde, bin ich auf folgende Ungefähr-Einstellungen gekommen (falls jemand bessere Einstellungen gefunden hat, bin ich um jeden Hinweis in den Kommentaren dankbar).

Audio-Konfiguration der Magic Lantern Firmware

Im Magic Lantern-Menue:

  • AudioMeter: ON (zeigt die beiden Pegelmesser)
  • Output vol: 6 dB (dieser Wert ist völlig egal, da die Audiokontrolle über Kopfhörer direkt an der 550D noch nicht einwandfrei funktioniert)
  • Anlg Gain: 0 dB (die analoge Mikrofonvorverstärkung)
  • L-Gain: 6 dB (Verstärkung des linken Kanals)
  • R-Gain: 12 dB (Verstärkung des rechten Kanals)
  • AGC: OFF
  • Filters: OFF
  • Inp: ext stereo (Eingangsquelle ist also linker und rechter Kanal des externen Mikrofonanschlusses)

Die Sennheiser-Funkstrecke habe ich wie folgt eingestellt:

  • Sensitivität des Senders: -10 dB
  • AF-Out des Senders: -24 dB

Und den Zoom H1 so:

  • Mikro/Line In: 70
  • Kopfhörer/Line Out: 90

Mit diesen Einstellungen kommt normal laute Sprache, aufgezeichnet über ein auf Brusthöhe angebrachtes Sennheiser MKE2, etwa so in der 550D an:

Audio-Hükurve einer Sprachaufnahme mit der beschriebenen Konfiguration

Da ich den ersten Kanal nur mit +6 dB verstärkt habe, dient er zu Sicherheit, denn die Wahrscheinlichkeit zu übersteuern ist sehr gering. Den zweiten Kanal habe ich mit +12 dB verstärkt, weswegen das Signal in den Spitzen an zwei Stellen verzerrte.

Rauschfrei läuft die Aufnahme mit Magic Lantern natürlich auch nicht, dazu ist der Tonteil der Kamera vermutlich einfach zu schwach und meine Verkabelung zu störanfällig. Während bei meinen Einstellungen das Grundrauschen des ersten Kanals bei -44 dB unter der Vollaussteuerung liegt, ist’s beim zweiten Kanal deutlich höher. Zum Vergleich: Das Grundrauschen liegt beim direkt mit dem Zoom aufgezeichneten Signal bei etwa -50 dbFS.

Mein zwischenzeitliches Fazit: In Zukunft werde ich den Ton so wie beschrieben aufzeichnen. Den Zoom werde ich bei Interviews natürlich auch auf Aufnahme schalten, um im Zweifelsfall einfach noch eine alternative Tonspur zu haben, die rauschfreier ist und eben auf altbewährte Art später synchronisiert werden kann.