Videobeiträge mit dem iPhone drehen und komplett schneiden (mit FiLMiC Pro und iMovie), Erfahrungen und Tipps

29. Juli 2014 | Schlagworte: - - - - - - - - - - - - - -

Folgendes sieben Minuten lange Video habe ich neulich am Rande einer lokalen Sportveranstaltung mit einem iPhone 4S gedreht und später auch direkt auf demselben Gerät geschnitten – also im Prinzip das getan, was für viele Reporter inzwischen völlig selbstverständlich ist.

Wer sich für den inhaltlichen Kontext dieses Videos interessiert, findet im Begleittext auf Vimeo weitere Informationen. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Das Video – eine einfache Aneinderreihung von O-Ton-Statements, unterschnitten mit Bildern der Veranstaltung und eingetaucht in eine etwas traurige Musik – ist technisch insgesamt soweit ok, denke ich. Es enthält einige vermeidbare Schwächen, auf die ich im folgenden Text neben Details zur Vorgehensweise und weiteren Tipps für eine sinnvolle Minimalausrüstung rund ums Drehen mit dem iPhone näher eingehen werde.

Neben dem iPhone 4S habe ich folgende Hard- und Software eingesetzt:

iPhone-Set für Videoreporter

FiLMiC Pro

FiLMiC Pro ist eine sehr viel bessere Alternative zur deutlich limitierten Original-Kamera-App des iOS. Die wesentlichen Funktionen kurz im Überblick:

FiLMiC Pro-Interface

  1. Das Fokuskästchen lässt sich bei Fingerstreich beliebig postionieren und anschließend fest einstellen (mit dem dazugehörigen Schalter ganz links unten). So ändert sich die Schärfe solange nicht mehr, bis man die Sperre wieder aufhebt.
  2. Nach demselben Prinzip funktioniert auch das kreisrunde, blendenartige Symbol. Wo man es positioniert, ermittelt die Kamera den Referenzwert für die Belichtung des gesamten Bildes. Auch dieses Symbol sollte man für die Dauer der Aufnahme sperren, sodass sich die Belichtung nicht mehr verändert, auch nicht während eines Schwenks oder bei sich anderweitig änderndem Bildausschnitt.
  3. Den Weißabgleich würde ich ebenfalls immer manuell einstellen. Wer keine Zeit dazu hat, sollte zumindest den durch die Kamera automatisch ermittelten Weißabgleichswert fixieren (also dafür sorgen, dass er sich nicht mitten in der Aufnahme automatisch ändern kann). Was passieren kann, wenn man das nicht tut, ist meinem Beispielvideo an dieser Stelle zu sehen: Die Hautfarben des Interviewpartners ändern sich unvorteilhaft mehrere Male.
  4. Die Taschenlampe ist eine Art Notleuchte. In bestimmten Situationen ist sie wahrscheinlich sogar sehr nützlich, allerdings habe ich sie für Videodrehs noch nicht benutzen müssen.
  5. Hinter dem Filmstreifen-Symbol verbirgt sich die FiLMiC Pro-Mediathek, also der Ort, an dem die Software alle ihre Aufnahmen ablegt. Hier kann man einzelne Clips von vorn und hinten kürzen oder komplett löschen. Nach den Dreharbeiten sollten alle Clips mit der Funktion „Copy to Camera Roll“ in die iOS-eigene Bibliothek für Videoaufnahmen kopiert werden, denn sonst können andere Apps (wie iMovie) nicht auf die Videodaten zugreifen. Unbedingt dran denken: Da es sich um einen Kopiervorgang (und nicht um ein simples Verschieben der Videodateien) handelt, wird dadurch der doppelte Speicherplatz auf dem iPhone belegt. Daher würde ich direkt nach dem Kopieren alle Clips in der FiLMiC Pro-Mediathek löschen.
  6. Hinter dem Zahnrad kann man alle möglichen technischen Parameter verändern, darunter so sinnvolle Dinge wie die Bildrate (also ob man z.B. mit 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde drehen will) oder die Bitrate des Video-Codecs (mit der man maßgeblichen Einfluss auf die technische Qualität der Clips nehmen kann). Die Einstellungen lassen sich dauerhaft in Presets ablegen, zwischen denen man ziemlich zügig bei Bedarf wechseln kann. Ich habe beispielsweise das Preset C1 für den energiesparenden Alltagsgebrauch wie folgt konfiguriert:

Camera: Back
Mode: Efficiency
Orientation: Auto
Resolution: 1280×720
Frame Rate: 25 fps (sync audio)
Zoom: —
Image Stabilization (On): Enabled
Reticle: Double
Audio Monitoring: On
35mm Flip: Off
GPS Tagging: Off
Event Mode: Off
Show Histogram: Off
Screen Options: hide preview(preview) 00:00
Audio Meter: On
Thirds Guide: On
Framing Guide: Off
Matte: —
Chroma Key: ––
Clip Naming Convention: Date, Time
Project: —
Scene: —
Take: —
Enabled (Header): Off
Format: Slate
Video: Apple Standard
Audio (mono): Standard
Audio Filter: Standard
FiLMiC Remote: Off
Galileo: Off

Eine sehr wichtige Funktion ist der Bildstabilisator, den ich stets eingeschaltet habe. Er funktioniert zwar erst ab dem iPhone 4S, aber bei handgeführter Kamera leistet er enorm gute Arbeit. Das typische Zittern, das bei Kameras mit CMOS-Sensoren auftritt (Stichwort Rolling-Shutter-Effekt), lässt sich damit zwar nicht komplett vermeiden, aber die Auswirkungen fallen deutlich weniger ins Gewicht. Das Bild wird bei eingeschaltetem Bildstabilisator marginal weicher, was man aber getrost vernachlässigen kann.

Grundsätzlich erfordert es ein bisschen Übung, wenn man mit FiLMiC Pro zu guten Belichtungen kommen will. Im Idealfall würde ich eine 18%-Graukarte nutzen und im Bild so positionieren, dass sie die Lichtverhältnisse ideal reflektiert, also bei einem Interview zum Beispiel direkt vor das Gesicht des gut ausgeleuchteten Gesprächspartners halten. Dann ziehe ich den Belichtungskreis auf die graue Fläche und fixiere den Wert. Die Vorgehensweise unterscheidet sich also im Prinzip nicht von der Belichtungsmessung mit einer Spiegelreflex- bzw. Systemkamera, wo ich das Spotmeter dazu nutzen würde.

Nun hat man natürlich selten eine Graukarte dabei, zumindest nicht, wenn man nur das iPhone in der Tasche hat. In solchen Fällen würde ich das Belichtungssymbol auf eine repräsentative Stelle des gut ausgeleuchteten Gesichts meines Gesprächspartners ziehen und den Wert anschließend wieder fixieren. Das Schärfekästchen ziehe ich auf die Augenpartie und fixiere es auch hier (siehe Abbildung, danke an Sebastian). Meistens führt diese Vorgehensweise zu akzeptablen Ergebnissen wie im Beispielvideo bei diesem Interview.

Interview-Belichtung mit FiLMiC Pro

Wenn man sich die Luminanzinformationen der obigen Aufnahme als Wellenform anschaut (die horizontale Achse entspricht dem Videobild von links nach rechts, die vertikale Achse der Signalintensität in IRE), dann sieht man sehr deutlich, dass die Helligkeit des Gesichts im Idealbereich zwischen 50 und 75 IRE landet, also von den oberen Mitteltönen bis zu den unteren Lichtern bei den hellsten Hautpartien reicht.

Luminanzpegel der Interview-Aufnahme

Eigentlich kommt man recht häufig zu guten Ergebnissen, wenn man diese Methode anwendet. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, denn bei allzu viel Gegenlicht ist das Arbeiten mit dem Belichtungskreis eine Wissenschaft für sich, die mitunter zu suboptimalen Ergebnissen wie beispielsweise in diesem Interview aus meinem Beispielvideo führen kann.

Der im iPhone verbaute CMOS-Sensor ist sehr klein, und je kleiner der Sensor, desto größer die Schärfentiefe. Dennoch sollte man gerade bei Interviews mit dem Schärfekästchen sehr genau arbeiten. Wenn man die Schärfe auf der Augenpartie einmal fest eingestellt hat, sollte man während des Gesprächs die Distanz zwischen Kamera und Interviewpartner nicht mehr verändern, denn sonst kommt es schnell zu ungewollten Unschärfen wie an dieser Stelle im Video. So etwas sieht sehr unprofessionell aus.

iMovie für iOS

iMovie für iOS

Als ich iMovie für iOS das erste Mal gestartet habe, war ich erstaunt, wieviele Funktionen die App bietet. Das Wesentliche für den einfachen Schnitt ist auf jeden Fall an Bord. Man kann mit maximal zwei Videospuren und drei Audiospuren arbeiten, was auf dem gerade mal 3.5 Zoll kleinem Display des iPhone 4S schon eine gewisse Herausforderung ist. Vor allem beim Trimmen, also dem framegenauen Kürzen oder Verlängern von Einstellungen auf der Timelime, ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Die Software ist für Hobbyisten gemacht, das sieht man sofort. So hat man beispielsweise die Wahl zwischen verschiedenen visuellen Vorlagen („Verspielt“, „Neon“, „Heiter“ etc.), die sich spätestens dann einmischen, wenn man Bauchbinden, Titeleinblendungen oder Übergänge in seinem Video verwendet. Zum Glück gibt es aber auch die Vorlage „Einfach“, die auf all diese Spielereien verzichtet und für mich erste Wahl ist.

Apropos Übergänge: Man erkennt den Amateurcharakter der Software auch daran, dass iMovie immer eine Kreuzblende zwischen zwei Einstellungen auf der Timeline hinzufügt, ganz egal welche Vorlage man gewählt hat. Dieser unter Urlaubsfilmern sehr beliebte Effekt lässt sich zwar schnell entfernen, was aber stets einen zusätzlichen Arbeitsschritt nach sich zieht. Abschalten lässt sich diese Automatik leider nicht.

Auch das Werkzeug für Texteinblendungen ist in seinen Fähigkeiten sehr beschränkt, da man nur aus ein paar Vorlagen auswählen kann, die man dann anpassen muss. Leider ist es nicht möglich, die Einblendungen absolut frei zu positionieren, sondern sie erscheinen immer nur an fest definierten Stellen.

Die Tonspuren hingegen lassen sich mit iMovie recht flexibel bearbeiten, zum Beispiel clipweise lauter oder leiser ziehen sowie auf den Frame genau ein- und ausblenden. Sehr hilfreich ist, dass man die Tonspur von einem bereits auf der Timeline liegenden Videoclip abtrennen kann, sodass sie auf eine der drei Tonspuren fällt. Dort lässt sie sich nach Bedarf verlängern oder verkürzen. Auf diese Weise kann man spielend einfach O-Ton-Statements vorlappen lassen, ohne dabei auf eine zweite Videospur angewiesen zu sein.

Legt man eine Musikspur unter ein Video mit Sprachelementen (wie O-Tönen), dann behandelt iMovie die Musik automatisch als Hintergrundgeräusch und blendet sie immer etwas ab, sobald Sprache einsetzt. Diese Automatik kann man abschalten, indem man die Musik als Vordergrundgeräusch definiert (und sie dann ggfs. in ihrer Lautstärke individuell anpasst).

Würde Apple eine spezielle Reporter-Edition von iMovie entwickeln, würde ich mir einen Tonpegelmesser mit einer dBFS-Skala wünschen, damit man den Ton nicht ins Blaue hineinmischt. Denn in der aktuellen Version ist man auf Gedeih und Verderb auf die Automatikuntersützung von iMovie angewiesen und kann nicht auf einen selbst definierten Referenzpegel mit Sicherheitsabstand zur 0 dBFS-Marke abmischen.

Aber alles in allem ist iMovie eine für Reporter brauchbare Software, die es ermöglicht, schnell und unkompliziert einfache Videos in guter Qualität für die Online-Berichterstattung zu erstellen – ganz egal, wo man sich gerade befindet.

Somikon LED-Videoleuchte mit Stativhalterung

Somikon-Handgriff mit LED-Leuchte und Stativhalterung

Wenn es tatsächlich eine Kamera geben sollte, die man immer dabei hat, dann wohl das Smartphone. Doch wie bei allen anderen kompakten Geräten ist auch das iPhone nicht besonders elegant im Handling fürs Videodrehen. Man muss es mit spitzen Fingern anfassen, wobei die Gefahr groß ist, dass man versehentlich mal für einen kurzen Moment das Objektiv verdeckt, die Mikrofone an der Unterseite zuhält oder dass es generell einfach stark wackelt.

Einen passenden Handriff zum Stabilisieren halte ich daher für absolut unverzichtbar und für die allererste Anschaffung auf der Liste der Dinge, die man fürs Videoproduzieren mit dem iPhone braucht. Zwar hat man so einen Griff dann sicher nicht mehr dauernd dabei, aber vielleicht finder er ja Platz in der Jackentasche, im Handschuhfach oder sonstwo.

Eine recht günstige Lösung ist, solange es sie noch gibt, die Somikon LED-Videoleuchte mit Stativhalterung für das iPhone 4 und 4S. Wer es für ein iPhone 5 verwenden will und über ein wenig handwerkliches Geschick verfügt, kann sich das Plastikgehäuse an den abgerundeten Rändern einigermaßen passend feilen. So hat es zumindest ein Volontär in einem meiner Video-Workshops gemacht.

Die Videoleuchte an der Vorderseite wird mit sechs AAA-Batterien bzw. Akkus betrieben und läuft dank energiesparender LED-Technik sehr lange. Dimmbar sind die LEDs leider nicht, was gerade bei Interviews ein nettes Feature gewesen wäre – vor allem weil sie bei direktem Blickkontakt auf kurze Distanz sehr unangenehm für Gesprächspartner vor der Kamera sein können.

Die Lampe strahlt Licht mit einer Farbtemperatur von 5600K ab. Das entspricht mittlerem Tageslicht. Spätestens wenn man die Leuchte benutzt, sollte man immer an den Weißabgleich denken. Ich habe ihn hier (wie bereits oben erwähnt) beispielsweise vergessen und auch den durch FiLMiC Pro automatisch ermittelten Wert nicht fixiert, was unvorteilhaft aussieht.

An der Unterseite des Somikon-Handgriffs wurde an ein 1/4 Zoll Gewinde gedacht. So lässt sich das iPhone ohne Umwege auf jedem üblichen Stativ befestigen.

Für Rechtshänder, die Interviews ohne ein externes Mikrofon führen wollen (nicht empfehlenswert), hat der Griff samt Gehäuse leider einen entscheidenden Nachteil: Sobald man das iPhone in der Plastikhalterung befestigt, zeigen die Mikrofone nach rechts und somit nicht in die Sprechrichtung des Reporters. Der Ton wird also deutlich schlechter aufgezeichnet. Hält man die Kamera wiederum mit der linken Hand, ist alles gut. Dauerhaft umdrehen kann man das Gehäuse leider nicht.

Sennheiser-Mikrofon (Speiseadapter K6 mit Modul ME64)

Sennheiser-Mikrofonsystem K6 mit ME66 und Windschutz

Wer regelmäßig Interviews aufzeichnen will, sollte nicht lange über die Anschaffung eines Mikrofons nachdenken. Ich nutze ein Set von Sennheiser, das ich bereits seit den ersten Tagen als Videojournalist einsetze. Es besteht aus dem Speiseadapter K6 und dem Mikrofonmodul ME64. Dank seiner Nierencharakteristik ist das Mikrofon sehr gut geeignet für Interviewaufnahmen in Situationen mit Hintergrundgeräuschen. Der seitlich auf die Membran einfallende Schall wird weniger stark aufgenommen, der Schall vor dem Mikrofon am stärksten.

Das iPhone steuert den Tonpegel vollautomatisch aus. FiLMiC Pro zeigt zwar einen Tonpegelmesser an, bietet aber leider keine Möglichkeit manuell einzugreifen. Daher sind alle Sprachaufnahmen mit einem gewissen Risiko behaftet und neigen, je nach Empfindlichkeit des Mikrofons und der Intensität der Schallquelle, zum Übersteuern. In meinen Interview-Aufnahmen im Beispielvideo ist das eigentlich regelmäßig passiert, mal stärker, mal schwächer – für das geübte Ohr aber hörbar.

Waveform der beiden Interview-Aufnahmen

Die abgebildete Wellenform zeigt die Intensität des Tonsignals von zwei unterschiedlichen Interviews aus dem Beispielvideo. Unter den gegebenen technischen Bedingungen könnte man Interview 1 als gelungen bezeichnen, da es nur selten und leicht übersteuert. Interview 2 hingegen übersteuert fast regelmäßig und hört sich daher auch sehr kratzig an.

Was kann man machen? Vor dem Interview den obligatorischen kurzen Soundcheck mit einer Sprachprobe, während des Interviews den Tonpegelmesser von FiLMiC Pro möglichst im Blick behalten. Da eine manuelle Tonaussteuerung nicht möglich ist, lässt sich ein eventuell zu starkes Tonsignal nur mildern, indem man das Mikrofon von der Schallquelle weiter entfernt.

DIY-Mikrofonkabel

DIY-Mikrofonkabel

Um ein professionelles Mikrofon überhaupt erst an das iPhone anschließen zu können, braucht man ein spezielles Kabel, das sich Bastelfreudige nach dieser Anleitung auf YouTube selbst zusammenlöten können. Am Ende des Videos wird der Schaltplan gezeigt, der Aufschluss darüber gibt, wie links, rechts und Masse des Klinkensteckers sowie der benötigte 1000 Ohm-Widerstand zu verlöten sind, sodass man einen Kopfhörer und ein Mikrofon via XLR-Stecker anschließen kann.

Wer sich das Ersparen möchte, kann so ein Kabel auch kaufen. Allerdings habe ich das hier verlinkte nicht ausprobiert und kann nicht sagen, ob es tatsächlich auch funktioniert.

Kompakter Kopfhörer AKG K414P

geschlossener Kopfhörer von AKG

Welchen Kopfhörer man verwendet, ist eigentlich vollkommen nebensächlich. Jeder hat da seine persönlichen Vorlieben. So lege ich Wert darauf, dass der Kopfhörer sehr kompakt und leicht ist, möglichst beide Ohren abschließt und man ihn angenehm tragen kann. Das ist bei dem AKG K414P der Fall. Obendrein bietet er auch noch ein gutes Klangbild, vor allem wenn es um die Beurteilung von Sprachaufnahmen geht. Soweit ich weiß, wird dieser Kopfhörer aber nicht mehr verkauft.

Siolex Profi Carbon Reise-Stativ mit Fluid-Schwenkkopf Manfrotto 700RC2

Siolex Profi Carbon Reise-Stativ mit Fluid-Schwenkkopf Manfrotto 700RC2

Dieses Stativ samt Kopf hatte ich ursprünglich für die Panasonic GH3-DSLM-Kamera angeschafft, es eignet sich allerdings auch sehr gut für die Arbeit mit dem iPhone. Das Siolex-Stativ ist aus Carbon und dementsprechend leicht, was für mich das wichtigste Kriterium beim Kauf war. Zusammengefahren passt es wunderbar ins Reisegepäck, ist ausgefahren allerdings auch nicht besonders hoch. Für Interviews im Stehen ist es ganz klar nicht geeignet, für Interviews im Sitzen allerdings perfekt.

Der Schwenkkopf von Manfrotto ist meines Wissens der kleinste seiner Art, der fluidgedämpft ist, das heißt butterweiche Schwenks in alle Richtungen ermöglicht. Leider fehlt dem Kopf eine Libelle, was das Ausrichten erschwert – vor allem, wenn man die Kamera schwenken möchte und die Starteinstellung noch einen geraden Horizont hat, die Zieleinstellung aber völlig schief steht.

Fazit

Professionelle Arbeit hat nichts mit der Größe der Kamera zu tun, sondern es geht eigentlich nur noch darum, die richtige Kamera für den entsprechenden Job zu finden. Wenn der Auftrag lautet, Interview-Statements für Online-News mitzubringen, ein paar einfache Einstellungen zu drehen oder kurze Beiträge komplett zu produzieren, ist das iPhone ein absolut ernst zu nehmendes Werkzeug, das ich bei regelmäßiger Anwendung um das genannte oder ähnliches Zubehör erweitern würde.

Wer tiefer in das Thema Mobile Journalism eintauchen möchte, dem lege ich das gleichnamige Blog von Marcus Bösch nahe. Ein paar weitere Anregungen für nützliche Hard- und Software sowie Verweise auf lesenswerte Quellen gibt es in meiner Linkliste rund um die Videoproduktion mit dem iPhone, die ich von Zeit zu Zeit aktualisiere.

Ein kurzer Hinweis zum Schluss: Ich verlinke ungern auf Shop-Seiten. Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich das aber manchmal schwer vermeiden. Deshalb nochmal deutlich: Bei allen Links auf R73.net handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

Glidecam 4000 Pro und Smooth Shooter mit Canon 550D sowie HPX 171 mit und ohne Letus Extreme

7. August 2010 | Schlagworte: - - - - - - - -

Vor etwa zwei Jahren habe ich mir eine Glidecam Smooth Shooter gekauft – ein Schwebestativ (ähnlich wie die wesentlich bekanntere Steadicam), mit dem man die Kamera weitgehend von Körperbewegungen entkoppeln kann.

Mit viel Übung können Kamerafahrten dann sehr ruhig und fließend aussehen, fast so, als bewege sich die Kamera auf Schienen.

Wie man in diesem Clip (aus 2008 und 2009) deutlich sieht: Viel weiter als über den Anfängerstatus bin ich noch nicht hinaus gekommen. Zwar schaffe ich es, den Horizont in der Waagerechten zu halten, doch die leichten Links-Rechts-Wackler lassen das Ganze noch ein wenig wie Seefahrt aussehen.

Sobald allerdings ein Protagonist im Bild ist, der sich selbst bewegt, fallen diese leichten Wackler kaum noch ins Gewicht.

Um mit der Glidecam vernünftig arbeiten zu können, muss sie zunächst ausbalanciert werden. Das ist zwar nicht kompliziert, erfordert aber einiges an Geduld. Wie das funktioniert, wird im zweiten Teil folgender Video-Serie auf YouTube ganz gut erklärt:

Bei Glidecam-Aufnahmen sollte das Objektiv der Kamera einerseits weitwinklig eingestellt sein (denn je länger die Brennweite, desto deutlicher werden Wackler), andererseits sollten die Bilder so große Schärfentiefe wie möglich aufweisen. Denn Schärfeziehen während einer Fahrt ist so gut wie unmöglich.

Da normale 1/3″-CCD/CMOS-Camcorder bei weitwinkligen Aufnahmen eh alles scharf abbilden, ist es im Prinzip egal, mit welcher Blende man dreht.

Deutlich anspruchsvoller werden Aufnahmen natürlich, wenn man mit selektiver Schärfe arbeiten möchte, also beispielsweise einen Protagonisten verfolgt und ihn scharf abbilden möchte, während der Hintergrund in der Unschärfe liegt.

Das lässt sich einerseits mit einer HDSLR realisieren, andererseits mit einem 35mm-Adapter. Beide Möglichkeiten habe ich einmal ausprobiert.

Als ich vor ein paar Wochen die Canon 550D auf die Glidecam 4000 Pro geschraubt hatte, war meine erste Befürchtung, dass die Kamera viel zu leicht ist und ich das ganze System nicht vernünftig ausbalancieren kann. Daher war klar, dass ich ein möglichst schweres Objektiv sowie ggfs. noch ein wenig Zusatzgewicht anbringen musste.

Erst wollte ich das ganze mit einer 28mm-Nikon-Festbrennweite ausprobieren, da Foto-Zoomobjektive in der Regel länger oder kürzer werden, sobald man die Brennweite verändert. Doch da das Nikon-Objektiv beim Fokussieren ebenfalls seine Länge und damit den gesamten Schwerpunkt der Glidecam-Konstruktion verändert, war die Sache schnell gegessen.

Also habe ich das Tamron 17-50mm-Objektiv genommen und es fest auf 35mm eingestellt (entspricht wegen des APSC-Sensors der 550D also 56mm), das ganze auf eine Baseplate mit 15mm-Rohren montiert und zusätzlich noch – vor allem um das Gewicht zu erhöhen – mit einem Follow Focus versehen.

Mit drei Gegengewichten auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte konnte ich das System anschließend recht brauchbar ausbalancieren, wie im folgenden Video zu sehen ist. Beim Droptime-Test, also dem Pendeln in die Senkrechte, vergingen etwa zweieinhalb Sekunden, was ein guter Wert ist.

Die Aufnahmen habe ich dann fast durchgängig mit einer ambitioniert offenen Blende von f2.8 gemacht. Will heißen: Der Schärfebereich vor dem Objektiv lag – je nach Entfernung zum Objekt – im Zentimeterbereich. Logisch, dass brauchbare Aufnahmen nur in sehr kontrollierbaren Situationen und in Absprache mit dem Protagonisten möglich sind.

Schärfe ziehen ist nur zwischen den Aufnahmen möglich, weil die rechte Hand permanent den Griff der Glidecam hält und Zeigefinger und Daumen der linken Hand mit viel Feingefühl stets den sog. Center Post unter der kardanischen Aufhängung stabilisieren. Während einer Fahrt besteht die Herausforderung also darin, den Abstand zum Protagonisten bzw. bewegten Objekt konstant einzuhalten.

Panasonic HPX171 mit Letus Extreme 35mm-Adapter auf einer Glidecam 4000 ProIm vergangenen Winter hatte ich testweise meine Panasonic HPX171 samt dem Letus Extreme 35mm-Adapter, einer 50mm Nikon-Festbrennweite sowie einer GearDear-Mattebox auf das Schwebestativ geschraubt. Im Vergleich zur 550D war hier meine Befürchtung, dass die Kamera viel zu schwer ist, denn die Glidecam 4000 Pro ist normalerweise für ein Kameragewicht von etwa zwei bis fünf Kilogramm ausgelegt.

Natürlich ist völlig utopisch, das Kamera-Rig auf der Glidecam mit einer Hand allein zu führen – das ist viel zu schwer. Schon bei den kompakteren 2- bis 3-Kilo-Setups ermüden die Arme und Schultern (zumindest meine) nach nur wenigen Minuten. Bei schwereren Aufbauten ist der Smooth Shooter absolut unverzichtbar.

Denn dank der Weste samt Federarm wird das gesamte Gewicht gleichmäßig auf den Körper verteilt – in der Theorie und in den Werbeprospekten zumindest. Ich habe nach ca. zehn Minuten meistens trotzdem schon Rückenschmerzen und muss dann die erste Pause einlegen.

Neun Gegengewichte auf jeder Seite sowie jeweils eine schwere GewichtsplatteEin paar Worte zum Ausbalancieren: Auf jeder Seite der Glidecam-Basisplatte habe ich neun Gegengewichtsplatten verwendet. Doch weil das allein nicht ausreichte, habe ich zusätzlich auf jeder Seite der Basisplatte noch eine der schwereren Gewichtsplatten angebracht (die schwarzen mit den lauter vorgebohrten Löchern). Mit viel Geduld war das System schließlich im Gleichgewicht und hatte den Droptime-Test bestanden.

Weil der 35mm-Adapter die gesamte Kamera nicht nur schwerer macht, sondern den Schwerpunkt des gesamten Setups recht weit nach vorne verlagert, ist das Ausbalancieren deutlich komplizierter, wie ich finde.

Hier ein paar sehr einfache Aufnahmen, die ein wenig unter dem Wetter gelitten haben. Es war sehr kalt, ich hatte keine Handschuhe dabei, der Schnee war tief und rückwärts laufen war auf dem schneevereisten Rumpelweg einfach kein Vergnügen. Kurzum: Die Aufnahmen wackeln. Wären sie im Sommer entstanden, wäre das natürlich nicht passiert :-)

Sich mit einem Schwebestativsystem zu bewegen, ist eine sportliche und – je nach Wetterlage – schweißtreibende Angelegenheit. Die Körperhaltung sieht eher ungewöhnlich aus: Ich gehe immer leicht in die Knie und mache dann sehr kurze und schnelle Schritte. Je ebener der Untergrund, desto besser.

Schärfekontrolle mit Hilfe des HistogrammsBei den Beispielaufnahmen habe ich die Blende des Nikon-Objektivs auf f1.4 gestellt (was eigentlich völlig irrational ist; irgendwas zwischen f3.5 – f5.6 wäre wohl angemessener gewesen). Daher war der Schärfebereich noch dünner als beim Test mit der 550D. In solchen Fällen helfen natürlich sämtliche Formen von Fokus-Assistenten. An der HPX171 habe ich z.B. die Frequenzverteilungskurve schätzen gelernt. Sie zeigt sehr deutlich an, wann das Objekt maximal scharf abgebildet wird.

Glidecam und geringe Schärfentiefe – wofür ist das gut?

Unter bewegtbildgestalterischen Gesichtspunkten gibt es wohl kaum etwas Dramatischeres als eine Kamerafahrt. Der Zuschauer hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, weil er sich durch den Raum bewegt. Mit der Glidecam sehen solche Fahrten natürlich ungleich ansprechender aus als frei aus der Hand gedreht.

Ein sich bewegendes Objekt durch Unschärfe zu isolieren, ist schwierig und erfordert – sicher auch mit viel Übung – mehr als einen Versuch. Wer die Idee hat, eine Reportage mit solcher Technik zu drehen (also keinen Einfluss auf das Geschehen nimmt, mit der Kamera nur begleitet und nichts inszeniert), sollte sich schnell wieder davon verabschieden.

Interview-Formate hingegen können auf diese Weise visuell deutlich ansprechender gestaltet werden. Vor zwei Jahren habe ich dieses Video in der 3sat-Mediathek gesehen (ein Interview mit William Gibson; der interessante Teil fängt ziemlich genau im letzten Fünftel an – leider hat der Videoplayer keinen Timecode). Die Kamera kreist auf einem Schwebestativ ständig um die beiden Gesprächspartner und nur ab und zu wird eine zweite Perspektive, eine statische Halbtotale, gezeigt. Ich weiß noch genau, wie sehr mich diese simple Idee und die gute Umsetzung damals beeindruckt hat.

Kurze Zeit später hatte ich mir dann die Glidecam gekauft.

Erste Dreherfahrungen mit der EOS 550D/Rebel T2i und einem Schulter-Rig

31. März 2010 | Schlagworte: - - - - - - - - - - -

Seit rund zwei Wochen liegt sie nun hier herum, die Canon EOS 550D. Erst gestern bin ich spontan dazu gekommen, sie mal auf Praxistauglichkeit zu testen.

Für das Videoblog meines geschätzten Fußballclubs habe ich einen kleinen Beitrag produziert, eine Art Stimmungsumfrage unter den Spielern zu Beginn der bevorstehenden Rückserie. Nichts Großes, wegen pünktlichen Trainingsbeginns in wenigen Minuten unter Zeitdruck entstanden – also fast wie im Berufsalltag.

Zuvor habe ich mir provisorisch ein Schulter-Rig aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten zusammengebaut. Es ist zwar noch nicht ganz ausgereift, weil es eigentlich für den 35mm-Adapter und die HPX 171 gedacht ist. Doch das Drehen macht damit richtig Spaß, vor allem weil das Rig im Vergleich zum Adapter unglaublich leicht ist.

Canon EOS 550D / Rebel T2i mit Schulterstativ aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten

Da der Monitor dank des Kugelgelenks in alle Richtungen drehbar ist, kann ich das Rig sowohl links als auch rechts schultern – und somit für die nötige Abwechslung bei Umfragen sorgen (also das Gesicht mal links, mal rechts positionieren).

Mit dem über Composite angeschlossenen Marshall-Monitor (Modell V-LCD70P-HDA), der eine Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten hat, kann ich die Schärfe der Bilder prima beurteilen (zumindest bei 720p-Aufnahmen; in 1080p habe ich bisher noch nichts aufgenommen).

Vor allem interessierte mich aber die Frage, wie gut wohl die O-Töne klingen werden, wenn ich mein Sennheiser ME64 (mit Windschutz) anschließe. Fast alle Statements in dem Video habe ich über eine Distanz von etwa anderthalb Metern aufgezeichnet, links und rechts gab’s ordentlich Nebengeräusche.

Dank der Nierencharakteristik des Mikrofons sind die O-Töne recht deutlich verständlich. Der Limiter hat immer kurz vor 0 dBFS abgeriegelt. Zu Übersteuerungen kam es bei diesem Test nicht.

Ansonsten das übliche Problem: Immer wenn kurze Sprechpausen auftreten, zieht die automatische Tonaussteuerung (AGC = Automatic Gain Control) die Stille deutlich hoch, was sich mit Rauschen bemerkbar macht. Klingt nicht so gut, ist für viele Online-Video-Produktionen aber vermutlich zu verschmerzen.

Nikon AI-S-Linsen mit BlendenringDie alte Nikon AI 50mm f1.4-Linse, die ich für den Dreh eingesetzt habe, ist wegen des APS-C-Sensors der 550D fast ein kleines Teleobjektiv (Faktor 1,6 = 80mm). Natürlich hat es keinen Bildstabilisator. Aber ich habe den Eindruck, dass man mit einem Schulterstativ trotzdem recht ruhige Aufnahmen hinbekommt. Das bisschen Gewackel bei den O-Tönen in meinem Video stört mich nicht, da es nicht dieses merkwürdige Rolling-Shutter-Gezittere ist.

Apropos alte Nikon-Linsen: Ich kann sie für die Arbeit mit Video-DSLRs nur wärmstens empfehlen. Ich hatte mir ein Set speziell für den 35mm-Adapter zusammengekauft, bin aber heilfroh, dass ich sie dank eines gerade mal 20,- Euro teuren Adapterrings ohne Einschränkungen auch an der 550D nutzen kann. Der Vorteil für die Videoarbeit ist der direkt am Objektiv angebrachte Blendenring sowie der angenehm gedämpft laufende Fokusring.

Obwohl das Drehen mit der 550D unglaublich Lust auf mehr macht, fehlt mir an der Kamera vor allem eins: Ein 70%-Zebra, um die korrekte Belichtung von Gesichtern besser feststellen zu können (wie im Video deutlich zu sehen ist). Der sehr hilfreiche Belichtungsmesser bezieht sich immer auf das gesamte Bild, ist also nur eine begrenzte Hilfe.

Der Marshall-Monitor hat übrigens eine zebra-ähnliche Funktion („False Color“, siehe hier). Da ich ihn aber bisher immer nur mit der HPX 171 benutzt hatte, habe ich mich noch nicht damit auseinander gesetzt.

Erstes Fazit für mich: Die 550D macht soviel Spaß, dass ich gestern das erste Mal das Gefühl hatte, den 35mm-Adapter vermutlich nicht mehr einzusetzen. Mal schauen, wie sich’s beim ersten ernsthaften Beitragsdreh anfühlt.

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