Was die Tonpegelmesser in LumaFusion anzeigen

14. Juni 2017 | Schlagworte: - - - -

LumaFusion ist ein wirklich gutes Tool für den Videoschnitt auf iOS. Vieles, was beispielsweise das populäre iMovie im direkten Vergleich nicht oder nur sehr umständlich kann, ist mit dieser Software möglich – unter anderem eine recht genaue Tonmischung, was hilfreich ist für Videoreporter, die ein wenig mehr Kontrolle über den finalen Klang ihrer Videos haben wollen (oder müssen, weil sie sehr enge technische Kriterien einzuhalten haben, z.B. bei der Belieferung von Fernsehsendern mit „sendefähigem“ Material).

Wer LumaFusion nicht kennt oder gerade dabei ist es kennenzulernen, sollte sich Zeit nehmen für das kostenlose und gut verständliche 33-teilige Videotutorial auf YouTube. Darunter sind auch zwei Teile zum Thema Tonbearbeitung (1, 2), die jedoch eine Frage unbeantwortet lassen: Was genau zeigen die verschiedenen Tonpegelmesser in LumaFusion eigentlich an?

Bei der Arbeit mit der App tauchen vier unterschiedliche Tonpegelmesser auf: Der Mastertonpegelmesser, der Spurtonpegelmesser, der Tonpegelmesser in der individuellen Clip-Bearbeitung und der Tonpegelmesser im Voice Over-Tool für die Sprachvertonung des Beitrags.

So sieht das LumaFusion-Interface mit aufgeklapptem Audiomixer aus, wenn man das erste der sechs möglichen Layouts gewählt hat und das iPhone im Landscape-Modus benutzt:

Das LumaFusion-Interface mit aufgeklapptem Audiomixer

Links vertikal der Mastertonpegelmesser, der anzeigt, wie laut das abgespielte Video auf der Timeline an der aktuellen Stelle insgesamt ist, daneben horizontal die einzelnen Spurpegelmesser, die wiederum Auskunft darüber geben, wie laut jede der sechs möglichen Audiospuren ist (die oberen drei Spuren sind für Video mit Ton reserviert, bei den unteren dreien handelt es sich um reine Tonspuren).

Leider fehlt eine genaue Beschriftung der Skala, was auf der engen Fläche des iPhone-Displays wohl auch kaum darstellbar ist.

Um die Skala selbst zu beschriften, habe ich einen kleinen Test gemacht und einen zwei Minuten langen Sinuston mit 1 kHZ und maximaler Lautheit (0 dBFS) in mono generiert, in LumaFusion importiert, auf die erste Audiospur gelegt und in fünf Sekunden kurze Segmente unterteilt. Die Lautheit des ersten Clipabschnitts habe ich auf 0 dBFS gelassen, den zweiten Clip auf -3 dBFS gezogen, den dritten auf -6 dBFS und so weiter in 3-dB-Schritten. Und anschließend abgespielt und geschaut, wie die Tonpegelmesser reagieren.

Das kam für den Mastertonpegelmesser dabei heraus:

Die Masterpegel-Anzeige in LumaFusion mit exakten dBFS-Werten

Und das für den Spurpegelmesser:

Die Spurpegel-Anzeige in LumaFusion mit exakten dBFS-Werten

Wenn man auf der Timeline einen Clip doppelt antippt, wird er im individuellem Clip-Editor geöffnet, in dem man unter anderem das Tonsignal verstärken oder abschwächen kann. Auch hier gibt es links einen vertikalen Tonpegelmesser:

Das Interface der individuellen Clipbearbeitung

Und das zeigt er im Detail an:

Der Pegelmesser der individuellen Clipbearbeitung

Wenn man Videobeiträge mit Sprache vertonen möchte, würde ich zunächst das Interface-Layout anpassen. Layout Nr. 5 (und das iPhone im Landscape-Modus) ist eine gute Wahl:

Layout Nr. 5 im Landscape-Modus ist ideal für das Voice Over-Tool

Denn jetzt wird der Tonpegelmesser etwas breiter und damit genauer dargestellt als in den Spalten-Layouts:

Der Tonpegelmesser des Voice Over-Tool

Beim Einsprechen würde ich darauf achten, die -6 dBFS-Marke möglichst nicht zu überschreiten, in den Spitzen aber idealerweise immer ein bis zwei Kästchen darunter zu bleiben. Faustregel also: Bleiben die letzten sechs bis sieben Kästchen frei, dürfte man im sicheren Zielbereich von etwa -9 bis -12 dBFS landen.

Leider verfügt das Voice Over-Tool noch nicht über einen Gain-Slider, mit dem es möglich wäre, die Eingangs-Intensität des Tonsignals zu verstärken (nicht gut, weil dann das Rauschen zunimmt) oder abzuschwächen. Letzteres wäre nötig, wenn man beispielsweise mit dem Rode VideoMic Pro oder dem Azden SMX-30 bzw. SMX-15 und ihren +20 dB-Vorverstärkungen ein recht starkes und sauberes Signal in die Kamera speist. Ohne Abschwächung der Eingangsempfindlichkeit landet man in den Spitzen dann schon recht schnell im roten Bereich. Ich hoffe, der Gain-Slider wird mit einem Update nachgeliefert.

Übrigens, der Mastertonpegelmesser und die sechs Spurpegelmesser reagieren mit einiger Verzögerung. Beim Abspielen meiner etwa zwei Minuten langen Timeline mit der -3-dB-Treppe (von 0 dBFS auf -60 dBFS in 5-Sekunden-Schritten) brauchte der Pegelmesser von Schritt zu Schritt etwa bis zu drei Sekunden, um die Änderung anzuzeigen (LumaFusion 1.3.2 auf einem iPhone 7 mit iOS 10.3.2 im Flug- und Bitte-nicht-stören-Modus ohne weitere geöffnete Apps im Hintergrund). Und auch wenn ich es nicht so genau messen konnte, hatte ich das Gefühl, dass die Tonpegelmesser im individuellen Clip-Editor und im Voice Over-Tool ähnlich träge reagieren. Aber vielleicht optimieren die Entwickler ja auch das in künftigen Versionen.

Insgesamt würde ich Videobeiträge fürs TV auf -9 dBFS in den Spitzen abmischen, das heißt der Mastertonpegelmesser sollte möglichst im fertigen Video nie über das vierte Kästchen von oben hinausgehen. Bei Beiträgen fürs Web habe ich mir angewöhnt, sie auf -6 dBFS abzumischen, also so, dass beim Mastertonpegelmesser die dritte Kästschenreihe von oben ab und zu mal in den Spitzen aufblinkt.

Die Tonmischung selbst würde ich – je nach Umgebung – entweder mit den zum iPhone gehörenden Kopfhörern machen (wenn man sich in einem relativ ruhigen Raum befindet) oder aber mit deutlichen besseren, geschlossenen Kopfhörern (in lauterer Umgebung). Die Lautstärkeregler des iPhone würde ich mindestens auf Mitte stellen, eher sogar etwas höher, um alles so gut wie möglich beurteilen zu können.

Interviews mit der BMPCC aufzeichnen (Ton intern und in ProRes mit Film Log für Hauttöne belichten)

18. März 2015 | Schlagworte: - - - - - - - - -

Als ich das erste Mal mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) Interviews aufzeichnen wollte, stand ich vor zwei Problemen (mindestens): Wie kriege ich eine gute Tonaufnahme hin? Und wie belichte ich im Film Log und mit ProRes-Codec optimal für Hauttöne? Für beide Fragen stelle ich hier meine Arbeitsweise vor. Wer andere, vielleicht sogar bessere Methoden gefunden hat: Ich bin für jede Anregung in den Kommentarfeldern dankbar.

Die Tonaufnahme

Die BMPCC ist nicht gerade berühmt für ihre Tonqualität – auch dann nicht, wenn man ein recht hochwertiges externes Mikrofon anschließt. Der Sound klingt einfach dünn, und wenn man den Eingangspegel in der Kamera zu hoch dreht, wird die Aufnahme von einem starken Rauschen überlagert. Für Interviews also eigentlich unbrauchbar. Daher zeichnen viele BMPCC-User den Ton auch separat auf und synchronisieren ihn anschließend im Schnitt.

Wenn man allerdings ein recht starkes Signal in die Kamera speist, lässt sich eine brauchbare Qualität herauskitzeln. Für folgendes Beispiel-Interview habe ich die Sennheiser EW100 G2-Funkstrecke, das Rode Videomic Pro und den passiven Beachtek MCC-2-Adapter verwendet. Damit kann man beide Mikrofone gleichzeitig anschließen, das Tonsignal splitten und die beiden Tonkanäle in der Kamera unterschiedlich stark auspegeln, also ganz so wie man es von einem professionellem Camcorder gewohnt ist.

Vielen Dank an Markus Böhnisch, der sich für diesen Test kurz vor meine Kamera gesetzt hat. Kleinigkeit am Rande: Markus, der selbst seit mehr als 15 Jahren als Videojournalist arbeitet, spricht in dem Soundcheck kurz über seine erste Kamera, die legendäre Canon XM1 und findet, dass es nach all der DSLR-Schrauberei endlich mal wieder Zeit wird für eine gut bedienbare und vor allem für Videojournalisten taugliche Kamera mit großem Sensor. Wenige Tage nach unserer Aufnahme erschien dieser sehr lesenswerte Artikel in den Redshark News, der genau in dieselbe Richtung geht.

Für das Video oben habe ich das Audio-Menue in der BMPCC wie folgt konfiguriert:

Einstellungen im BMPCC-Audio-Menue

Bei diesen Einstellungen habe ich mich vor allem auf die Erfahrungen der Firma Beachtek verlassen, die in ihrem Blog Ergebnisse verschiedener Messungen veröffentlicht. Dort ist unter anderem nachzulesen, dass das beste Signal-Rausch-Verhältnis bei der BMPCC dann erreicht wird, wenn man die Eingangspegel der Kamera auf 50% stellt. Aber Vorsicht: Blackmagic hat diesen Wert in der Vergangenheit mit diversen Firmware-Updates immer mal wieder verändert, ohne darüber öffentlich auch nur ein Wort zu verlieren. Für die aktuelle Firmware (Version 2.0.1) scheinen 50% aber nach wie vor das Optimum zu sein.

Beim Rode Videomic Pro schalte ich die +20 dB-Verstärkung ein, die Empfindlichkeit (Menuepunkt „Sensitivity“) des Funkstrecken-Senders meiner Sennheiser EW100 G2 stelle ich auf -10 dB und die Stärke des Ausgangspegels am Empfänger (Menuepunkt „AF-Out“) auf Lev +00.

Rode Videomic Pro und Sennheiser EW100 G2

Mit dieser Kombination kommt ein starkes Signal in der Kamera an, das ich – je nach Intensität der Stimme des Interviewpartners – über das Potenziometer sogar noch etwas dämpfen kann. Beim Videomic Pro ist das nicht nötig, denn selbst bei sehr kurzem Abstand zum Interviewpartner ist das Signal auf keinen Fall zu stark. In meinem Beispielvideo oben beträgt der Abstand zum Interviewpartner etwa 1,50 Meter. Bei klarer und deutlicher Sprache schlägt der Tonpegelmesser in den Spitzen etwa bis -18 dBFS aus, was später im Schnitt also noch deutlich angehoben werden muss, je nachdem welchen Referenzpegel man erreichen will (für Broadcast-Anwendungen normalerweise -9 dBFS, fürs Web mische ich meistens auf -6 dBFS ab). Das nachträgliche Anheben des Tons verstärkt natürlich das Rauschen.

Anders bei der Funkstrecke, die noch einmal deutlich stärker ist. Dort versuche ich das Signal in den Spitzen in Richtung -9 dBFS zu pegeln, was ich mit den Tonpegelmessern der BMPCC auch sehr genau überprüfen kann. Aber Vorsicht: Die Kamera verfügt über keinerlei Limiter. Die Gefahr von Übersteuerungen, die man sofort auf dem Kopfhörer hört, ist also sehr groß. Daher empfehle ich, für Interviews ausschließlich die Funkstrecke an die BMPCC anzuschließen. Der Beachtek MCC-2 hat an seiner Vorderseite neben den beiden Eingängen für unterschiedliche Mikrofone auch noch eine weitere Stereobuchse. Schließt man den Funkstrecken-Empfänger daran an und schaltet an der Rückseite die Kanaltrennung ein (Schalterstellung „S“), wird ein und dasselbe Tonsignal auf die beiden Kanäle der BMPCC verteilt.

Beachtek MCC-2

Den ersten Kanal pegelt man dann etwas offensiver, den zweiten auf Sicherheit. Sollte der erste Kanal also mal übersteuern, weil der Interviewpartner irgend etwas sehr laut ausgesprochen hat, rettet mich der zweite Kanal. Diese Arbeitsweise habe ich bisher bei allen Interviews mit der BMPCC angewandt – und jedes Mal gab es irgendeine Stelle, an der ich auf den zweiten Kanal zurückgreifen musste.

Wer Reportagen mit der BMPCC dreht und sowohl eine Funkstrecke (z.B. für einen verkabelten Protagonisten) als auch ein Videomic Pro (für Atmo und spontan sich ergebende Dialoge) verwendet, sollte den Kanal der Funkstrecke von vornherein etwas defensiver pegeln.

Die Belichtung

Um die richtige Belichtung zu treffen, verfügt die BMPCC über zwei Messinstrumente: Das Histogramm und das Zebra-Muster. Letzteres lässt sich aber nur bis 75 IRE zurückregeln. Daher eignet es sich nicht besonders gut, um Hauttöne anzumessen, vor allem nicht, wenn man mit dem Film Log aufzeichnet. Besser also, man schließt einen externen Monitor an, der über präzisere Messinstrumente verfügt.

Ich benutze dazu den Zacuto EVF, der über zwei Zebra-Muster verfügt, die dummerweise aber zeitgleich angezeigt werden, was ich etwas verwirrend finde. Daher habe ich das zweite Zebra komplett abgeschaltet (im Monitor muss man es dazu auf 109 IRE stellen, dann ist es aus). Das erste Zebra-Muster habe ich auf 50 IRE gestellt.

Zacuto EVF Einstellungen Zebra-Muster

Warum 50? Weil Hauttöne von Mitteleuropäern im Film Log der BMPCC ungefähr bei 50 IRE angesiedelt sein müssten, zumindest haben das meine eigenen Tests bestätigt.

Zacuto EVF mit Zebra-Muster auf 50 IRE an der BMPCC

Wer es nachprüfen will, sollte sich eine Graukarte besorgen und sich auf die Information verlassen, dass Mittelgrau im Film Log der BMPCC bei exakt 38.4 IRE positioniert ist (siehe dazu den kompletten und sehr lesenswerten Thread auf BMCuser.com). Wenn man jetzt das Zebra-Muster des Zacuto EVF auf 38 IRE stellt, einen Interviewpartner gut ausleuchtet und die Belichtung auf der Graukarte direkt vor dem Gesicht des Interviewpartners misst, wird man später im Schnittprogram (nach Hinzufügen eines LUT) sehen, dass die Hauttöne dort liegen, wo sie klassischerweise hingehören, also etwa bei 70 IRE für die hellen Partien.

Interview mit Graukarte bei 38.4 IRE im Film Log der BMPCC

Da man vor allem beim schnellen und nicht-szenischen Drehen kaum mit einer Graukarte arbeitet, sondern zügig zu guten Belichtungen kommen muss, nimmt man eben – wie üblich – die Haut als Referenz. Nach Ansel Adams Zonensystem liegt Mittelgrau in Zone V, mitteleuropäische Hauttöne in Zone VI bzw. sehr helle Haut in Zone VII, also etwa eine bis eineinhalb Blenden darüber. Übersetzt in das Film Log der BMPCC sind eine bis eineinhalb Blenden über Mittelgrau also etwa 50 IRE.

Mit dieser Methode bin ich bisher zu recht guten Ergebnissen gekommen und kann sie guten Gewissens weiterempfehlen.

DIY-Mikrofonsplitterkabel für die saubere Trennung der Panasonic GH3-Tonkanäle (funktioniert vermutlich auch an jeder anderen DSLR)

13. Mai 2013 | Schlagworte: - - - -

Die Panasonic GH3 verfügt über eine 3.5mm-Stereo-Klinkenbuchse, an die man ein externes Mikrofon anschließen kann. Der Tonpegel lässt sich dann über 19 Stufen regulieren, jedoch immer nur für beide Kanäle gemeinsam.

Ohne weiteres ist es also leider nicht wie bei einer professionellen Videokamera möglich, den linken Tonkanal beispielsweise stärker auszupegeln als den rechten, was in vielen Situationen (z.B. Interviews) aus Sicherheitsgründen ja sinnvoll ist (Details dazu siehe hier).

Neulich bei einem Dreh mit der GH3 war es mir wichtig, den Ton meines mit einem Ansteckmikrofon verkabelten Hauptprotagonisten ständig über eine Funkstrecke abzunehmen und sämtliche Atmo-Geräusche sowie spontan sich ergebende Dialoge mit anderen Protagonisten über ein an der Kamera befestigtes Richtmikrofon aufzuzeichnen.

Dazu habe ich ein Splitterkabel benötigt, das an der einen Seite über einen Stereo-Miniklinkenstecker verfügt, an der anderen Seite über zwei Stereo-Miniklinkenbuchsen. Über ein zweiadriges Kabel wird das ganze so verlötet, dass die eingehenden Signale sauber voneinander getrennt in die Kamera gespeist werden.

Wer sich das Kabel nachbauen will, kann sich an folgendem Stromlaufplan orientieren (danke an Boris und Fred).

Stromlaufplan für das Mikrofonsplitterkabel an der Panasonic GH3 und anderen DSLR-Kameras

Wie man sieht: Es wird lediglich eine Ader benötigt, die zweite Ader wird mit der Masse verbunden.

Bei meinem Dreh hat das ganze wirklich sehr gut geklappt. Auf dem linken Kanal habe ich den Ton meiner Funkstrecke mit exakt den Einstellungen aufgenommen, die ich hier aufgeschrieben habe (also dem GH3-Eingangspegel auf dem rauschärmsten Level 1). Am rechten Kanal habe ich das Rode VideoMic Pro angeschlossen und daran die +20 dB-Verstärkung eingeschaltet.

Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Ich kann keinen Unterschied zu Aufnahmen heraushören, die ich in vergleichbaren Situationen zum Beispiel mit der Panasonic AF101 gemacht habe.

Im Schnittprogramm sind es dann in der Regel nur wenige Mausklicks, um aus der Stereo-Tonspur zwei Monospuren zu machen.

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