Sönke Wortmann und die WM-Kamera

Bin mal gespannt auf den Film, den Sönke Wortmann gerade über die deutsche National-Mannschaft bei der WM 2006 dreht. In einem Interview mit Spiegel Online sagt er, dass der Streifen im Herbst fertig sein soll.

Wortmann dreht mit einer kleinen, digitalen Videokamera – also wie ein Videojournalist. Der Frankfurter Rundschau hat er verraten, dass es sich dabei um einen Panasonic 3CCD-Camcorder handelt:

Was ich brauchte, war eine möglichst gute Kamera, die dennoch möglichst klein ist. Die hat eine sehr gute Bildqualität und wirkt von der Größe nicht störend. Außerdem kann man sehr schnell damit arbeiten. Einschalten und dann geht’s los. Ein Weißabgleich ist gar nicht nötig. Wenn man da auf der Ersatzbank sitzt und es passiert was, muss man schnell sein. Ich kann auch von oben in das Display gucken. Das ist psychologisch sehr wichtig. Ich muss sie nicht vor dem Kopf hertragen. Wenn man sie vor dem Auge hätte, wäre automatisch eine Distanz da.

Wenn mich nicht alles täuscht, dreht Wortmann mit der DVX 100 – zumindest deutet dieses Foto darauf hin.

Der Film dürfte vor allem unter dem Aspekt „Authentizität“ interessant sein: Ist es Wortmann tatsächlich gelungen, dank der unauffälligen Technik so nah an die Protagonisten heranzukommen, dass der Zuschauer das Gefühl hat, selbst dabei zu sein?

5 Kommentare

  1. Na, aber die richtige Überraschung war doch die Klinsi-Cam nach dem Spiel um Platz 3: Wortmann schmeißt sich auf den Boden um zu huldigen, Jürgen hält mit dessen DV-Cam drauf und löst dann schön auf – mit Schwenk nach oben zum Feuerwerk am Stadionhimmel …

  2. Eher nicht, siehe hier: „Der große Taburaum ist natürlich die Kabine, und da bin ich drin: vor dem Spiel, in der Halbzeitpause und nach dem Spiel. Es gibt verschiedene Bereiche, wo ich nicht hingehe. Also ich gehe jetzt nicht unter die Dusche. Ich finde, das gehört sich nicht. Aber ich glaube, selbst wenn ich da jetzt auftauchen würde, hätte damit keiner ein Problem.“

    Mit Authentizität sind eher Dinge wie diese gemeint, die vermutlich nur mit kleiner Kamera und ohne Präsenz eines gesamten Fernsehteams möglich sind: „Ich mache die Interviews bei den Jungs auf dem Zimmer, auf dem Bett. Da bekommt man eine ganz schöne Intimität hin. Das hilft bei dieser Ehrlichkeit, die ich suche.“

  3. Okay, gut recherchiert, Herr Mischel.

    Ich bin gespannt, wie es mit dem Unterhaltungswert des Films aussieht. Ich meine, manche Fußballer bringen ja kaum einen geraden Satz heraus. Wie wird also die Substanz des Films aussehen?

    Soll der Film eigentlich im Kino laufen?

  4. Von dem Film verspreche ich mir, dass er einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht, fernab von all dem Berechenbaren, das die Fußballberichterstattung während der WM ausgezeichnet hat: also eben keine Hochglanzbilder, keine langweiligen Interviews mit suggestiven Fragen, keine heroischen Inszenierungen.

    Allerdings frage ich mich, wie distanziert Sönke Wortmann während der Dreharbeiten als „embedded journalist“ tatsächlich noch war. Distanz ist ja eigentlich immer ganz gut, um die Sache am Ende nicht übertrieben darzustellen.

    Laut Wortmann soll der Film noch im Herbst fertig werden, aber nicht um jeden Preis sofort in den Kinos laufen.

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