DVRig Pro, erste Erfahrungen

Vor wenigen Wochen habe ich mein Equipment um einen wesentlichen Bestandteil erweitert: das DVRig Pro, ein Schulterstativ für DV-Kameras. Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, es unter professionellen Bedingungen einzusetzen.

Als die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Argentinien gespielt hat, bin ich vorher mal in die Dortmunder Innenstadt gegangen, um mit dem Stativ und der DVX 100 ein paar Bilder fürs Archiv einzufangen.

Arbeiten mit dem DVRig Pro (Foto-Credits: Pia).
Arbeiten mit dem DVRig Pro (Foto-Credits: Pia).

Normalerweise wäre ich dort vermutlich entweder mit einem Standard-Dreibein-Stativ, vielleicht auch mit einem Einbein-Stativ unterwegs gewesen. Mit dem Schulterstativ war es aber deutlich bequemer, denn:

  • man bleibt flexibler und kann schnell den Standort wechseln
  • gegenüber einem Einbein-Stativ sind trotzdem noch Schwenks möglich (in diesem Fall eben aus dem Hüftgelenk heraus, was mit ein wenig Übung erstaunlich gut klappt)
  • statische Aufnahmen mit langer Brennweite sind nahezu wackelfrei
  • gegenüber freihandgeführter Kamera sind Fahrten erstaunlich ruhig (natürlich nur, wenn weitwinkling gedreht wird)

Gerade der letzte Punkt hat mich am meisten beeindruckt. Dank des verstellbaren zweistufigen „Stoßdämpfers“ zwischen dem Hüftgurt und der Kamerahalterung werden die Bewegungen der Hüfte beim Gehen nahezu vollständig absorbiert (das setzt allerdings etwas Übung voraus).

Der Rest des Kameragewichts wird auf die Schulter verlagert. Um für ein ausgewogenes Verhältnis zu sorgen, ist am Ende der Schulterschiene ein Gegengewicht angebracht. Das kann bei Bedarf ausgetauscht werden, was zum Beispiel Sinn macht, wenn man mit einer akkubetrieben Kopfleuchte arbeitet. Der Akku lässt sich dann hinten installieren.

Ein paar wenige Impressionen aus Dortmund zeigt das folgende Video. Vielleicht wird deutlich, dass das Gehen mit der Kamera dank des Schulterstativs weitgehend ruckelfrei ist. Und dass saubere Schwenks auch aus der Bewegung heraus möglich sind.

Nach dem etwa einstündigen Dreh hätte ich übrigens noch stundenlang weitermachen können – keine Rückenschmerzen oder sonstige Probleme, die zum Beispiel mit dem Gewicht hätten zu tun haben können.

Ich vermute mal, dass sich das Schulterstativ vor allem bei Reportage-Drehs in aktionsreichen Umgebungen bezahlt machen könnte, da man den Protagonisten damit ziemlich dicht auf den Fersen bleiben kann, ohne die Bilder zu verwackeln. Wie es allerdings ausschaut, wenn man O-Töne aufzeichnen möchte (wie zum Beispiel bei einer Straßenumfrage), werde ich bei Gelegenheit ausprobieren.

Dass es funktioniert, Interviews zu führen und gleichzeitig mit einem Schulterstativ im Gehen den Protagonisten ruhig zu filmen, hat Markus Engelhardt in seinem Video-Portrait über den Grünen-Politiker Volker Beck bewiesen. Sehr sehenswert.

Übrigens: Dieser Steadicam-Effekt, den man mit dem Schulterstativ erzielen kann, lässt sich auch mit einem gewöhnlichen Stativ nachahmen. Vor einigen Monaten habe ich mit einem Politiker im EU-Parlament gedreht. Auch ihn wollte ich ein paar Meter auf seinen Wegen durch das Gebäude „verfolgen“.

Dazu habe ich die Kamera auf ein normales Dreibein-Stativ gesetzt (in diesem Fall ein Sachtler DA 75 L mit DV II-2-Kopf), das Stativ auf eine Höhe von etwa einem Meter eingefahren und den Kopf samt Kamera in der waagerechten fixiert. Dann habe ich das Stativ an zwei Beinen gefasst und direkt vor der Brust gehalten. Beim Gehen federn die Arme die Bewegung ab.

Improvisiertes Schwebestativ (Foto-Credits: Fiete Stegers).
Improvisiertes Schwebestativ (Foto-Credits: Fiete Stegers).

Das funktioniert erstaunlich gut – bei mir allerdings maximal zwei Minuten, danach wird’s Knochenarbeit.

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