Videos anschauen ist online Glückssache

Fast überall dasselbe: Wer auf den großen Nachrichtenseiten Videos angucken will, macht das meist auf gut Glück. Denn was den User erwartet, wenn er eines der Videos anklickt, ist kaum absehbar.

Beispiel 1: heute.de
Auf der Startseite sind alle möglichen Videos in der rechten Spalte „Mediathek“ mit einem Thumbnail und einer Schlagzeile versehen. Mehr nicht. In ganz wenigen Fällen mag das ausreichen, um wenigstens eine Ahnung zu bekommen, worum es sich in dem Videoclip drehen kann. Doch Thumbnails, die zum Beispiel zwei Häuser im Grünen zeigen mit der Erklärung „Besenrein für Bush“ daneben, lassen die User im Dunkeln. Erst wenn man draufklickt, öffnet sich die Mediathek in einem separaten Fenster – mit ein wenig mehr Infos, die immer noch dürftig sind.

Verbesserungsvorschlag: Warum nicht eine kurze Anmoderation (so wie sie auch im TV lief) bzw. einen für das Web optimierten Teaser mit den wichtigsten Infos direkt neben das Thumbnail stellen? Die User würden es wahrscheinlich dankend annehmen, zumal in der rechten Spalte ohnehin vielmehr Platz vorhanden ist als bislang genutzt.

Beispiel 2: tagesschau.de
Obwohl Bewegtbilder doch eigentlich das Kerngeschäft „Deutschlands seriösester Nachrichtensendung“ (ARD-Eigenwerbung) sind, werden auch hier die Videos bestenfalls an die Artikel drangetackert. Beides bildet keine Einheit, sondern lässt vermuten, dass ein Video eher nach Dienstvorschrift online gestellt wird – naja, immerhin in die thematische Nähe. Doch auch hier wären zwei, drei erklärende Zeilen hilfreich, wenn man das Video unbedingt am unteren Ende des Artikels unterbringen will.

Besser wäre es noch, das Video zum wesentlich bereichernden Bestandteil des Textes zu machen, indem man gezielt darauf hintextet. In diesem Artikel über die Stimmung in Italien nach dem WM-Titel-Gewinn hätte man das erst unten verlinkte Video zum Beispiel direkt in den Absatz mit der Überschrift „Wir sind alle sehr stolz“ einbinden können. Denn an dieser Stelle des Artikels geht es um dasselbe wie in dem Clip. Und wenn man ihn aus technischen Gründen nicht direkt einbinden kann, dann wenigstens ein Thumbnail samt erklärender Unterzeile mit einem Link darauf.

Beispiel 3: Spiegel Online
Spiegel Online bindet seine Videos direkt in die Artikel ein, benutzt sie sogar teilweise wie Aufmacher-Fotos auf der Startseite. Doch oft bleiben auch hier die User im Dunkeln.

In einem Artikel über Zidanes rote Karte im WM-Finale ist mitten in den Text ein Video von Spiegel TV Online eingebettet – ohne weitere Erklärung, ohne jeden Hinweis, worum es geht. Wenn man es anklickt, wird man enttäuscht: Nichts was auch nur annähernd mit der Aktion Zidanes auf dem Fußballplatz zu tun hat. Stattdessen eine stimmungsvolle Umfrage, was für die deutschen Fans nach der WM übrig bleibt.

Hier wäre zumindest so etwas wie eine Video-Unterzeile (analog zur Bild-Unterzeile bei Fotos) sinnvoll, um für mehr Orientierung zu sorgen.

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