O-Töne sauber aufnehmen, Teil 2

Wenn es die Zeit meiner Interview-Partner zulässt, dann nehme ich das Gespräch mit ihnen am liebsten in ruhiger Atmosphäre auf, möglichst im Sitzen und adäquat ausgeleuchtet.

Telefonisch kläre ich vorher natürlich ab, ob soviel Zeit vorhanden ist. Denn allein für Auf- und Abbau der Technik gehen locker mindestens 20 Minuten drauf, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert und die Konzentration hoch ist.

Für solche Fälle nehme ich folgendes Equipment mit:

  • die Kamera samt Akkus, Tapes, Kabeln und Mikrofonen
  • einen sehr kompakten Lichtkoffer mit drei 300-Watt-Leuchten und verschiedenen Filter-Folien, die mit Wäscheklammern an den Flügeltoren vor den Leuchten befestigt werden können
  • das Stativ für die Kamera
  • drei leichte Lampen-Stative

Das alles sollte natürlich möglichst gut und transportabel verpackt sein. Der Transport des gesamten Equipments ohne Auto ist auch solo zwar möglich, aber sehr anstrengend und absolut nicht empfehlenswert.

Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.
Dieses Equipment ist an einem ganz normalen Drehtag dabei.

Heute morgen hatte ich das gesamte Equipment dabei, als ich kurz einen O-Ton für einen Beitrag aufzeichnen wollte. Doch mein Interview-Partner hatte leider nur 15 Minuten Zeit, womit ich nicht gerechnet hatte. Viel zu wenig Zeit auf jeden Fall, um den ganzen Lichtaufbau vernünftig hinzukriegen.

Wir zeichneten den O-Ton dann im Stehen auf, und zwar auf einem langen Flur in dem Verwaltungsgebäude, in dem wir uns befanden. In der kurzen Zeit ist mir leider kein besserer Ort eingefallen.

Dort waren unter der Decke in regelmäßigen Abständen relativ schwache Leuchten platziert, an einer Stelle fiel links durch ein Fenster natürliches Licht.

Ich bat meinen Interview-Partner, sich direkt unter eine der Deckenleuchten seitlich in die Nähe dieses Fensters zu stellen. Dort vermischten sich zwar Tages- und Kunstlicht, was jedoch durch einen Weißabgleich in den Griff zu bekommen ist.

Auf die Kamera habe ich dann schnell noch eine kleine 20-Watt-Kopfleuchte installiert, mit der ich das Gesicht des Interview-Partners etwas aufhellen konnte.

Der Workflow in dieser Situation war wie folgt:

  • einen vernünftigen Hintergrund finden (in diesem Fall die Flucht des langen Flures)
  • Lichtquellen am Ort finden, die das Gesicht des Interview-Partners möglichst gut ausleuchten
  • die Kamera auf dem Stativ auf Augenhöhe des Interview-Partners bringen und ihn kurz darum bitten, sich während des Gesprächs nicht zuviel zu bewegen, da man die Kamera während des Gesprächs nicht bedienen kann
  • Kopflicht zuschalten
  • Weißabgleich direkt vor dem Gesicht des Interview-Partners
  • Sprechprobe nehmen, Ton pegeln
  • optimale Blendenzahl wählen und fest einstellen (dazu die Zebra-Funktion nutzen: bei 80 Prozent Intensität sollte der hellste Teil des Gesichts, zum Beispiel die Nase oder die Stirn, mit einem Zebra dargestellt werden)
  • den Fokus auf manuell schalten und die Schärfe ziehen (dazu möglichst nah auf die Augenpartie zoomen, dann scharf stellen und wieder aufziehen auf den optimalen Bildausschnitt)
  • Aufnahme starten und möglichst schlaue Fragen stellen

Während des Interviews stand ich – wie meistens – links hinter der Kamera, denn dort habe ich den besten Blick auf das ausklappbare Display. So kann ich den Bildausschnitt sowie die Tonpegel ständig aus dem Augenwinkel kontrollieren.

Das Mikrofon (in diesem Fall das Richtmikro Sennheiser ME66) halte ich in solchen Situationen nicht mit der bloßen Hand, sondern mit einer kleinen Tonangel, quasi ein verlängerter Arm. An deren Ende ist eine Spinne befestigt, die das Mikro hält.

So werden einerseits störende Griffgeräusche unterbunden (das ME66 ist da sehr empfindlich). Andererseits kann ich eine entspannte Körperhaltung einnehmen und bequem hinter der Kamera stehen bleiben, weil ich das Mikro auch über ein wenig Distanz an den Interview-Partner heranführen kann.

4 Kommentare

  1. Wie wäre, die gesamte Technik mal in einem Wiki zu organisieren? Ist vielleicht übersichtlicher?

    (Ja, ich habe auch schon angefangen. Eine riesige Tabelle in einem leider nicht weböffentlich zugänglichen Wiki ,)

  2. Roman: Würde ich gerne, geht aber leider nicht. Wir planen in dem Wiki u.a. Neuanschaffungen für unser Institut ,)

    Leider habe ich zur Zeit auch keine Datenbank mehr frei, wo ich die Daten reinkopieren kopieren könnte. Meine Tabelle stelle ich auf Anfrage aber gerne für Projekt zur Verfügung.

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