Weniger Video ist mehr

Matthias Kretschmer hatte vor einiger Zeit einmal treffend beschrieben, wie Videos zurzeit in Online-Angebote integriert werden: Sie sind Fremdkörper, haben wenig mit korrespondierenden Texten zu tun, stehen als eigene Werke für sich und werden in einem separaten Bereich abgelegt.

„Der User muss in solchen Fällen auf der Site von Sektion zu Sektion springen, wenn er sich zu einem Thema umfassend mittels Text und Video informieren möchte.“

Video online zu gucken hat also viel mit dem guten Willen des Nutzers zu tun: Er muss gerade in der Stimmung dazu sein, über die nötige Zeit verfügen und dann auch noch eine hohe Frusttoleranzgrenze haben.

Die BBC will die Sache jetzt anders angehen. Texte und Video sollen mehr zu einer Einheit verschmelzen, sich gegenseitig ergänzen und nicht – wie so oft auf den Nachrichtenseiten – redundante Informationen liefern.

Tests der BBC haben ergeben, dass sich die Nutzungsquoten von eingebetten und speziell aufbereiteten Videos deutlich von denen unterscheiden, die in Mediatheken versteckt sind. Daher will man künftig weniger Videos einsetzen, die wenigen aber viel gezielter.

Pete Clifton, BBC News Interactive-Chef, sagt:

„The results from the trial we did with embedded video were hugely positive in terms of the conversion rate of people reading the stories and watching the video. […] With the embedded video, up to 40 per cent of people were watching it. In its normal format, when you watch it in a different place [in a standalone player], it’s about two per cent.“

Und er fasst das Dilemma noch einmal gut zusammen:

„What irritates the hell out of people is if they click a story which says ‚Britain buys 100 new tanks for the war in Afghanistan‘ they then click on the video and it’s just a bloke standing in Whitehall saying ‚they’re going to buy 100 new tanks for the war in Afghanistan‘. The viewer could say ‚you’ve wasted my time.“

Nur so eine Vermutung: Wenn die erste Video-Welle abgeebbt ist und die großen Nachrichtenanbieter über einen bevorstehenden Relaunch ihrer Sites nachdenken, werden sie sicher keinen separat ausgewiesen Navigationspunkt „Video“ mehr führen.

(gefunden bei Alexander Svensson)

2 Kommentare

  1. Das Video mit durchsuchbaren Metadaten zu versehen, ist sicher auch ein Problem. Der Ansatz der BBC geht aber viel weiter, nämlich das Video in einen entsprechenden Kontext zu setzen und es als bereicherndes Element zu verwenden. Und das ist eben, was zurzeit noch nirgends so richtig passiert – zumindest fallen mir keine Beispiele ein.

    Was sich hinter dem Link verbirgt, den Sie angegeben haben, lässt sich (leider) nur herausfinden, wenn man sich registriert. Insofern kann ich dazu nichts sagen.

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