Wackelkamera

Mit einer freihand geführten Kamera ein statisches Objekt zu drehen, ist nicht sehr empfehlenswert. Egal wie man es macht, es wackelt.

Sind die Objekte selbst in Bewegung, sieht das schon ganz anders aus. Wer beispielsweise einem Protagonisten auf Schritt und Tritt folgen will, wird die Kamera mehr oder weniger freihand führen müssen. Dazu eignen sich verschiedene Methoden.

Möglichkeit 1: Die Kamera etwa auf Brusthöhe halten, wobei man sie in beide Hände legt, so als würde man vorsichtig eine Wasserschüssel tragen (wie es Dushan Wegner in seinem Buch Der Videojournalist treffend beschreibt). Die Knie sind dabei leicht gebeugt und federn einen Teil der Bewegung ab.

Möglichkeit 2: Die Kamera auf dem Stativ befestigen, das Stativ möglichst einfahren und mit beiden Händen fest vor der Brust halten. Das ist zwar schwere Arbeit, aber – je nach körperlicher Fitness – kann man so für ein bis zwei Minuten drehen. Mit etwas Übung federn die Arme sehr viel Bewegung ab.

Möglichkeit 3: Ein Schulterstativ einsetzen. Die Kamera hält man bei einer solchen Konstruktion direkt auf Augenhöhe. Stabilisiert wird die ganze Konstruktion durch eine Schulterschiene, an deren Ende ein Gegengewicht zur Kamera angebracht ist. Zusätzlich trägt man einen Gürtel, in dem ein gefederter Teleskoparm steckt, der die Hüftbewegungen beim Gehen absorbieren soll.

Ich habe diese drei Möglichkeiten (es gibt natürlich noch viele weitere; Anregungen gern in den Kommentaren) mal auf einem Sportplatz ausprobiert und im folgenden Video nebeneinander gestellt. Das statische Objekt, auf das ich mich zubewegt habe, ist das Tor auf der gegenüberliegenden Seite.

(Anmerkung: Das Video bitte nicht öfter als drei Mal in Folge ansehen, es entfaltet hypnotische Wirkung.)

Was sofort auffällt: Es wackelt bei allen drei Varianten erheblich. Das hat mehrere Gründe.

Erstens, wie eingangs erwähnt, habe ich ein statisches Objekt gedreht. Bewegungen fallen sofort auf, und in diesem Fall sollten sie das ja auch. Zweitens war der Boden leider alles andere als eben. Wer die Kreisliga C-erprobten Sportplätze im lippischen Südosten kennt, weiß wovon ich rede (saftigster Rasen, aber viele Schlaglöcher). Und drittens mangelnde Übung. Ich drehe meistens vom stehenden Stativ, die bewegte Kamera ist für mich recht ungewohnt.

Die Sache mit dem eingefahrenen Stativ vor der Brust habe ich wohl überschätzt. Ich musste aufgrund des Gewichts kleinere und dementsprechend viel mehr Schritte machen, was sich einerseits durch stärkere Wackelei rächt, andererseits war ich am Ende der kurzen Strecke ziemlich außer Puste.

Das Schulterstativ federt tatsächlich die Hüftbewegungen weitgehend ab (gegen Schlaglöcher ist es natürlich machtlos). Das Wackeln beschränkt sich weitgehend auf Bewegungen in der Horizontalen. Mit etwas mehr Training kann man bestimmt auch das noch in den Griff bekommen.

Apropos Schulterstativ: Ich setze das DVRig Pro ein. Wer über einen Kauf nachdenkt, sollte sich unbedingt auch den PAG Orbitor ansehen.

Ein Kommentar

  1. Danke für die freundliche Erwähnung des Wasser-Schüssel-Tipps! Und danke natürlich auch für diesen hervorragenden Artikel… samt hypnotischen Videos. ;-) (Zum Video würde ich vielleicht noch sagen, dass der „Freihand-Gang“ nicht wirklich geübt war. Mit Übung und Konzentration geht das smoother. Vor allem das links-rechts-Schaukeln muss nicht sein.)

    Viel Erfolg!

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