35mm-Adapter vs. Videojournalismus

Ich könnte sie mir immer wieder anschauen, Clips wie diesen von Philip Bloom. Einfach schöne, ruhige Bilder mit Aussage, ein angenehm unaufdringlicher Schnitt, alles passend zur Musik – eine kleine Reise am Computerbildschirm.

Bloom dreht mit einem 35mm-Adapter (den er hier detailliert bewirbt erklärt). Damit kann er ganz andere Optiken einsetzen, um die Schärfentiefe in den Videobildern zu verringern. Das ganze nimmt dann einen filmähnlichen Look an und sieht einfach gut aus.

Mit den Standard-DV-Optiken ist das nicht möglich (es sei denn, man dreht ständig mit offener Blende und langer Brennweite, wobei die anvisierten Objekte auch noch üppig Abstand zueinander haben müssen).

Seit es den LetusExtreme gibt, habe ich oft darüber nachgedacht, ihn mir für meine Arbeit anzuschaffen.

Abgesehen davon, dass man damit ganz allgemein viel mehr Möglichkeiten für die Bildgestaltung hat, würde ich ihn bestimmt sehr oft bei Interviewaufnahmen für Magazinstücke einsetzen – theoretisch zumindest.

Denn häufig ist es in den engen Räumen meiner Gesprächspartner nicht möglich, den Bildhintergrund angenehm in der Unschärfe verschwimmen zu lassen. Mit einem 35mm-Adapter und einer entsprechenden Optik wäre das wohl eine der leichteren Übungen.

Doch vom Kauf abgehalten hat mich bisher vor allem immer wieder eine Überlegung: Die Arbeit mit einem solchen Adapter macht den Job wohl kaum leichter – zumindest wenn man weitgehend solo arbeitet.

Denn eine voll ausgestattete Kamera sieht irgendwann so ähnlich aus wie beispielsweise die Panasonic HVX 200 von Christian Haake (lesenswerter Artikel zur Aufrüst-Odyssee in seinem Bewegtbildarbeiter-Blog).

Für die meisten VJs ist so ein „Kameramonster“ wohl etwas zu weit weg von der ursprünglichen Idee kompakter Arbeitsmittel mit dem gelegentlichen Vorteil des unauffälligen Nah-dran-seins.

Und was speziell die Interview-Aufzeichnungen betrifft: Mit all dem Equipment auf dem Rücken bzw. in sämtlichen Händen (neben Kamera samt Tonzubehör und Stativ auch noch der Lichtkoffer und die zusätzlichen Leuchtenstative) sind irgendwann Grenzen des Alleinarbeitens erreicht.

Wenn irgendein VJ da draußen ist, der das hier liest und Erfahrung mit 35mm-Adaptern hat – es würde mich brennend interessieren…

Nachtrag: Sehr informativer Thread auf DVXuser.com über Stärken und Schwächen von 35mm-Adaptern samt empfohlenen Zubehör wie Linsen etc.

5 Kommentare

  1. Ja, Roman, hier ist einer. Und zur Zeit drehe ich mit Sony EX1 und Letus eine ganze lange Doku. Bin anfangs durch Himmel und Hölle gegangen mit der Ausrüstung und JA: Es ist ein wirklich deutlicher Mehraufwand. Mal eben draufhalten ist Vergangenheit. Allein die Schärfe zu ziehen, besonders bei bewegten Objekten und Interviews ist manches Mal das reine Abenteuer. Erfahrung ist alles. Der Lohn ist Material mit absolutem Boh-Effekt.
    Gerade in einer Zeit der bodenlosen Inflation der Bilder bereue ich das Abenteuer allerdings keine Sekunde.
    Manches Mal wünsche ich mir einen Kameramann oder einen Focuspuller und manch anderes Mal zumindest Leute, mit denen ich mich vor Ort über die Sache austauschen kann. Habe ich mit Christian Haake auch ausführlicher getan, aber Kontakt vor Ort wäre wünschenswert.
    Grundsätzlich: Wer damit arbeiten möchte, sollte sich Zeit nehmen, erstmal ohne Produktionsdruck zu testen, zu üben, zu testen, zu üben…. Dann nur für Drehs nehmen, bei denen man Zeit hat. Dann: Sich freuen über das Ergebnis. Dann: Nicht ärgern, wenn einem keiner den Aufwand bezahlt.

  2. Danke für den Erfahrungsbericht.

    Dennoch: Ich nehme an, es gibt Kunden, die die Qualität der Bilder durchaus zu schätzen wissen bzw. sogar fordern, oder nicht?

  3. Die Leute, die das wollen und auch zahlen, die wollen dann aber keine VJs, sondern dann gleich ein großes Team – würde ich mal so schätzen.

  4. @Bastian – nicht ganz wirklich so. Mit 35mm Adaptern ausgestattete Kollegen kenne ich bislang nur Einzelkämpfer, die mit Movietube, Letus und Konsorten dann gerne als solche in eine Produktion gebucht werden… Spezialisierung hat halt manchmal auch ihre Vorteile.

  5. Danke für deine Einschätzung. Würde nämlich echt denken, daß man dann gleich ein „richtiges“ Team bucht mit grosser Kamera, wo die Tiefenschärfeverhältnisse (die sicherlich nicht mit einem Letus usw. mithalten können) halt nicht so groß ist.

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