Die nächste Kamera

Auch wenn ich der Meinung bin, dass 4:3 zurzeit eigentlich das angemessenere Format für Online-Video ist (zumindest für eingebettete Clips), setzen viele Anbieter nach und nach auf 16:9.

Beim Fernsehen wird es ohnehin bald flächendeckend der Standard sein. ARD und ZDF haben bereits im vergangenen Jahr umgesattelt, die RTL-Gruppe zieht dieses Jahr im Oktober nach.

Mit meiner guten, alten DVX100 (Serie A) kann ich dank „Squeeze“-Modus zwar mit Bordmitteln 16:9 aufzeichnen, doch in der Kamera selbst sind lediglich 4:3-Chips verbaut.

Die Bildqualität ist – subjektiv gesehen – zwar okay (vor allem für nachrichtliche Stücke, für Online-Video sowieso), aber eben nicht optimal. Zudem zeichnet die DVX lediglich im DV-Format mit reduzierter Farbabtastung von 4:2:0 auf.

Es ist also wieder einmal an der Zeit, mir Gedanken über eine neue Kamera zu machen. Und da gibt es im Augenblick bzw. in naher Zukunft einige interessante Modelle, die in die engere Auswahl kommen könnten.

Da wäre zunächst einmal die seit vergangenem Jahr erhältliche Sony EX1, die von einigen VJs bereits eingesetzt wird und in verschiedenen Tests ziemlich gut wegkommt.

Die EX1 zeichnet nicht mehr auf Tape auf, sondern auf SxS-Speicherkarten. Die sind zwar noch sehr teuer, vereinfachen den Arbeitsfluss allerdings erheblich (siehe dazu auch diesen Artikel speziell für Final Cut Pro-User auf der Sony-Website).

Die Frage, wie man sich künftig ohne Tapes ein Archiv anlegt, ist bei ständig schrumpfenden Preisen für Festplattenspeicher inzwischen nebensächlich.

Was mich an der Kamera für meine Arbeit stören könnte, sind zwei Aspekte:

  • Einerseits zeichnet die EX1 ausschließlich HD-Formate auf (1920 x 1080 in 50i und 25P, 1280 x 720 in 50P und 25P sowie 1440 x 1080 in 50i). Da meine Auftraggeber meistens nur SD-Qualität verlangen, würde ich auch ganz gern die Möglichkeit haben, direkt in SD aufzuzeichnen – zumal die weitere Bearbeitung von SD-Material auch mit schwächeren Rechnern ohne Probleme möglich ist.
  • Andererseits sind in der Kamera keine CCDs verbaut, sondern CMOS-Chips. Zwar sind diese 1/2″ groß und dementsprechend lichtempfindlich, doch unter bestimmten Umständen zeichnen sie ein störendes Flackern auf.

Die EX1 ist im Netz bereits ausführlich besprochen worden, u.a. hier:

Die als kompakter Schultercamcorder konzipierte Sony EX3, quasi die größere Schwester der EX1, ist vor allem interessant wegen ihrer auswechselbaren Optik – ein Feature, das in dieser Kameraklasse bisher lediglich die Canon XL-H1 bieten kann. Für meine Arbeit wäre die EX3 aber vermutlich etwas zu groß und zu schwer.

Auch über die EX3 gibt es einige Infos im Netz, u.a. hier:

Als überzeugter DVX 100-User schaue ich besonders darauf, was zurzeit in den Laboren von Panasonic entwickelt wird. Denn sollte es eine überzeugende Weiterentwicklung der DVX 100 geben, wäre sie vermutlich erste Wahl für mich.

Nachdem die HVX 200 kürzlich aufgefrischt wurde (hier in Deutschland heißt sie jetzt HVX 201A, in den USA HVX 200A; einen Artikel über die Änderungen samt Diskussion gibt es auf DVXuser.com), bringt Panasonic noch in diesem Jahr zwei weitere Kameras auf den Markt, deren Daten vielversprechend klingen.

Einerseits die HMC 151 (in den USA heißt sie HMC 150). Äußerlich erinnert sie sofort an die DVX 100, wie beispielsweise in diesem YouTube-Video zu sehen ist. Statt auf Tape zeichnet die HMC 151 verschiedene HD-Formate (1080/50i, 1080/25p, 720/25p) auf sehr kostengünstige SD/SDHC-Speicherkarten auf. SD-Formate kennt die Kamera leider nicht – und scheidet deswegen für mich aus.

Die Daten werden im AVCHD-Format gespeichert, also H.264-kodiert mit einer Farbabtastung von 4:2:0. Zwar lässt sich solches Material inzwischen mit einer ganzen Reihe von Schnittprogrammen bearbeiten (z.B. Final Cut Pro ab Version 6.0.1), aber eben – je nach Rechenpower – sehr zäh.

Ausführliche Tests von Vorserienmodellen der Kamera sind mir bisher noch nicht bekannt. Es entwickelt sich aber gerade ein sehr aufschlussreicher Thread auf DVXuser.com, in dem Barry Green jede Menge Fragen zur Kamera beantwortet (und auch gedrehtes Bildmaterial zum Testen anbietet).

Für mich derzeit der interessanteste Bewerber für eine Neuanschaffung ist die HPX 171 (in den USA HPX 170; auch davon erste Eindrücke und detaillierter Test von Barry Green auf DVXuser.com).

Update (04.11.2008): Einen sehr ausführlichen Test der HPX17x hat Adam Wilt auf ProVideo Coalition.com verfasst.

Update (01.12.2008): Noch ausführlicher setzt sich Dan Brockett auf Ken Stones Final Cut Pro Website mit der HPX17x auseinander und vergleicht sie in vielen Details direkt mit der DVX100 und der HVX200.

Die Kamera zeichnet auf (immer noch sündhaft teure) P2-Speicherkarten auf, ein Tape-Laufwerk ist – im Gegensatz zur HVX 201A – nicht mehr vorhanden. Auch das Klobige der HVX fehlt ihr. Sie wiegt – wie die DVX – unter zwei Kilo und beherrscht eine ganze Reihe von Formaten.

Neben allerlei HD-Varianten (z.B. DVCPROHD mit 100 MB/s) bietet sie auch verschiedene SD-Aufzeichnungsverfahren, sowohl in 16:9 als auch in 4:3 (z.B. DVCPRO mit 50 MB/s, was im Vergleich zu reinem DV eine höhere Farbabtastung bietet und damit die technischen Anforderungen von Fernsehsendern erfüllt).

Fazit: Würde ich meine Videos ausschließlich für das Web drehen und wäre mein Computer für die Postproduktion ein Kraftwerk, würde ich aus Kostengründen vermutlich zur HMC 151 greifen. Sie kostet zwar nur etwas weniger als die HPX 171, dafür sind die Speichermedien aber extrem günstig.

Da ich aber hauptsächlich am Notebook schneide und im Augenblick noch häufiger für das TV als für das Web drehe, werden sich Vorteile wie leichter verarbeitbare Codecs und SD-Aufzeichnungsmöglichkeiten vermutlich schnell bezahlt machen – auch wenn ich sie mit den P2-Karten teuer erkaufen muss.

Nachtrag (28.08.2008): Je länger ich mich mit der Panasonic HMC 151 befasse, desto faszinierter bin ich von ihr. Sie ist z.B. lichtempfindlicher als die DVX 100B und die Arbeit mit AVCHD-Clips (Download hier) funktioniert erstaunlich gut mit Final Cut Pro (nachdem sie vom FCP-Logging Tool in das Apple ProRes-Format konvertiert wurden, was bei mir recht zügig geht).

11 Kommentare

  1. Ich bin ja auch am Überlegen, was bei mir der DVX100V(BE) Nachfolger wird. Bei der HVX200/201 und bei der EX3 ärgert mich noch der Workflow unterwegs. Wenn man nur 1-2 Stunden dreht ist das kein Problem, wenn du aber mehrere Tage am Stücl unterwegs bist, musst du immer ein Laptop und Strom dabei haben, für mich unpraktisch.
    Letztens habe ich dann mit der Sony Z7 (der Nachfolgerin der Z1) gedreht. Die macht zwar kein HD, sondern nur HDV, hat aber einen CompactFlash Recorder mit dabei. Und: man kann auf Band HDV aufzeichnen (fürs Archiv) und auf CF Karte DV zum schnellen Schneiden.
    Ich werde die in den nächsten Tagen noch ein paar mal ausprobieren. Es sieht aber so aus, als wäre für mich die Z7 der ideale DVX100 Nachfolger.

  2. P2-Karten solltest du auch auf jeden Fall am Rechner direkt einlesen können. Wir haben eine Orgie hinter uns, bei der das Kopieren über Firewire aus der Kamera ewig dauerte und die ganze Zeit die Kamera deshalb nicht einsetzbar war.

  3. Als ich das erste Mal die DVX100 in der Hand hatte, hat mich vor allem ein praktisches Detail verblüfft und sofort überzeugt: Das war der große LCD-Bildschirm!
    Endlich konnte man das Bild richtig einschätzen und den Bildausschnitt besser wählen.

    Ob wohl die Nachfolger von Panasonic bei der Größe geblieben sind?

    Und gibt es Konkurrenzmodelle, die diesen Vorteil auch mitbringen.

  4. Gibt es denn schon Erkenntnisse, was die Lichtstärke der HPX 171 angeht? Die HVX 200 ist ja doch deutlich lichtschwacher als die gute, alte DVX100…

  5. Heute Treffen mit Panasonic gehabt und vereinbart, dass ich Ende September eine 151 und eine 171 zum Alltags-Test erhalte. Ich werde dann ausführlich davon berichten. Wäre ganz sinnvoll, wenn wir eine Checkliste für den VJ-Einsatz aufstellen könnten. Dann hätten wirklich alle Interessierten etwas davon.

  6. Die EX1 ist sicherlich so ziemlich das Beste was du in dem Bereich bekommen kannst. Doch ob die Kamera für wirkliche VJ-Arbeit taugt, das würde mich auch interessieren. Ich denke, diese Kamera ist nur etwas, wenn man das Bild immer entsprechend einrichten kann. In Bewegungen den Fokus zu ziehen, scheint mir mit der Kamera dann eher schwierig.

  7. Die EX1 ist bei mir hier im VJ Einsatz, seit Februar. Ich möchte sie nicht mehr missen.

    Umstieg erfolgte bei mir aber auch radikal von EB Team mit digiBeta auf VJ mit EX1. Eine echte Erfahrung.

    Was an Fokus ziehen bei Bewegung schwer sein soll, kann ich nicht nachvollziehen.

    Die EX1 macht klasse Bilder, erwartet aber auch Vorkenntnisse in der Technik des digitalen Video. Die SxS Karten arbeiten zuverlässig und schnell. Transfer am Macbook pro dank eingebautem SD Slot schnell und unkompliziert. Direkte Zusammenarbeit mit FCP inklusive.

    Länger unterwegs für mich kein Problem, da das Macbook eh immer dabei ist.

    CMOS vs. CCD und das ominöse CMOS Shutter Problem – also, ganz ehrlich, wenn man weiss was man macht lernt man den CMOS schnell schätzen. Wirkliche Probleme bislang keine.

    Nur HD. Kein SD. Ja, und das ist auch gut so. Dem FCP tut das nicht weh. Auf Macbook hakelt es lediglich ab 1080p Formaten. Das wird echt zäh. Macbook pro macht auch diese flüssig. Downconvert nach SD geht immer, und die Bilder sehen dann immer noch besser aus, wie in SD geschossen….

  8. Geht das wirklich so problemlos? Wenn ich eine Reportage drehe, wo ich mit der Kamera jemanden begleite oder ich schnelle Wechsel von Bildebenen (nah / fern) habe, dann kann ich das mit der Schulterkamera relativ problemlos, denn ich habe eine Hand zum Focussieren (während der Aufnahme und Bewegung) frei. Ob das so einfach bei der EX1 ist, wage ich zu bezweifeln, denn wenn ich mit der einen Hand die Kamera halten muss und diese beim Fucus ziehen nicht mit der anderen Hand stabilisieren kann, dann dürfte das eine ganz schöne Wackelei werden.

  9. @Bastian: Ja, rechte Hand fest an der Wippe. Position lässt sich hier übrigens drehen und der Haltung anpassen. Linke Hand unter der Kamera, Finger an den Focusring. Klappt sogar auch mit der Blende noch…

    Generell: Wechsel von Schulter auf Handkamera muss man schon wollen, und sich in einigen Dingen umgewöhnen…

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