Panasonic HMC151, Final Cut Pro 6.0.4

Neulich habe ich mir die Panasonic HMC151 mal näher beim Händler meines Vetrauens angeschaut und auch ein wenig selbstgedrehtes Rohmaterial mit nach Hause genommen.

Erster Eindruck: Sehr überzeugend. Die Kamera sieht aus und fühlt sich an wie die DVX100, nur dass sie eben eine reine HD-Kamera ist, die auf kostengünstige SDHC-Karten aufzeichnet.

Zunächst ein paar Dinge, die mir beim Erstkontakt mit der HMC151 aufgefallen sind…

Pro:

  • Das geringe Gewicht (nur 1,7 kg) und die gute Balance, wenn man sie frei aus der Hand bedient.
  • Das große Display (wenn auch mit 4:3-Abmessungen und Letterbox-Balken), mit dem sich bei aktivierter EVF/DTL-Funktion die Schärfe ähnlich gut beurteilen lässt wie bei der DVX100.
  • Zusätzlich helfen ein Focus-Assist und eine Center-Zoom-Funktion (Vergrößerung der Bildmitte) bei der Beurteilung der Schärfe.
  • Ein zuschaltbarer Waveform-Monitor und ein Vectorscope geben Aufschluss über die Bildsignale.
  • Der große Fokus-Ring am Objektiv kann nun wahlweise auch als Blendenring verwendet werden.
  • Sehr effizienter Codec, keinerlei Blockartefakte bei schnellen Schwenks/Zooms in den Aufzeichnungsmodi mit hoher Bitrate.
  • Dreistufiger ND-Filter.
  • Regelbares Zebra (in Fünf-Prozent-Schritten).
  • Deutlich weitwinkliger als die DVX100.
  • Gute Lowlight-Eigenschaften und selbst bei zugeschaltetem Gain bleibt das Bild recht rauschfrei (siehe Framegrabs auf DVXuser.com).

Kontra:

  • Es ist nur ein einziger SD-Kartenslot vorhanden. Unterbrechungsfreier Austausch bei laufender Kamera während eines Drehs ist also nicht möglich.
  • Der Objektivverschluss ist immer noch losgelöst von der Kamera und wird – wie der Deckel einer Butterbrotsdose – auf die Sonnenblende aufgesteckt.

Wenig Spaß macht zurzeit die Nachbearbeitung des H.264-kodierten Rohmaterials mit Final Cut Pro (FCP) in seiner zurzeit aktuellen Version 6.0.4 (was ich vor einigen Wochen mit heruntergeladenem Testmaterial noch anders eingeschätzt hatte). Native Bearbeitung (also einfach die Clips in die Applikation rüberziehen) funktioniert gar nicht.

Stattdessen muss man den Umweg über das „Loggen und Übertragen“-Tool gehen, wo man das Material zwar komfortabel vorschneiden kann. Doch FCP wandelt die Clips erstmal mit seinem hauseigenen ProRes-Codec und bläht das Ursprungsmaterial dabei ungefähr um den Faktor 2,5 auf. Und das dauert. Zeitgewinn gegenüber Tape: Nahezu null.

Aufgezeichnet habe ich bisher lediglich Material in 1080i50 und 720p50. Letzteres kann FCP momentan gar nicht verarbeiten und schmiert beim Loggen und Übertragen einfach ab. Erst dachte ich, das sei eine Eigenart meiner Systemkonfiguration, aber auch andere User haben offenbar Probleme damit. Mit 720p60-Material, das ich via DVXuser.com heruntergeladen habe, passiert das kurioserweise nicht.

Übrigens: Wer mit HMC15x-Material und FCP experimentieren will, sollte vorher unbedingt Perian deinstallieren.

PC-Schnittprogramme wie Edius oder Vegas kommen in ihrer jeweils aktuellsten Version mit dem AVCHD-Material offenbar wesentlich besser klar, ermöglichen auch schon native Verarbeitung (einen entsprechend leistungsfähigen Computer vorausgesetzt).

Zurzeit kommt aber wohl keine Software mit „zwangsgeteilten“ Clips zurecht. Weil die SDHC-Karten mit dem FAT32-Dateisystem formatiert werden müssen, sind sämtliche Dateilängen auf eine Größe von vier Gigabyte begrenzt. Dreht man also eine sehr lange Einstellung (z.B. den Mitschnitt einer Podiumsdiskussion), wird die Aufnahme zwar lückenlos fortgeführt, die Datei aber bei 3,99 Gigabyte getrennt.

In der Postproduktion taucht dann ein gravierendes Problem auf. Einige Anwender berichten auf DVXuser.com von verlorenen Frames direkt an der Schnittstelle von 4-GB-Clips auf den nachfolgenden Clip. Das hängt vermutlich mit der GOP-Struktur des Videostreams zusammen, scheint aber glücklicherweise nur ein reines Software-Problem zu sein, denn die Clips lassen sich auf der Kamera lückenlos abspielen.

Fazit: Was mich also jetzt vom Kauf abhält, ist nicht die Kamera selbst, denn die überzeugt mich. Was mich abhält, ist meine Schnittsoftware.

Solange FCP nicht vernünftig mit AVCHD-Material umgehen kann, vor allem nicht mit dem von der EBU für HD-Fernsehen empfohlenen (PDF; 96 kB) 720p50 (in dem ich gern von vornherein aufzeichnen und mein gesamtes Archiv aufbauen würde), werde ich die fällige Kamera-Investition weiter aufschieben. Hoffentlich werden die Fehler mit dem nächsten kleineren FCP-Update behoben sein.

Schön wäre es übrigens, wenn das „Loggen und Übertragen“-Tool in einer zukünftigen Version die Option bieten würde, das Material direkt in SD zu wandeln. Das spart Festplattenspeicher und erlaubt eine wesentlich flüssigere Nachberarbeitung. Sinnvoll für alle, die in ohnehin geringer Auflösung für das Web schneiden oder kurze, schlüsselfertige TV-Beiträge in SD-Qualität produzieren.

Ach ja, am Rande: Wer Erfahrungen mit der Wandlung von 720p50-Material in anamorphes 720×576/50i-Material hat – über ein paar helfende Hinweise würde ich mich freuen. Wegen der oben beschriebenen Fehler konnte ich den Ablauf selbst noch nicht ausprobieren und bin bei der Recherche nur auf diesen Thread gestoßen.

5 Kommentare

  1. Moin, habe keine Erfahrung mit der Wandlung von 720p50-Material in anamorphes 720×576/50i-Material. Aber Du kannst mit Toast 9.0x alles umwandeln und dann weiter testen. Auch meine Test Files mit 720p50 Material schmieren auch ab. (OSX 10.4.11)

  2. Danke für den Tipp, aber leider habe ich Toast9 nicht. Der Apple-Compressor (Version 3.0.4) und Sorenson Squeeze (Version 4.5.7) öffnen die MTS-Dateien leider auch nicht. Und die Dateiinhalte in ein anderes Containerformat zu speichern ist mir mit VLC auch nicht gelungen.

    Wenn ich Zeit habe, teste ich evtl. mal Voltaic. Oder ich warte einfach solange, bis Apple ein FCP-Update liefert.

    Das Wandeln von 1920x1080i/50 in 720x576i/50 ist mit Compressor hingegen gar kein Problem. Auf dem Videomonitor sieht alles sehr gut aus, also keinerlei Artefakte oder ungewollte Effekte mit den Halbbildern.

  3. Es gibt ein Update von FinalCut auf 6.05 seit heute. Und FC stürzt nicht gleich ab bei 720p50. Der Absturz erfolgt nur bei Clips die größer als 6:40 sind. Wenn man in- und out-Punkte setzt kann man einwantfrei einlesen. Also warten auf das nächste Update.

  4. ooo ich dumm:-( ich hatte Perian nicht ausgeschaltet!!!!! Jetzt geht es mit 6.05 !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Viel Spass beim Testen :-)

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