Erste Dreherfahrungen mit der EOS 550D/Rebel T2i und einem Schulter-Rig

Seit rund zwei Wochen liegt sie nun hier herum, die Canon EOS 550D. Erst gestern bin ich spontan dazu gekommen, sie mal auf Praxistauglichkeit zu testen.

Für das Videoblog meines geschätzten Fußballclubs habe ich einen kleinen Beitrag produziert, eine Art Stimmungsumfrage unter den Spielern zu Beginn der bevorstehenden Rückserie. Nichts Großes, wegen pünktlichen Trainingsbeginns in wenigen Minuten unter Zeitdruck entstanden – also fast wie im Berufsalltag.

Zuvor habe ich mir provisorisch ein Schulter-Rig aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten zusammengebaut. Es ist zwar noch nicht ganz ausgereift, weil es eigentlich für den 35mm-Adapter und die HPX 171 gedacht ist. Doch das Drehen macht damit richtig Spaß, vor allem weil das Rig im Vergleich zum Adapter unglaublich leicht ist.

Canon EOS 550D / Rebel T2i mit Schulterstativ aus Redrock Micro- und Zacuto-Komponenten

Da der Monitor dank des Kugelgelenks in alle Richtungen drehbar ist, kann ich das Rig sowohl links als auch rechts schultern – und somit für die nötige Abwechslung bei Umfragen sorgen (also das Gesicht mal links, mal rechts positionieren).

Mit dem über Composite angeschlossenen Marshall-Monitor (Modell V-LCD70P-HDA), der eine Auflösung von 800 x 480 Bildpunkten hat, kann ich die Schärfe der Bilder prima beurteilen (zumindest bei 720p-Aufnahmen; in 1080p habe ich bisher noch nichts aufgenommen).

Vor allem interessierte mich aber die Frage, wie gut wohl die O-Töne klingen werden, wenn ich mein Sennheiser ME64 (mit Windschutz) anschließe. Fast alle Statements in dem Video habe ich über eine Distanz von etwa anderthalb Metern aufgezeichnet, links und rechts gab’s ordentlich Nebengeräusche.

Dank der Nierencharakteristik des Mikrofons sind die O-Töne recht deutlich verständlich. Der Limiter hat immer kurz vor 0 dBFS abgeriegelt. Zu Übersteuerungen kam es bei diesem Test nicht.

Ansonsten das übliche Problem: Immer wenn kurze Sprechpausen auftreten, zieht die automatische Tonaussteuerung (AGC = Automatic Gain Control) die Stille deutlich hoch, was sich mit Rauschen bemerkbar macht. Klingt nicht so gut, ist für viele Online-Video-Produktionen aber vermutlich zu verschmerzen.

Nikon AI-S-Linsen mit BlendenringDie alte Nikon AI 50mm f1.4-Linse, die ich für den Dreh eingesetzt habe, ist wegen des APS-C-Sensors der 550D fast ein kleines Teleobjektiv (Faktor 1,6 = 80mm). Natürlich hat es keinen Bildstabilisator. Aber ich habe den Eindruck, dass man mit einem Schulterstativ trotzdem recht ruhige Aufnahmen hinbekommt. Das bisschen Gewackel bei den O-Tönen in meinem Video stört mich nicht, da es nicht dieses merkwürdige Rolling-Shutter-Gezittere ist.

Apropos alte Nikon-Linsen: Ich kann sie für die Arbeit mit Video-DSLRs nur wärmstens empfehlen. Ich hatte mir ein Set speziell für den 35mm-Adapter zusammengekauft, bin aber heilfroh, dass ich sie dank eines gerade mal 20,- Euro teuren Adapterrings ohne Einschränkungen auch an der 550D nutzen kann. Der Vorteil für die Videoarbeit ist der direkt am Objektiv angebrachte Blendenring sowie der angenehm gedämpft laufende Fokusring.

Obwohl das Drehen mit der 550D unglaublich Lust auf mehr macht, fehlt mir an der Kamera vor allem eins: Ein 70%-Zebra, um die korrekte Belichtung von Gesichtern besser feststellen zu können (wie im Video deutlich zu sehen ist). Der sehr hilfreiche Belichtungsmesser bezieht sich immer auf das gesamte Bild, ist also nur eine begrenzte Hilfe.

Der Marshall-Monitor hat übrigens eine zebra-ähnliche Funktion („False Color“, siehe hier). Da ich ihn aber bisher immer nur mit der HPX 171 benutzt hatte, habe ich mich noch nicht damit auseinander gesetzt.

Erstes Fazit für mich: Die 550D macht soviel Spaß, dass ich gestern das erste Mal das Gefühl hatte, den 35mm-Adapter vermutlich nicht mehr einzusetzen. Mal schauen, wie sich’s beim ersten ernsthaften Beitragsdreh anfühlt.

4 Kommentare

  1. Hallo Roman,
    Erstmal: Ein paar schöne Aufnahmen bei dem kleinen Fußball-Beitrag.
    Ich hätte mal ne Frage: Wie schaut denn das Signal auf dem Monitor aus, wenn du die Kamera per AV-Out/Composite daran anschließt.

    Ist das ganze Bild ausgefüllt? Habe gelesen, dass bei HDMI-Output das Bild gecropped wird und dann sowas rauskommt: http://farm3.static.flickr.com.....ea25a5.jpg

    Sind auf dem Bildschirm die Infos zu Blende, Shutter, ect. zu sehen? Wenn ja, kann man das abschalten, um einen sauberen Feed zu bekommen – nur das Live-Bild also.

    Gibts bei der Ausgabe ein Delay? Habe gelesen, dass es HDMI-Output eine Verzögrung von ein paar Frames gibt.

    Wäre schön, wenn du mir meine Fragen beantworten könntest.
    Vielen dank,
    Thomas

  2. Hallo Thomas! Danke für das Feedback zu dem Video.

    Da mich die Frage nach dem Composite-Anschluss ebenfalls interessiert, habe ich das hier mal genauer aufgeschrieben. Ich hoffe es hilft dir weiter.

  3. Hoi Roman, Habe vor eine DSR zu kaufen und schaue momentan die 550D an. Mein Primärziel wäre auch, Videos zu machen. Bin noch ganz am Anfang und daran alles zu lernen, was mir aber in deinem Beitrag aufgefallen ist: Du hast die 2 Probleme mit „Audio Gain“ und „Zebra“? So wie ich es verstanden habe lassen sich beide mit Magic Lantern (http://magiclantern.wikia.com/.....mware_Wiki) lösen? Was mich noch interessiert: Wird das AV-Out signal auch während der Videoaufnahme gesendet? Also kannst du das gefilmte live auf dem Monitor ansehen? Danke für deine Antwort :)

  4. Ja, den automatischen Audio Gain kannst du mit Magic Lantern abschalten und dann beide Tonkanäle manuell pegeln. Das Zebra kannst Du (neben anderen Funktionen) hinzuschalten, es funktioniert auch recht gut (sieht aber etwas ruckelig aus, weswegen ich es immer nur kurz eingeschaltet habe, um bei einer Einstellung die Belichtung zu überprüfen, danach schalte ich es wieder ab).

    Über den AV-Out kannst du einen externen Monitor anschließen, auf dem dann das Videobild herunterskaliert dargestellt wird. Im Magic Lantern-Audiomenue gibt es einen Punkt, der heißt „Monitoring-USB“. Ist der auf ON gestellt, kannst du über den AV-Ausgang einen Kopfhörer anschließen. Wie das geht, habe ich hier aufgeschrieben. Dann liefert aber ein über AV-Out angeschlossener Monitor kein Bild. Es geht also nur eins: Entweder über AV-Out einen Kopfhörer anschließen oder einen externen Monitor.

    Wie es allerdings aussieht, wenn Du einen Monitor über HDMI anschließt, kann ich dir nicht sagen. Aber in den Magic Lantern firmare development-Foren, auf DVXuser.com oder in der Magic Lantern User Group auf Vimeo kann sicher jemand diese Frage beantworten.

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