Canon 550D / Rebel T2i: Beispielvideo, Einzelteile meines Schulter-Rigs

Für meinen Lieblingsfußballverein, den TV Reelkirchen (für den ich selbst als Spieler aktiv bin), habe ich neulich in einer Hauruckaktion zwei Stunden vor Spielbeginn ein Video mit der Canon 550D / Rebel T2i gedreht. Hintergrund ist, dass die Mannschaft für die neue Saison ganz dringend neue Spieler braucht. Das Video, dort im Originalkontext, ist also ein Aufruf an potenzielle Mitspieler, die es da draußen ganz bestimmt gibt.

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Video-Link: https://vimeo.com/12030154

Die Musik in diesem Video trägt den Titel „Welcome Home“, ist erschienen beim Netlabel petite&jolie :: a place for cute people (Titel des Albums: Missing Monsters) und stammt von Risch. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported. Das Video wurde unter Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported veröffentlicht.

Bereits einige Zeit vor diesem Dreh hatte ich mein vor kurzem noch provisorisches Schulter-Rig deutlich verfeinert, einige Elemente hinzugefügt und insgesamt ein wenig an Erfahrung im Hinblick auf DSLR-Videoarbeit dazugewonnen.

Für alle, die sich etwas Ähnliches nachbauen möchten, gehe ich im folgenden mal kurz auf die Einzelteile meines – leider immer noch nicht kompletten – Sets ein (viele der Teile stammen übrigens aus meiner HPX171/35mm-Adapter-Konfiguration und werden künftig sicher auch für andere Kameratypen recyclebar sein).

Schulter-Rig für die Canon EOS 550D aus Redrock Micro- und Zacuto-Elementen

Das System besteht im Wesentlichen aus Bauteilen von Redrock Micro sowie einem einzigen Verbindungsstück von Zacuto. Basis der Konstruktion ist der microShoulderMount mit etwas längeren 24″-Rohren (Durchmesser: 15mm), der DSLR-Baseplate, dem microFollowFocus v2 samt dem microLensGears Kit sowie einem microMount.

(Die ganzen Einzelteile sind, nebenbei bemerkt, unverschämt teuer und vermutlich weges des Hypes um die ganze DSLR-Filmerei in jüngster Vergangenheit auch nicht unbedingt im Preis gesunken. )

DSLR-Baseplate verdeckt BatteriefachDie 550D steht sicher und fest auf der DSLR-Baseplate. Montage und Demontage dauern nur wenige Sekunden. Leider ist das ungefähr im Stundentakt auch nötig, denn das Batteriefach der Kamera ist durch die Platte komplett verdeckt. Ist der Akku also leer, heißt es: Kamera abschrauben, Akku wechseln, wieder festschrauben. Das nervt gelegentlich. Soweit ich das überblicke, handelt es sich hierbei um ein 550D-spezifisches Problem, weil das Batteriefach hier längs und nicht quer verbaut ist. Bei der 7D könnte ein Akkuwechsel ohne abschrauben möglich sein, bin mir aber gerade nicht ganz sicher.

microMount in Kombination mit Manfrotto-KugelkopfDen externen Monitor habe ich mit Hilfe des microMounts in Komination mit einem Manfrotto-Kugelkopf auf der rechten Seite angebracht. Weil ich Rechtshänder bin und das Rig auch rechts schultere, kann ich spontane Interviews im Stehen (so wie sie im Video zu sehen sind) immer mit freier Sicht aufzeichnen. Hätte ich den Monitor auf der linken Seite montiert, wäre die Situation für Interviewpartner wohl noch irritierender, denn dann müsste ich den Blickkontakt durch den kleinen Spalt zwischen Kamera und Monitor herstellen.

Schade nur, dass die 550D nichts mehr auf dem internen Display zeigt, sobald ein externer Monitor angeschlossen ist (vielleicht wird das ja irgendwann einmal mit einem Firmware-Update behoben). Zur Bildkontrolle muss ich während eines Interviews immer wieder den Kopf nach rechts drehen, um auf den externen Monitor schauen zu können. Das trägt nicht zum Gesprächsfluss bei. Beim Blick auf das interne Display hingegen wäre es nur eine kurze unscheinbare Augenbewegung.

Um das gesamte Schulter-Rig schnell und ohne Schrauberei auf das Stativ zu bringen, habe ich ein kleines Teil namens Z-Balance von Zacuto mit den 15mm-Rohren verbunden. Daran wiederum ist die Sachtler-Stativplatte befestigt. Der Wechsel von der Schulter zum Stativ dauert vielleicht drei Sekunden.

Zacuto Z-Balance mit Sachtler-Stativplatte

Die Sache mit dem Ton habe ich hingegen noch nicht befriedigend gelöst. Im Augenblick schließe ich ein Sennheiser K6/ME64-System direkt an der Kamera an und befestige es mit einer Azden-Mikrofonspinne am Blitzschuh. Die Qualität der O-Töne im Video oben ist wirklich mies, keine Frage. Aber in meinem Fall kam noch ein Panne dazu: Ich hatte nicht bemerkt, dass der 3,5mm-Klinkenstecker leicht aus der Buchse gerutscht war – wie auch, ohne Möglichkeit einen Kopfhörer anzuschließen und ohne Tonpegelanzeige. Das Ergebnis war Glück im Unglück: Die Kamera hatte immerhin noch einen der beiden Tonkanäle aufgezeichnet – doch der war leider in den Spitzen übersteuert.

Die professionellste Lösung ist nach wie vor ein externes Aufnahmegerät. Doch der Zoom H1 (danke an Axel für den Tipp seinerzeit) ist leider erst für Sommer angekündigt. Und ein teureres Gerät wie etwa den Zoom H4n werde ich nicht anschaffen, da ich mit der DSLR-Kamera ausschließlich Video produziere und die gesamte Arbeitsweise wohl spätestens in einem Jahr Schnee von gestern sein wird (u.a. wegen Panasonics angekündigter AG-AF100, siehe auch hier und hier). Kein Grund also, übertrieben viel Geld in Technik zu investieren, die ich demnächst nicht mehr brauche.

Ein paar Worte zum Follow Focus. Braucht man sowas überhaupt? Jein. Für alle, die szenisch arbeiten, ist er wohl unverzichtbar, weil er im wesentlichen dazu dient, dass man sich Start- und Stoppmarkierungen ans Rädchen malt, um so die Schärfe gezielt verlagern zu können.

Videojournalismus hat mit szenischem Arbeiten zwar nichts zu tun. Doch hilfreich sind solche Markierungen immer bei statischen Motiven, also beispielsweise bei Schwenks zwischen zwei unbewegten Objekten mit kombinierter Schärfenverlagerung.

Ansonsten geht das Arbeiten mit dem Follow Focus zügig von der Hand und, wie ich finde, auch wackelfreier. Es ist schon ein Unterschied, ob ich den linken Griff des Rigs loslasse und plötzlich vorn am Objektiv herumfummele um die Schärfe nachzuziehen, oder ob ich schnell zwischen linkem Griff und dem daneben montierten Follow Focus hantiere.

variabler ND-FilterDeutlich weiter oben auf der Investitionsliste, wenn nicht sogar auf Platz 1, sollte ein variabler ND-Filter stehen, eine Art stufenlos abdunkelbare Sonnenbrille für das Objektiv der Kamera. Denn das Problem ist folgendes: Wer Video mit einer DSLR dreht, wird – wie bei gewöhnlichen Videokameras auch – nach der 180-Grad-Regel mit einer festen Belichtungszeit arbeiten, also bei 720p50 mit 1/100s oder bei 1080p25 mit 1/50s. Dann ist gewährleistet, dass Bewegungen flüssig aussehen. Bei grellem Sonnenlicht müsste man aber selbst bei ISO 100 stark abblenden – und damit ginge auch die geringe Schärfentiefe verloren. Jetzt kommt der variable ND-Filter ins Spiel, so dass man permanent mit offener Blende und fester Belichtungszeit drehen kann.

Mit dem Belichtungsmesser eine halbe Blende unterbelichtenWeil man den Lichteinfall damit stufenlos regeln kann, ist es spielend möglich, das Bild mit Hilfe des Belichtungsmessers etwa eine halbe Blende unterzubelichten. So bleibt in der Postproduktion mehr Spielraum für eventuelle Farbkorrekturen. Weil solche variablen ND-Filter relativ teuer sind (über 100,- Euro), habe ich übrigens nur einen einzigen davon gekauft – und zwar für das Objektiv mit dem größten Durchmesser (in meinem Fall ein Tamron SP 17-50mm f2.8 mit 72mm Öffnung, sehr empfehlenswert übrigens). Mit Hilfe von vergleichsweise kostengünstigen Stepup-Ringen lässt sich der Filter dann auch an Objektiven mit geringeren Durchmessern montieren (bei mir sind das diverse Nikon AI-S-Linsen mit 52mm Durchmesser).

Seit einigen Wochen integriere ich die 550D mehr und mehr in meine Arbeit und nutze sie in Kombination mit der HPX171 vor allem für Interviewaufnahmen. Die HPX hat dabei zuletzt nur noch als Audio-Aufnahmegerät gedient und steht auf dem Boden, während die 550D den Platz auf dem Stativ einnimmt und fürs Bild zuständig ist (ich arbeite noch an einer Lösung, um beide Kameras unkompliziert und aus einem Guss nebeneinander auf dem Stativ zu befestigen, so dass ich das Bild doppelt aufzeichnen kann).

In der Summe ist die Arbeit mit zwei Kameras am Drehort zwar eine nicht zu unterschätzende Doppelbelastung, da mehr Technik eben auch mehr Aufmerksamkeit verlangt und möglicherweise von der Interviewführung zu sehr ablenkt (viele Interviews dauern zum Beispiel länger als das Aufnahmelimit von zwölf Minuten). Aber im Ergebnis lohnt es sich. Die Bilder sehen einfach sehr viel edler aus.

Zum späteren Synchronisieren von Bild und Ton lohnt sich der Einsatz von PluralEyes, das in der Trial-Version 30 Tage lang uneingeschränkt lauffähig ist.

Für die meisten Dreharbeiten ist und bleibt die HPX für mich aber die Hauptkamera, denn sehr viele Einstellungen muss ich schnell und ohne zweiten Versuch im Kasten haben. Allein solche kleinen Details wie den Weißabgleich zu erneuern, sind mit der 550D Frickelarbeit (wobei natürlich alles eine Frage der Gewöhnung ist).

5 Kommentare

  1. Beschriftet ist er mit „NATURE 72mm Fader ND (W) H.L. Optics“. Bezogen habe ich ihn über einen Händler, der sie zurzeit auch via Amazon.de Marketplace verkauft. Wie gut der Filter im Vergleich zu denen von Light Craft Workshop abschneidet, weiß ich nicht.

  2. Finde den Film super schön gemacht und die Bildqualität überzeugt! Auch wenn mich persönlich die Tüftelei und die vielen Einzelteile eher noch abschreckt, wirkt rein optisch so wie: achtung ich bastel mir jetzt mal ne Videokamera nach.

    Hast du eigentlich den Glow, der um die weißen Trikots zu sehen ist, in der Postpro gemacht oder war das schon ne Einstellung beim Dreh?

  3. Danke dir für das Feedback. Stimmt, wenn man mit so einer Spiegelreflex dreht, muss man schon sehr viele Kompromisse eingehen (zumindest im direkten Vergleich zur Arbeit mit normalen Videokameras). Aber als zusätzliches Werkzeug im Rucksack finde ich die kleine 550D prima – eine ideale Ergänzung.

    Zum Look: Die Bilder selbst habe ich mit dem Standard-Picture-Profile gedreht und vorher einen Weißabgleich gemacht. Beim Dreh habe ich darauf geachtet, möglichst eine viertel bis halbe Blende unterzubelichten, um für anschließende Farbkorrekturen mehr Spielraum zu haben. Die Farbkorrekturen (inkl. des Glow-Effekts) habe ich mit Magic Bullet Looks realisiert.

  4. Endlich mal jemand der sein ganzes Video-DSLR Epuipement ausfürhrlich beschreibt :) Hab ich schon eewig gesucht.

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