Magic Lanterns Audiopegel, optimale Einstellungen für das Sennheiser ME64 und die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Die Magic Lantern-Firmware macht aus der Canon 550D eine ziemlich komplette Videokamera. Vor allem die Audiofunktionen sind wirklich großartig, ich möchte sie nicht mehr missen.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, Tonaufnahmen möglichst nicht mehr nachträglich zu synchronisieren (also mit dem Zoom H1 aufzunehmen und später im Schnitt an die Videospur anzupassen), sondern das jeweils benötigte Mikrofon direkt anzuschließen. Entgegen vieler Meinungen im Netz finde ich die internen Audio-Wandler der Kamera gar nicht mal so schlecht. Für meine Zwecke jedenfalls reichen sie.

Um das Optimum rauszuholen, muss man die Audio-Einstellungen von Magic Lantern erstmal verstehen.

Wenn ich das Sennheiser ME64 direkt an die Kamera anschließe, um damit beispielsweise Atmo oder auch situative O-Ton-Statements (z.B. bei Umfragen) aufzuzeichnen, stelle ich den Analog Gain auf den Maximalwert 32 dB. Ziel ist, den Digital Gain für den linken und rechten Kanal möglichst gering zu halten, denn die digitale Verstärkung sorgt für deutlich stärkeres Rauschen als die analoge.

Faustregel: Erst die analoge Verstärkung ausreizen, dann mit dem digitalen Gain Finetuning betreiben.

Für L-DigitalGain wähle ich 12 dB, für R-DigitalGain 6 dB. AGC, also die automatische Aussteuerung, schalte ich selbstverständlich ab.

Magic Lantern-Audioeinstellungen für das Sennheiser ME64

Diese Einstellungen eignen sich eigentlich wunderbar, um normale Atmo (also etwa die Geräuschkulisse einer Fußgängerzone in der Mittagszeit) oder O-Ton-Statements aus kurzer Distanz (mit etwa einem halben Meter Abstand zum Interviewpartner) aufzunehmen. Wohlgemerkt: Bei meinem ME64. Bei anderen Mikrofonen kann und wird das vermutlich ganz anders aussehen.

Die Pegel kommen jetzt in relativ gesunden Bereichen zwischen -18 und -9 dB unter der Vollaussteuerung an (es sei denn, der Interviewpartner flüstert). Das leichte Rauschen der Kanäle geht ohnehin in der Atmo bzw. in der Sprache unter.

Die unterschiedlich starke Aussteuerung der beiden Kanäle hat den Vorteil, dass ich mich später im Schnitt für den besseren Kanal entscheiden kann. Vom schlechteren trenne ich mich. Da die Kanäle in Stereo aufgezeichnet werden, muss die Balance natürlich nachträglich zentriert werden (sonst kommt der Ton nur links oder rechts aus dem Lautsprecher).

Als ich erste Tests mit der Funkstrecke (Sennheiser EW 100 G2) und dem Ansteckmikrofon MKE2 gemacht habe, hat es ein bisschen länger gedauert, die optimalen Einstellungen zu finden. Denn neben Magic Lantern müssen auch diverse Werte am Sender und am Empfänger der Funkstrecke justiert werden.

Meine Optimaleinstellungen, die ich für Interviews verwende (das Mikro ist dabei etwa auf Brusthöhe angebracht), sehen im Magic Lantern-Audiomenue wie folgt aus:

Magic Lantern-Audioeinstellungen für die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Sämtliche Gains stehen also auf Null, was bedeutet, dass keinerlei Rauschen durch irgendeine Verstärkung hinzugefügt wird.

Die Sensitivität des Funkstrecken-Senders stelle ich auf 0 dB, den AF-Out des Empfängers auf +6. So kommt in der Kamera ein Signal an, das – je nachdem, wie laut der Interviewpartner spricht – in den Spitzen bei etwa -12 bis -9 dB unter der Vollaussteuerung landet. Das Rauschen ist vertretbar (wie gesagt: für meine Zwecke).

Ein paar Worte noch zum Pegelmesser von Magic Lantern: Die Pegel können die Farben Grün, Gelb und Rot haben. Ich habe es mal ausgemessen (mittels eines 1kHz-Tones): Grün wird der Balken angezeigt, wenn das Signal unter -18 dB liegt. Zwischen -18 und -12 dB ist der Balken gelb, danach dann rot. Ein roter Balken heißt also nicht, dass das Signal übersteuert ist, sondern sich lediglich im Headroom bewegt. Übersteuerung tritt eben tatsächlich erst am Ende der Skala ein.

Aber Vorsicht: Die kleinen Zahlenwerte links neben dem Pegelmesser sind nur ungefähr richtig (sie weichen nach meinen Erfahrungen etwa um 2 bis 3 dB ab). Kommt ein Pegel wirklich am Ende an, ist das Signal höchstwahrscheinlich schon übersteuert, auch wenn die kleine Zahl daneben -2 anzeigt.

Update (27.02.2011): Ich sehe gerade, dass die Sache mit den Pegelmessern in der Magic Lantern User Group auf Vimeo ebenfalls diskutiert wird. Tenor: Die Pegelmesser sind schwer zu beurteilen und relativ ungenau. Die von mir gemessenen Dezibelwerte für den grünen, gelben und roten Balken weichen leicht von den in der User Group gemessenen Werten ab.

2 Kommentare

  1. Danke für Deine gute Anwendungsbeschreibung. Ich habe noch nicht sehr danach gesucht, aber gibt es auch für die EOS 7D so eine Lösung? Der mit der 7D und einem externen hochwertigen Mikro aufgenommene Ton rauscht extrem. So habe ich mich entschlossen, extern mit meinem Marantz aufzuzeichnen. Obwohl ich mich etwas vor dem synchronisieren fürchtete. An dieser Stelle möchte ich deshalb mal auf die neue Videosoftware von Magix hinweisen: Video Pro X3. Nach schlechten Erfahrungen mit Magix-Amateursoftware habe ich aus finanziellen Gründen einen letzten Versuch mit diesem semiprofessionellen Programm gewagt, weil man damit HD relativ preisgünstig und flüssig bearbeiten kann. Das Programm verfügt auch über die Funktion, eine Audiospur mit einer anderen Spur zu synchronisieren. Das funktioniert nach meiner bisherigen Erfahrung gut. Das Programm läuft auch (zumindest bei mir) stabil.

  2. hallo und danke für die gute info!! eine frage hätte ich allerdings noch: welche kameraseitigen audio einstellungen sollte man vornehmen? manuelle aussteuerung vermutlich ja, aber welcher wert? oder übernimmt ML dies durch override?
    ich teste diverse ton-systeme, ua. gibt es von der amerikanischen firma juicedlink einen recht preiswerten vorverstärker (ca 140 euro) , der auch einen steuerbaren kopfhöreranschluss besitz und die kanäle R und L getrennt aussteuert.. gruss von david

Schreibe einen Kommentar

Bitte bleib beim Thema. Ich lege großen Wert auf einen freundlichen und sachlichen Umgangston. Persönliche Angriffe und Beleidigungen werden gelöscht. Gleiches gilt für Beiträge, die erkennbar nur verfasst wurden, um einen Link auf das eigene Angebot zu setzen.

Kommentare werden moderiert. Bis zur Freischaltung kann es gelegentlich etwas dauern.

Wenn du hier nicht unter deinem richtigen Namen in Erscheinung treten möchtest, dann ist das völlig in Ordnung. Gern kannst du einen Link auf dein Blog bzw. deine Website hinterlassen.

Und bitte schau dir vor dem Absenden eines Kommentars meine Hinweise zum Datenschutz an.