ATEM Mini: Audio-Delay von direkt angeschlossener Tonquelle und Kamera ausgleichen

Wer das kleine ATEM Mini-Mischpult für Online-Workshops oder Web-Konferenzen einsetzt, kann hinten zwei externe Tonquellen anschließen. Oft tritt dabei aber das Problem auf, dass der Ton zur übertragenden Kamera leicht asynchron ist.

Direkter Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an die Blackmagic ATEM Mini
Direkter Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an das ATEM Mini-Mischpult.

Das kann mehrere Gründe haben: Die Tonquelle selbst, in meinem Fall eine Sennheiser AVX-Funkstrecke, hat ihrerseits schon eine leichte Latenz von 19 Millisekunden, also mehr als ein halbes Frame. Das allein wäre nicht weiter schlimm, aber hinzu kommt noch die leichte Verzögerung des HDMI-Ausgangs der als Webcam angeschlossenen Videokamera, hier im Beispiel eine Sony FS5. In der Summe können bei einer Übertragung daraus mehrere Frames Verzögerung zwischen Lippenbewegungen und Gesagtem entstehen. Für alle Beteiligten auf der anderen Seite des Online-Meetings sähe das auf Dauer irritierend aus.

Mit der zum Mischpult gehörenden Software lässt sich das Problem relativ einfach lösen. Denn für die Mikrofon-Eingänge gibt es kleine Drehregler, mit denen du diesen Frame-Versatz ausgleichen kannst.

Zwei Frames Verzögerung bei direktem Anschluss der Sennheiser AVX-Funkstrecke an die Blackmagic ATEM Mini
Beispiel Sony FS5: Um genau zwei Frames läuft der Ton verzögert ab, wenn man eine Sennheiser AVX-Funkstrecke direkt an das ATEM Mini-Mischpult anschließt.

Um herauszufinden, welcher Wert für deine eigene Mikro- und Kamerakonstellation passend ist, bleiben dir ein paar Testaufnahmen nicht erspart. Von Aufnahme zu Aufnahme erhöhst du dabei den Wert für die Verzögerung um jeweils ein Frame. Drei bis vier solcher Testaufnahmen sollten reichen. Dafür empfehle ich die Open Source-Software OBS Studio (für Windows, Linux und macOS).

Bei jeder Aufnahme klatschtst du einmal deutlich sichtbar und hörbar in die Hände. Im Schnittprogramm deiner Wahl wirst du dann sehr schnell sehen, bei welcher Aufnahme der Peak genau synchron ist mit den geschlossenen Händen.

Der Audio-Peak ist synchron mit dem Händeklatschen im Bild

Empfehlenswerter ist es natürlich, die Tonquelle direkt an die Kamera anzuschließen und sie darüber auch auszusteuern. Dann ist die Übertragung garantiert lippensynchron. Aber da viele kleinere Kameras zum Beispiel aus dem DSLM-Segment oft nicht mal Tonanschlüsse haben oder die gesamte Tonsteuerung schlecht implementiert wurde, ist dieser Weg sicher der Verlässlichere.

Die Kamera auf See schützen

Vor einigen Wochen waren Markus Böhnisch und ich an Bord des Trawlers Ellen Bach, wo wir erlebt haben, wie Fischfang in der Nordsee heute funktioniert. Eine Woche lang haben wir die dänische Crew rund um Kapitän Peter Iversen auf der Fahrt von Skagen bis vor die britische Küste und zurück begleitet.

Der wichtigste Teil unserer Dreharbeiten, das Fischen der rund 600 Tonnen Hering in britischen Gewässern, fand bei ziemlich starkem Dauerregen statt (im Film bei ca. 13:48 für zwei Minuten zu sehen).

Nachts auf der Ellen Bach: Fischer beim Heringsfang im Regen
Nachts auf der Ellen Bach: Fischer beim Heringsfang im Regen (Videostill aus dem Film).

Um unter diesen Bedingungen Bilder zu drehen, mussten wir die beiden Kameras gut schützen, sie dabei aber bedienbar halten. Wichtig war uns, dass

  • Zoom- und Schärferinge am Objektiv schnell ertastbar bleiben,
  • die Blende zügig verstellbar ist,
  • die Schalter für Weißabgleich und Gain ohne Aufwand zu erreichen sind,
  • ein kleines Kopflicht auf kurze Distanz für sanfte Aufhellung sorgt,
  • guter oder mindestens akzeptabler Atmo-Ton aufgezeichnet wird,
  • sowohl das LCD-Display als auch der Sucher für die Bildkontrolle verwendet werden können.

Wir nutzen beide die Sony FS5, eine kompakte und sehr ergonomische Super35-Handkamera, für Videojournalismus eine gute Option. Beide Kameras waren aufeinander abgestimmt, das heißt sie hatten identische Bildprofile und eine fast gleiche Funktionstastenbelegung.

Ende 2005 hatte ich mir für meine damals eingesetzte Panasonic DVX100 einen Regenschutz von Petrol mit der Typenbezeichnung „PRC-PA-DVX-N“ gekauft, der überraschenderweise recht gut zur FS5 passt. Wer also auf der Suche nach einem adäquaten Schutz für diese Kamera ist und nicht gleich mehrere hundert Euro für sowas ausgeben möchte, sollte sich auf dem Gebrauchtmarkt mal umsehen.

Mit ein paar Velcro-Punkten an Kamera und Objektiv lässt sich der Schutz zusätzlich gut befestigen. Das LCD-Display muss allerdings hinten links am Handgriff angebracht werden, sonst passt es nicht (die meisten FS5-Nutzer befestigen den Monitor vermutlich eher vorne links).

Sony PXW-FS5 nach Dreharbeiten bei starkem Dauerregen auf dem dänischen Herings-Trawler Ellen Bach
Sony FS5 mit Petrol-Regencape PRC-PA-DVX-N (nur noch gebraucht erhältlich).

Sobald sich allerdings die ersten Regentropfen auf der durchsichtigen Folie über dem LCD-Display ausgebreitet haben, ist eine verlässliche Bildkontrolle kaum noch möglich, zumindest nicht, wenn es um die Beurteilung der Schärfe geht.

Um das Bild bei Bedarf über den Sucher zu kontrollieren, würde ich raten, die Funktion „VF/LCD Panel“ im Menü auf AUTO zu stellen. Weil die FS5 das Bild leider nicht zeitgleich auf dem Display und im Sucher anzeigen kann, schaltet sie nun immer um, sobald sich das Auge dem Sucher nähert. Leider funktioniert diese Automatik etwas übersensibel, weshalb ich sie sonst komplett abgeschaltet lasse und bei Bedarf lieber den Schalter am oberen Rand des Displays umlege – doch das geht kaum, wenn die Kamera komplett unterm Regenschutz verpackt ist.

Sony FS5: Automatisches Umschalten zwischen Viewfinder und LCD-Display
Automatisches Umschalten zwischen Viewfinder und LCD-Display.

Fürs Aufhellen auf kurze Distanz, zum Beispiel von Gesichtern bei Interview-Statements, nutze ich normalerweise eine Dedolight Ledzilla-Kopfleuchte. Doch die hätte den starken Regen vermutlich nicht überlebt. Weil der Blitzschuh-Adapter am oberen Handgriff durch den Regenschutz permanent verdeckt war, habe ich stattdessen vorne links am Handgriff eine sehr kompakte und vor allem wasserdichte Mini-LED-Lampe, die Litra Torch 2, befestigt. Sie strahlt 5700K-Tageslicht ab, das sich über ein optionales Folienset samt Halterahmen auf Kunstlicht wandeln lässt. Dank des Diffusors ist das Licht sehr weich und eignet sich auf kurze Distanz optimal für Interviews. Allerdings hält der intern über USB aufladbare Akku auf maximaler Stufe höchstens 45 Minuten, eher kürzer.

Sony PXW-FS5 mit Litra Torch 2.0 und SmallRig-Befestigung
Sony PXW-FS5 mit Litra Torch 2.0 und SmallRig-Befestigung.

Um die Leuchte vorn links anzubringen, bieten sich die beiden SmallRig-Adapter (1831 und 860) an. Sie sind stabil, leicht, kompakt und individuell verstellbar.

Ein wenig Glücksspiel blieb die Sache mit den Mikrofonen. Ich nutze das Audio Technica AT875R, ein Richtmikrofon, das für seinen Preis eine erstaunlich gute Qualität liefert und dabei sehr kompakt ist. Auch bei weitwinklingen Aufnahmen ragt es mit Windschutz nicht ins Bild.

Mit Wasser vollgesogener Mikrofon-Windschutz.
Mit Wasser vollgesogener Mikrofon-Windschutz.

Wie lange wir die Mikros unter diesen Bedingungen einsetzen konnten, wussten wir vorher nicht. Insgesamt haben die Seeleute drei Mal ihre Netze eingeholt, leergepumpt und auf die Tanks verteilt, bis sie ihre 600 Tonnen Hering an Bord hatten. Und jedes Mal hat es dabei stark geregnet. Pro Vorgang brauchten wir etwa 45 Minuten, um die benötigten Bilder im Kasten zu haben. Viel länger hätte es wahrscheinlich auch nicht dauern dürfen. Die Mikros haben es überlebt, die Windschütze landeten jedes Mal zum Trocknen im Maschinenraum und die Atmo hatte die Qualität, die wir uns erhofft hatten.

Ein kurzer Hinweis zum Schluss: Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich kaum vermeiden, dass allerlei Produktnamen fallen. Bei allen Links auf dieser Website handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Sämtliche Produkte habe ich selbst zu marktüblichen Preisen gekauft. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

WebM- und MP4-Videoloops für Websites optimieren

Kurz als Merkhilfe für mich selbst, vielleicht aber auch für andere nützlich: Wenn ich kurze Videoloops auf einer Website einsetze, kodiere ich aus der Quelldatei in der Regel drei Versionen, damit das Ganze möglichst kompatibel zu vielen Browsern bleibt (wie auch hier kurz beschrieben): MP4 (AVC/H.264), OGV und WebM.

Doch selbst wenn man im Editor die Schnittstelle ideal setzt und der Loop, der nur aus einer Einstellung besteht, an sich absolut flüssig und ohne verräterischen Ruckler läuft, heißt das noch nicht, dass das auch für die aus dem Rohclip kodierte Webversion gilt. Gerade bei WebM kann es mit falschen Einstellungen zu deutlichen Blockartefakten kommen, die am Ende des Videoclips so stark sind, dass es sofort auffällt, wenn der Loop relativ artefaktfrei wieder von vorn anfängt.

Für WebM kann ich nach ausgiebiger Suche und reichlich Testerei folgende Settings mit dem Kommandozeilen-Tool ffmpeg empfehlen:

ffmpeg -i quelldatei.mov -framerate 25 -c:v libvpx-vp9 -b:v 0 -pix_fmt yuv420p -crf 40 -cpu-used 1 -tile-columns 2 -threads 8 -row-mt 1 -vf scale=850:478 zieldatei.webm

Fundstelle: .webm blocky in initial frames, terrible for looping :(

Aus einer ursprünglichen Beispiel-Quelldatei (Full HD, 6 Sekunden, Apple ProRes, keine Tonspuren) mit einer Größe von ca. 29 Megabyte wird der Clip mit den obigen Settings und dem VP9-Codec auf 210 Kilobyte reduziert. Die finale WebM-Videodatei hat eine Größe von 850 x 478 Pixel (16:9), bei der an keiner Stelle die für Loops problematischen Blockartefakte auftreten:

Vermutlich wird dieses WebM-Beispielvideo auf vielen mobilen Endgeräten nicht angezeigt.

Die einzelnen Parameter werden hier recht anschaulich erklärt. Ein Constant Rate Factor (CRF) von 40 scheint mir ein guter Kompromiss zwischen Qualität und tolerabler Größe zu sein. Kleinere Faktoren ergeben eine bessere Qualität, dafür aber größere Dateien. Ein CRF-Maximalwert von 63 würde das Video auf 34 Kilobyte quetschen, aber die visuelle Qualität wäre indiskutabel. Oder Kunst.

Für die MP4-Version nutze ich in der Regel ffmpeg mit diesen Parametern:

ffmpeg -i quelldatei.mov -vcodec h264 -vb 400k -pix_fmt yuv420p -vf scale=850:478 zieldatei.mp4

Vermutlich wird dieses MP4-Beispielvideo auf vielen mobilen Endgeräten nicht angezeigt.

Wegen der gewählten Bitrate von 400 KBit/s ist die MP4-Variante mit 222 Kilobytes von vergleichbarer Qualität. Bei Bildern ohne komplexe Hintergründe und mit wenig Bewegung reichen 200 KBit/s völlig aus.