Freddy

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Video-Link: https://vimeo.com/18475579

Als ich Freddy im Dezember vergangenen Jahres das erste Mal traf, fiel mir gleich sein fester Händedruck auf. Ich wusste nicht viel über die Glasknochenkrankheit. Meine anfängliche Unsicherheit hat er mir schnell genommen.

Freddy ist 30, Biochemiker am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum, und arbeitet gerade an seiner Doktorarbeit. Für die Caritas-Kampagne Kein Mensch ist perfekt durfte ich dieses Portrait produzieren.

Gedreht habe ich das ganze mit der Canon 550D / Rebel T2i, die ich samt Zoom H1 und Sennheiser EW100 G2-Funkstrecke sowie dem externen Marshall-Monitor auf dem Schulter-Rig befestigt habe. Bis auf das Interview sind sämtliche Bilder frei aus der Hand gedreht.

Weil ich die Kamera oft unter Hüfthöhe gehalten habe, war der externe Monitor unverzichtbar. Viel lieber fokussiere ich aber über die Liveview-Anzeige mit dem LCDVF. Insofern war der ständige Wechsel zwischen beiden Displays etwas nervig, denn sobald der Monitor angeschlossen ist, bleibt die Anzeige der Kamera schwarz. Ständiges Steckerziehen und wieder reinstöpseln war die Folge. Keine Ahnung, wie oft die Buchse der Kamera sowas mitmacht.

Als Objektiv habe ich ausschließlich das Tamron 17-50mm verwendet, weil es beim APSC-Sensor der 550D einen guten Kompromiss zwischen der nötigen Weitwinkligkeit für Raumaufnahmen und mittlerer Brennweite für Nahaufnahmen aus kurzer Distanz bietet. Und das alles mit einer offenen Blende von f/2.8 über die gesamte Brennweite.

Leider war die Magic Lantern-Firmware zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht verfügbar. Sie hätte sicher das ein oder andere vereinfacht, beispielsweise die Tonaufnahme (um später nicht synchronisieren zu müssen) oder die korrekte Belichtung dank der jetzt verfügbaren ISO-Zwischenwerte wie bei der 7D.

Auch wenn die Dreharbeiten insgesamt recht reibungslos verliefen (allein schon dank Freddys Geduld), traten natürlich die üblichen Probleme der Arbeit mit DSLR-Kameras auf.

  • Wegen ständig wechselnder Drehorte und Lichtverhältnisse war der deutlich zu zeitraubende manuelle Weißabgleich nicht immer möglich. Also habe ich hier und dort mit Presets gearbeitet, was ein nachträgliches Color Grading (mit Magic Bullet Looks) erforderte. Auch aus diesem Grund habe ich von vornherein mit einem Superflat-Picturestyle gedreht, um möglichst viele Reserven dafür zu haben.
  • Einige wenige Aufnahmen waren allein schon deshalb unbrauchbar, weil Aliasing- und Moiré-Muster auf Strukturen im Bildhintergrund einfach zu heftig waren.
  • Während des etwa 45 Minuten langen Interviews musste ich einige Male unterbrechen, u.a. wegen des 12 Minuten-Aufnahmelimits und Überhitzung der Kamera.

Ausgeleuchtet habe ich das Interview mit recht kompakter Technik. Als Führungslicht diente die Akku-betriebene MicroPro-Leuchte von Litepanels mit 96 LEDs, gedämpft durch ein wenig Frost-Folie. Als Haarlicht habe ich mit der Schreibtischlampe im Hintergrund improvisiert.

Update (01.03.2011): Am 20. Februar sind Freddy und ich mit dem Deutschen Webvideopreis in der Kategorie „Dokumentation“ ausgezeichnet worden. Große Freude! Vor allem weil’s ein Publikumspreis war, mit dem wir nun wirklich nicht gerechnet hatten. Vielen Dank von uns beiden!

Magic Lantern Firmware mit GUI für die EOS 550D/Rebel T2i: Audioaufnahme mit Zoom H1 und Sennheiser EW100 G2 ohne zu synchronisieren

Seit ein paar Tagen ist die Magic Lantern Firmware für die 550D/Rebel T2i in einer Version mit Menueführung zu haben. Wie schon bei der 5D Mark II verfügt jetzt auch die kleine 550D über Features, die deutlich professionelleres Arbeiten ermöglichen.

Ich habe testweise mal die Firmware vom 12. Dezember installiert (550D/1.0.8), in der es auch einen Spotmesser gibt, um punktuell die Belichtung zu messen.

Insgesamt hat diese Version von Magic Lantern noch ein paar Fehler, ist für mich aber trotzdem eine riesengroße Bereicherung – allein schon wegen des Audio-Teils, um den es im folgenden geht.

Endlich ist es also möglich, die Tonautomatik (AGC) abzuschalten und beide Kanäle unabhängig voneinander zu pegeln. Schade nur, dass es den Entwicklern noch nicht gelungen ist, eine Tonkontrolle über den AV-Out zu programmieren.

Meine (hier abgekupferte) Idee war daher, den Zoom H1, die Funkstrecke EW100 G2 (mit Ansteckmikro MKE2) und die 550D so zu verbinden, dass ich einerseits ein sauberes Tonsignal aufzeichnen kann, andererseits das Tonsignal mit Kopfhörern über den Zoom H1 abhören kann – und das alles natürlich ohne später im Schnitt synchronisieren zu müssen. Der Zoom H1 dient also nur als Vorverstärker und gibt das Tonsignal direkt an die 550D weiter, die – dank abgeschaltetem AGC – möglichst rauschfrei aufzeichnen soll.

Das funktioniert auch gar nicht mal so schlecht. Die Verbindung zwischen Zoom H1 und 550D habe ich bisher zwar nur über ein ganz normales Stereoklinkenkabel hergestellt und konnte deshalb noch keinen Kopfhörer anschließen.

Ideal wäre ein Y-Kabel: Auf Zoom-Seite müsste es mit einem 3,5mm-Stereoklinkenstecker enden, auf der anderen Seite jeweils mit einem 3,5mm-Stereoklinkenstecker (zum Anschluss an die 550D) sowie einer 3,5mm-Stereoklinkenbuchse (für den Kopfhörer). Ob man so ein Kabel kaufen kann? Vermutlich ist das eher ein Fall zum selber Löten.

Ziel ist es, das über den Zoom H1 aufgezeichnete Tonsignal an die Kamera so weiterzuleiten, dass die Pegelanzeigen 1:1 übereinstimmen. Zeigt also der Zoom beispielsweise einen Pegel von 12 dB unter der Vollaussteuerung an, sollte das die 550D auch tun.

Da ich weder die Pegelanzeige des Zoom noch die von Magic Lantern besonders genau finde, bin ich auf folgende Ungefähr-Einstellungen gekommen (falls jemand bessere Einstellungen gefunden hat, bin ich um jeden Hinweis in den Kommentaren dankbar).

Audio-Konfiguration der Magic Lantern Firmware

Im Magic Lantern-Menue:

  • AudioMeter: ON (zeigt die beiden Pegelmesser)
  • Output vol: 6 dB (dieser Wert ist völlig egal, da die Audiokontrolle über Kopfhörer direkt an der 550D noch nicht einwandfrei funktioniert)
  • Anlg Gain: 0 dB (die analoge Mikrofonvorverstärkung)
  • L-Gain: 6 dB (Verstärkung des linken Kanals)
  • R-Gain: 12 dB (Verstärkung des rechten Kanals)
  • AGC: OFF
  • Filters: OFF
  • Inp: ext stereo (Eingangsquelle ist also linker und rechter Kanal des externen Mikrofonanschlusses)

Die Sennheiser-Funkstrecke habe ich wie folgt eingestellt:

  • Sensitivität des Senders: -10 dB
  • AF-Out des Senders: -24 dB

Und den Zoom H1 so:

  • Mikro/Line In: 70
  • Kopfhörer/Line Out: 90

Mit diesen Einstellungen kommt normal laute Sprache, aufgezeichnet über ein auf Brusthöhe angebrachtes Sennheiser MKE2, etwa so in der 550D an:

Audio-Hükurve einer Sprachaufnahme mit der beschriebenen Konfiguration

Da ich den ersten Kanal nur mit +6 dB verstärkt habe, dient er zu Sicherheit, denn die Wahrscheinlichkeit zu übersteuern ist sehr gering. Den zweiten Kanal habe ich mit +12 dB verstärkt, weswegen das Signal in den Spitzen an zwei Stellen verzerrte.

Rauschfrei läuft die Aufnahme mit Magic Lantern natürlich auch nicht, dazu ist der Tonteil der Kamera vermutlich einfach zu schwach und meine Verkabelung zu störanfällig. Während bei meinen Einstellungen das Grundrauschen des ersten Kanals bei -44 dB unter der Vollaussteuerung liegt, ist’s beim zweiten Kanal deutlich höher. Zum Vergleich: Das Grundrauschen liegt beim direkt mit dem Zoom aufgezeichneten Signal bei etwa -50 dbFS.

Mein zwischenzeitliches Fazit: In Zukunft werde ich den Ton so wie beschrieben aufzeichnen. Den Zoom werde ich bei Interviews natürlich auch auf Aufnahme schalten, um im Zweifelsfall einfach noch eine alternative Tonspur zu haben, die rauschfreier ist und eben auf altbewährte Art später synchronisiert werden kann.

Der Zoom H1

Der Zoom H1 auf meinem Schulter-Rig

Auf den Zoom H1 habe ich lange gewartet. Vor ein paar Tagen ist der kleine Audio-Rekorder hier eingetroffen. Mein erster Eindruck: Sehr brauchbar und eine tolle Ergänzung, mit der ich mein Low-Budget-DSLR-Rig nun komplettiere. Einen ersten Test gibt es hier.

Was mir positiv auffällt:

  • Spannungsversorgung erfolgt über eine einzige 1.5V-AA-Batterie bzw. über einen 1.2V-AA-Akku (Energieverbrauch scheint sehr gering zu sein).
  • Im Lieferumfang ist eine 2GB-Micro-SD-Karte samt Adapter auf SD enthalten.
  • Die Bedienung erfolgt nicht über verschachtelte Menues, sondern über außen liegende Schalter.

Nicht so gut:

  • Die Verschlussklappe des Micro-SD-Kartenslots ist so schlecht angebracht, dass sie wohl früher oder später von selbst abfallen wird.
  • Wenn man das interne Mikro benutzen will, muss man das Gerät schon mit Samthandschuhen anfassen. Minimale Griffgeräusche sind sofort zu hören. Selbst wenn ich den Zoom direkt am Rig befestige, übertragen sich die Griffgeräusche vom Rig deutlich hörbar auf das Mikrofon.
  • Zum Tonpegel steuern gibt es nur einen +/- Schalter, kein kleines Rädchen.
  • Beide Tonkanäle kann man nur zusammen aussteuern.

Weil ich das interne Mikrofon des Zoom sowieso nicht brauche, habe ich gleich mal mein Sennheiser K6 mit ME64-Kapsel angeschlossen. Etwas ernüchternd: Selbst wenn ich den Tonpegel auf 100 Prozent hochziehe, kommt die Aufnahme nur mit -12 dbFS in den Spitzen an (bei normal lauter Stimme sowie einem Abstand zum Mikrofon von etwa 50 cm). Dasselbe beim auf Brusthöhe angebrachten Ansteckmikro MKE2 (ebenfalls gespeist über den K6).

Wesentlich besser läuft’s mit meiner G2-Funkstrecke. Ich hab’s mal mit der MKE2-Kapsel ausprobiert und sie ebenfalls auf Brusthöhe angebracht. Wenn ich den Sender auf -10 dB Sensitivität und den AF OUT des Empfängers auf -18 stelle, kommt ein superklares Signal an, das bei 80 Prozent Pegeleinstellung in den Spitzen bei -6 dbFS landet.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Magic Lantern-Firmware für die 550D, mit der dann hoffentlich bald manuelle Tonaussteuerung direkt an der Kamera möglich ist. Dann werde ich den Zoom via Line Out direkt mit dem Mikrofoneingang der DSLR verbinden, um das Tonsignal durchzuschleifen – so zumindest der Plan.

Dann muss ich nur noch herausfinden, mit welcher Lautstärke ich aus dem Audiorekorder herausgehe und auf welchen Wert ich die Eingangsempfindlichkeit der Kamera einstelle. Bestenfalls stimmt dann die Pegelanzeige des Zoom 1:1 mit dem ankommenden Signal in der 550D überein – genau so wie es hier bereits für die 5D Mark II und dem Zoom H4n beschrieben steht.

Update (04.10.2010): In den vergangenen Tagen ist mir aufgefallen, dass mein Zoom H1 im abgeschaltetem Zustand trotzdem Energie frisst – und zwar nicht zu knapp. Nach knapp zwei Tagen ist der Akku leer, ohne dass ich das Gerät auch nur einmal eingeschaltet hatte. Dasselbe Problem haben auch andere.

Update (13.10.2010): Das alte Gerät (Seriennummer irgendwo zwischen 11.000 und 12.000) habe ich ausgetauscht, das neue mit einer Seriennummer über 43.000 hat das Problem nicht mehr. Der Akku ist seit Tagen drin und randvoll.