Das Angénieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv an der BMPCC

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Video-Link: https://vimeo.com/110242230

Das Video zeigt verschiedene unzusammenhängende Aufnahmen, die lediglich einen kleinen und komplett unwissenschaftlichen Einblick verschaffen können, welche optischen Eigenschaften das Angénieux 17-68mm f/2.2 Zoom-Objektiv aufweist. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Ich weiß nicht, aus welchem Jahr genau mein Angénieux 17-68mm f/2.2 stammt, aber als erstes Zoom-Objektiv für Filmkameras wurde es vermutlich irgendwann zwischen 1956 und den 70er Jahren hergestellt. Irgendwie ein schöner Gedanke, dass so alte Technik aus der Gründerzeit der Cinéma vérité-Bewegung heute noch wertvolle Dienste an modernen Digitalkameras leisten kann. Was dieses Objektiv wohl alles schon gesehen hat?

Das Angénieux 17-68 hat zweifelsohne seinen ganz eigenen Charakter, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Ich mag die Blendenflecke, die bei Gegenlicht auftreten und es stört mich auch überhaupt nicht, dass das Objektiv nicht annähernd so scharf ist wie moderne Linsen, schon gar nicht bei offener Blende. Dass Schärfenverlagerungen fast aussehen wie kurze Zoomfahrten – so ausgeprägt ist der als Focus Breathing bekannte und meist unerwünschte Effekt -, nehme ich mit Respekt vor dem Alter des Objektivs natürlich in Kauf. So sahen die bewegten Bilder damals eben aus.

Was es heute eher zum Gelegenheitsobjektiv an der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) macht, sind für mich eigentlich nur drei Dinge:

  • Der Brennweitenbereich von 17mm bis 68mm ergibt am BMPCC-Sensor Normalsicht bis Tele, ich bevorzuge aber eher Reportage- bis Normalsicht.
  • Die kürzeste Scharfeinstellung beträgt 1,20 Meter. Oft will ich aber näher heran.
  • Das Objektiv hat einen C-Mount und lässt sich mit einem günstigen Adapter an das MFT-System der BMPCC anschließen. Doch solche Adapter sind leider meistens so ungenau, dass die Distanzangaben bei den Schärfeeinstellungen des Objektivs nicht mehr stimmen. Die Schärfe lässt sich zwar auf unendlich stellen, weicht aber von der Markierung ab. Das lässt sich nur mit zusätzlichen Abstandshaltern beheben, die zwischen den Objektivanschluss und den Adapter gefummelt werden müssen. Wegen dieser Ungenauigkeiten kann ich leider auch nicht beurteilen, ob das Objektiv tatsächlich parfokal ist (ich würde vermuten: ja). (Update 13.05.2015: Mit einem präzise gefertigen Adapter ist das Objektiv parfokal. Näheres dazu in diesem Eintrag.)

Haptisch ist das gerade mal 400 Gramm leichte Angénieux wirklich gut und passt in seiner Größe perfekt zur BMPCC. Der Blendenring läuft stufenlos und ebenso weich gedämpft wie der Zoom- und der Schärfering. Schade nur, dass beim Fokussieren das gesamte Frontelement rotiert und seine Länge verändert. Aber anders war das damals vermutlich technisch nicht zu lösen.

Da das Objektiv für damalige 16mm-Kameras konzipiert wurde, die BMPCC aber einen etwas größeren Super16-Sensor (siehe Vergleich) hat, besteht die Gefahr, dass der Bildkreis der Linse nicht groß genug für die Sensorfläche ist und im kürzeren Brennweitenbereich Randabschattungen auftreten.

Zum Glück betrifft das bei dem Angénieux aber nur den Anfangsbrennweitenbereich von 17mm. Und das auch nur, wenn man die Schärfe in den absoluten Nahbereich von 1,20 Meter legt und mit größeren Blendenzahlen arbeitet. Stellt man die Schärfe auf unendlich, bilden sich selbst bei der größten Blendenzahl 22 keine Ränder, wie folgende Abbildung zeigt.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf unendlich

Zum Vergleich: Liegt die Schärfe im Nahbereich, bilden sich bei Blende 22 deutliche Ränder, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf 1.2m

…die auch bei Blende 16 noch deutlich zu sehen sind, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 16, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 11 weniger ins Gewicht fallen, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 11, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 8 fast nicht mehr sichtbar sind…

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 8, Schärfe auf 1.2m

…und ab Blende 5.6 komplett verschwinden.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 5.6, Schärfe auf 1.2m

Zoomt man nur ein wenig, sind Randabschattungen – unabhängig von Scharfeinstellung und Blendenöffnung – gar kein Thema mehr.

Allerdings gelten die oben gezeigten Darstellungen nur, wenn man absolut gar keinen Filter vor das Objektiv schraubt. Doch einen ND-Filter wird man fast immer benötigen, wenn man tagsüber draußen dreht. Dummerweise sind Filter an diesem Objektiv wahrlich eine Wissenschaft für sich, da das Objektiv mit absolut unüblichen Gewinden daherkommt.

Bei meinem Objektiv war ein Serie 7-Filterhalter dabei, der direkt vor das Objektiv geschraubt war. Damals waren solche Filterhalter üblich, und das Frontgewinde von Serie 7 beträgt ziemlich genau 54mm. Die Filter, die ich an anderen Objektiven einsetze, sind nahezu alle 58mm groß.

Also habe ich versucht, mir einen Stepup-Ring von 54mm auf 58mm zu besorgen. Der einzige Hersteller, den ich ausfindig machen konnte, ist Heliopan. Dumm nur, dass Heliopan den 54mm auf 58mm-Ring nicht mehr im Programm hat, dafür aber noch einen Ring von 54mm auf 55mm (Heliopan Nr. 190). Den also bestellt und zusätzlich noch einen 55mm auf 58mm-Adapter, was dann so aussieht:

Filterring Nr. 190 von Heliopan (54mm auf 55mm) in Kombination mit Serie 7-Adapter

Schraubt man das ganze vors Objektiv, tauchen zwei Probleme auf: Erstens führt diese Lösung zu starken Randabschattungen, die mit den Abbildungen oben nicht mehr zu vergleichen sind und erst bei ca. 20mm Brennweite verschwinden. Und zweitens: Das 54mm-Gewinde des Serie 7-Filterhalters hat keine gewöhnliche 0,75mm-Steigung, sondern unübliche 36 Gänge pro Zoll. Dreht man den Stepup-Ring in den Serie 7-Filterhalter, geht das zwar bis zu einem bestimmten Punkt, hält aber nicht richtig und überdreht dann. Mit Gaffer-Tape lässt es sich immerhin fixieren, aber das ist eher eine Notlösung.

Die zweite Alternative lässt den Serie 7-Filterhalter komplett außen vor und ist leider auch keine Ideallösung, weil sie ebenfalls zu Randabschattungen führt, wenn auch nicht ganz so gravierenden.

Das Objektiv hat ein 45mm-Frontgewinde, naheliegend wäre also ein Filteradapter von 45mm auf 58mm – doch den hat Heliopan nach Aussage meines Fachhändlers auch nicht mehr im Programm. Wohl aber einen 45mm auf 55mm-Adapter (Heliopan Nr. 195), den ich mit einem 55mm auf 58mm-Adapter kombiniert habe.

Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Weil das Gewinde dieses Ringes eine 0,5mm-Gewindesteigung hat, lässt er sich ebenfalls nicht perfekt ins Obektivgewinde (mit 36 Gängen pro Zoll) schrauben. Er sitzt schon nach einer kurzen Drehung so fest, dass man ihn lieber nicht weiterdrehen will.

Angenieux 17-68mm f/2.2 mit Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Ich gebe mich mit dieser Lösung erstmal zufrieden. Wer sich das Angénieux 17-68mm ebenfalls für seine BMPCC anschaffen will und nach einer Lösung für die Filterfrage sucht, könnte z.B. ausprobieren, das Objektiv am vorderen Ende mit Gaffer-Tape zu umwickeln, um anschließend einen 55mm auf z.B. 67mm-Adapterring drüber zu stülpen. Dieser müsste nachträglich noch fixiert werden, z.B. mit Superkleber. Danach lässt sich ein mit 67mm groß genug bemessener ND-Filter anbringen, sodass es keinerlei zusätzliche Randabschattungen geben sollte. Einfach mal ausprobieren. (Update 12.05.2015: Ich habe das mal gemacht und in diesem Eintrag etwas näher beschrieben und bebildert.)

Wer noch weitere Infos zum Angénieux 17-68mm f/2.2 sucht, sollte auf Vintage Lenses for Video vorbeischauen und sich außerdem die Kommentare unter diesem sehenswerten Video auf Vimeo durchlesen.