Kompaktes Reportage- und Doku-Rig für die Panasonic AG-AF101

Am liebsten arbeite ich mit der AF101 so wie sie ist, also möglichst kompakt, am besten ohne Rig. Mit unstabilisierten Objektiven wie beispielsweise dem Tokina 16-50mm, das ich sehr häufig einsetze, wird’s dann aber bei Brennweiten jenseits von 35mm nicht unbedingt wacklig, sondern eher zittrig, wie man es eben von CMOS-Sensoren kennt. Und dann macht ein Rig doch wieder Sinn.

Ich habe mir aus den einzelnen Bauteilen, die sich bei mir im Laufe der Jahre (und der damit verbunden 35mm-Adapter– und DSLR-Experimente) angesammelt haben, etwas sehr Kompaktes zusammengeschraubt. Wer mag, kann sich das nachbauen – hier ist die Anleitung. Die Links zu den einzelnen Elementen samt Preisen habe ich hier komplett aufgeführt.

Das fertige Rig ist nicht zum Schultern gedacht, sondern wird an die Brust gedrückt. Auf diese Art und Weise kann ich sowohl den Sucher als auch das LCD-Display nutzen.

Die Panasonic AG-AF101 mit Reportage-Rig im Einsatz

Das nackte Rig wiegt ziemlich genau 1,7 Kilogramm und ist kaum länger als die AF101 mit einem gewöhnlichen SLR-Objektiv. Die Kamera bringt inkl. Akku, der Tokina-Linse und einem Mikro etwas mehr als drei Kilo auf die Waage. In der Summe sind es also ca. fünf Kilo, die vor der Brust gestemmt werden müssen.

Das Reportage-Rig für die Panasonic AG-AF101 ganz ohne Kamera

Wobei „gestemmt“ es eigentlich falsch beschreibt. Denn wirklich schwer wirkt die ganze Konstruktion nicht, da man das Rig fest an den Oberkörper drückt. So ist die Kamera quasi eingeklemmt. Das ist etwas anderes als würde man sie in klassischer VJ-Haltung vor der Brust mit beiden Armen verschränkt tragen. Das Rig sorgt für deutlich weniger Ermüdung und das leichte Zittern bei frei aus der Hand geführter Kamera (das sich so gern auf den CMOS-Chip überträgt und sehr unangenehm aussieht) verschwindet komplett, auch bei längeren Brennweiten.

Die Konstruktion besteht aus 11 Bauteilen, davon einige doppelt (daher die Nummerierung von 1 bis 7 auf folgendem Bild):

Einzelteile des Reportage-Rigs für die Panasonic AG-AF101

Ein kurzer Hinweis an dieser Stelle: Ich verlinke ungern auf Shop-Seiten. Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich das aber manchmal schwer vermeiden. Deshalb nochmal deutlich: Bei allen Links auf R73.net handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

  1. Zacuta Universal Baseplate V3 inkl. der beiden mitgelieferten 30cm-Rods: Dieses Teil ist mit 560,- US-Dollar (Stand Juni 2012) recht teuer, dafür aber eine Anschaffung fürs Leben. Die Platte hält die Kamera absolut sicher und lässt sich in alle Richtungen verschieben, auch in der Höhe. Dank dieser Variablität ist es also ohne Probleme möglich, die Kamera so anzuheben, dass man zum Beispiel schwere Objektive mit speziellen Halterungen an den Rods befestigt, einen Follow-Focus exakt austariert und eine Matte-Box mittig zum Objektiv anbringt.
  2. Handlebar Clamp von Redrock Micro: Wird vorn an die Rods geschraubt. Kostet 85,- US-Dollar.
  3. Von den ca. zehn cm kurzen Handlebar Rods braucht man zwei Stück (jeweils 15,- US-Dollar). Sie werden links und rechts an der Handlebar Clamp verschraubt.
  4. Auch die microHandGrips braucht man zwei mal (jeweils 74,50 US-Dollar). Im Endeffekt sind das nichts anderes als bessere Fahrradlenker-Griffe, die wiederum an den beiden Handlebar Rods befestigt werden.
  5. Die Teile Nummer 5, 6 und 7 kann man en bloc kaufen unter dem Namen microBrace body pad accessory kit für insgesamt 243,50 US-Dollar, spart dabei im Vergleich zum Einzelkauf aber keinen Cent (5: microBrace body pad für 129,50 US-Dollar, 6: Grip Rod für 54,50 US-Dollar, 7: Micromount für 59,90 US-Dollar). Das Konstrukt bildet den hinteren Teil des Rigs und lässt sich wunderbar an den eigenen Körperbau anpassen, da man ja alle Teile verschieben und unterschiedlich winkeln kann.

Alles zusammen kostet das Rig also 1067,50 US-Dollar. Dabei sind Zollgebühren und Versandkosten noch nicht berücksichtigt. Alle Teile kann man auch bei deutschen oder europäischen Händlern kaufen.

Die Panasonic AG-AF101 mit Reportage-Rig auf dem Stativ

Nach einigen praktischen Einsätzen halte ich das Rig für eine brauchbare Option. Der Wechsel zwischen Freihand und Stativ geht problemlos in wenigen Sekunden, ohne dafür irgendwelche Teile abschrauben zu müssen (weil beispielsweise der Body Pad mit dem Schwenkarm des Stativs kollidieren könnte). Auch die Kamera mal eben auf dem Boden abzustellen ist kein Problem, da das Rig recht fest auf drei Beinen steht.

Für VJs, die viel ohne Auto unterwegs sind und kompakt reisen: Das Rig lässt sich schnell in sechs Teile zerlegen, die dann wenig Platz in Anspruch nehmen. In weniger als einer Minute ist alles wieder zusammengeschraubt und einsatzbereit.

Wie Final Cut Pro X HD-Material (720p50) in SD-Material mit Halbbildern (576i50) wandelt

Viele Videojournalisten, die ausschließlich für das Web drehen, produzieren von vornherein vermutlich eh alles in HD mit Vollbildern und quadratischen Pixeln. Gut so, weil der Workflow zumindest technisch weitgehend stressfrei ist.

Wer als Videojournalist auch das TV bedient und schlüsselfertiges Material liefert, muss sich oft mit SD-Auflösung (Standard Definition, also 720×576), Halbbildern und anamorphen Pixeln herumschlagen. Einen großen Teil meines Materials drehe ich daher von vornherein in DVCPRO50 (also dem bestmöglichen SD-Codec meiner Panasonic HPX171).

Hin und wieder mische ich SD-Aufnahmen mit dem Material meiner DSLR, das ich in 720p50 gedreht habe. Wie man aus den 50 Vollbildern 50 Halbbilder für den SD-Workflow mit Hilfe des Compressors generiert, habe ich seinerzeit hier beschrieben. Dieser Zwischenschritt über den Compressor war bisher nötig, weil Final Cut Pro (6 oder 7) das direkte Wandeln auf einer DVCPRO50-Timeline selbst einfach nicht sauber hinkriegt. Die Bilder ruckeln (was nicht an evtl. vertauschten Halbbildern liegt).

Final Cut Pro X hingegen macht da wirklich einen guten Job. Lege ich dort einen 720p50-Clip auf der Storyline eines DVCPRO50-Projekts ab, erscheint zunächst der gelbe Renderbalken. Der löst sich aber schnell auf und im Hintergrund ist das Material sauber umgerechnet worden.

Ich habe mir das Ergebnis mal auf meinen Röhren-Videomonitor mittels Matrox MXO2 Mini angesehen (*). Die Bilder laufen butterweich, ganz so als wären sie in SD mit Halbbildern gedreht worden. Allein in dieser Hinsicht bringt Final Cut Pro X im Vergleich zu Final Cut Pro 7 eine große Zeitersparnis mit sich – zumindest für mich, da ich sehr oft HD- und SD-Material mische.

(*) Anmerkung am Rande: Noch unterstützt FCPX das externe Monitoring via Matrox MXO2 nicht, aber ich hoffe, das wird irgendwann mal werden. Daher musste ich für diesen Halbbild-Test den Videoclip aus Final Cut Pro X erst ausspielen (und zwar im gleichen Format, wie das Material auf der Timeline bearbeitet wurde, also in DVCPRO50). Anschließend habe ich die Quicktime-Datei in Final Cut Pro 7 importiert, dort auf eine korrekt voreingestellte DVCPRO50-Timeline gelegt und via Matrox MXO2 Mini auf dem Monitor angeschaut.

Magic Lanterns Audiopegel, optimale Einstellungen für das Sennheiser ME64 und die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Die Magic Lantern-Firmware macht aus der Canon 550D eine ziemlich komplette Videokamera. Vor allem die Audiofunktionen sind wirklich großartig, ich möchte sie nicht mehr missen.

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, Tonaufnahmen möglichst nicht mehr nachträglich zu synchronisieren (also mit dem Zoom H1 aufzunehmen und später im Schnitt an die Videospur anzupassen), sondern das jeweils benötigte Mikrofon direkt anzuschließen. Entgegen vieler Meinungen im Netz finde ich die internen Audio-Wandler der Kamera gar nicht mal so schlecht. Für meine Zwecke jedenfalls reichen sie.

Um das Optimum rauszuholen, muss man die Audio-Einstellungen von Magic Lantern erstmal verstehen.

Wenn ich das Sennheiser ME64 direkt an die Kamera anschließe, um damit beispielsweise Atmo oder auch situative O-Ton-Statements (z.B. bei Umfragen) aufzuzeichnen, stelle ich den Analog Gain auf den Maximalwert 32 dB. Ziel ist, den Digital Gain für den linken und rechten Kanal möglichst gering zu halten, denn die digitale Verstärkung sorgt für deutlich stärkeres Rauschen als die analoge.

Faustregel: Erst die analoge Verstärkung ausreizen, dann mit dem digitalen Gain Finetuning betreiben.

Für L-DigitalGain wähle ich 12 dB, für R-DigitalGain 6 dB. AGC, also die automatische Aussteuerung, schalte ich selbstverständlich ab.

Magic Lantern-Audioeinstellungen für das Sennheiser ME64

Diese Einstellungen eignen sich eigentlich wunderbar, um normale Atmo (also etwa die Geräuschkulisse einer Fußgängerzone in der Mittagszeit) oder O-Ton-Statements aus kurzer Distanz (mit etwa einem halben Meter Abstand zum Interviewpartner) aufzunehmen. Wohlgemerkt: Bei meinem ME64. Bei anderen Mikrofonen kann und wird das vermutlich ganz anders aussehen.

Die Pegel kommen jetzt in relativ gesunden Bereichen zwischen -18 und -9 dB unter der Vollaussteuerung an (es sei denn, der Interviewpartner flüstert). Das leichte Rauschen der Kanäle geht ohnehin in der Atmo bzw. in der Sprache unter.

Die unterschiedlich starke Aussteuerung der beiden Kanäle hat den Vorteil, dass ich mich später im Schnitt für den besseren Kanal entscheiden kann. Vom schlechteren trenne ich mich. Da die Kanäle in Stereo aufgezeichnet werden, muss die Balance natürlich nachträglich zentriert werden (sonst kommt der Ton nur links oder rechts aus dem Lautsprecher).

Als ich erste Tests mit der Funkstrecke (Sennheiser EW 100 G2) und dem Ansteckmikrofon MKE2 gemacht habe, hat es ein bisschen länger gedauert, die optimalen Einstellungen zu finden. Denn neben Magic Lantern müssen auch diverse Werte am Sender und am Empfänger der Funkstrecke justiert werden.

Meine Optimaleinstellungen, die ich für Interviews verwende (das Mikro ist dabei etwa auf Brusthöhe angebracht), sehen im Magic Lantern-Audiomenue wie folgt aus:

Magic Lantern-Audioeinstellungen für die Sennheiser EW 100 G2-Funkstrecke mit MKE2

Sämtliche Gains stehen also auf Null, was bedeutet, dass keinerlei Rauschen durch irgendeine Verstärkung hinzugefügt wird.

Die Sensitivität des Funkstrecken-Senders stelle ich auf 0 dB, den AF-Out des Empfängers auf +6. So kommt in der Kamera ein Signal an, das – je nachdem, wie laut der Interviewpartner spricht – in den Spitzen bei etwa -12 bis -9 dB unter der Vollaussteuerung landet. Das Rauschen ist vertretbar (wie gesagt: für meine Zwecke).

Ein paar Worte noch zum Pegelmesser von Magic Lantern: Die Pegel können die Farben Grün, Gelb und Rot haben. Ich habe es mal ausgemessen (mittels eines 1kHz-Tones): Grün wird der Balken angezeigt, wenn das Signal unter -18 dB liegt. Zwischen -18 und -12 dB ist der Balken gelb, danach dann rot. Ein roter Balken heißt also nicht, dass das Signal übersteuert ist, sondern sich lediglich im Headroom bewegt. Übersteuerung tritt eben tatsächlich erst am Ende der Skala ein.

Aber Vorsicht: Die kleinen Zahlenwerte links neben dem Pegelmesser sind nur ungefähr richtig (sie weichen nach meinen Erfahrungen etwa um 2 bis 3 dB ab). Kommt ein Pegel wirklich am Ende an, ist das Signal höchstwahrscheinlich schon übersteuert, auch wenn die kleine Zahl daneben -2 anzeigt.

Update (27.02.2011): Ich sehe gerade, dass die Sache mit den Pegelmessern in der Magic Lantern User Group auf Vimeo ebenfalls diskutiert wird. Tenor: Die Pegelmesser sind schwer zu beurteilen und relativ ungenau. Die von mir gemessenen Dezibelwerte für den grünen, gelben und roten Balken weichen leicht von den in der User Group gemessenen Werten ab.