Buch-Tipp: Praxisbuch Ton

Es mag zwar wie eine Binsenweisheit klingen, aber: Ein guter Ton trägt ganz entscheidend dazu bei, ob und wie die Informationen eines Videos beim Zuschauer ankommen.

Welche Fehler bei der Video-Produktion gemacht werden, kann man zurzeit auf vielen Websites sehen:

  • Atmo, die durch Windgeräusche so gut wie nicht mehr zu verstehen ist
  • Sequenzen, deren Einstellungen so aneinander gehackt wurden, dass jeder Schnitt ganz deutlich zu hören ist
  • O-Töne, die vor lauter Nebengeräuschen kaum noch zu verstehen sind
  • Sprachaufnahmen, die hallig, dumpf, zu leise oder zu laut klingen

Ganz offensichtlich schenken viele VJs dem Ton nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Scheinbar gilt schon beim Dreh: „Der Ton wird schon irgendwie passen!“ Und im Schnitt lassen sich viele Fehler kaum noch korrigieren.

Videojournalisten, die sich als Anfänger oder Fortgeschrittene mit dem Thema auseinandersetzen, empfehle ich das gerade erschienene „Praxisbuch: Ton – Perfekter Ton für News, TV-Beiträge, Industriefilme und Eigenproduktionen“.

Die beiden Autoren Andreas A. Reil und Wilm Brucker greifen darin viele Aspekte auf, die bei der Komplettproduktion eines Videos – vom Dreh bis zur Tonmischung – ein Rolle spielen. Angenehm dabei: Sie schreiben verständlich und nachvollziehbar, nicht von oben herab oder unnötig wissenschaftlich. Ein Buch von Praktikern für Praktiker.

Praxisbuch: TonIn dem Buch werden unglaublich viele Produkte vorgestellt – ein toller Service, da die genauen Hersteller- und Typenbezeichnungen samt ihren ungefähren Preisen genannt werden. Da das Buch in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „videoaktiv digital“ entstanden ist, konnten die Autoren auf eine umfangreiche Testdatenbank zurückgreifen und die Ergebnisse einfließen lassen. Das erleichtert eventuelle Kaufentscheidungen natürlich.

Auf den ersten Seiten geht es erstmal recht grundsätzlich zur Sache. Was ist eigentlich Ton? Und wie wird er von Mikrofonen verarbeitet? Klingt theoretisch, kommt aber sehr verständlich rüber. Leser lernen die verschiedenen Charakteristika (Kugel, Richt, Keule etc.) kennen und sehen, wie ein Mikrofon technisch funktioniert.

Viele hilfreiche Abbildungen samt PreisangabeAuf den folgenden Seiten werden zahlreiche verschiedene Mikrofontypen in Wort und Bild vorgestellt. Hier erfährt man ziemlich genau, welches Mikrofon mit welcher Charakteristik sich für bestimmte Einsätze am besten eignet. Dabei werden neben Standardsituationen wie Interview führen, Kommentar einsprechen oder Atmo aufzeichnen auch sehr spezielle Verfahren wie z.B. die binaurale Aufnahme erklärt.

Stets beziehen sich die Autoren auf Praxis-Situationen, wenn sie die Möglichkeiten der Technik vorstellen. Als Leser lernt man dabei die gesamte Vielfalt und eigentliche Komplexität des Handwerks Tonaufnahme kennen.

Als VJ wird man wahrscheinlich selten in Situationen kommen, wo man mal mehr als zwei Tonquellen gleichzeitig abnehmen muss. Ohne Assistent eh so gut wie unmöglich.

Aber trotzdem sind die rund 20 Seiten zum Einsatz von Tonmischern absolut goldwert. Denn neben dem ganzen Know-How, was man beim Lesen einsammelt, entdeckt man darunter plötzlich so kleine Perlen wie den Hinweis auf den BeachTek-Adapter, mit dem man Camcorder aufmotzen kann, die über keine XLR-Eingänge, geschweige denn die Möglichkeit verfügen, den Ton separat zu pegeln.

Im letzten Drittel des Buches beantworten die Autoren die wichtigsten Fragen rund um die Nachbearbeitung des Video-Tons: Mit welcher Software wird gearbeitet? Welche Monitor-Lautsprecher eignen sich besonders gut für die Abhöre? Wie entferne ich Tonstörungen und bekomme sanfte Übergänge hin? Und wie mische ich Atmo, Kommentar und Musik im korrekten Verhältnis zueinander ab?

Ich halte das Buch für absolut lesenswert. Wenn ich meinen Technikfuhrpark nicht schon beisammen hätte, wüsste ich spätestens jetzt, was genau ich brauche – und vor allem warum.

Bibliographische Angabe: Reil, Andreas A./Brucker, Wilm: Praxisbuch: Ton – Perfekter Ton für News, TV-Beiträge, Industriefilme und Eigenproduktionen. Mediabook Verlag A. Reil und Aktiv Verlag & Medienservice GmbH, Stein-Bockenheim und Reichenau, 2007. ISBN 978 3 937708 13 3. 258 Seiten. EUR 25,80.

Buch-Tipp: VideoShooter – Storytelling with DV, HD and HDV Cameras

VideoShooter - Storytelling with DV, HD and HDV Cameras von Barry Braverman

Dieses Buch habe ich wirklich gern gelesen und kann es jedem wärmstens empfehlen, der mit DV-Technik Videos fürs Fernsehen oder das Web dreht – egal ob als Anfänger oder Fortgeschrittener.

Die rund 250 Seiten hat Barry Braverman, selbst erfahrener Kameramann mit über zwanzig Jahren Erfahrung, vollgestopft mit Tipps und Hinweisen für den berufspraktischen Alltag.

Das Buch handelt zwar nicht speziell vom Videojournalismus (Braverman hat als Kameramann für National Geographic gedreht, aber auch Werbeclips und Musikvideos). Doch nahezu alles, was er beschreibt, ist für Videojournalisten von Interesse.

Es geht um Bildgestaltung, -ästhetik und Schnittrhythmus, um Vor- und Nachteile der von VJs eingesetzten Kameramodelle, um die vielen Tücken beim Dreh und wie man sie in den Griff bekommt – das alles gewürzt mit Anekdoten aus dem Drehalltag des Autoren. Leser lernen dabei viel über technische Details, ohne gelangweilt oder überfordert zu werden.

Am hilfreichsten ist für mich der Haufen an Zubehör, den Braverman in seinem Buch für verschiedene Kameras vorstellt. Wann ist ein Stativ wirklich gut und eine Anschaffung fürs Leben? Welche Filter sind in bestimmten Situationen beispielsweise für die Panasonic DVX 100 oder die Sony Z1U empfehlenswert? Wie und womit werden Interviews ausgeleuchtet?

Das Buch ist reichlich bebildert. Auf nahezu jeder Seite zeigt Braverman, wovon er spricht. Das macht vieles natürlich nachvollziehbarer.

Reichlich bebildert.
Auf nahezu jeder Seite werden die Erklärungen mit aussagekräftigen Fotos unterstützt.

Auf der beiliegenden DVD werden viele Beispiele aus dem Buch nocheinmal vertieft: So zeigt sie identische Szenen, die aber mit verschiedenen Filtern aufgezeichnet wurden. Verblüffend, wie in ein und derselben Situation völlig andere Stimmungen erzeugt werden.

Zudem zeigt Braverman einige Sequenzen, die er mit unterschiedlichen Codecs und Einstellungen kodiert hat (z.B. Mainconcept mit konstanter Bitrate versus ProCoder mit konstanter Bitrate). Auch hier werden deutliche Unterschiede sichtbar.

Da das Buch über einen siebenseitigen, gut sortierten Index verfügt, eignet es sich wunderbar als Nachschlagewerk.

Bibliographische Angabe: Braverman, Barry: Video Shooter. Storytelling with DV, HD and HDV Cameras. CMP Books, San Francisco, CA., 2005. Komplett in englisch. ISBN 1-57820-289-2. 264 Seiten, EUR 34,50.

Buch-Tipp: Videojournalismus – Grundlagen, Instrumente, Praxistipps

Videojournalismus - Grundlagen, Instrumente, Praxistipps von Sandra Baur

Gute Bücher über Videojournalismus sind – trotz der Popularität des Themas – rar gesät. Wer für eine wissenschaftliche Arbeit recherchiert, sich generell über das Thema informieren will oder handfeste Praxistipps sucht, wird im deutschsprachigen Raum immer wieder über dieselben Titel stolpern.

Sandra Baur, selbst Videojournalistin, hat Ende vergangenen Jahres ihr Buch „Videojournalismus – Grundlagen, Instrumente, Arbeitsweisen“ vorgelegt. Auf 226 Seiten vermittelt sie einen detaillierten Einblick in Fernseh- und Videotechnik und stellt die traditionelle Fernseharbeit (Autor mit EB-Team und Cutter) der Arbeitsweise von Videojournalisten samt Vor- und Nachteilen gegenüber.

In weiteren Kapiteln stellt sie vor, welche Erfahrungen der Hessische Rundfunk mit seinem „Pilotversuch Videojournalismus“ gemacht hat, bevor sie schließlich eine Handvoll praktischer Tipps zum Umgang mit VJ-Technik sowie einige Ratschläge für die Gestaltung von Beiträgen gibt.

Dass die Autorin bereits 2004 eine Diplomarbeit über den Videojournalismus verfasst hat, merkt man ihrem Buch an: Die Gliederung riecht stark nach Wissenschaft, auch der Text ist angereichert mit zahlreichen Fußnoten und Quellenangaben. Den Lesefluss stört das nicht, im Gegenteil: Wer mehr Informationen zu einem angesprochenen Thema benötigt, weiß, wo er zu suchen hat.

Das erste Kapitel ist überschrieben mit „Fernsehen im Wandel der Zeit“ und hat auf den ersten Seiten erstmal wenig mit Videojournalismus zu tun. Anhand historischer Daten zeichnet die Autorin den Weg vom Schwarz/Weiß-Fernsehen über das Farbfernsehen bis hin zur aktuellen Digitalisierung nach. Dabei erklärt sie Meilensteine wie die „Nipkow-Scheibe“ oder die „Braun’sche Röhre“, die Unterschiede zwischen Formaten wie PAL, SECAM und NTSC sowie internationale Übertragungsstandards wie DVB-T.

So wird schnell klar, wie die Fernsehproduktion im Laufe der Jahre immer schlanker wurde, an deren Ende der Fahnenstange vorläufig der Videojournalismus mit seinen kompakten Geräten und auf das wesentliche reduzierten Arbeitsweisen steht. Interessant zu lesen ist in diesem Zusammenhang, wann die ersten Experimente mit den Solo-Fernseharbeitern begann, nämlich bereits in den 60er Jahren in den USA. In den 70ern folgten erste Versuche bei deutschen Fernsehanstalten.

Ab Seite 53 (Kapitel 2) folgen jede Menge technische Details, die man als VJ kennen sollte: Sie erläutert die Unterschiede zwischen den Formaten DV, DVCAM, DVCPRO25 und 50 sowie Digital Betacam und Betacam SP im Hinblick auf das Kriterium „Sendetauglichkeit“ und erklärt beispielsweise verständlich, was es mit der CCD-Chip-Technik auf sich hat.

Eine der zahlreichen Abbildungen aus dem Buch
Das Buch überzeugt auch durch seine zahlreichen erklärenden Abbildungen.

Ferner widmet sich die Autorin der Tontechnik: Welcher Mikrofontyp eignet sich für bestimmte Situationen? Welche Mängel hat VJ-Technik im Vergleich zur konventionellen Fernseh-Ausrüstung? Die Antworten sind sehr wertvoll.

Im dritten Kapitel geht es um wirtschaftliche Fragen. Warum ist der Videojournalismus für Fernsehanstalten interessant? Wie haben sich die Werbeetats entwickelt? Und welche Rolle spielt der Online-Sektor? Letztere Frage wird leider nur recht oberflächlich behandelt, was aber in der Natur der Sache liegt: Als das Buch Ende vergangenen Jahres auf den Markt kam, hat sich die redaktionelle Bedeutung von Online-Video erst zaghaft angedeutet. Und auch jetzt bleibt vieles in diesem Bereich im Spekulativen.

In Kapitel 4 findet eine knallharte Gegenüberstellung statt: Wie sieht die herkömmliche Produktionsweise im Fernsehjournalismus aus? Und wie arbeiten VJs? Auch hier geht die Autorin mit der gebotenen Sorgfalt vor: Drehvorbereitung, Dreh und Drehnachbearbeitung werden jeweils genau beschrieben; anschließend werden die Vor- und Nachteile abgewogen. Das Resultat ist kein Hurra auf den Videojournalismus, sondern eine ausgewogene Darstellung der Fakten. Ein Auszug:

Zusätzliche Überstunden und der ständige (Zeit-)Druck gefährden die Gesundheit eines Videojournalisten. Deshalb scheint ein VJ nicht für hochaktuelle Nachrichten geeignet. Auch das Argument der Kostenersparnis stimmt nicht im erwarteten oder erhofften Maße. Ein VJ braucht für die Produktion eines Beitrags wesentlich länger als ein ganzes Team, das in derselben Zeit mehr Material und Beiträge produzieren kann, während ein VJ nur einen Bericht schafft.

Verantwortliche in den Redaktionen, die selbst nie als VJ gearbeit haben, aber die Einsätze von VJs koordinieren, sollten das wissen.

Im fünften Kapitel stellt Sandra Baur die Erfahrungen aus dem VJ-Projekt des Hessischen Rundfunks vor. Die ARD-Anstalt hatte bereits 2001 einen Feldversuch gestartet, der zwei Jahre später in ein Pilotprojekt mündete und heute selbstverständlicher Teil der Produktion ist. Die Autorin beschreibt, mit welcher Technik beim HR gearbeitet wird, wie VJs eingesetzt werden, welche Kosten sie verursachen und wie die Ergebnisse ihrer Arbeit wahrgenommen werden:

VJ-Beiträge, die von Profis heftig kritisiert worden waren, stießen beim Zuschauer auf keinerlei Probleme. Die Befragten konnten nicht unterscheiden, welche Beiträge von VJs und welche von EB-Teams produziert worden waren (was übrigens auch Profis bisweilen schwerfällt).

Leider widmet sich Sandra Baur erst im sechsten Kapitel (ab Seite 183) den Praxistipps, die für VJs eigentlich am interessantesten sein dürften. Akribisch erklärt sie zunächst die physikalischen Grundlagen des Lichts und der Optik (Brennweite und Schärfentiefe), bevor sie sich den Grundlagen der Bildgestaltung und anschließenden Kniffen im Schnitt widmet. Die Darstellungen sind zwar gut, aber nicht neu: So etwas gibt es auch in herkömmlichen Büchern über Fernseharbeit.

Interessanter sind ihre Antworten auf die Frage, wie man mit Überforderung beim Dreh umgehen kann: Vorher gut planen, am Drehort Handlungen gedanklich in fünf bis acht Einstellungen aufteilen und „dabei immer der Intuition folgen, auf die natürlichen Instinkte achten“. Als Leser hätte ich mir von diesem Kapitel allerdings mehr Beispiele mit Lösungsansätzen aus dem selbst erlebten VJ-Alltag erhofft.

Fazit: Insgesamt ist Sandra Baur ein sehr fundiertes Buch gelungen, das vor allem als gute Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten dienen kann. Wer einen Einblick in den Videojournalismus inklusive der Zusammenhänge von Technik, Arbeitsweisen, Tariffragen und senderpolitischen Diskussionen haben möchte, sollte zugreifen. Wer schon als VJ im Geschäft ist und sich viele praktische Tipps erhofft, kann sich die 68,- Euro für das Buch sparen und fährt mit Dushan Wegners „Der Videojournalist“ immer noch besser.

Bibliographische Angabe: Baur, Sandra: Videojournalismus. Grundlagen, Instrumente, Arbeitsweisen. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2006. ISBN-10: 3-86550-637-5. 226 Seiten, EUR 68,00.