Das Tamron 17-70 f/2.8 im Zusammenspiel mit der Sony FS5

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Video-Link: https://vimeo.com/527013118

Focus Breathing, Parfokalität und Bildstabilisator – diese drei Aspekte habe ich in diesem Video getestet. Wer es in andere Kontexte einbetten will, gern – solange dies ohne kommerzielle Absichten geschieht. Veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0). Auf Vimeo gibt’s das Video hier.

Als ich hier Ende vergangenen Jahres über die Info stolperte, dass Tamron in Kürze ein lichtstarkes Objektiv für APSC/35mm-Sensoren mit universeller Brennweite und eingebautem Bildstabilisator veröffentlichen wird, war mein Interesse sofort geweckt. Könnte das Tamron 17-70 f/2.8 an der Sony FS5 eine Alternative sein zu meiner seit Jahren bewährten, aber keinesfalls fehlerfreien Kombi aus Canon EF 24-105 f/4 (Version 1) und Metabones Speed Booster? Beide Varianten decken in etwa denselben Brennweitenbereich ab und sind theoretisch identisch in ihrer Lichtstärke.

Das 2005 erstmals auf dem Markt erschienene Canon-Objektiv ist natürlich mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen (auch wenn es zwischenzeitlich mal halbherzig aufgefrischt wurde). An der FS5 wirkt das Objektiv mit dem Speed Booster etwas klobig und ist ein wenig frontlastig. Gerade das macht sich an längeren Arbeitstagen im Handgelenk bemerkbar, wenn man die Kamera häufig frei aus der Hand führt. Denn Adapter und Linse bringen rund 830 Gramm auf die Waage, dabei sind Filter oder Gegenlichtblende noch nicht mitgerechnet. Das Tamron-Objektiv passt mit seinen 525 Gramm (ebenfalls ohne alles) natürlich deutlich besser zu einer leichten Kamera wie der FS5.

Tamron 17-70 f/2.8 vs. Canon 24-105 f/4 mit Speed Booster an der Sony FS5
Sony FS5 mit Tamron 17-70 f/2.8 (links) und Canon 24-105 f/4 samt Metabones Speed Booster (rechts).

Haptik: Focus-by-wire vs. komplett mechanisch

Die Tamron-Linse verfügt über zwei Ringe: Der hintere ist zum manuellen Fokussieren gedacht, der vordere zum Zoomen. Diese Anordnung finde ich gewöhnungsbedürftig, denn sie weicht ab von den Standards aller anderen mir bekannten Objektive. Normalerweise befindet sich der Zoom-Ring hinten und der Fokussier-Ring vorn, so wie es auch bei sämtlichen Canon-Objektiven der Fall ist. Wer also auf das Tamron 17-70 umsattelt und gern manuelle Kontrolle über die Schärfe hat, wird sich umgewöhnen müssen.

Apropos manuelle Schärfe: Die meisten modernen elektronischen Objektive sind heute mit der Focus-by-wire-Technik ausgestattet, das heißt ein Dreh am Ring wird zunächst auf einen Motor übertragen, der dann wiederum für die Verschiebung der Linsen im Objektiv sorgt. Das geschieht in der Regel nicht ohne eine minimale Zeitverzögerung, die aber große Auswirkungen auf die Bildgestaltung haben kann. Denn wenn das, was ich mit der Hand am Objektiv mache erst verzögert eintritt, kann einen das schnell zur Verzweiflung treiben. Hinzu kommt, dass das Schärfeziehen nicht verlässlich reproduzierbar ist: Drehe ich langsam am Ring, ist der Fokusweg länger, drehe ich schneller, ist er kürzer.

Wer mit moderneren Kameras als der Sony FS5 arbeitet und über verlässliche Automatik-Funktionen wie Gesichtserkennung oder Fokussierung über Touch-Screen verfügt, wird das kaum stören – eher im Gegenteil: Das Tamron 17-70 findet und hält die Schärfe dann offenbar recht zuverlässig, zumindest bei einfachen Aufgabenstellungen. Zwar gibt es auch in der FS5 eine Gesichtserkennungsfunktion, doch die lässt sich für das Tamron-Objektiv nicht aktivieren.

Das Canon 24-105 ist hingegen ein vollkommen mechanisches Objektiv. Jeder Dreh am Fokus-Ring wird direkt ohne jegliche Verzögerungen auf die Linsen übertragen, Fokus-Wege sind verlässlich reproduzierbar.

Während es keinerlei Schalter am Gehäuse des Tamron 17-70 f/2.8 (links) gibt, kann man am Canon 24-105 f/4 (rechts) zwischen AF/MF wechseln und den Bildstabilisator an- und ausschalten.

Vermutlich um die Resistenz gegen Feuchtigkeit zu erhöhen (und möglicherweise auch Herstellungskosten zu sparen), hat Tamron auf Schalter am Gehäuse komplett verzichtet. Glücklicherweise befindet sich das Objektiv an der Sony FS5 direkt nach dem Einschalten im manuellen Modus. Um jedoch den Bildstabilisator zu aktivieren, muss man ins Kamera-Menü abtauchen oder – besser noch – dauerhaft eine der sechs externen Funktionstasten an der Kamera damit belegen.

Der Bildstabilisator des Tamron 17-70 lässt sich glücklicherweise in der Sony FS5 aktivieren.
Der Bildstabilisator des Tamron 17-70 lässt sich glücklicherweise in der Sony FS5 aktivieren.

Der Bildstabilisator: An der FS5 funktioniert er nicht so wie er soll

Eine der wichtigsten Funktionen für meine Arbeitsweise ist ein verlässlicher Bildstabilisator – und zwar einer, der nicht nur für die Fotografie optimiert wurde, sondern eben speziell für Videoarbeit geeignet ist. Leider hat mich der Stabilisator des Tamron 17-70 im Zusammenspiel mit der FS5 überhaupt nicht überzeugt. Zwar arbeitet er total leise, was man vom Canon 24-105 nicht gerade behaupten kann. Dort ist ein ständiges Surren zu hören, was sich in leisen Umgebungen in die Tonaufnahme einpflanzt.

Doch selbst wenn man die Kamera nur geradeaus hält und gut mit der rechten Hand im Griff, der linken unterm Objektiv und dem Auge am Sucher vorstabilisiert, produziert das Tamron 17-70 immer noch ein leichtes Zittern, hin und wieder sogar mit gelegentlichen Aussetzern – auch bei kurzen Brennweiten. Wer sich’s anschauen möchte: In meinem Testvideo oben bzw. auf Vimeo sind sämtliche Bildstabilisator-Experimente ab Minute 05:00 zu sehen.

Besonders störend fand ich, dass der Stabilisator erst etwa ein bis zwei Sekunden benötigt, bevor er aktiv wird. Das betrifft sowohl das Einschalten über einen belegten Funktionsschalter als auch kleinere Schwenks frei aus der Hand. Ist das Bild auf dem Startmotiv noch ruhig, scheint der Schwenk den Stabilisator kurz zu deaktivieren. Angekommen auf dem Zielmotiv zittert das Bild dann solange, bis er sich wieder einschaltet. Das Resultat: Eine nicht wirklich brauchbare Aufnahme.

Dieses Problem scheint aber tatsächlich nur ältere Kameras wie die FS5 zu betreffen, die von Sony leider schon seit längerem nicht mehr durch Firmware-Updates unterstützt wird. In diesem ausführlichen Testvideo schneidet der Stabilisator im Video-Modus hingegen wirklich sehr überzeugend und komplett anders als an der FS5 ab. Dort wurde das Objektiv an einer Sony Alpha 6600 getestet.

Da ist es kaum überraschend, dass der Stabilisator des Canon 24-105 an der FS5 um Längen besser arbeitet. Ohnehin ist er insgesamt sehr überzeugend: Als er vor mehr als 15 Jahren entwickelt wurde, war die DSLR-Revolution noch nicht absehbar und sämtliche Entwicklungsarbeit daran kann nur der Fotografie gegolten haben. Ein echter Glücksfall also.

Bei geradeaus gehaltender Kamera, durch den Körper entsprechend vorstabilisiert, leistet der Stabilisator ganze Arbeit: keine Wackler, keine Aussetzer, egal ob kurze oder lange Brennweite – wie in diesem Test-Video zu sehen. Nach dem Einschalten ist er sofort da.

Auch mit Schwenks hat das Canon 24-105 wenig Probleme. Am Ende einer Links-Rechts-, Oben-Unten- oder Diagonalbewegung kommt das Bild zügig zum Stehen, kein Zittern, kein Wackeln. In all den Jahren mit dem Objektiv sind mir beim Schwenken nur ganz selten Artefakte aufgefallen, die offensichtlich durch den Stabilisator hervorgerufen wurden. Ich konnte sie aber nie reproduzieren.

Ist das Tamron 17-70 f/2.8 parfokal?

Doch wie sieht’s mit Parfokalität aus – eine Eigenschaft, die Videoschaffende aus dem Journalismus, der dokumentarischen Arbeit oder dem Event-Bereich oft gern nutzen würden, über die aber nur die wenigsten Foto-Objektive verfügen.

Warum ist das so wichtig? Wer unter Zeitdruck arbeitet, muss in sehr kurzer Zeit die Schärfe auf dem Motiv einstellen. Beim zwischen Tür und Angel abgefangenen Interviewpartner sind das z.B. die Augen, idealerweise das ganze Gesicht inkl. der Ohren. Mit parfokalen Objektiven zoomt man kurz auf die Augenpartie, stellt die Schärfe ein und zieht wieder auf den gewünschten Bildausschnitt auf. Selbst Zooms wären nun während des Interviews möglich, denn solange sich der Abstand zwischen Kamera und Gesicht nicht verändert, wird das Motiv über die gesamte Brennweite scharf dargestellt. Dafür sorgt das mechanische Linsenspiel im Body des Objektivs.

Das Tamron ist nicht parfokal, behilft sich aber eines elektronischen Tricks, um das Linsenspiel im Body ständig nachzukorrigieren. Die zuvor beschriebene Arbeitsweise zum Schärfeziehen ist mit diesem Objektiv also möglich, doch Zooms und Aufzieher während der Aufnahme sehen etwas „flatterig“ aus. Nicht jedes einzelne Bild auf der Zoomstrecke ist scharf. Wie sich das auswirkt, sieht man in meinem Test-Video ab Minute 03:17.

Schnell die Blende verstellen?

Wie sicherlich die meisten FS5-User nutze auch ich das vordere Rädchen am Handgriff, um schnell mit dem Zeigefinger die Blende zu verstellen. Natürlich sollte auch das so schnell wie möglich gehen.

Mit dem Einstellrad am vorderen Handgriff die Blende des Objektives verstellen
Das kleine Einstellrad ließe sich alternativ auch für die Steuerung des variablen ND-Filters konfigurieren.

Hier ein kurzes Vergleichsvideo zwischen dem Tamron 17-70, das den Blendenbereich von f/2.8 bis f/22 abdeckt, sowie dem Canon 24-105, das über den Metabones Speed Booster auf eine nahezu identische Brennweite reduziert wird und dessen Blendenskala dadurch von f/2.8 bis f/16 reicht.

Wie schnell lässt sich die Blende über das Scrollrad am Handgriff der Sony FS5 öffnen und wieder schließen? Kurzer Vergleich zwischen dem Tamron 17-70 f/2.8 und dem Canon 24-105 f/4 mit Metabones Speed Booster.

Ergebnis: Kaum ein Unterschied. Beide Objektive öffnen und schließen die Blende über 1/3-Zwischenstufen gleichermaßen schnell.

Verzeichnungskorrektur

Eines der größten Probleme des Canon 24-105 in Kombination mit der Sony FS5 ist die starke Verzeichnung im Weitwinkel-Bereich, die vor allem bei Aufnahmen von Architektur schwer ins Gewicht fällt und Linien im Bild sehr verbogen aussehen lässt. Die FS5 kann das bei diesem Objektiv auch nicht elektronisch korrigieren. Das hat mir in der Vergangenenheit immer wieder mal Aufnahmen beschert, die ich lieber nicht benutzt hätte.

Die gute Nachricht: Die im Vergleich nicht so starke optische Verzeichnung des Tamron 17-70 wird von der FS5 komplett korrigiert, sowohl im HD- als auch im Ultra HD-Modus.

Die Verzeichnungskorrektur kann über das Menü der FS5 für das Tamron 17-70 aktiviert werden
Die Verzeichnungskorrektur kann über das Menü der FS5 für das Tamron 17-70 aktiviert werden.

Ohne Korrektur kommt es beim Tamron 17-70, wie bei so ziemlich allen Zoom-Objektiven, zu einer tonnenförmigen Verzeichnung, die die FS5 dank der im Objektiv hinterlegten Korrekturdaten komplett entfernt.

Sony FS5 mit Tamron 17-70 bei 17mm: Verzeichnungskorrektur aus/an
Das Tamron 17-70 bei 17mm Brennweite. Links: Verzeichnungskorrektur aus, rechts an.

Bei 70mm Brennweite käme es ohne Korrektur hingegen zu einer kissenförmigen Verzeichnung.

Sony FS5 mit Tamron 17-70 bei 70mm: Verzeichnungskorrektur aus/an
Das Tamron 17-70 bei 70mm Brennweite. Links: Verzeichnungskorrektur aus, rechts an.

Persönliches Fazit: An der Sony FS5 halte ich das Tamron 17-70 für keinen adäquaten Ersatz der Canon 24-105/Speed Booster-Kombi. Das liegt aber vor allem an der in die Jahre gekommenen FS5, die eines der wichtigsten Features des Tamron-Objektivs, den Bildstabilisator, nicht richtig nutzen kann. Ob ein Firmware-Update (entweder fürs Objektiv oder für die FS5) da helfen könnte? Für die FS5 wird das aber wohl nie erscheinen, das zeigt meine Erfahrung als Sony-Kunde.

Auch Focus-by-wire ist wirklich nicht jedermanns Sache und hat mich immer von Sonys 18-105 f/4 ferngehalten, das auf dieselbe Technologie setzt. Warum die Tamron-Entwickler aber Zoom- und Schärfering in der Reihenfolge vertauscht haben, wird ihr Geheimnis bleiben. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Objektiven würde mich das auf jeden Fall immer wieder verwirren.

Solange Sony keinen adäquaten Nachfolger für die FS5 entwickelt (die FX6 ist es definitiv nicht, trotz der äußeren Ähnlichkeit) und weitgehend manuelles Arbeiten nach wie vor der Standard mit dieser Kamera ist, wird in Sachen Allround-Objektiv alles beim Alten bleiben. Funktioniert ja auch prima und hat sich über die Jahre bewährt.

Hinweis: Die Firma Tamron hat mir das Objektiv auf Nachfrage für ca. drei Wochen ausgeliehen. Daran waren keinerlei Bedingungen geknüpft. Diesen Blog-Eintrag habe ich aus freien Stücken geschrieben.

Ein paar Gedanken zum Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) an der Sony FS5

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Video-Link: https://vimeo.com/195638933

Dieses Video habe ich ausschließlich mit dem Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) und der Sony FS5 gedreht. Die Musik, auf der das komplette Stück basiert, heißt „Crackle.ar“ und stammt von Lalo. Das gesamte Album „.geom“ liegt auf Archive.org und wurde unter Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0) zur Verfügung gestellt. Das Video habe ich ebenfalls unter derselben Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 3.0) veröffentlicht.

Vor einiger Zeit bin ich auf diesen Thread auf BMCuser.com gestoßen und neugierig auf das Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 geworden – ein Objektiv, das schon lange nicht mehr hergestellt wird und daher nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu kriegen ist. Die Rahmendaten machten einfach einen ziemlich guten Eindruck für ein potenzielles Immerdrauf-Objektiv – also eines, für das man sich entscheidet, wenn man nur ein einziges für die gesamte Arbeit verwenden würde. Ich hatte Glück und für etwa 250,- Euro fiel mir ein nahezu neuwertiges Exemplar mit Nikon-Mount in die Hände (danke, Sascha!).

Wer sich für dieses Objektiv interessiert und keinen Fehlkauf riskieren will, sollte ziemlich genau hinschauen, da es eine Fülle verschiedener Versionen gibt. Einen gut recherchierten Überblick über die fünf verschiedenen Varianten, die Tokina im Laufe der Jahre herausgebraucht hat, gibt der Fotograf John Caz in seinem Blog. Kurz zusammengefasst: Wer eine der Versionen mit der legendären Angénieux-Rechnung haben will, die Tokina seinerzeit lizensiert hatte, sollte entweder nach der Version Pro I (u.a. erkennbar an der abschraubbaren Metallsonnenblende) oder der Version Pro II (mit der tulpenförmigen Plastiksonnenblende) Ausschau halten. Beide Objektive verfügen über ein 77mm-Filtergewinde (und nicht, wie spätere Versionen, über ein 72mm-Gewinde). Ich besitze die Version Pro I, habe die Metallsonnenblende aber gegen eine andere ausgetauscht.

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Video-Link: https://vimeo.com/195876457

In diesem Video habe ich einige Eigenschaften wie Zoom, Aufzieher, Schärfe und Parfokalität getestet. Um das Objektiv an die Sony FS5 anzuschließen, habe ich zwei verschiedene Adapter verwendet: Den RJ Focal Reducer und den Novoflex-Adapter. Das Video habe ich unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht.

Was ist jetzt so besonders an dem Tokina?

Zunächst die Haptik. Das Objektiv ist sehr hochwertig gebaut: Kein Plastik, satt laufende und gut dimensionierte Ringe für Fokus und Zoom. Die Brennweite lässt sich so angenehm sanft verstellen, dass sehr professionelle Zoomfahrten und Aufzieher möglich sind, fast so wie bei einem EB-Objektiv oder einem Filmzoom. Angenehmer Nebeneffekt (und untypisch für ein Objektiv, das ursprünglich für Fotokameras hergestellt wurde): Während des Zooms/Aufziehers verändert das Objektiv seine Länge nicht. Wer also mit einer Mattebox und Filtereinschüben arbeitet, wird seine Freude daran haben.

Zudem scheint das Objektiv mehr oder weniger parfokale Eigenschaften zu haben, will heißen: Die Schärfe eines bereits fokussierten Objekts ändert sich auch nach einem erneuten Zoom/Aufzieher nicht, solange die Distanz zwischen Kamera und Objekt identisch bleibt.

Die Nikon-Version hat einen eigenen Blendenring von f/2.6 bis f/22, der allerdings ohne Zwischenstufen gesteuert wird. Um manuell zu fokussieren, muss man den Schärfering nach hinten ziehen. Dann rastet er ein und der Autofokus-Motor (der über die FS5 sowieso nicht gesteuert werden kann) ist entkoppelt. Wer andere Tokina-Objektive besitzt, kennt diesen Mechanismus.

Beim Verlagern der Schärfe ist je nach Brennweite und Blendenöffnung ein leichter Breathing-Effekt in den Bildern zu sehen. Um die Schärfe von unendlich auf den kürzesten Abstand von 0,7 Metern zu verlagern, bedarf es lediglich einer viertel Umdrehung des Fokusrings. Wer szenisch mit Follow Focus arbeitet und sehr sanfte, präzise Schärfeverlagerungen machen möchte, mag das zu kurz finden. Für journalistisches, dokumentarisches Arbeiten finde ich kurze Fokuswege persönlich angenehmer.

Bei Offenblende ist das Bild ein wenig weicher, lässt sich aber mit einfachen Mitteln in der Postproduktion (Kontrast erhöhen) schärfen. Eine sichere Bank ist auf jeden Fall der Bereich von f/4 bis f/8. Wer mehr über die technischen Eigenschaften erfahren will, schaut sich am besten den Test der Version Pro II auf photozone.de an.

Die Art und Weise, wie das Tokina unscharfe Bildbereiche zeichnet, finde ich persönlich sehr angenehm und schmeichelhaft fürs Auge. Wer Blendenflecke bei Gegenlicht nicht als Fehler, sondern als eigenartigen Charakter eines Objektivs begreift, wird voll auf seine Kosten kommen.

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Video-Link: https://vimeo.com/196892914

Dieses Video habe ich ebenfalls ausschließlich mit dem Tokina AT-X Pro AF 28-70 f/2.6 (Version 1) und der Sony FS5 gedreht und unter Creative Commons Lizenz (CC BY-NC-ND 4.0) veröffentlicht. Die Musik stammt von Maciej Kulesza, der seine Sammlung Ambient For Film unter Creative Commons Lizenz (CC BY 3.0) zur Verfügung stellt.

Da das Objektiv für Vollformat-Kameras entwickelt wurde, kann man es natürlich mit einem Fokalreduktor verwenden, was auch nötig ist, wenn man einigermaßen weitwinklig arbeiten möchte. Ich verwende dazu den recht günstigen, aber sehr brauchbaren RJ Focal Reducer, der die Brennweite um den Faktor 0,72 verkürzt. Beim Crop-Faktor des FS5-Sensors (1,5) heißt das (nach folgender Rechnung: 28-70mm x 1,5 x 0,72), dass man ungefähr das Sichtfeld eines 30-76mm-Objektivs an einem Vollformat-Sensor erreicht. Allerdings mit einem Nebeneffekt: Unter bestimmten Umständen produziert der Adapter einen blauen Fleck bei Gegenlicht, der meiner Meinung nach umso stärker auffällt, je geschlossener die Blende ist. Folgendes Bild zeigt, wie der Effekt aussieht:

Blauer Fleck in der Aufnahme mit dem RJ Focal Reducer

Diese Aufnahme habe ich ungefähr mit f/16 oder f/22 gemacht, ich weiß es nicht mehr genau. In der Mitte ist der unerwünschte Effekt zu sehen (wegen des S-Log3-Profils sieht das Bild sehr verwaschen aus, ich habe es bewusst nicht nachbearbeitet).

Schließt man das Objektiv hingegen mit einem Adapter ohne Brennweitenverkürzung (wie z.B. dem Novoflex-Adapter) an, ergibt sich ein kleinbildäquivalentes Sichtfeld von etwa 42-105mm.

Mit zwei Adaptern hat man also im Prinzip zwei Objektive in einem, damit weniger zu tragen und kombiniert mit dem obendrein wirklich brauchbaren Center-Scan-Modus der FS5 ein sehr flexibel einsetzbares Werkzeug mit einem angenehm analogen Charakter.

Eine simple, kompakte, externe SSD mit Thunderbolt-Anschluss

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine externe Lacie Rugged-Festplatte mit Thunderbolt-Anschluss gekauft, aufgeschraubt und nach dieser Anleitung (alternativ auch nach dieser) eine SSD eingebaut. Das dauert bei mittelmäßiger technischer Begabung etwa 15 Minuten und hat zumindest bei mir funktioniert. Die Garantie ist durch diesen Eingriff natürlich erloschen.

Lacie Rugged Thunderbolt mit Samsung 850 EVO SSD

Warum das ganze?

Es kommt immer wieder vor, dass ich ein Video in der Bahn oder in einem Hotelzimmer am Laptop schneide, am nächsten Tag dasselbe Projekt am Arbeitsplatz vorm Desktop-Rechner weiter bearbeite, um tags darauf wieder im Zug zu sitzen und dasselbe Projekt am Laptop… Und so weiter.

Beim Schneiden möchte ich die Vorteile von SSDs inzwischen nicht mehr missen. Daher bin ich bisher immer so vorgegangen, dass ich die beiden Macs zusammengeschlossen habe, um das Projekt im Target Disk Mode von der internen SSD meines Laptops auf die interne SSD meines Desktops zu kopieren – und umgekehrt. Ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der manchmal sehr ungelegen kommt.

Was mir für solche Projekte bisher fehlte, war eine simple, sehr kompakte externe SSD-Lösung, die ich via Thunderbolt sowohl an den Laptop als auch an den Desktop anschließen kann – ohne Netzteil, so leicht und platzsparend wie möglich.

Die einfachste Lösung wäre natürlich ein externes Thunderbolt-Gehäuse, in das man dann eine SSD seiner Wahl steckt. Ich habe lange gesucht, aber einfach nichts gefunden. Während der Markt mit einfachen USB 3.0-Festplatten-Enclosures für wenig Geld überflutet wird, herrscht bei vergleichbaren Thunderbolt-Caddys absolute Leere.

Zwar gibt es Lösungen wie beispielsweise das G-Drive ev ATC mit Thunderbolt-Anschluss, das aber recht teuer wird, wenn man es mit einer SSD statt einer Festplatte nutzen möchte. Denn leider kann man nicht jede x-beliebige SSD nachrüsten, sondern nur die von G-Technologies verkaufte G-Drive ev SSD.

Meine Lösung mit der Lacie Rugged-Festplatte, die ich gegen eine Samsung 850 EVO-SSD mit 500 GB ausgetauscht habe, lohnt sich (Stand Dezember 2015) preislich auf jeden Fall gegenüber deutlich teureren Komplettlösungen – erst recht, wenn man für die ausgebaute 1 Terabyte große 2.5″-Festplatte noch eine Verwendung hat. Kleiner (und dementsprechend günstiger) kann man die Lacie-Platte zurzeit leider nicht erwerben.

Da mein Laptop mit einem Thunderbolt-Anschluss der ersten Generation ausgestattet ist (Maximalgeschwindigkeit: 10 Gbps), fällt der Geschwindigkeitstest mit Blackmagic Disk Speed Test im Vergleich zur internen SSD zwar moderat aus, für meine Zwecke aber völlig ausreichend.

Blackmagic Disk Speed Test