Ein parfokales Zoom-Objektiv: Das Angénieux 17-68 f/2.2 mit ciecio7-Adapter an der BMPCC

Ist das Angénieux 4x17B 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv tatsächlich parfokal? Wer mit diesem Objektiv liebäugelt, wird sich unter anderem diese Frage stellen und in verschiedenen Foren vermutlich auf unterschiedliche Informationen stoßen. So ging es zumindest mir.

Wie kann man überprüfen, ob ein Objektiv parfokal ist? Ganz einfach von einem festen Standpunkt aus an ein feststehendes Objekt heranzoomen, die Schärfe einstellen und wieder aufziehen. Wird bei einem erneuten Zoom das Objekt bei jeder Brennweite scharf angebildet, ist das Objektiv parfokal – vorausgesetzt, der Abstand zwischen Kamera und Objekt bleibt gleich.

Folgendes Testvideo (ohne Ton) sollte die Frage abschließend klären: Ja, das Objektiv ist parfokal.

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Video-Link: https://vimeo.com/126971383

Man sollte aber auf jeden Fall einen guten und präzise angefertigten C-Mount auf MFT-Adapter verwenden. Unter anderem auf Empfehlung in den Kommentarfeldern dieses Videos habe ich mir den ciecio7 C-Mount auf M4/3-Adapter (*) gekauft. Ein nicht wesentlich günstigerer Noname-Adapter, mit dem ich zuvor gearbeitet hatte, war hingegen nicht präzise genug.

Wie man in dem Video sieht, hält das Objektiv die Schärfe sowohl bei kleinen als auch großen Blendenöffnungen. Die Unendlich-Einstellung funktioniert auch bei Offenblende ziemlich genau. Einziges Manko: Wenn man das Objektiv mit dem Adapter verschraubt und an der Kamera anbringt, sind die Markierungen für Fokus, Zoom und Blende zumindest bei mir leider nicht oben mittig, sondern an der Seite. Das ist aber zu verschmerzen.

(*) Ein kurzer Hinweis zum Schluss: Ich verlinke ungern auf Shop-Seiten. Bei einem techniklastigen Blog wie diesem lässt sich das aber manchmal schwer vermeiden. Deshalb nochmal deutlich: Bei allen Links auf R73.net handelt es sich nicht um Affiliate-Marketing, Partner-Links oder anderweitig kommerziell motivierte Verknüpfungen. Ich betreibe das Blog aus Spaß an der Sache, nicht um mit Produkthinweisen Geld zu verdienen.

Wie man Standard-Filter vor das Angénieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv schrauben kann

Vor einiger Zeit hatte ich in diesem Eintrag eine vorläufige und eher halbgare Lösung vorgestellt, wie man mittels nicht ganz optimal passender Adapterringe ND- und UV/IR-Cut-Filter vor das Angénieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv schrauben kann, aber gleichzeitig angedeutet, dass das bestimmt auch etwas besser geht. Die deutlich elegantere Lösung teile ich hier gern, da dieses Objektiv unter BMPCC-Nutzern ja eine gewisse Nischenpopularität genießt. Vielleicht wird es dem ein oder anderen nützlich sein.

Wichtig bei dieser leichten Modifikation war mir, dass das gute Stück im Original erhalten bleibt. Denn es wäre einfach zu schade irgendetwas anzubringen, was an einem so alten und gut erhaltenen Objektiv deutliche Spuren hinterlässt.

Wer sich meine Lösung nachbauen will, benötigt:

  • Einen Stepup-Ring von 55mm auf die gewünschte Filtergröße (da ich für die meisten meiner anderen Objektive Filter mit einem Durchmesser von 58mm einsetze, habe ich einen Stepup-Ring von 55mm auf 58mm genommen).
  • Etwas Gaffer-Tape (das man jederzeit rückstandsfrei entfernen kann, sodass das Objektiv wieder im Originalzustand ist).
  • Ein wenig Superkleber.

Angenieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv mit Filterring versehen

Was tun?

  • Einen etwa 10cm langen Streifen Gaffer-Tape in etwa 1cm breite Streifen schneiden und damit das vordere Ende des Objektivs (wo der Schriftzug ANGENIEUX-ZOOM TYPE 4x17B eingraviert ist) genau bündig zum Rand in etwa drei Lagen umwickeln.
  • Anschließend testen, ob man den Stepup-Ring drüber stülpen kann. Falls noch nicht, weitere Lage hinzufügen. Wenn schon zuviel, dann eine Lage entfernen.
  • Den Stepup-Ring wieder abziehen und dessen Innenseite mit Superkleber bestreichen. Anschließend den Ring mit seinen Innenabmessungen bündig zum Objektivende fixieren.
  • Etwas Superkleber an der Rückseite zwischen Stepup-Ring und Gaffer-Tape streichen.
  • Ein bis zwei Stunden warten und Kleber aushärten lassen.
  • Zum Schluss an der Rückseite des Stepup-Rings noch eine Lage Gaffer-Tape über der äußeren Klebestelle anbringen.

Fertig.

Wenn man nun nur einen Filter vorschraubt, kommt es zu keinerlei zusätzlichen Vignettierungen (die das Objektiv am Super16-Sensor der BMPCC ja leider auch ganz ohne Filter bei einer Brennweite von 17mm und kleiner Blendenöffnung aufweist). Bei zwei Filtern hängt es davon ab, wie dick diese sind (ein Hoya UV/IR-Cut kombiniert mit einem Hoya Pro 1 NDX8 führte jedenfalls nicht zu weiteren Randabschattungen). Wer absolut auf Nummer sicher gehen will, sollte von vornherein größere Filter einsetzen (und dementsprechend einen anderen Stepup-Ring verwenden, z.B. 55mm auf 67mm).

Angenieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv mit Xume-Magnetfilterhalter-System

Da ich das Xume-Magnetfilterhalter-System nutze (und sehr schätze), entstehen leider wegen der beiden zusätzlichen Magnetringe bei der Anfangsbrennweite von 17mm und kleiner Blendenöffnung leichte zusätzliche Ränder links und rechts oben im Bild – allerdings nur, wenn ich den Hoya UV/IR-Cut-Filter (immer drauf) mit einem ND-Filter (bei entsprechenden Lichtverhältnissen) kombiniere. Bei etwas weiter geöffneter Blende (ca. ab f/5.6) fällt der unerwünschte Effekt kaum noch auf.

Das Angénieux 17-68 f/2.2 Zoom-Objektiv an der BMPCC

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Video-Link: https://vimeo.com/110242230

Das Video zeigt verschiedene unzusammenhängende Aufnahmen, die lediglich einen kleinen und komplett unwissenschaftlichen Einblick verschaffen können, welche optischen Eigenschaften das Angénieux 17-68mm f/2.2 Zoom-Objektiv aufweist. Die Musik stammt von Chris Zabriskie, der einen Teil seines Repertoires unter Creative Commons Lizenz (CC BY 4.0) zur freien Verfügung gestellt hat.

Ich weiß nicht, aus welchem Jahr genau mein Angénieux 17-68mm f/2.2 stammt, aber als erstes Zoom-Objektiv für Filmkameras wurde es vermutlich irgendwann zwischen 1956 und den 70er Jahren hergestellt. Irgendwie ein schöner Gedanke, dass so alte Technik aus der Gründerzeit der Cinéma vérité-Bewegung heute noch wertvolle Dienste an modernen Digitalkameras leisten kann. Was dieses Objektiv wohl alles schon gesehen hat?

Das Angénieux 17-68 hat zweifelsohne seinen ganz eigenen Charakter, der sicher nicht jedermanns Sache ist. Ich mag die Blendenflecke, die bei Gegenlicht auftreten und es stört mich auch überhaupt nicht, dass das Objektiv nicht annähernd so scharf ist wie moderne Linsen, schon gar nicht bei offener Blende. Dass Schärfenverlagerungen fast aussehen wie kurze Zoomfahrten – so ausgeprägt ist der als Focus Breathing bekannte und meist unerwünschte Effekt -, nehme ich mit Respekt vor dem Alter des Objektivs natürlich in Kauf. So sahen die bewegten Bilder damals eben aus.

Was es heute eher zum Gelegenheitsobjektiv an der Blackmagic Pocket Cinema Camera (BMPCC) macht, sind für mich eigentlich nur drei Dinge:

  • Der Brennweitenbereich von 17mm bis 68mm ergibt am BMPCC-Sensor Normalsicht bis Tele, ich bevorzuge aber eher Reportage- bis Normalsicht.
  • Die kürzeste Scharfeinstellung beträgt 1,20 Meter. Oft will ich aber näher heran.
  • Das Objektiv hat einen C-Mount und lässt sich mit einem günstigen Adapter an das MFT-System der BMPCC anschließen. Doch solche Adapter sind leider meistens so ungenau, dass die Distanzangaben bei den Schärfeeinstellungen des Objektivs nicht mehr stimmen. Die Schärfe lässt sich zwar auf unendlich stellen, weicht aber von der Markierung ab. Das lässt sich nur mit zusätzlichen Abstandshaltern beheben, die zwischen den Objektivanschluss und den Adapter gefummelt werden müssen. Wegen dieser Ungenauigkeiten kann ich leider auch nicht beurteilen, ob das Objektiv tatsächlich parfokal ist (ich würde vermuten: ja). (Update 13.05.2015: Mit einem präzise gefertigen Adapter ist das Objektiv parfokal. Näheres dazu in diesem Eintrag.)

Haptisch ist das gerade mal 400 Gramm leichte Angénieux wirklich gut und passt in seiner Größe perfekt zur BMPCC. Der Blendenring läuft stufenlos und ebenso weich gedämpft wie der Zoom- und der Schärfering. Schade nur, dass beim Fokussieren das gesamte Frontelement rotiert und seine Länge verändert. Aber anders war das damals vermutlich technisch nicht zu lösen.

Da das Objektiv für damalige 16mm-Kameras konzipiert wurde, die BMPCC aber einen etwas größeren Super16-Sensor (siehe Vergleich) hat, besteht die Gefahr, dass der Bildkreis der Linse nicht groß genug für die Sensorfläche ist und im kürzeren Brennweitenbereich Randabschattungen auftreten.

Zum Glück betrifft das bei dem Angénieux aber nur den Anfangsbrennweitenbereich von 17mm. Und das auch nur, wenn man die Schärfe in den absoluten Nahbereich von 1,20 Meter legt und mit größeren Blendenzahlen arbeitet. Stellt man die Schärfe auf unendlich, bilden sich selbst bei der größten Blendenzahl 22 keine Ränder, wie folgende Abbildung zeigt.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf unendlich

Zum Vergleich: Liegt die Schärfe im Nahbereich, bilden sich bei Blende 22 deutliche Ränder, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 22, Schärfe auf 1.2m

…die auch bei Blende 16 noch deutlich zu sehen sind, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 16, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 11 weniger ins Gewicht fallen, …

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 11, Schärfe auf 1.2m

…bei Blende 8 fast nicht mehr sichtbar sind…

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 8, Schärfe auf 1.2m

…und ab Blende 5.6 komplett verschwinden.

Angenieux 17-68mm f/2.2 bei 17mm, Blende 5.6, Schärfe auf 1.2m

Zoomt man nur ein wenig, sind Randabschattungen – unabhängig von Scharfeinstellung und Blendenöffnung – gar kein Thema mehr.

Allerdings gelten die oben gezeigten Darstellungen nur, wenn man absolut gar keinen Filter vor das Objektiv schraubt. Doch einen ND-Filter wird man fast immer benötigen, wenn man tagsüber draußen dreht. Dummerweise sind Filter an diesem Objektiv wahrlich eine Wissenschaft für sich, da das Objektiv mit absolut unüblichen Gewinden daherkommt.

Bei meinem Objektiv war ein Serie 7-Filterhalter dabei, der direkt vor das Objektiv geschraubt war. Damals waren solche Filterhalter üblich, und das Frontgewinde von Serie 7 beträgt ziemlich genau 54mm. Die Filter, die ich an anderen Objektiven einsetze, sind nahezu alle 58mm groß.

Also habe ich versucht, mir einen Stepup-Ring von 54mm auf 58mm zu besorgen. Der einzige Hersteller, den ich ausfindig machen konnte, ist Heliopan. Dumm nur, dass Heliopan den 54mm auf 58mm-Ring nicht mehr im Programm hat, dafür aber noch einen Ring von 54mm auf 55mm (Heliopan Nr. 190). Den also bestellt und zusätzlich noch einen 55mm auf 58mm-Adapter, was dann so aussieht:

Filterring Nr. 190 von Heliopan (54mm auf 55mm) in Kombination mit Serie 7-Adapter

Schraubt man das ganze vors Objektiv, tauchen zwei Probleme auf: Erstens führt diese Lösung zu starken Randabschattungen, die mit den Abbildungen oben nicht mehr zu vergleichen sind und erst bei ca. 20mm Brennweite verschwinden. Und zweitens: Das 54mm-Gewinde des Serie 7-Filterhalters hat keine gewöhnliche 0,75mm-Steigung, sondern unübliche 36 Gänge pro Zoll. Dreht man den Stepup-Ring in den Serie 7-Filterhalter, geht das zwar bis zu einem bestimmten Punkt, hält aber nicht richtig und überdreht dann. Mit Gaffer-Tape lässt es sich immerhin fixieren, aber das ist eher eine Notlösung.

Die zweite Alternative lässt den Serie 7-Filterhalter komplett außen vor und ist leider auch keine Ideallösung, weil sie ebenfalls zu Randabschattungen führt, wenn auch nicht ganz so gravierenden.

Das Objektiv hat ein 45mm-Frontgewinde, naheliegend wäre also ein Filteradapter von 45mm auf 58mm – doch den hat Heliopan nach Aussage meines Fachhändlers auch nicht mehr im Programm. Wohl aber einen 45mm auf 55mm-Adapter (Heliopan Nr. 195), den ich mit einem 55mm auf 58mm-Adapter kombiniert habe.

Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Weil das Gewinde dieses Ringes eine 0,5mm-Gewindesteigung hat, lässt er sich ebenfalls nicht perfekt ins Obektivgewinde (mit 36 Gängen pro Zoll) schrauben. Er sitzt schon nach einer kurzen Drehung so fest, dass man ihn lieber nicht weiterdrehen will.

Angenieux 17-68mm f/2.2 mit Filterring Nr. 195 von Heliopan (45mm auf 55mm)

Ich gebe mich mit dieser Lösung erstmal zufrieden. Wer sich das Angénieux 17-68mm ebenfalls für seine BMPCC anschaffen will und nach einer Lösung für die Filterfrage sucht, könnte z.B. ausprobieren, das Objektiv am vorderen Ende mit Gaffer-Tape zu umwickeln, um anschließend einen 55mm auf z.B. 67mm-Adapterring drüber zu stülpen. Dieser müsste nachträglich noch fixiert werden, z.B. mit Superkleber. Danach lässt sich ein mit 67mm groß genug bemessener ND-Filter anbringen, sodass es keinerlei zusätzliche Randabschattungen geben sollte. Einfach mal ausprobieren. (Update 12.05.2015: Ich habe das mal gemacht und in diesem Eintrag etwas näher beschrieben und bebildert.)

Wer noch weitere Infos zum Angénieux 17-68mm f/2.2 sucht, sollte auf Vintage Lenses for Video vorbeischauen und sich außerdem die Kommentare unter diesem sehenswerten Video auf Vimeo durchlesen.