Wie gut eignet sich das VideoMic Me-L am iPhone 7 für Interviews?

Rode VideoMic ME-L mit Windschutz am iPhone 7

Als der australische Mikrofonhersteller Røde vor einigen Monaten eine Neuauflage seines VideoMic Me angekündigt hatte, war ich sehr gespannt darauf, wie gut es sich wohl als schnelle und unkomplizierte Immer-dabei-Lösung für Interviews eignen könnte.

Das alte VideoMic Me hatte mich nie wirklich überzeugt: Es ist mit einem analogen 3.5mm-Klinkenanschluss ausgestattet und daher komplett auf die interne Hardware des iPhones angewiesen, um das analoge Tonsignal in digitale Daten zu wandeln. Diesen Job übernehmen die sog. A/D-Wandler – und die rauschen beim iPhone leider recht stark, was kein Wunder ist, da es sich um ziemlich billige Technik für den Massenmarkt handelt (zumindest ist das so bei meinem iPhone 7, mit dem ich auch sämtliche Tests hier gemacht habe). Das Ergebnis mit dem VideoMic Me waren häufig Aufnahmen, die sich qualitativ kaum von denen der internen Smartphone-Mikros unterscheiden.

Beim VideoMic Me-L ist das anders. Statt analoger Miniklinke ist das Mikrofon mit einem digitalen Lightning-Anschluss ausgestattet und passt somit zu allen iPhones ab Version 5. Außerdem bringt es seine ganz eigenen Audiowandler mit, das heißt: Die gesamte Signalverarbeitung findet im Mikrofon statt, die billigen iPhone-eigenen A/D-Wandler werden komplett umgangen.

Rode VideoMic ME-L mit Lightning-Anschluss
Der Lightning-Anschluss ist praktisch, doch wie lange noch? Ob Apples künftige iPhones stattdessen mit einer USB-C-Schnittstelle ausgestattet werden, bleibt Spekulation.

Wie das Vorgänger-Modell weist das VideoMic Me-L dank der Nierencharakteristik eine leichte Richtwirkung auf, ideal also für Interviewpartner, die direkt vor der Kamera stehen. Und natürlich genauso gut geeignet für Reporter oder Blogger, die sich mit der rückwärtigen Kamera selbst filmen, denn das Mikrofon lässt sich natürlich auch in die andere Richtung aufstecken.

Die größten Vorteile gegenüber den internen Mikrofonen hat das VideoMic Me-L auf jeden Fall draußen, am ehesten noch bei leichtem bis mittlerem Wind – natürlich nur, wenn man gleichzeitig den Windschutz einsetzt. Dann sind auf kurze Distanz relativ klare und gerichtete Aufnahmen mit beeindruckender Stimmpräsenz möglich, bei denen die internen Mikrofone längst vor den starken Windgeräuschen kapituliert hätten.

Rode VideoMic ME-L ohne Windschutz am iPhone 7
Das nur 28 Gramm leichte VideoMic Me-L sitzt dank zusätzlich stabilisierender Klemme sicher am Lightning-Anschluss.

Ohne Windschutz ist das VideoMic Me-L in solchen Situationen allerdings überhaupt nicht zu gebrauchen, da es sich extrem anfällig bereits gegenüber leichtem Wind zeigt.

So hört sich das VideoMic Me-L an, wenn man es ohne Fellwindschutz bei leichtem Wind verwendet. (Vorsicht: laut!)

Mit meinem Arbeitspartner und gutem Freund Markus Böhnisch habe ich ein kurzes Test-Interview draußen bei leichtem Wind aufgezeichnet. Darin spricht er über seine Trainertätigkeit für die Deutsche Welle Akademie in Simbabwe.

Ziel bei einer Interview-Aufnahme ist für mich grundsätzlich, dass das Sprachsignal in den Spitzen möglichst im Zielkorridor zwischen -15 und -9 dBFS landet. Später in der Postproduktion hebe ich es in der Regel noch einmal an. Bei Webvideos strebe ich einen Spitzenpegel von -6 dBFS an, bei TV-Beiträgen richte ich mich nach den Vorgaben des Senders (z.B. -9 dBFS). Je rauschfreier die Aufnahme ist, desto mehr Spielraum besteht für die nachträgliche Verstärkung.

Das Interview haben wir in einer typischen, aber unter akustischen Gesichtspunkten sicher nicht idealen Umgebung am Altonaer Fischmarkt aufgezeichnet. Ewa 300 Meter im Hintergrund befand sich ein Container-Verladeterminal, dessen Lärm logischerweise konstant gut hörbar ist.

Ob der angestrebte Zielkorridor erreicht wird, lässt sich mit Hilfe des sehr präzisen Tonpegelmessers der empfehlenswerten App Mavis gut beurteilen. Um annähernd dahinzukommen, habe ich die manuelle Tonverstärkung in Mavis, die direkt auf die A/D-Wandler des VideoMic Me-L zugreift, maximal aussteuern müssen. Der Abstand zu meinem Interviewpartner betrug etwa 70 cm.

Zum Vergleich habe ich jeweils eine Aufnahme mit und ohne Windschutz gemacht sowie eine weitere mit dem internen Mikrofon des iPhone 7, das sich direkt neben dem Objektiv befindet. Da sich das interne Mikrofon in Mavis nicht manuell aussteuern lässt, habe ich für diese Aufnahme die Tonautomatik genutzt.

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Video-Link: https://vimeo.com/304369778

Deutlich wird, dass das Mikrofon nicht die richtige Wahl ist, wenn man die eigenen Fragen in gut hörbarer Qualität im späteren Videobeitrag verwenden will. Für solche Zwecke sind die internen Mikros des iPhone 7 wegen ihrer omnidirektionalen Wirkung einfach besser geeignet. Wer allerdings nur die Antworten des Interviewpartners verwendet, holt eine deutlich bessere Sprachqualität heraus, vor allem bei Wind oder – dank der Richtwirkung – in Umgebungen, wo ein gewisser Lärmpegel herrscht (z.B. Stimmenwirrwarr auf Messen, Demonstrationen, Sportveranstaltungen etc.).

Maximaler Gain in der iOS-App MAVIS mit dem Rode VideoMic Me-L
Den Gain in der App Mavis sollte man auf jeden Fall auf Maximum stellen.

Da jede Aufnahme – egal wie gut die Qualität ist – von einem Grundrauschen überlagert wird, steht natürlich die Frage im Raum, ob die eigenen A/D-Wandler des VideoMic Me-L besser (also rauschfreier) sind als die des iPhone 7. In einem absolut stillen Raum habe ich daher einige Vergleichsaufnahmen gemacht. Dabei kam heraus, dass der Rauschteppich des VideoMic Me-L bei maximaler Verstärkung in Mavis bei etwa -58 dBFS liegt. Das ist ein sehr guter Wert, aber Vorsicht: Meine Messmethode war alles andere als wissenschaftlich genau. Zum Vergleich: Das Grundrauschen des internen iPhone 7-Mikrofons neben dem vorderen Objektiv liegt bei automatischem Gain in Mavis unter identischen Testbedingungen bei -52 dBFS. Somit ergeben sich beim VideoMic Me-L 6 dB mehr Spielraum für die nachträgliche Verstärkung gegenüber dem internen Mikrofon.

Übrigens, eine interessante Beobachtung am Rande: Denselben Test habe ich auch mit der für iOS wohl populärsten Videokamera-App Filmic Pro gemacht. Warum auch immer, aber hier lag der Rauschteppich bei ebenfalls maximaler manueller Aussteuerung des VideoMic Me-L bei nicht ganz so guten -52 dBFS. Beim internen Mikro und automatischer Aussteuerung war das Grundrauschen hingegen nahezu identisch zur Mavis-Aufnahme.

VideoMic ME-L mit in Ear-Kopfhörer an einem iPhone7, im MAVIS-Menü ist der Kopfhörer ausgeschaltet
Kleiner Tipp am Rande: Wer den Ton während der Aufnahme mit einem Kopfhörer kontrollieren möchte, sollte in der App Mavis vorher das Audio-Monitoring ausschalten. Klingt unlogisch, ist aber so. Sonst hört man ein Echo. Kann sein, dass dieses Feature in künftigen Versionen deaktiviert wird, aber in Version 5.0.5 (816) war es noch an Bord.

An der Rückseite des Mikros befindet sich ein 3.5mm-Klinkenanschluss für einen Kopfhörer – eigentlich ideal, um das Interview abzuhören und ggfs. auf Störgeräusche reagieren zu können. Nur leider ist das Signal auf dem Kopfhörer so leise, dass es unter realistischen Arbeitsbedingungen fast schon wieder nutzlos ist.

Rode VideoMic ME-L mit Windschutz und Kopfhörern am iPhone 7
An der Rückseite kann ein Kopfhörer angeschlossen werden.

Getestet habe ich es mit verschiedenen Kopfhöreren, z.B. dem In-Ear-Kopfhörer Mee Audio M6 Pro 2 (16 Ohm), dem geschlossenen Sennheiser HD 280 pro (64 Ohm), dem geschlossenen Sennheiser HD 25-1 II (70 Ohm) sowie dem geschlossenen Beyerdynamic DT 770 Pro (80 Ohm). Ob sich der Kopfhörer-Ausgang des VideoMic Me-L in Kombination mit neueren iPhone-Modellen anders verhält, kann ich nicht beurteilen.

Wer das VideoMic Me-L allerdings für eigene Beitragsvertonungen nutzen möchte und sich in einen ruhigen Raum zurückzieht, um dann aus möglichst kurzer Distanz auf das Mikrofon zu sprechen, wird mit dem Kopfhörer-Ton durchaus arbeiten können.

Fazit: Das VideoMic Me-L ist eine gute und vor allem kompakte und unkomplizierte Lösung für alle, die mit dem iPhone Interview-Statements für ihre Beiträge aufzeichnen wollen und nah genug an ihre Gesprächspartner herankommen. Vorausgesetzt man nutzt den Windschutz, ist das Mikro vor allem draußen ein wirklicher Gewinn. Wer seine Interviews hauptsächlich drinnen unter guten akustischen Rahmenbedingungen führt, wird den kleinen Unterschied zu den internen iPhone-Mikros kaum vor dem Kaufpreis rechtfertigen können.

Wie präzise ist der MAVIS-Tonpegelmesser?

Die Videokamera-App MAVIS für iOS hat mich ziemlich überzeugt: Zurückhaltendes Interface und Messinstrumente für Bild und Ton, auf die man sich ganz offensichtlich verlassen kann. Einen ausführlichen Test der App habe ich auf onlinejournalismus.de veröffentlicht.

Das Interface der Videokamera-App MAVIS
Das Interface der Videokamera-App MAVIS bietet alles, was man von professionellen Videokameras kennt: Waveform-Monitor, Vectorscope, Zebra, False Color, Focus Peaking, Tonpegelmesser.

Für den Testbericht hat mich u.a. interessiert, wie verlässlich der Tonpegelmesser ist. Denn das Pendant in der Alternativ-App FiLMiC Pro ist wirklich enttäuschend, da nicht einmal eine Skala eingezeichnet ist und das Aussteuern bei mir irgendwie immer nach Gefühl erfolgte. Die Folge waren gelegentlich über- oder untersteuerte Tonaufnahmen.

Der Tonpegelmesser in MAVIS hingegen sieht so aus, wie man sich das wünscht: Eine dBFS-Skala von -∞ bis 0 mit wichtigen Markierungen bei -20, -12 und -6 dBFS.

Um zu überprüfen, wie genau die Anzeige tatsächlich ist, habe ich über einen Fieldrecorder einen 1 kHz-Sinuston ins iPhone eingespeist (und zwar über den Umweg einer Audio-Funkstrecke) und mit MAVIS verschiedene Clips aufgezeichnet. Dabei habe ich den Fieldrecorder unterschiedlich stark ausgesteuert und das Signal mit -3, -6, -9, -20, -40 und -50 dBFS ans iPhone bzw. MAVIS übergeben.

Einen Sinuston vom Fieldrecorder via Funkstrecke ins iPhone übertragen
Etwas ungewöhnliche Konstruktion, erfüllt aber ihren Zweck. Über den Fieldrecorder lässt sich die Lautheit des Signals steuern und in MAVIS wiederum ablesen, wie stark das Signal ankommt.

Anschließend habe ich die Clips in Final Cut Pro X importiert und überprüft, ob das, was MAVIS jeweils angezeigt hat, auch stimmt. Das Ergebnis: 100% Übereinstimmung zwischen den Tonpegelmessern in MAVIS und in Final Cut Pro X.

Will heißen: Wer beispielsweise Interviews mit dem iPhone und MAVIS aufzeichnet und dazu ein externes Mikrofon verwendet, kann den Ton absolut verlässlich auf die empfohlenen Pegel zwischen -12 und -6 dBFS in den Spitzen aussteuern. Das funktioniert deutlich besser als mit FiLMiC Pro.

Übrigens: Die anderen Tools in MAVIS zur Belichtungs- und Schärfemessung sind ähnlich verlässlich.

Fünf verschiedene Mikros fürs iPhone 7 und die besten Audio-Settings dazu in FiLMiC Pro

Fünf verschiedene Mikros, die ich mit dem iPhone7 einsetze

Wer als Video- oder Radiojournalist arbeitet, hat im Laufe der Jahre vermutlich eine kleine Sammlung an Mikrofonen für unterschiedliche Zwecke aufgebaut. So war es zumindest bei mir. Und da ich das iPhone nur gelegentlich fürs Aufzeichnen von Interviews oder spontanen O-Tönen verwende, habe ich mir auch keine speziellen Smartphone-Mikros gekauft, sondern greife lieber auf Bestehendes zurück.

Im Laufe der Zeit sind bei mir u.a. die oben abgebildeten Mikros zusammengekommen:

  1. Das Sennheiser ME64 mit K6-Speiseadapter,
  2. das Sony ECM-MS907,
  3. das RØDE Lavalier,
  4. das RØDE VideoMic Pro und
  5. das RØDELink Filmmaker Kit (das ich mit dem Lavalier-Mikro ME2 von Sennheiser einsetze).

Alle dargestellten Mikros lassen sich mit mehr oder weniger einfachen Adapterkabeln am iPhone nutzen (dazu später mehr). Da das iPhone 7 nicht mehr über eine 3.5mm-Miniklinkenbuchse verfügt, muss man das zum Standardzubehör gehörende Adapterkabel (Lightning auf 3.5mm-Klinke) einsetzen.

Für jedes Mikro habe ich in einem ruhigen Raum einmal sechs einfache und sehr vergleichbare Sprachaufnahmen gemacht und gestestet, mit welchen Einstellungen in FiLMiC Pro die besten Resultate herauskamen. Der ganze Test ist natürlich weit davon entfernt, wissenschaftlich genau zu sein, da ich die verschiedenen Aufnahmen nicht in einem Studio oder einer Sprecherkabine gemacht habe, sondern in einem recht stillen Raum mit geschlossenen Fenstern, durch die ganz leicht gedämpft kaum hörbarer Straßenlärm eindrang – eine Situation also, die recht typisch für eine Interview-Aufzeichnung sein kann. Insofern geben die Ergebnisse mit Sicherheit die richtige Richtung vor, die dem ein oder anderen vielleicht helfen können.

Wichtig war mir, eine gewisse Aussteuerungsreserve einzuhalten, so dass die Peaks bei normal lauter Sprache möglichst niemals an der 0 dBFS-Grenze kratzen (im Idealfall erreichen sie maximal möglichst häufig 6 bis 9 dB unter der Vollaussteuerung). Genauso wichtig ist natürlich eine möglichst rauscharme Aufnahme, wie man es von professionellen Camcordern oder Audiorekordern gewohnt ist. Bestenfalls wäre der Rauschteppich unterhalb von -50 dBFS angesiedelt, doch ohne einen zusätzlichen Mikrofonvorverstärker ist das mit drei der fünf Mikros schwierig. Das RØDE VideoMic Pro und das RØDE Filmmaker Kit verfügen über einen +20 dB-Schalter, mit dem der Ausgangspegel entsprechend erhöht werden kann, bevor das Signal an die schwachen A/D-Wandler des iPhones übergeben werden. Dasselbe Prinzip also wie bei der Arbeit mit DSLR/DSLM-Kameras, über das ich hier bzw. hier mal etwas aufgeschrieben hatte.

In FiLMiC Pro gibt es mehrere Möglichkeiten, das eingehende Tonsignal zu verstärken, was natürlich immer auch mit einer Verstärkung des Rauschens einhergeht. Mit der „Automatic Gain Correction“ (kurz AGC) im Audio-Menue lässt sich zunächst einmal festlegen, ob das Tonsignal vollautomatisch oder manuell ausgesteuert werden soll. AGC würde ich grundsätzlich aktivieren, solange ich ausschließlich mit den internen iPhone-Mikros drehe.

Automatic Gain Correction in FiLMiC Pro

Da im iPhone mehrere Mikrofone eingebaut sind, ist „iPhone Mikrofon, Hinten“ im FiLMiC Pro-Audiomenue immer dann die beste Wahl, wenn ein Interview aufgezeichnet werden soll. Denn so wird das Mikrofon verwendet, das sich direkt neben der Kamera befindet, die auf den Gesprächspartner gerichtet ist. Sobald ein externes Mikro angeschlossen wird, muss „Headset-Mikrofon“ als Quelle ausgewählt werden. Wird das Mikrofon nicht erkannt, könnte ein Neustart der App helfen.

Außerdem lässt sich über den den kleinen Pfeil links oben der Audio Gain-Slider aufrufen. Damit lässt sich das Signal manuell verstärken, unlogischerweise auch dann, wenn die „Automic Gain Correction“ aktiviert ist. Normalerweise verhalten sich Camcorder aber anders: Entweder wird der Ton vollautomatisch ausgesteuert. Dann wäre so ein Regler völlig funktionslos. Oder der Ton wird manuell über den Regler ausgesteuert. In FiLMiC Pro hingegen lässt sich ein vollautomatisch ausgesteuerter Ton zusätzlich noch über den Slider verstärken, warum auch immer. Folgende Grafik zeigt den Slider auf der Mittelstellung, auf 3/4 und auf maximal (wichtig, um meine folgenden Empfehlungen für die einzelnen Mikrofone besser abschätzen zu können).

Audio Slider in FiLMiC Pro

1. Sennheiser ME64 mit Speiseadapter K6

Dieses Mikrofon dürften viele Videojournalisten in ihrer Kameratasche haben. Es verfügt über eine Nierencharakteristik und ist recht kompakt. Daher bringe ich es in einer Spinne gern direkt an der VJ-Kamera an. Wenn ich es am iPhone verwende, ist ein spezielles Adapterkabel nötig. Wer ein Talent fürs Basteln hat, kann sich solch ein Kabel auch nach dieser Anleitung selbst zusammenlöten (ganz am Ende zeigt der Autor des Videos ein paar Sekunden lang einen Schaltplan, aus dem alles Notwendige hervorgeht).

Wenn ich das Mikrofon wie bei einem Interview üblich etwa auf 30 cm Abstand zum Mund halte und normal laut spreche, habe ich die besten Resultate mit folgenden Einstellungen erzielt: AGC an und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Peaks von Extremlauten landeten dann bei -8 dBFS und im Mittel etwa bei -14 dBFS. Das Grundrauschen lag bei -43 dBFS.

Ähnlich gut waren die Ergebnisse mit abgeschaltetem AGC und dem Audio Gain-Slider auf 3/4. In meinem Test erreichten die lautesten Stellen dann -8 dBFS, die durchschnittlich lauten Passagen etwa -13 dBFS. Das Rauschen lag bei für iPhone-Verhältnisse akzeptablen -40 dBFS.

2. Sony ECM-MS 907

Das kompakte Sony-Stereomikro besitze ich seit fast 15 Jahren und habe es damals sowohl an einem MD-Rekorder als auch an der (legendären) Canon XM1 verwendet. Auf dem Gebrauchtmarkt scheint es auch heute noch gut gehandelt zu werden. Es verfügt über eine Nierencharakteristik und man kann den Richtwinkel der Aufnahme auf 90 oder 120 Grad stellen (für meinen Test habe ich 120 Grad eingestellt). Das Mikrofonkabel endet auf eine übliche Stereo-Miniklinke, die ein Adapterkabel wie dieses oder dieses benötigt, um es ans iPhone anschließen zu können.

Leider ist das Mikrofon sehr unempfindlich und daher kann ich es auch nicht für das iPhone empfehlen. Um überhaupt etwas Brauchbares herauszuholen, muss man das Mikro auf mindestens 10 cm an den Mund heranführen, also fast schon in den Nahbesprechungsbereich gehen, der die Tiefen stark überbetont und die Gefahr von Plopp-/Zischlauten mit sich bringt.

Unter diesen Einschränkungen habe ich die besten Ergebnisse mit diesen Einstellungen erzielt: AGC aus und Audio Gain-Slider ganz oben. Heraus kam dabei eine Sprachaufnahme, deren Peaks bei Extremlauten etwa -12 dBFS erreichten, im Mittel aber eher -15 dBFS. Das Grundrauschen lag bei angenehmen -52 dBFS. Prinzipiell liest sich das alles sehr gut, aber die starken Bässe und die Plopplaute sind nicht gerade schmeichelhaft fürs Gehör. Und sobald man den Nahbesprechungsbereich verlässt, kommt nur noch ein sehr dünnes Signal an.

3. RØDE Lavalier

Dieses Ansteckmikrofon ist eigentlich Teil des RØDELink Filmmaker Kits (siehe 5), aber man kann es auch einzeln kaufen. Es verfügt über die für Lavalier-Mikrofone recht übliche Kugelcharakteristik und wird knapp oberhalb der Brust des Interviewpartners angebracht, also etwa 20 cm vom Mund entfernt. RØDE hat sich ein eigenes System ausgedacht, um Kabel und Mikrofonkapseln zu adaptieren. Um das Lavalier ans iPhone anzuschließen, benötigt man das MiCon-11-Kabel, das gleichzeitig als notwendige Verlängerung des recht kurzen Mikro-Kabels dient.

Gut brauchbare Ergebnisse habe ich mit folgenden Einstellungen in FiLMiC Pro erzielt: AGC an und Audio Gain-Slider auf 3/4. Extrem-Peaks landeten dann bei -9 dBFS, normale Peaks bei -12 dBFS, das Grundrauschen etwa bei -48 dBFS. Zum Vergleich: Zieht man den Audio Gain-Slider bei eingeschaltetem AGC ganz nach oben, landeten die lautesten Peaks bei gefährlichen -2 dBFS, die mittleren Peaks bei -6 dBFS und das Grundrauschen bei noch verträglichen -41 dBFS.

Das Mikro ist auf jeden Fall eine gute Wahl für alle, die ihre Gespräche gern in ruhigen Räumen aufzeichnen, sich dabei hinsetzen, das iPhone auf ein Stativ stellen, ein wenig Distanz schätzen und lieber das Mikrokabel zum Interviewpartner verlegen als einen langen Arm zu machen.

4. RØDE VideoMic Pro mit +20 dB-Verstärkung

Dieses Mikrofon mit Supernierencharakteristik ist wohl der Klassiker für DSLR-Filmer, die Synchronton aufnehmen und nicht mit separaten Audio-Rekordern arbeiten. Die +20 dB-Verstärkung hilft den schwachen A/D-Wandlern solcher Kameras (wie ich es beispielsweise hier im Interview-Tutorial mit der Blackmagic Pocket Cinema Camera beschrieben habe) und natürlich denen von Smartphones auf die Sprünge. Das Prinzip funktioniert so: Wenn ein starkes und möglichst rauscharmes Signal in die Kamera gespeist wird, kann man die mit Rauschen verbundene Verstärkung der Kamera relativ niedrig einstellen. Dadurch siedelt sich der Rauschteppich deutlich niedriger an. Um das VideoMic Pro ans iPhone anschließen zu können, wird ein Adapterkabel wie dieses oder dieses benötigt.

Da das Mikrofon für eine Blitzschuh-Halterung konzipiert ist, befestige ich es direkt am Handgriff, in den ich das iPhone eingespannt habe. Das hat den Vorteil, dass das Mikro beim Interview direkt in die richtige Richtung zielt. Allerdings muss es dann einen Abstand von etwa 60 cm zur Schallquelle überbrücken. Das ist in etwa die Distanz, die man beim Interview einhält, um mit dem recht weitwinklingen iPhone-Objektiv eine angemessene Naheinstellung aufzuzeichnen.

iPhone 7 mit VideoMic Pro und +20 dB-Einstellung (Foto: Frerk. Danke!)

Unter diesen Umständen scheinen die bestmöglichen Einstellungen in FiLMiC Pro folgende zu sein: AGC aus und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Peaks bei Extremlauten erreichten damit etwa -9 dBFS, die Peaks der normalen Sprache etwa -12 dBFS. Das Grundrauschen siedelte sich bei akzeptablen -46 dBFS an. Ich halte das VideoMic Pro für eine wirklich gute Wahl für iPhone-Videoreporter, die häufig spontane Interviews auch in lauteren Umgebungen aufzeichnen müssen und alles kompakt in einer Hand halten wollen, ohne sich in Kabelsalat zu verstricken.

5. RØDELink Filmmaker Kit mit +20 dB-Verstärkung

Eine Funkstrecke an ein Smartphone anzuschließen klingt für mich nicht gerade sehr naheliegend, aber wer weiß, vielleicht gerät man ja mal in eine Situation wie diese, und dann ist es gut zu wissen, wie man das Ganze konfigurieren sollte. Hinweis am Rande: Ich nutze das Filmmaker Kit nicht mit dem zum Lieferumfang gehörenden RØDE Lavalier, sondern mit dem ME2-Lavalier von Sennheiser (ein Überbleibsel aus einer ausrangierten Funkstrecke). Die Ergebnisse werden sich also möglicherweise ein wenig von der Standard-Ausstattung unterscheiden.

Der Sender des RØDELink Filmmaker Kits verfügt, ähnlich wie das VideoMic Pro, über einen +20 dB-Schalter, der das Ausgangssignal deutlich verstärkt. Um den Empfänger ans iPhone anschließen zu können, muss man das zum Lieferumfang gehörende 3.5mm-Stereo-Klinkenkabel adaptieren. Dazu eignet sich zum Beispiel dieses oder dieses Kabel.

Wenn ich das Mikrofon etwa knapp oberhalb der Brust anbringe (ca. 20 cm Abstand zum Mund), verzerrt das Signal bei eingeschaltetem AGC grundsätzlich, egal ob der Audio Gain-Slider mittig, auf 3/4 oder ganz oben steht. Die besten Resultate lieferten schließlich diese Einstellungen: AGC aus und Audio Gain-Slider in der Mitte. Die Extrem-Peaks erreichten damit etwa -4 dBFS, die durchschnittlichen Peaks landeten bei -9 dBFS, das Grundrauschen lag bei -41 dBFS. Wem das Signal bereits zu stark ist, sollte den Audio Gain-Slider noch ein wenig nach unten ziehen.

Übrigens: Sämtliche Messungen habe ich mit den recht genauen Tonpegelmessern in Final Cut Pro X gemacht. Und wer einen kompakten Überblick über Apps, Mikros, Kabel, Halterungen, Beispielfilme etc. fürs iPhone haben will, für den ist meine gelegentlich aktualisierte Linkliste vielleicht ein guter Start.

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